Kleinwagen: Fiat Panda und Kia Picanto im Vergleichstest Stadt-Piraten

17.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Für die Parkplatzräuberei im Straßenmeer der Großstadt sind sie wie geschaffen: der gut 3,50 Meter kurze Fiat Panda und sein neuer Herausforderer, der noch kürzere Kia Picanto. Die einstiegspreise unter 10000 Euro klingen verlockend. Aber liegt in der Kürze wirklich die Würze? Dieser Testvergleich liefert die Anwort

Weil der Trend auf dem Automarkt zu immer größeren, schnelleren und teureren Modellen geht, geraten Kleinwagen leicht aus dem Blickfeld: Sie bieten kaum Superlative, aber dafür eine hohe Alltagstauglichkeit und günstige Kosten. Doch in jüngster Zeit tut sich im Markt der Minis einiges, vor allem bei koreanischen Herstellern wie Kia: In Asien, wo die Mobilitätsbedürfnisse groß, die Verkehrsflächen aber klein sind, zählen Kleinwagen zu den bevorzugten Transportmitteln. Mit dem neuen Picanto schicken sich die Koreaner an, in diesem Segment verstärkt zu räubern und dürften damit auch bei uns gute Chancen haben. Fiats Panda avancierte in Europa schon in den 80ern zur "tollen Kiste". Nun ist das einstige Minimal-Mobil wieder da - als Vollwert-Auto. Grund genug also, zu prüfen, wer im Duell der Stadtpiraten den Sieg davonträgt.

 

Karosserie

In beiden Karosserien fühlen sich vier Erwachsene passabel untergebracht, wenngleich die Ellbogenfreiheit vorne wie hinten nicht allzu üppig ausfällt. In Sachen Variabilität wartet der Fiat mit verschiebbarer Rückbank auf, die mit umgeklappter Lehne zwischen 206 und 860 Liter Ladevolumen freigibt (Kia: 127 bis 868 Liter). Jedoch bleibt die Nutzbarkeit des Panda-Kofferabteils eingeschränkt, da die Zuladung mit 305 Kilogramm recht spartanisch ausfällt. Der Koreaner bietet 105 Kilo mehr. Zudem lässt sich beim Kia nicht nur die Lehne, sondern auch die Sitzbank umklappen. Bei der Bedienung findet man sich in beiden Autos auf Anhieb zurecht. Eine Rüge verdient jedoch, dass sie nicht über einen Einklemmschutz an den Fensterhebern verfügen. Hier riskieren nicht nur Kinderfinger schwere Quetschungen. Positiv wirkt die Materialauswahl und Verarbeitung der beiden Kontrahenten, der gemessen an der Anmutung früherer Billigmobile nichts Ärmliches mehr anhaftet. Das Kia-Armaturenbrett könnte freilich etwas mehr gestalterischen Pfiff vertragen. Federn lässt der Asiate auch bei der Sicherheitsausstattung, die nur ABS, Front- und Seitenairbags sowie Kindersitzhalterungen (Isofix) beinhaltet. ESP oder Kopfairbags stehen nicht mal in der Aufpreisliste. Diese Extras bietet der Panda wenigstens optional (ESP: 500 Euro, Kopfairbags: 200 Euro).

KarosserieMax. PunkteKia Picanto 1.1Fiat Panda 1.2 8V
Raumangebot vorn1003740
Raumangebot hinten1003028
Übersichtlichkeit706871
Bedienung/ Funktion1007473
Kofferraumvolumen1001827
Variabilität1003020
Zuladung/ Anhängelast802115
Sicherheit1503358
Qualität/ Verarbeitung200115115
Kapitelbewertung1000426447

 

