Sportlimousinen - BMW M3 vs. Lexus IS F und Mercedes C 63 AMG Willkommen im Club

23.11.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der 423 PS starke Newcomer Lexus IS F misst sich im ersten Vergleich mit den Platzhirschen BMW M3 und Mercedes C 63 AMG

Hierzulande genießt Toyotas Nobelmarke Lexus einen Hauch von Gutmenschen-Image, obwohl nur die wenigsten verkauften Exemplare hybridgetrieben sind und damit als besonders klimaschonend gelten.

Auf die Verkaufszahlen scheint der gute Ruf der Marke jedenfalls nicht abzufärben. In Deutschland entschieden sich im vergangenen Jahr weniger als 5000 Käufer für einen Lexus. Vielleicht war es da wirklich Zeit für einen bösen Lexus. Einen, der die Zähne bleckt, mit dem Auspuff röhrt und den deutschen Dynamikern mal so richtig zeigt, dass man auch am Fujiyama ordentlich Gas geben kann.

Auftritt Lexus IS-F. Unter der Haube: ein Fünfliter-Achtzylinder. 423 PS, Achtstufenautomatik mit sequenziellem Schaltmodus und einem Design, das nur noch vage an die braven IS-Versionen erinnert. Zudem selbstbewusst eingepreist: 69.600 Euro inklusive Komplettausstattung. Noch Fragen?

Aber ja. Die wichtigste zuerst: Wie hält sich der IS-F im Vergleich zur ebenfalls frischen deutschen Konkurrenz, dem BMW M3 mit 420 PS für 64.750 Euro und dem Mercedes C 63 AMG für 67.830 Euro? Die zweite ist schnell zu beantworten: Das F in der Modellbezeichnung steht für Fuji, den heiligen Berg, an dessen Fuß sich der Toyota-eigene Fuji Speedway und das Higashi Fuji Technical Centre befinden.

 

Karosserie

Zwar hat der ISF nicht mehr sehr viel mit den zivilen IS-Ausführungen gemein, er hat jedoch deren knappe Innenraummaße geerbt. Sowohl vorn als auch im Fond sind die Insassen deutlich beengter untergebracht als in der geräumigen C-Klasse oder im M3. Zudem ist der ISF ein reiner Viersitzer. Eine Ablage aus Hartplastik trennt die beiden Fondpassagiere. BMW und Mercedes bieten zumindest die Option, einen fünften Mitfahrer einzuladen.

Auch in anderen praktischen Kriterien bleibt der Lexus hinter den beiden deutschen Konkurrenten zurück. So ist er sehr unübersichtlich. Die flache Motorhaube und das lange, coupéartige Heck erschweren lässiges Einparken. Allerdings hat der ISF serienmäßig einen Parkassistenten und eine Rückfahrkamera. Die Bedienung des Japaners lässt ebenfalls in einigen Details zu wünschen übrig. Einige wichtige Knöpfe erscheinen wahllos verteilt. So ist der Schalter für den Sportmodus hinter dem Lenkrad versteckt. Er ist während der Fahrt nicht zu sehen und kann zudem mit dem daneben platzierten ESP-Schalter verwechselt werden. Und da wir schon dabei sind: Das an sich gute und dank Touchscreen bedienfreundliche Navi ist ein ewiges Ärgernis. Das Eingeben neuer Ziele oder gar das Abrufen von Stau-Infos (TMC) während der Fahrt ist nicht möglich – selbst für den Beifahrer nicht.

In BMW und Mercedes dagegen kommen, hat man sich erstmal an die markentypischen Eigenheiten des iDrive- oder des Comand-Systems gewöhnt, kaum Klagen auf. So sind etwa im M3 die Schalter für Dämpferkontrolle, Fahrdynamikregelung und Motorkennlinie links neben dem Schalthebel angeordnet. Und im C 63 lassen sich alle wichtigen Einstellungen über die Lenkradtasten oder den Comand-Drehregler vornehmen.

Auf dem Niveau der Konkurrenz ist dagegen die Sicherheitsausstattung des ISF. Sie lässt kaum Wünsche offen, alles ist im Grundpreis enthalten. Nur die adaptive Geschwindigkeitsregelung ist im Paket mit dem Pre Crash Safety-System für 3500 Euro extra zu haben. Bei Mercedes kostet das ähnliche Presafe 393 Euro, eine adaptive Geschwindigkeitsregelung gibt es bei M3 und C 63 auch gegen Aufpreis nicht. Was aber nichts daran ändert, dass der Lexus wegen seines mäßigen Raumangebots in der Karosseriewertung deutlich hinter BMW und Mercedes zurückliegt.

