Sportliche Kleinwagen Vegleichstest: Sportliche Kleinwagen

28.01.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Kleinwagen - da gähnen viele oft nur müde. Doch mit genügend Schmalz unter der Haube machen sie viel Spass – siehe Polo GTI, Corsa GSi und Fiesta ST

Wir waren jung und hatten das Geld, irgendwie. Damals, Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre leisteten wir uns die Top-Polo, -Corsa oder -Fiesta und ärgerten mit zweistelligen PS-Zahlen das Establishment. Wer später noch irgendwo ein paar Scheine auftreiben konnte, trug die zum Tuner und war der König der Tankstelle. Mit dem Polo G40 erreichte die Leistungssuche dann 1986 eine neue Ebene. 115 PS und viel Kompressor-Drehmoment gab es serienmäßig, und die Tuner fanden schnell noch viel mehr.

Heute besorgen die Werke das Tunen noch überzeugender selbst. Der Polo GTI ist ebenso wenig Top-Sportler der Baureihe wie der ebenfalls 150 PS starke, neue Opel Corsa GSi. Darüber rangieren schließlich die Power-Athleten mit 180 (Polo) und 192 PS (Corsa).

Diese Höhenflüge in Richtung 200 macht Ford nicht mit. Die Kölner lassen es bei 150 PS gut sein und zeigen sich überhaupt als Gralswächter des klassischen Sportautos. Turbo-Doping, wie es VW und Opel betreiben, ist nicht ihr Ding. Sie setzen auf zwei Liter Hubraum und das Wissen, dass ein gut gemachter Saugmotor oft besser fahrbar ist als ein Turbo. Irgendwie passt diese Einstellung gut zum kantig-schmalen Fiesta, der besonders mit dem aufpreispflichtigen Streifen-Dekor aussieht, als komme er justament vom 24-Stunden-Rennen. Wie der unschuldig-weiße Polo wirkt er zudem neben dem breithüftig-hohen Corsa sehr zierlich und konsequent.

Wie die drei ihre Leistung präsentieren, hat so gar nichts mit der Rumpeligkeit früherer Tuningtage zu tun. Sei es der Zweiliter des Ford, der 1,6-Liter des Opel oder der 1,8-Liter des VW: Nach dem Kaltstart fallen sie augenblicklich in einen stabilen Leerlauf, den nur der Polo mit herzhaftem Brummen aus den zwei Endrohren garniert.

Im Bereich um 2000 Touren bauen der VW und der Opel gewaltigen Turbodruck auf. Die Kraft des Polo lässt sich ebenso leicht dosieren wie die des Ford, der in den unteren Gängen auch ohne Zwangsbeatmung entschlossen zubeißt. Beim Corsa kommt die Leistung hingegen so gewaltig, dass die eingelenkten Vorderräder um Traktion ringen und es mächtig am Lenkrad zerrt.

Wer von diesem ungestümen Wesen auf die besten Fahrleistungen schließt, sieht sich nach den Messfahrten etwas getäuscht: Bis Tempo 100 liegen Corsa und Polo mit 7,6 zu 7,7 Sekunden Kopf an Kopf, bis 160 km/h hat der VW mit 19,9 Sekunden sogar knapp die rotgerahmte Nase vorn. Der Ford (8,6 s auf 100 km/h, 21,9 s auf 160 km/h) hinkt wie erwartet hinterher, entschädigt dafür aber nicht nur mit der angenehmsten Schaltung, sondern auch mit bestens dosierbarer Kraft.

Ganz gleichförmig, dabei nicht ohne Biss, legt er nach den knackigen Gangwechseln bienenfleißig weiter zu und unterlegt diese Kraftakte mit rauem Ansaugsound. Der wird im Corsa und im Polo durch die Turbolader effizient gedämpft, sodass man in ihnen bei hohen Drehzahlen leiser unterwegs ist. Vor allem der im Karosseriebereich grundsolide wirkende Polo bietet ordentlichen Akustikkomfort auch bei schneller Fahrt, während der Corsa jenseits der 4000 Umdrehungen ins Dröhnen kommt.