Fahrkomfort

Beide Kleinwagen bieten Sitzgelegenheiten mit angenehm straffen Polstern. Der Panda kann allerdings auf den Vordersitzen mit deutlich besserem Seitenhalt punkten als der Picanto. In Sachen Ergonomie sind Hebel und Schalter meist dort, wo sie hingehören. Allerdings gibt es für die Verstellung der Außenspiegel bessere Plätze als auf der Mittelkonsole (Fiat), und auch die Tasten für die Sitzheizung hätte man griffgünstiger platzieren können als vorne auf dem Mitteltunnel (Kia). Beiden fehlt indes eine längsseitige Lenkradverstellung, beim Kia darüber hinaus auch noch eine Sitzhöhenverstellung für den Fahrer. Was den Komfort angeht, vermag der Italiener den Koreaner deutlich zu deklassieren. Mit einer überaus schluckfreudigen Federung bügelt er auch die übelsten Asphaltpisten immerhin so glatt, dass die Insassen von größeren Belästigungen verschont bleiben. Der spürbar straffer abgestimmte Kia hoppelt dagegen wenig souverän über Bodenwellen, Fahrbahnabsätze oder Schlaglöcher, begleitet von Poltergeräuschen aus dem Fahrwerk. Auch beladen reicht er nicht an den Fiat heran.

FahrkomfortMax. PunkteKia Picanto 1.1Fiat Panda 1.2 8V
Sitzkomfort vorn1506872
Sitzkomfort hinten1003532
Ergonomie1508484
Innengeräusche502030
Geräuscheindruck1004045
Klimatisierung501822
Federung leer2007086
Federung beladen2005358
Kapitelbewertung1000388429

 

Motor und Getriebe

Während im Italo-Mini ein 60 PS starkes 1,2-Liter-Aggregat aus der Fire-Familie arbeitet, muss sich der Kia mit 100 Kubikzentimetern weniger begnügen, leistet dafür aber fünf PS mehr. In der Praxis fährt er dem Fiat regelrecht davon: Den Sprint von Null auf 100 km/h schafft er in 13,9 Sekunden, während sich der Panda für diese Übung 1,4 Sekunden mehr Zeit lässt - nicht zuletzt wegen des um 60 Kilogramm höheren Gewichts. In der Höchstgeschwindigkeit liegt das Duo fast gleichauf (Fiat 155 km/h, Kia 154 km/h). In punkto Leistungsentfaltung wirkt der Italiener allerdings bei niedrigen Drehzahlen relativ schlapp. Der Kia setzt sich spritziger in Szene. Auch dank des gut abgestuften Getriebes, das sich präziser schalten lässt als jenes des Italieners, wirkt er antriebsseitig ein gutes Stück munterer als sein Konkurrent. Erfreulich, dass dieses Plus nicht durch höheren Verbrauch erkauft werden muss. Im Gegenteil: 6,3 Liter Normalbenzin sind ein knapper Dreiviertelliter weniger als beim Fiat, der zudem das teurere Super verlangt. Ungeachtet dessen können beide Aggregate nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr bevorzugtes Revier Kurz- und Mittelstrecken sind. Auf der Autobahn stoßen sie dagegen schnell an ihre Grenzen. So zwingen Autobahnsteigungen regelmäßig zum Zurückschalten. Und Versuche, Kleintransporter zu überholen, die von kräftigen Turbodieseln befeuert werden, verlaufen nicht immer erfolgreich.

Motor und GetriebeMax. PunkteKia Picanto 1.1Fiat Panda 1.2 8V
Beschleunigung1509682
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1502425
Getriebeabstufung1007571
Kraftentfaltung501515
Laufkultur1005754
Verbrauch325177170
Reichweite251815
Kapitelbewertung1000462432

 

