Sportwagen-Vergleich: Audi, Corvette, Porsche Hoch hinaus

27.05.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Ein neuer 911 muss sich immer an den besten Sportwagen seiner Zeit messen lassen. Diesmal im Vergleich: der Carrera S mit 385 PS gegen den 420 PS starken Audi R8 und die Corvette Z06 mit brachialen 512 PS

Der Bundeskanzler ist eine Frau, ein Liter Sprit kostet über drei Mark, Spanien hat endlich mal wieder einen Fußball-Titel geholt, und Raider heißt schon lange Twix. Alles ändert sich. Alles? Zum Glück nicht ganz. Seit seinem Erscheinen auf der IAA 1963 ist der Porsche 911 bis heute das Urmeter sportlichen Fahrvergnügens. Mit einer einzigartigen Synthese aus Fahrdynamik, Speed und Alltagstauglichkeit überlebte das 911-Konzept die Jahrzehnte. Und jeder neue Elfer war immer ein wenig besser als der Vorgänger. Ob das auch für den kürzlich präsentierten Facelift-997 gilt, muss er im AUTO-ZEITUNG-Vergeichstest mit dem etwas teureren und etwas stärkeren Audi R8 und der etwas billigeren, aber wesentlich kräftigeren Corvette Z06 beweisen.

Wobei die Bezeichnung Facelift für die neue 997-Modellreihe eine sehr untertriebene Beschreibung ist. Mit neuem Motor samt neu konstruiertem Kurbelgehäuse und Benzin-Direkteinspritzung ist der Facelift-997 eigentlich ein völlig neues Modell. Auch wenn man ihm das auf Anhieb nicht ansieht.

 

Karosserie

Ein Erfolgsgeheimnis des 911 ist die fast unveränderte Grundform. Auch wenn ein 997 von heute und ein 901 von 1963 nur entfernte Ähnlichkeit vorweisen können, werden beide selbst von autobegeisterten Dreijährigen mühelos als Porsche identifiziert. Das funktioniert bei der ähnlich erfolgreichen und noch langlebigeren Corvette – die erste Corvette erschien 1953 – ganz genau so. Spätestens seit der Sting-Ray-Baureihe von 1963 sind die Corvette-Gene in der Linienführung unverkennbar. Dabei hat der formale Traditionalismus von Porsche und Corvette durchaus auch handfeste Vorzüge: Die Karosserien sind deutlich übersichtlicher, und der Platz hinterm Lenkrad ist wesentlich leichter zu entern als beim flachen, mittelmotorigen Audi. Der kann in punkto Tradition wiederum anführen, dass er als erstes Straßen-Mittelmotorauto der Marke mit den vier Ringen der legitime Erbe der Auto-Union-Silberpfeile der 30er Jahre ist.

Zudem bietet der R8 für die beiden Insassen das üppigste Raumangebot. Außer zwei Personen kann man im Audi allerdings wenig transportieren. Der Kofferraum reicht gerade mal für eine Reisetasche, die Ablage hinter den Sitzen genügt vielleicht für zwei Jacken. Einen wesentlich größeren Gepäckraum hat der Porsche ebenfalls nicht, dafür lassen sich die beiden hinteren Notsitze zur Gepäckablage umfunktionieren. Das Ladeabteil der Corvette hat maximal 634 Liter Gepäckvolumen, allerdings fehlt hier eine vernünftige Trennwand hinter den Sitzen.

