Tracktest: Lamborghini Gallardo Superleggera und Porsche 911 GT3 RS Kein leichtes Spiel

22.02.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Wenig Gewicht, Leistung satt: Porsche 911 GT3 RS trifft auf Lamborghini Gallardo Superleggera – extremer können Sportwagen kaum sein. Rennsportprofi Kurt Thiim testet beide auf dem Nürburgring » Die Rundenzeiten vom Nürburgring » Ausführliche Messwerte der Supersportwagen

Die Sprintstrecke des Nürburgrings hat viele Schlüsselstellen, eine davon ist natürlich die Querspange. Ich habe da schon alle möglichen Linien ausprobiert. Du musst diese nach außen abkippende Kurve möglichst mittig anfahren und dich früh nach innen orientieren. Das heißt aber auch: Beim Einlenken lässt du den Konkurrenten erst die ,Tür offen‘ und ziehst dann nach innen. Das sorgt immer wieder für Zündstoff im Rennen", erklärt Kurt Thiim noch in der Box. Diesmal muss er allerdings keine Konkurrenten ausbremsen, die Ideallinie gehört ihm allein. Beinharte Tür-an-Tür-Duelle mit intensivem Lackaustausch wären aber auch kaum die richtige Gangart für die beiden sündhaft teuren Supersportler, die in der Boxengasse gerade warmlaufen. Thiim zwängt sich in den engen Schalensitz des Porsche 911 GT3 RS. "Der passt wie eine zweite Haut. Die Sitzposition hinter dem einstellbaren Lenkrad ist optimal, der große Drehzahlmesser liegt direkt im Blickfeld – besser geht es nicht", urteilt der schnelle Däne. Schon einmal hat er die nachgeschärfte RS-Version ans Limit getrieben. Im späten Herbst 2006 trat der Porsche gegen die 512 PS starke Corvette Z06 auf dem Hockenheimring an. Der US-Sportler musste sich knapp geschlagen geben. Heute sind die Voraussetzungen anders: Der Gegner heißt Lamborghini Gallardo Superleggera, verfügt über Allradantrieb, einen 530 PS starken V10-Brüller im Heck, und die Asphalttemperaturen sind deutlich höher als im Herbst. Die laute, mechanische Geräuschkulisse im nur mager gedämmten Porsche-Innenraum lässt keine Zweifel am Zweck des GT3 RS aufkommen. Er dient als Homologationsmodell für den Motorsport-Überflieger 911 RSR. Entsprechend hoch sind alle Bedienkräfte, besonders die Kupplung verlangt auf Dauer Schwarzenegger-Waden. Das um acht Kilo leichtere Einmassen-Schwungrad des RS lässt den Motor noch spontaner auf jeden Gasbefehl reagieren, die Drehzahl sackt aber auch genauso schnell wieder in den Keller – da ist Konzentration beim Anfahren gefragt. »Im Porsche auf Anhieb schnell zu sein, fällt nicht leicht. Du musst dich erst an die sehr direkten und präzisen Reaktionen gewöhnen. Das ist wie im Rennwagen. Da will jede Lenkbewegung genau kalkuliert sein« Für Thiim kein Problem, er ist ganz andere Kaliber gewöhnt. Die Einrollrunde bringt er schnell hinter sich und lässt sich eingangs der Startgeraden weit auf die Curbs hinaustragen, dann rauscht er durch die Lichtschranke. Vierter Gang, fünfter Gang, erst weit nach der Fußgängerbrücke beginnt das Ausloten des Bremspunktes. Bei 223 km/h steigt Thiim brutal in die Bremse, die Keramikscheiben verzögern lässig bis auf 54 km/h, gleichzeitig schaltet Thiim mit kurzen Zwischengasstößen runter in den zweiten Gang. "Für viele Nürburgring-Debütanten kommt hier der erste Schreck. Denn die Start-/Zielgerade wird in der Anbremszone zur sanften Rechtskurve, die später in eine extreme Kehre mündet. Diese trickreiche Einfahrt in die Mercedes-Arena ist immer ein Garant für plötzliche Adrenalinschübe", schildert der Ex-DTM-Meister die Situation. Auf den nächsten 500 Metern ist Disziplin hinter dem Lenkrad des Porsche gefragt. Thiim: "Das ist wie der Tanz auf einem Drahtseil. Die Semislicks von Michelin bauen hohen Grip auf. Überfordert man sie aber durch zu viel Gaseinsatz, überschreiten sie die Haftungsgrenze fast in Lichtgeschwindigkeit. Besser, man lässt die gut abgestimmte Traktionskontrolle aktiviert."