KarosserieMax. PunkteBMW M3Mercedes C 63 AMGLexus IS F
Raumangebot vorn100727465
Raumangebot hinten100596557
Übersichtlichkeit70424238
Bedienung/ Funktion100838379
Kofferraumvolumen100353827
Variabilität1008105
Zuladung/ Anhängelast80251416
Sicherheit150969896
Qualität/ Verarbeitung200186178171
Kapitelbewertung1000606602554

 

Fahrkomfort

Ebenso wenig wie überdurchschnittliches Raumangebot scheint der Fahrkomfort im Fokus der ISF-Entwickler gestanden zu haben. Schon auf den ersten Metern Fahrt zeigt der sportliche Lexus mit rustikalem Abrollen und deftigen Stößen der Hinterachse, dass seine Fahrwerkseinstellung eher für glatte, kurvige Asphaltbänder erdacht wurde. Zwar sind die beiden Konkurrenten aus Bayern und Schwaben ebenfalls keine Sänften, aber vor allem der BMW zeigt mit feinfühligem Anfedern und vergleichsweise sanftem Abrollen, dass ein schnelles Auto nicht unbedingt ruppig sein muss.

Bei langsamer Fahrt wirkt der Mercedes – der diesmal ohne Performance-Paket antritt – ebenfalls etwas holprig, seine Manieren bessern sich jedoch mit wachsendem Tempo. Bei schneller Autobahnfahrt bügelt er Wellen und Fugen fast so gut aus wie der in dieser Disziplin überlegene BMW. Da kann der Lexus nicht mithalten. Die stößige Federung, vor allem an der Hinterachse, sorgt für ständige Unruhe im Fahrzeug und auch für einen etwas indifferenten Geradeauslauf. Bei voller Beladung wird der Japaner verbindlicher, bleibt aber dennoch ungemütlicher als die beiden Deutschen.

Der M3 hat nicht nur den feinsten Federungskomfort, sondern auch die bequemsten Sitze zu bieten. So entspannt und sicher sitzt man in den beiden anderen nicht. Im Mercedes stören die harten Sitzwangen etwas, die dafür jedoch den besten Seitenhalt bieten, und im Lexus fehlt es ein wenig an Schulterunterstützung. Zudem sind die Sitzflächen recht kurz geraten. Ein Glanzpunkt des Japaners sind die leisen Innengeräusche. Allerdings sorgen bei höheren Geschwindigkeiten deutliche Windgeräusche an den Türrahmen für Punktabzüge, ebenso der bei Volllast sehr laute Klappenauspuff.

FahrkomfortMax. PunkteBMW M3Mercedes C 63 AMGLexus IS F
Sitzkomfort vorn150143141136
Sitzkomfort hinten100626258
Ergonomie150134125121
Innengeräusche50232836
Geräuscheindruck100908975
Klimatisierung50353835
Federung leer200139130121
Federung beladen200138136125
Kapitelbewertung1000764749707

 

Motor und Getriebe

Fast scheint es so, als würde der Lexus von seinen Konkurrenten deutlich abgehängt werden. Doch seine Stärken liegen nun mal nicht im Raumangebot und im Fahrkomfort. Da hat der sportliche Japaner motorisch weit mehr zu bieten. Der Fünfliter-V8 kämpft in allen Disziplinen auf Augenhöhe mit der deutschen Premiumkonkurrenz. Bei Beschleunigung und Durchzug liegt er genau zwischen dem hochdrehenden M3-V8 und dem bärigen AMG-Achtzylinder. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h läuft der Lexus zudem bei hartnäckigem Gasfuß dem deutschen Aufgebot davon. BMW und Mercedes lassen sich allerdings gegen Aufpreis inklusive Fahrerlehrgang auf 280 km/h Spitzentempo aufrüsten.

Ein Quell der Freude ist die Achtstufenautomatik des ISF. Sie schaltet schneller als die Automatikbox des C 63 und verhält sich im manuellen Modus dank Wandlerüberbrückung wie ein reinrassiges sequenzielles Renngetriebe. Mehr Punkte sammelt hier der BMW, weil seine Sechsgangschaltung in Bediensicherheit, Abstufung und Exaktheit nur schwer zu übertreffen ist.