Punktabzüge kassiert die Corvette bei der Material- und Verarbeitungsqualität. Auch wenn die aktuelle Z06 deutliche Verbesserungen zeigt, ist der amerikanische Sportwagen immer noch nicht auf dem Niveau der deutschen Premiumhersteller angekommen.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 Carrera SAudi R8Corvette Z06
Raumangebot vorn100606561
Raumangebot hinten10015
Übersichtlichkeit70402532
Bedienung/ Funktion100858870
Kofferraumvolumen100029
Variabilität1005
Zuladung/ Anhängelast801874
Sicherheit150837663
Qualität/ Verarbeitung200194192170
Kapitelbewertung1000500453429

 

Fahrkomfort

Überlegener Federungskomfort zählt bei diesen Sportwagen ganz sicher nicht zu den allerhöchsten Prioritäten. Bei langsamer Fahrt zeigen die drei, dass ihre Fahrwerke eher für vergnügliche Fahrdynamik ausgelegt sind. Zumal dann, wenn wie im Fall der Testwagen im R8 auf die optionalen adaptiven Dämpfer (magnetic ride, 1740 Euro) verzichtet und beim 911 das PASM-Sportfahrwerk (1130 Euro) eingebaut wurde. Bei langsamer Fahrt hoppeln R8 und 911 etwas unbeholfen über grobe Unebenheiten hinweg, wobei der Porsche etwas sensibler anspricht, der Audi dafür die höheren Federwegsreserven hat. Die Corvette gibt sich ähnlich unwillig und fühlt sich dabei viel unkomfortabler an, auch weil sie die wesentlich schlechteren Sitze hat.

Die teuren Schalensitze sind sowohl im Ingolstädter als auch im Zuffenhausener Sportler ein Gedicht. Sie umfassen Fahrer und Passagier mit fast zärtlicher Umklammerung, geben bei schneller Kurvenfahrt die nötige Abstützung und werden trotz straffer Polsterung selbst nach stundenlanger Autobahnfahrt nicht zur Qual. Die 4240 Euro (Audi) und 3272 Euro (Porsche) zählen zu den sinnvollsten Investitionen der Aufpreislisten. Wobei man im Fall der Porsche-Sitze noch hinzufügen muss: Sie sehen so unverschämt gut aus, dass man sie sich am liebsten ins Wohnzimmer stellt.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 Carrera SAudi R8Corvette Z06
Sitzkomfort vorn15013214088
Sitzkomfort hinten10010
Ergonomie150128130115
Innengeräusche50222111
Geräuscheindruck100828975
Klimatisierung50323229
Federung leer200949288
Federung beladen200949288
Kapitelbewertung1000594596494

 

Motor und Getriebe

Dass der Sechszylinder-Boxer im Heck des 911 seit über zehn Jahren wassergekühlt ist, haben die gusseisernen Fans des Elfer längst akzeptiert. Die Umstellung auf Benzin-Direkteinspritzung ist der nächste logische Schritt, um den aufwendigen Boxer noch besser und zukunftssicherer zu machen. Mehr Leistung, mehr Punch, weniger Verbrauch verspricht Porsche, und die Messwerte geben den Zuffenhausenern Recht: null auf 100 km/h in 4,4 Sekunden mit Sechsgang-Schaltgetriebe, Topspeed 302 km/h und ein Testverbrauch von 12,6 Liter Super Plus je 100 Kilometer.

Da kann auch so hochkarätige Konkurrenz wie Audi R8 und Corvette Z06 nur neidvoll zuschauen. Trotz teils deutlichen Leistungsvorteils können beide dem Porsche in fast keiner Lebenslage davonfahren. Jedenfalls wenn man von der klar höheren Höchstgeschwindigkeit der Z06 absieht. Im Treibstoffkonsum sind die beiden Achtzylinder ohnehin unterlegen, wobei das Audi-Triebwerk den Allrad-antrieb und das höchste Leergewicht mitschleppen muss. Lediglich bei der Soundwertung kann der Boxer – große Überraschung – nicht ganz mithalten. Im Leerlauf dominiert das harte Verbrennungsgeräusch des Direkteinspritzers, nur bei höheren Drehzahlen und Volllast erlauschen aufmerksame Zuhörer eine Ahnung des alten Boxergeheuls.