Fahrdynamik

Dass Kleinwagen durchaus gute Bremsen haben können, beweist einmal mehr der Kia. Vorn und hinten mit Scheibenbremsen sowie Reifen im Format 175/50 R 15 H bestückt (Bestandteil der Ausstattunglinie EX, Serienformat: 165/60 R 14 H), steht er mit kalter wie mit warmer Bremse nach nur 39,6 Metern. Der Fiat Panda besitzt dagegen Trommelbremsen an der Hinterachse und benötigt rund vier Meter mehr, um aus 100 km/h zum Stillstand zu kommen (Kaltbremswert: 43,4 Meter, Warmbremswert: 43,9 Meter). Da helfen weder Bremsassistent noch die Reifen im Format 165/65 R 14 T, die zur Emotion-Ausstattung des Testwagens gehören (Serie: 155/80 R 13 T). Fahrwerksseitig vertrauen die beiden Fronttriebler auf die klassenübliche Kombination aus McPherson-Federbeinen vorn und Verbundlenkerachse hinten. Beide kennzeichnet ein neutrales bis untersteuerndes Eigenlenkverhalten, wobei der Panda in Kurven früher und kräftiger als der Picanto über die Vorderräder schiebt, bevor er vom ESP abgefangen wird. Aufgrund seiner weichen Feder-/Dämpfer-Abstimmung agiert der Italiener dabei mit kräftiger Seitenneigung und hebt schon mal das kurveninnere Hinterrad. Zusammen mit der unpräzisen Servolenkung sorgt er auf diese Weise für ein schwammiges Fahrgefühl. Der Kia dagegen besitzt die deutlich präzisere Lenkung. Infolge der strafferen Fahrwerksabstimmung kurvt der Koreaner mit fühlbar geringerer Seitenneigung über den Asphalt. Sein sauber abgestimmtes Fahrwerk lässt das Heck beim Gaslupfen in Kurven spürbar weniger eindrehen, als dies beim Panda der Fall ist.

FahrdynamikMax. PunkteKia Picanto 1.1Fiat Panda 1.2 8V
Handling1504938
Slalom1004033
Lenkung1004838
Geradeauslauf504039
Bremsdosierung301716
Bremsweg kalt1507941
Bremsweg warm1507936
Traktion1003532
Fahrsicherheit1509088
Wendekreis202123
Kapitelbewertung1000498384

 

Umwelt und Kosten

Mit einem Grundpreis von 8700 Euro ist der Kia Picanto noch einmal 750 Euro günstiger als der Fiat Panda. Daür kassiert er bei der Normausstattung wegen des nicht erhältlichen ESP einen kräftigen Punktabzug. Das kostet den Koreaner zwar den Kapitelsieg, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er gegenüber dem Italiener weitere Preis- und damit Punktvorteile durch niedrigere Versicherungsprämien und geringere Kraftstoffkosten einfährt. Auch bei der Garantieleistung stellt er seinen Konkurrenten in den Schatten. Ungewohnt für diese Fahrzeugklasse erscheinen die hohen jährlichen Wartungskosten, die ihre Ursache allerdings auch in den vergleichsweise kurzen Wartungsintervallen haben. Da tröstet allenfalls der Steuerbonus infolge der Schadstoffnorm EU 4, die beide Minis erfüllen.

Kosten/UmweltMax. PunkteKia Picanto 1.1Fiat Panda 1.2 8V
Bewerteter Preis675400400
Wertverlust509089
Ausstattung252644
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502214
Werkstattkosten204242
Steuer104646
Versicherung404241
Kraftstoff554240
Emissionswerte258580
Kapitelbewertung1000795796

 

Fazit

Der Picanto feiert einen gelungenen Einstand und fährt spritzig und sparsam zum Sieg. Auch wenn er mit hoher Fahrsicherheit auftrumpft - die Sicherheitsausstattung des Picanto sollte Kia unbedingt erweitern. Der Panda rollt als nunmehr erwachsener Kleinwagen in die Spurrillen seines Vorgängers. Seine Trumpfkarten sind die Variabilität und der für Kleinwagenverhältnisse hohe Fahrkomfort. Jedoch sind die schlechten Bremsen verbesserungsbedürftig. Zumindest auf Kurz- und Mittelstrecken gilt für beide: In der Kürze liegt die Würze.

Gesamtbewertung

Max. PunkteKia Picanto 1.1Fiat Panda 1.2 8V
Summe500025692488
Platzierung12

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