   
 
Kurz vor der Querspange erreicht der Porsche 169 km/h, die Kurve selber verträgt jedoch nur 60 km/h. Der nahezu perfekt ausbalancierte 911 bleibt im Grenzbereich unter Last neutral bis übersteuernd. Nur plötzliche Lastwechsel beantwortet er mit spontaner Neigung zum Eindrehen – ähnlich wie die Rennversion. Für Thiim folgt jetzt der flüssige, schnelle Teil der Strecke. Eingang Hatzenbach liegen 129 km/h an, im schnellen Rechtsbogen schon 194 Sachen und am Bremspunkt vor der Motorrad-Schikane 223 km/h. Das im Sportmodus noch mal steifere Fahrwerk steckt kleine Unebenheiten gut weg. Runter in den dritten Gang und durch die schnelle Schikane: "Der Ausgang der Schikane muss passen, sonst kommst du schnell aufs Gras, und was dann passiert, möchte ich erst gar nicht erleben", warnt Thiim, bevor er die letzte Kurve anbremst. Die geht mit 78 km/h erstaunlich schnell. Am Ausgang rattert der Däne wieder über die Curbs und passiert nach 1.42,13 Minuten die Lichtschranke. "Das Gripniveau der Strecke ist heute nicht besonders hoch. Das macht gerade dem nur heckangetriebenen Porsche zu schaffen", resümiert er im Ziel. »Der brüllende Lamborghini reißt dich als Fahrer einfach mit und verzeiht sogar kleine Unaufmerksamkeiten. Das Paket aus optimiertem E-Gear-Getriebe, 100 Kilo weniger Gewicht und Semislicks stimmt« Wenige Minuten später sitzt er schon im Lamborghini: "Die breiteren Sitze bieten nicht so viel Seitenhalt. Die im Alltag umständlichen Vierpunktgurte machen hier auf der Rennstrecke aber durchaus Sinn. Für mich zählt jedoch: Das Starten eines Lambo-V10 ist jedes Mal ein Fest für die Sinne." Dazu gehört auch das Soundgewitter auf der Start-/Zielgeraden, das augenblicklich an einen Rennlauf zur FIA-GT-Meisterschaft erinnert. Der dank modifizierter Motorelektronik und einer Auspuffanlage mit geringerem Staudruck auf 530 PS erstarkte Motor dreht blitzschnell hoch, die E-Gear-Schaltung, über Wippen am Lenkrad bedient, schaltet rasend schnell. Thiim lässt den Motor vor dem Bremspunkt an der Mercedes-Arena nahezu ausdrehen. Dank des feinfühligen ABS-Systems und der Pirelli P Zero-Cosa-Semislicks beißt sich der Gallardo bei 224 km/h in den Asphalt. Mit 57 km/h liegt seine Kurvengeschwindigkeit nur geringfügig über der des Porsche. "Aber du kannst viel früher wieder Vollgas geben. Grundsätzlich schiebt der Lamborghini erst einmal lammfromm über die Vorderachse und lässt sich auch in der Sportstellung des Fahrwerks nicht von hohen Curbs aus der Ruhe bringen", lobt Thiim den Italiener.
   