Und für alle Freunde des konventionellen Schaltens: Der Umgang mit den ganz und gar manuellen Sechsgangboxen in den drei Supersportlern ist ein steter Quell technisch-sinnlichen Fahrvergnügens. PDK oder R tronic? Muss man nicht haben, auch wenn es auf der Rennstrecke oder im Spurt das ein oder andere Zehntel bringen mag. Aber wie so vieles bei derart emotionalen Autos ist auch das letztlich Geschmackssache.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 Carrera SAudi R8Corvette Z06
Beschleunigung150191191191
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150172171190
Getriebeabstufung100968878
Kraftentfaltung50484350
Laufkultur100949696
Verbrauch3251309098
Reichweite25876
Kapitelbewertung1000739686709

 

Fahrdynamik

Dynamiktests auf der Handlingstrecke und im Slalom ist: Audi, Corvette und Porsche liegen so nah beisammen, dass sich daraus kein entscheidender Punktevorteil für einen der drei Kontrahenten errechnen lässt. Umso unterschiedlicher fühlen sie sich aus der Cockpitperspektive an. Der 911 ist ein 911 geblieben. Auch das mag alte Elfer-Fans beruhigen. Messerscharfes Handling, ultrasensible Lenkung und perfekte Funktionalität beim Schnellfahren. Diesem Sportwagen-Ideal kommt der Audi ebenfalls sehr nahe. Er lenkt einen Hauch träger ein und vermittelt wegen seines Allradantriebs ein sicheres Gefühl im Grenzbereich. Was ihn aber nicht daran hindert, im Extremfall ansatzlos und blitzschnell um die eigene Hochachse zu rotieren.

Die Corvette schließlich ist, wenn man so will, der NASCAR-Renner dieses Trios: gewaltige Kraft an den Hinterrädern, mäßige Traktion und eine Lenkung, die etwas zu wenig Rücksprache mit dem Piloten hält. Atemberaubende Querbeschleunigungen erreicht sie dennoch. Spaßiges Detail: Man kann die G-Kräfte im Head-up-Display ablesen. Den entscheidenden Punktevorsprung holt der 911 mit den ebenso teuren wie exorbitant guten Keramikbremsen (8032 Euro). Die Bremswerte sind schlicht aus einer anderen Welt.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 Carrera SAudi R8Corvette Z06
Handling150116112115
Slalom100828581
Lenkung100959075
Geradeauslauf50404136
Bremsdosierung30252321
Bremsweg kalt15012510595
Bremsweg warm150122114111
Traktion100657852
Fahrsicherheit150130125110
Wendekreis20873
Kapitelbewertung1000808780699

 

Umwelt und Kosten

Sportwagen der 100000-Euro-Klasse sind kein billiges Vergnügen. Vom Wertverlust der ersten vier Jahre könnte man ordentliche Oberklasse-Autos kaufen. Der Porsche gewinnt dieses Kapitel mit seinen sauberen Abgasen und dem niedrigsten Verbrauch, der Audi leidet unter dem höchsten prognostizierten Wertverlust.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 Carrera SAudi R8Corvette Z06
Bewerteter Preis675483754
Wertverlust50635
Ausstattung25161517
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50192820
Werkstattkosten201092
Steuer10775
Versicherung40202019
Kraftstoff55251617
Emissionswerte25837670
Kapitelbewertung1000234211209

 

Fazit

Alles richtig gemacht, Porsche. Der Facelift-997 ist noch besser, dynamischer und begehrenswerter als sein Vorgänger. Zudem ist er mustergültig sparsam. Nur ein kleiner Schuss Emotion scheint auf der Strecke geblieben zu sein. Der Audi R8 hat mit seinem höheren Gewicht und dem nicht immer alltagsgerechten Mittelmotor-Konzept das Nachsehen. Motor, Fahrwerk und Sound sind dennoch erste Sahne. Und die Corvette? Mit der Z06 rücken die Amerikaner den europäischen Premium-Sportlern ganz dicht auf die Pelle. Dass ihr der letzte Feinschliff im Detail fehlt, stört die Vette-Fans nicht, im Gegenteil.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 Carrera SAudi R8Corvette Z06
Summe5000287527262540
Platzierung123

Tags:
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