Neuer VW Scirocco R gegen Porsche Cayman VW Scirocco R gegen Porsche Cayman

02.02.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem 265 PS starken Scirocco R jagt VW im konzerninternen Duell den gleich starken Porsche Cayman – wie viel Sportwagen steckt im heißen Wolfsburger?

Auf dieses Duell haben wir lange gewartet. Gut 30 Jahre ist es her, da standen sich VW Scirocco und der damalige Einstiegs-Porsche 924 gegenüber. Danach wurde die Kluft zwischen den beiden Marken wieder größer. Volkswagen widmete sich der Vernunft, Porsche der Leidenschaft.

Jetzt wachsen die Unternehmen wieder zusammen, und ihre Produkte treffen sich nach 30 Jahren erneut auf der Piste. Der gemeinsame Nenner: 265 PS – viel mehr haben der frontgetriebene VW Scirocco R und der heckgetriebene Mittelmotor-Cayman offenbar nicht gemeinsam. Unser Vergleichstest soll zeigen, wie viel Sportwagen jetzt im Scirocco und wie viel Vernunft im Cayman steckt.

 

Karosserie

Auch der Porsche hat durchaus seine praktischen Seiten. Zwar bietet der Cayman nur Platz für zwei, die können jedoch über 400 Liter Gepäck in den beiden Fächern vorn und hinten verstauen – selbst für längere Reisen ist das mehr als ausreichend. Das verschafft dem Porsche gegenüber dem VW (312 Liter) zwar einen rechnerischen Vorteil, wenn dieser seine vier Sitzplätze ausnutzt, aber durch die geteilt umlegbare hintere Sitzbank im Scirocco und den dadurch auf bis zu 1006 Liter anwachsenden Laderaum holt sich der Wolfsburger die Punkte bei der Variabilität wieder zurück.

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Der Scirocco lässt dem flachen Cayman im Karosseriekapitel ohnehin kaum eine Chance. Schon das Raumangebot für Fahrer und Beifahrer fällt deutlich großzügiger aus als im eng geschnittenen Zuffenhausener, von den beiden zusätzlichen Sitzen des VW im Fond ganz zu schweigen. Auch die simple Bedienung sämtlicher Tasten und Schalter sowie das hervorragende Navigationssystem „RNS 510“ (1985 Euro) verlangen weniger Eingewöhnungszeit als die Systeme im Porsche.

Zudem zählen Bi-Xenonscheinwerfer mit statischem Kurvenlicht, aktive Kopfstützen, ein automatisch abblendender Innenspiegel und eine Reifenpannenanzeige beim heißen Scirocco zur serienmäßigen Sicherheitsausstattung.

Nur die gute Übersichtlichkeit, vor allem über die beiden klar sichtbaren Kotflügel des Porsche Cayman nach vorn, und die extrem steife Karosserie des Schwaben verhindern einen noch deutlicheren Kapitelsieg des Niedersachsen.

KarosserieMax. PunkteVW Scirocco RPorsche Cayman
Raumangebot vorn1006863
Raumangebot hinten100450
Übersichtlichkeit703041
Bedienung/ Funktion1008978
Kofferraumvolumen1002230
Variabilität100152
Zuladung/ Anhängelast802411
Sicherheit1509480
Qualität/ Verarbeitung200181184
Kapitelbewertung1000568489

 

Fahrkomfort

Auf langen Strecken fällt schnell auf, dass die adaptiven Sportsitze (3963 Euro) des Cayman zwar dank der anpassbaren Seitenwagen guten Seitenhalt bieten, aber auch recht schmal und hart ausfallen. Die wesentlich größeren serienmäßigen Sportsitze des Scirocco sind dagegen echte Komfortsessel, die zudem einen hervorragenden Seitenhalt bieten. Auch die Federelemente mit den aufpreispflichtigen adaptiven Dämpfern (945 Euro) des VW zeigen sich auf langen Strecken ausgesprochen gut abgestimmt.

Gleiches gilt für die ebenfalls adaptiven Dämpfer (1547 Euro) des Cayman. Sein geringeres Gewicht auf der Vorderachse lässt das Fahrwerk sogar eine Spur feinfühliger auf Unebenheiten ansprechen. Dennoch bleibt der Scirocco auf schlechten Strecken gelassener als der Cayman. Erfreulich ist der niedrige Geräuschpegel im Porsche. Vor allem der mitunter recht laut tösende Motor des VW strapaziert die Gehörgänge stärker als der seidenweich laufende Sechszylinder-Boxer im Cayman.

FahrkomfortMax. PunkteVW Scirocco RPorsche Cayman
Sitzkomfort vorn150125105
Sitzkomfort hinten100320
Ergonomie150124118
Innengeräusche502325
Geräuscheindruck1008083
Klimatisierung504139
Federung leer200122115
Federung beladen200124115
Kapitelbewertung1000671600

 

Motor und Getriebe

Auch wenn beide Motoren 265 PS leisten, könnten ihre Antriebskonzepte unterschiedlicher kaum sein. Der Zweiliter-Turbo-Vierzylinder mit Benzin-Direkteinspritzung katapultiert den Scirocco schon ab knapp über 2000 Touren brachial vorwärts. Die Klangkulisse aus heiserem Ansaugen, grollendem Auspuff- und fauchendem Turbosound ist spektakulär.