Ein paar Worte zum Konsumverhalten der drei Achtzylinder: Auf der AUTO ZEITUNG-Verbrauchsrunde liegen die drei Limousinen mit Verbräuchen zwischen 13,7 und 14 Litern pro 100 Kilometer praktisch gleichauf, wobei sich der Lexus mit preiswerterem 95-Oktan-Super begnügt. Was dazu beiträgt, dass der Lexus die Antriebswertung knapp vor BMW und Mercedes gewinnt.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW M3Mercedes C 63 AMGLexus IS F
Beschleunigung150187189188
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150135135140
Getriebeabstufung100989295
Kraftentfaltung50474848
Laufkultur100949696
Verbrauch325116113115
Reichweite25777
Kapitelbewertung1000684680689

 

Fahrdynamik

Die Stoppuhr – oder in diesem Fall die Lichtschrankenmessung – bringt es an den Tag: Auch in den fahrdynamischen Übungen braucht sich der Sportler vom Fuji nicht hinter dem Münchener und dem Stuttgarter zu verstecken. Auf dem Handlingparcours liegt er nur sehr knapp hinter M3 und C 63, im Slalom platziert er sich zwischen BMW und Mercedes.

Dabei fehlt es ihm, mangels einer gefühlvolleren Lenkung, an der traumhaften Präzision des M3, doch die Art und Weise, wie er neutral und sicher um schnelle Kurven pfeilt, ist schon sehr beachtlich. Nur im Extremfall beginnt er sanft über alle vier Räder nach außen zu rutschen. Tückische Reaktionen sind ihm selbst bei ausgeschalteten Regelsystemen ebenso fremd wie dem M3 und dem C 63. Mit einer etwas besseren Traktion, noch kräftiger zubeißenden Bremsen und mehr Rückmeldung in der Lenkung könnte er die etablierten Deutschen richtig das Fürchten lehren.

FahrdynamikMax. PunkteBMW M3Mercedes C 63 AMGLexus IS F
Handling150117114113
Slalom100786065
Lenkung100959082
Geradeauslauf50393935
Bremsdosierung30242123
Bremsweg kalt150989682
Bremsweg warm15011410698
Traktion100565046
Fahrsicherheit150120118120
Wendekreis2071313
Kapitelbewertung1000748707677

 

Umwelt und Kosten

Zugegeben, wer rund 70.000 Euro für ein Spaßautomobil ausgibt, für den dürften die Kosten nicht die entscheidende Rolle spielen. Immerhin müssen die Käufer von BMW M3, Lexus ISF und Mercedes C 63 nach vier Jahren rund 40.000 Euro als Wertverlust abschreiben, wobei der M3 wegen seines niedrigeren Grundpreises und des minimal geringeren Verlusts noch die beste Figur abgibt. Zudem sind die laufenden Kosten für Versicherung und Steuern am niedrigsten, weswegen M3 und ISF am Ende des Kostenkapitels genau gleichauf liegen. Der Lexus glänzt mit den saubersten Abgasen und den günstigsten Treibstoffkosten, doch der hohe Preis kostet ihn Punkte. Würden M3 und C 63 jedoch mit vergleichbarer Ausstattung aufgerüstet, etwa mit Navigationssystem, Leder und 19-Zöllern, wäre ihr Preisvorteil sehr schnell dahin.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW M3Mercedes C 63 AMGLexus IS F
Bewerteter Preis675858077
Wertverlust50877
Ausstattung25171618
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50232725
Werkstattkosten2011813
Steuer10767
Versicherung40201616
Kraftstoff55222123
Emissionswerte25788385
Kapitelbewertung1000271264271

 

Fazit

Gegen BMW M3 und Mercedes C 63 AMG hat der Lexus IS-F keine Chancen, so scheint es auf den ersten Blick. Doch der sportliche Japaner hat seine Vorzüge. Den kräftigen Motor etwa oder das schnell schaltende Achtstufengetriebe.

Mit etwas mehr Feinschliff bei Fahrwerksabstimmung und Lenkung könnte er deutlich mehr Punkte sammeln. Was gefällt, ist sein unverhohlen maskuliner Charme mit den dicken Endrohren und den dunklen 18-Zoll-Rädern. Am BMW M3 begeistert nach wie vor das exakte Fahrwerk, der Mercedes C 63 AMG überzeugt mit seinem drehmomentstarken Achtzylinder.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW M3Mercedes C 63 AMGLexus IS F
Summe5000307330022898
Platzierung123

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