In Kurven entpuppen sich der Corsa und noch mehr der Polo als sicherheitsbewusste Untersteuerer. Das bremsende Schieben lässt sich zwar mit dem Gaspedal mildern, doch dann sind die zwei erst da angekommen, wo der mit 200 Euro teuren 17-Zöllern (Serie: 16-Zöller) besohlte Fiesta von Anfang an ist: bei einer herrlich neutralen Kurvenlage, die keine Hinterlist kennt, sondern allenfalls einen weichen Übergang zu gleichmäßigem Driften über alle vier Räder.

Ebenfalls große Klasse: die Fiesta-Lenkung. Sie ist mit knapp zweieinhalb Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag ebenso direkt übersetzt wie die des Corsa, während der Polo mit fast drei Umdrehungen schon deutlich mehr Einsatz verlangt. Als einzige hydraulisch-mechanische Lenkung dieser Runde vereint die Ford-Lenkung zudem mustergültig blitzschnelle Reaktionen mit gutem Feedback und hoher Zielgenauigkeit.

Der Polo erreicht dieses Niveau nicht ganz, da ihm die Spontaneität des Fiesta fehlt; der Corsa fällt noch weiter ab. Extrem bissiges Ansprechen auf kleinste Lenkwinkel, das bei hohem Tempo sogar den Geradeauslauf stört, ist hier mit synthetisch wirkender Rückmeldung kombiniert. Man kann sich darauf einschießen – das zeigen die beachtlichen Zeiten auf dem Handlingkurs, wo der Corsa einsam die Pace macht und sogar den brutal gut bremsenden Polo abhängt. Doch beim Slalom, wo berechenbare Reaktionen gefragt sind, setzen sich der gutmütigere Polo und vor allem der sehr zielgenaue Fiesta ab.

Dass dessen frappierende Präzision eine butterweiche Federung verbietet, ist jedem klar. So darf man sich auch nicht über das straffe Wesen des Fiesta beschweren. Denn unfair werden die Attacken des Fahrwerks nie, zumal die großen, hoch montierten Sitze vieles abmildern.

Opel ist die GSi-Federung etwas besser geglückt, doch auch der Corsa reagiert unverbindlicher auf Querfugen und absorbiert Bodenwellen weniger geschliffen als der Polo. Der bietet trotz durchaus knackiger Grundnote einen Federungskomfort, mit dem man auch im Alltag ohne Einschränkungen leben kann. Komfortbildend wirken hier zudem die großen Sitze, die großgewachsenen Fahrern mehr Beinauflage bieten als die auffallend harten Corsa-Polster.

Mit ihren zweifarbigen Bezügen gehören sie ebenso zum GSi-Outfit wie rote Sicherheitsgurte, Front-, Heck- und Dachspoiler sowie in Wagenfarbe lackierte Seitenschweller und das verchromte Auspuffendrohr. Auch VW (Doppelendrohr, rote Kühlergrillumrandung, rote Ziernähte im Innenraum, Pedale in Alu-Optik) und Ford (Sportsitze mit ST-Schriftzug, Pedalerie mit Edelstahlauflage, Seitenschweller, Zierleisten und Türgriffe in Wagenfarbe) kleiden ihre Westentaschen-Sportler auffällig ein.

An der Cockpit-Architektur lässt sich ablesen, dass der Polo und der Fiesta doch erheblich älter sind als der Corsa. Trotz der serienmäßigen Lederlenkräder wirken beide reichlich angestaubt. Im Falle des Fiesta liegt das nicht nur an der altbackenen Gestaltung, sondern auch an manchen schlicht harten Kunststoffteilen. Der Polo vermittelt zwar qualitativ und funktional den besten Eindruck, doch macht sein Armaturenbrett so wenig an wie der stets aufgeräumte Schreibtisch eines Verwaltungsangestellten.