 
Der Allradantrieb führt zu einer flüssigeren Fahrweise, aber nicht zwangsläufig zu höheren Endgeschwindigkeiten. Trotzdem liegt der Superleggera nach dem ersten Abschnitt bis zur Querspange um 0,49 Sekunden vorn. In dieser Kurve verkraftet er dann sogar acht km/h mehr als der Porsche. In dem folgenden Sektor bis zur Schikane am Ende der Gegengeraden erhöht sich der Vorsprung um weitere 1,28 Sekunden. Thiim: "Dabei sitzt du in dem Gallardo entspannter als im GT3 RS. Auch auf der Bremse bleibt der Lamborghini ruhiger mit dem Heck." Das geringe Mehrgewicht von 25 Kilo im Vergleich zum Porsche benachteiligt den Lambo nicht – tatsächlich liegt sein Leistungsgewicht mit 2,6 Kilo pro PS deutlich unter dem des 911 GT3 RS (3,2 kg/PS). Mit kräftigen Zwischengasstößen unterstützt die E-Gear-Elektronik das schnelle Runterschalten vor der Schikane. Im letzten Sektor bis zur Ziellinie kann Thiim im Gallardo den Vorsprung weiter ausbauen. "Die ausgeklügelte Aerodynamik des Porsche produziert enorm viel Abtrieb. Gegen die überlegene Traktion des Lambo ist jedoch kein Kraut gewachsen", erklärt Thiim. Im Ziel summiert sich der Vorsprung auf rund 1,9 Sekunden. Der gelbe Superleggera spuckt also nicht nur große Töne, sondern liefert auch eine beeindruckende Vorstellung. FAZIT (Kurt Thiim): Von der Papierform her ist der Ausgang dieses Duells eine klare Sache: Gegen den neuen Lamborghini Gallardo Superleggera hat der Porsche 911 GT3 RS keine Chance. Der Porsche verliert auf den Lamborghini 1,9 Sekunden pro Runde. Während der kompromisslose Porsche ein Rennwagen mit Straßenzulassung ist, verursacht beim Lamborghini vor allem die exzessive Verwendung von Kohlefaser 100 Kilo Gewichtseinsparung. Der "superleichte" Gallardo fordert seinen Piloten nicht so wie der Porsche, der Restkomfort ist dank der optimierten E-Gear-Schaltung im Italiener höher. Letztendlich machen aber sein Allradantrieb und speziell auf den Superleggera abgestimmte Reifen den Unterschied aus. Späte Bremspunkte und wahnwitzige Kurvengeschwindigkeiten sind im Gallardo nahezu stressfrei realisierbar. Wer den ebenfalls mit Semislicks bereiften 911 GT3 RS am Limit bewegen will, muss hellwach sein und das Popometer auf höchste Empfindlichkeit einstellen. Ein ESP als Rettungsanker gibt es hier nicht. Allerdings spricht ein Preisvorteil von 58000 Euro für den GT3 RS.

 

Karosserie

null

KarosserieMax. PunkteLamborghini Gallardo SuperleggeraPorsche 911 GT3 RS
Raumangebot vorn1005457
Raumangebot hinten100
Übersichtlichkeit702232
Bedienung/ Funktion1007480
Kofferraumvolumen100
Variabilität100
Zuladung/ Anhängelast802014
Sicherheit1503314
Qualität/ Verarbeitung200182182
Kapitelbewertung1000385379

 

Fahrkomfort

null

FahrkomfortMax. PunkteLamborghini Gallardo SuperleggeraPorsche 911 GT3 RS
Sitzkomfort vorn1507880
Sitzkomfort hinten100
Ergonomie1508886
Innengeräusche502
Geräuscheindruck1007674
Klimatisierung503739
Federung leer2008581
Federung beladen2008581
Kapitelbewertung1000451441

 

Motor und Getriebe

null

Motor und GetriebeMax. PunkteLamborghini Gallardo SuperleggeraPorsche 911 GT3 RS
Beschleunigung150196193
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150185180
Getriebeabstufung1009595
Kraftentfaltung505050
Laufkultur1008678
Verbrauch3255699
Reichweite25712
Kapitelbewertung1000675707

 

Fahrdynamik

null

FahrdynamikMax. PunkteLamborghini Gallardo SuperleggeraPorsche 911 GT3 RS
Handling150137131
Slalom100100100
Lenkung1009498
Geradeauslauf503632
Bremsdosierung302325
Bremsweg kalt15098103
Bremsweg warm150128101
Traktion1009040
Fahrsicherheit15013595
Wendekreis206
Kapitelbewertung1000841731

 

Umwelt und Kosten

null

Kosten/UmweltMax. PunkteLamborghini Gallardo SuperleggeraPorsche 911 GT3 RS
Bewerteter Preis67521
Wertverlust503
Ausstattung2552
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50187
Werkstattkosten205
Steuer1078
Versicherung40
Kraftstoff55818
Emissionswerte257177
Kapitelbewertung1000109141

 

Fazit

Gesamtbewertung

Max. PunkteLamborghini Gallardo SuperleggeraPorsche 911 GT3 RS
Summe500024612399
Platzierung12

Tags:
Severin Elektrische Kühlbox
UVP: EUR 123,99
Preis: EUR 77,19
Sie sparen: 46,80 EUR (38%)
Nulaxy FM Transmitter
 
Preis: EUR 23,89 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.