Sportler aus Gaydon und Zuffenhausen Kampf der Ikonen

10.12.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Auf dem Hochgeschwindigkeitsoval von Boxberg können Aston Martin V8 Vantage und Porsche 911 Carrera S nur einen kleinen Teil ihrer Vorzüge ausspielen. Im Vergleichstest muss sich zeigen, ob der bessere Sportler aus Gaydon in Warwickshire oder Stuttgart-Zuffenhausen kommt

Dass der Porsche 911 von Generation zu Generation perfekter und schneller wird, ist eine 45 Jahre alte Tradition. Natürlich trifft das auch auf die Facelift-Version des aktuellen 911 (Werkscode 997) zu. Mit dem neuen, 385 PS starken Direkteinspritz-Boxer und optionalem Doppelkupplungsgetriebe (PDK) ist der neue Elfer ganz auf der Höhe der Zeit – obwohl ja Kritiker das Heckmotor-Boxer-Konzept seit Jahrzehnten für veraltet halten.

Eines ganz anderen Rezepts bedient sich Aston Martin. Der V8 Vantage, preiswertestes Modell der Edelmarke, setzt auf die Front-Mittelmotor-Bauweise. Der Achtzylinder ist weit hinter der Vorderachse montiert, was einer ausgeglichenen Gewichtsverteilung ebenso zuträglich ist wie das an der Hinterachse platzierte Getriebe. Ähnlich wie der 911 erhielt der Vantage einen kräftigeren Motor. Der in Köln gebaute V8 kommt jetzt mit 4,7 Liter Hubraum und 426 PS.

 

Karosserie

Der Vantage hat den größeren Kofferraum, aber nur Platz für zwei

Dass es sich beim aktuellen Elfer um einen fast komplett neuen Porsche handelt, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Die optischen Retuschen an der Sportwagen-Ikone fallen weitaus geringer aus als die Evolution unter dem immer noch schicken Blechkleid. Der frische 997 ist zwar sofort als 911 zu erkennen, erregt im Alltag allerdings weitaus weniger Aufsehen als sein britischer Konkurrent.

Der Aston Martin zieht die Blicke auf sich wie ein Außerirdischer in der Fußgängerzone. Mit seiner langen Motorhaube und dem breiten Heck wirkt der Vantage wuchtiger, präsenter als der schmalere, höhere Porsche. Die Breite des V8 kommt den Passagieren zugute: Das Raumangebot auf den beiden vorderen Sitzen fällt eine Spur reichlicher aus als beim 911.

Allerdings sammelt der Zuffenhausener mit seinen hinteren Notsitzen zusätzliche Punkte, die zwei Personen zumindest auf kürzeren Strecken Platz bieten. Einparkmanöver gehen dem Porsche-Piloten dank der guten Übersichtlichkeit weitaus lockerer von der Hand als dem Akteur am Vantage-Volant. Die Einparkhilfe für moderate 421 Euro extra sollte man sich keinesfalls schenken.

Das ausladende Armaturenbrett und die schmalen Seitenfenster des Briten sorgen zudem für ein beengteres Raumgefühl. Der mit 300 Litern deutlich größere Gepäckraum des Briten (Porsche: 135 Liter) dürfte bei den meisten Sportwagenkunden kein kaufentscheidendes Kriterium sein. Wer Golfbags oder Wochenendeinkäufe transportieren will, hat es mit dem Aston freilich ein wenig leichter.