Hohe Drehzahlen nimmt der Zweiliter-Motor zwar gelassen hin, notwendig sind sie aber nicht. Ganz anders der Sechszylinder-Boxer des Cayman. Etwas müde im unteren Drehzahlbereich, spielt er erst bei höheren Drehzahlen mit unverwechselbarem Klang sein Temperament aus. In beiden Fällen passen die Doppelkupplungsgetriebe perfekt zur Leistungsentfaltung.

Wirkliche Vorteile bei den Fahrleistungen kann aber keiner der beiden für sich verbuchen. Beim Verbrauch nutzt der Cayman den drehzahlschonenden siebten Gang. Damit benötigt er einen Liter weniger Kraftstoff auf 100 Kilometern als der Scirocco, dem nur sechs Gänge zur Verfügung stehen.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Scirocco RPorsche Cayman
Beschleunigung150134134
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15090100
Getriebeabstufung1008590
Kraftentfaltung504338
Laufkultur1007179
Verbrauch325171192
Reichweite25711
Kapitelbewertung1000601644

 

Fahrdynamik

Nicht nur der gute Antritt des Scirocco beim Sprint verwundert, auch die gute Traktion aus engen Kehren auf der Rennstrecke sorgt für Erstaunen. XDS heißt das VW-Rezept. Statt einer mechanischen Differenzialsperre, wie sie Porsche für den Cayman anbietet, nutzt das XDS die Regellogik von ABS und ESP. Per Bremseingriff werden die Vorderräder daran gehindert durchzudrehen. Und das gelingt extrem souverän. Schon sehr frühzeitig lässt sich der R wieder aus Kurven herausbeschleunigen. Dabei vermitteln sowohl der sehr direkt am Gas hängende Motor als auch die ausgezeichnete Lenkung viel Gefühl für den VW. Denn obwohl die Vorderachse Leistung und Lenkbefehle übertragen muss, fallen die Antriebseinflüsse sehr niedrig aus.

Fahrer und Scirocco finden schnell zusammen. Die knackige Sportabstimmung der Dämpfung und das sehr zurückhaltende ESP erlauben extrem hohe Kurventempi. Zudem zeigt der heiße VW nur eine geringe Tendenz zum Untersteueren. Hartes Anbremsen und Einlenken quittiert er vielmehr mit einem leicht nach außen drängenden Heck, das sich auf dem Handlingparcours eher hilfreich als störend auswirkt.

Dennoch: Die Fahrdynamik ist Porsche-Hoheitsgebiet. Auch wenn der Scirocco R extrem agil und leichtfüßig um den Kurs wetzt, der Cayman kann es besser. Gegenüber den 66,4 Prozent des Scirocco lasten beim Porsche lediglich 44,5 Prozent des Gewichts auf der Vorderachse. Resultat: extrem williges Einlenken. Gepaart mit der traumhaft direkten und mitteilsamen Lenkung sowie dem spontanen Ansprechverhalten des Antriebs bei hohen Drehzahlen wird der Cayman zum Sportwagen par excellence. Sein Mittelmotorkonzept ist dabei auch im Grenzbereich absolut stabil. Untersteuern? Fehlanzeige. Übersteuern? Auf Wunsch jederzeit. Die Ausfallschritte des Hecks kommen allerdings niemals überraschend, sondern kündigen sich gut erkennbar an.

Auch beim Porsche Cayman hält sich das PSM (ESP) zurück. Selbst kleine Drifteinlagen sind erlaubt. Erst übertriebenen Eifer, der weder Kurventempi noch Fahrstil positiv beeinflusst, zügelt das System. Top sind die Bremsen beider Konkurrenten. Lediglich die Dosierbarkeit fällt beim Porsche besonders bei hoher Belastung exakter aus.

FahrdynamikMax. PunkteVW Scirocco RPorsche Cayman
Handling150103108
Slalom1008898
Lenkung1008595
Geradeauslauf504040
Bremsdosierung302023
Bremsweg kalt150104102
Bremsweg warm150111116
Traktion1004250
Fahrsicherheit150125123
Wendekreis201414
Kapitelbewertung1000732769

 

Umwelt und Kosten

Bei den Kosten hat der Cayman keine Chance: Beim ihm fallen neben dem sehr hohen Grundpreis sämtliche Unterhaltsaufwendungen bis auf die Kraftstoffkosten erheblich höher aus. Auch bei den Garantiebedingungen zeigen die Wolfsburger deutlich mehr Entgegenkommen als die Stuttgarter.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Scirocco RPorsche Cayman
Bewerteter Preis675162107
Wertverlust501713
Ausstattung252016
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502817
Werkstattkosten201712
Steuer1088
Versicherung402928
Kraftstoff552730
Emissionswerte258784
Kapitelbewertung1000395315

 

Fazit

Volkswagen schlägt Porsche: Das dürfte für reichlich Gesprächstoff sorgen. Dass der Scirocco R den Test gewinnt, liegt an seiner großzügiger geschnittenen Karosserie, dem besseren Komfort und den klar niedrigeren Kosten. Zudem überzeugt auch sein bärenstarker Antrieb und seine gute Vorstellung auf dem Handlingparcours.

Dennoch ist in diesen Disziplinen der Porsche Cayman nicht zu schlagen. Antrieb und Fahrwerk harmonieren perfekt zusammen und machen den flachen Mittelmotor-Sportler zur absoluten Fahrmaschine. Und genau das verlangen die Kunden von einem Porsche.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Scirocco RPorsche Cayman
Summe500029672817
Platzierung12

Tags:

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