Was fürs Ambiente gilt, gilt auch fürs Platzangebot: Vorn ist der Corsa spürbar großzügiger geschnitten, was allerdings mit miserabler Übersichtlichkeit bezahlt werden muss. Hinten finden zwei Erwachsene hier wie da gut Platz; bei Opel und VW kommen sie dank Easy Entry-Vordersitzen (Serie beim GSi, 93 Euro Aufpreis beim GTI) auch halbwegs rein und raus. Die Kofferräume, durch geteilt klappbare Lehnen durchweg variabel, reichen bei nicht zu unbescheidenen Ansprüchen gut aus. Der Polo darf ein paar Kilogramm mehr zuladen als die Konkurrenz aus Köln und Rüsselsheim, der Corsa hingegen erfreut mit dem größten Kofferraum, der zudem durch einen Einlegeboden auch bestens nutzbar ist.

Solche cleveren Details, aber auch Airbags und das bei allen dreien serienmäßige ESP gab es natürlich nicht vor rund 25 Jahren. Dafür waren die Preise aber auch noch von anderem Kaliber. Knapp 20000 Euro kostet das Vergnügen an den drei Kraftzwergen, wobei sich VW sogar Nettigkeiten wie das CD-Radio extra bezahlen lässt. Trotzdem – und auch trotz der hohen Unterhaltskosten – gewinnt der GTI diesen Vergleich. Denn er ist der ausgewogenste Alleskönner der drei Westentaschensportler. So wie früher eben.

 

Karosserie

null

KarosserieMax. PunkteVW Polo GTIOpel Corsa GSiFord Fiesta ST
Raumangebot vorn100606258
Raumangebot hinten100444
Übersichtlichkeit70161517
Bedienung/ Funktion100696668
Kofferraumvolumen100141413
Variabilität100
Zuladung/ Anhängelast80
Sicherheit150475339
Qualität/ Verarbeitung200118109107
Kapitelbewertung1000328323306

 

Fahrkomfort

null

FahrkomfortMax. PunkteVW Polo GTIOpel Corsa GSiFord Fiesta ST
Sitzkomfort vorn150666365
Sitzkomfort hinten100655
Ergonomie150828173
Innengeräusche50131211
Geräuscheindruck100525152
Klimatisierung50888
Federung leer200908683
Federung beladen200
Kapitelbewertung1000317306297

 

Motor und Getriebe

null

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Polo GTIOpel Corsa GSiFord Fiesta ST
Beschleunigung150152154133
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150666058
Getriebeabstufung100858787
Kraftentfaltung50787776
Laufkultur100313027
Verbrauch325929291
Reichweite25373736
Kapitelbewertung1000541537508

 

Fahrdynamik

null

FahrdynamikMax. PunkteVW Polo GTIOpel Corsa GSiFord Fiesta ST
Handling150424539
Slalom100242025
Lenkung100706680
Geradeauslauf50292326
Bremsdosierung30353638
Bremsweg kalt150493725
Bremsweg warm150988846
Traktion100423440
Fahrsicherheit150120110125
Wendekreis20754
Kapitelbewertung1000516464448

 

Umwelt und Kosten

null

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Polo GTIOpel Corsa GSiFord Fiesta ST
Bewerteter Preis675425425425
Wertverlust50
Ausstattung25
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50
Werkstattkosten20
Steuer10242524
Versicherung40151817
Kraftstoff55
Emissionswerte25
Kapitelbewertung1000464468466

 

Fazit

Mit dem Polo GTI gewinnt nicht das sportlichste Auto. Denn das kommt aus Köln und heißt Fiesta ST. Fahrwerk und Lenkung des angejahrten Ford sind einfach klasse. Der im Vergleich mit den Turbos etwas schwache Motor und vor allem die mäßige Vorstellung beim Bremsen verhindern allerdings ein besseres Abschneiden des ST, der direkt aus dem Markenpokal auf die Straße zu kommen scheint.

Der Corsa GSi zeigt hier und da fehlenden Feinschliff. Die übernervöse, gefühllose Lenkung macht es schwer, sein ganzes Potenzial zu nutzen, wenngleich er dank viel Power und Sechsgang-Getriebe die besten Rundenzeiten realisiert. Und der Polo? Ihm wünscht man nur eine direkter übersetzte Lenkung. Alles andere kann genau so bleiben.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Polo GTIOpel Corsa GSiFord Fiesta ST
Summe5000216620982025
Platzierung123

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