In Sachen Verarbeitungsqualität liegt der Aston mit seinem deutschen Konkurrenten auf Augenhöhe: Sogar die Gurtschlösser sind in edel vernähtes Leder eingefasst. Bei der Bedienbarkeit lässt er mit seinem schwer durchschaubaren Navigationssystem (Volvo) jedoch Federn. Punktsieg für den Carrera auch im Sicherheitskapitel: Auf Kopfairbags und Kurvenlicht etwa muss der Vantage-Eigner verzichten.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 Carrera SAston Martin Vantage V8 Roadster
Raumangebot vorn1006065
Raumangebot hinten100150
Übersichtlichkeit704029
Bedienung/ Funktion1008575
Kofferraumvolumen100018
Variabilität10050
Zuladung/ Anhängelast80182
Sicherheit1508361
Qualität/ Verarbeitung200194192
Kapitelbewertung1000500442

 

Fahrkomfort

Der Porsche hat perfekte Sitze, der Aston federt etwas besser

Wie von Porsche nicht anders zu erwarten, sind die Sitze des neuen Elfer (Sportschalensitze für 3272 Euro) nahezu perfekt. Dank vielfältiger Einstellmöglichkeiten bieten sie sehr guten Langstreckenkomfort bei gleichzeitig optimalem Seitenhalt. Das Gestühl des Aston Martin umklammert seine Passagiere nicht ganz so intim und bietet etwas zu wenig Auflagefläche. Beide Sportler glänzen nicht mit sänftenartigem Abrollkomfort. Dennoch zeigen sich auf schlechter Wegstrecke leichte Unterschiede.

Das Fahrwerk des Vantage ist etwas weicher als das des Carrera S. Allerdings pariert der Zuffenhausener Unebenheiten wie Kanaldeckel oder Querfugen einen Hauch souveräner. Das serienmäßige PASM-Fahrwerk des 911 mit adaptiven Dämpfern spricht sensibler an und vermittelt dem Piloten eine sehr gute Rückmeldung. Auf schlechtem Fahrbahnbelag sind im Aston zudem leichte Karosserieverwindungen zu verspüren. Dennoch gewinnt er die Komfortwertung mit genau einem Punkt Vorsprung, vor allem wegen seiner etwas verbindlicheren Fahrwerksabstimmung.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 Carrera SAston Martin Vantage V8 Roadster
Sitzkomfort vorn150132125
Sitzkomfort hinten100100
Ergonomie150128118
Innengeräusche502220
Geräuscheindruck1008290
Klimatisierung503232
Federung leer20094105
Federung beladen20094105
Kapitelbewertung1000594595

 

Motor und Getriebe

Der neue Direkteinspritz-Boxer setzt hier die Maßstäbe

Spötter sagen gern, ein 911 sei nichts weiter als ein flachgeklopfter Hightech-Käfer mit Sechszylindermotor. Mag sein. Entscheidend ist jedoch, was dabei herauskommt. Bisher jedenfalls konnte es der Boxer im Heck des klassischen Porsche mit jedem Konkurrenten bestens aufnehmen.

Das ist beim komplett neuen Direkteinspritz-Triebwerk der aktuellen Elfer-Generation nicht anders. Mit der Dynamik, der Drehfreude und den Verbrauchswerten des hochmodernen Boxers kann auch der erstarkte Aston-Achtzylinder nicht ganz mithalten. Rund 2,5 Liter weniger Durchschnittsverbrauch auf der AZ-Vergleichsrunde pro 100 km sind auch für Sportwagen der 100000-Euro-Klasse ein Wort.

Zudem bietet der Porsche trotz der geringeren Leistung die besseren Fahrwerte, auch wegen des niedrigeren Gewichts. Im Sprintduell von null auf 100 km/h hat der Brite ebenso das Nachsehen wie beim Topspeed. Die manuell betätigten Schaltgetriebe in den beiden Sportlern sind übrigens so gut bedienbar und bestens abgestuft, dass man sich die Aufpreise für Sportshift oder PDK getrost sparen kann.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 Carrera SAston Martin Vantage V8 Roadster
Beschleunigung150191184
Elastizität1000
Höchstgeschwindigkeit150172160
Getriebeabstufung1009692
Kraftentfaltung504845
Laufkultur1009496
Verbrauch32513098
Reichweite2588
Kapitelbewertung1000739683

 

Fahrdynamik

Mit besseren Bremsen und schnelleren Zeiten liegt der 911 vorn

Die Fahrdynamik-Übungen sind ebenfalls eine klassische Elfer-Domäne. Das Heckmotor-Konzept ist durch die jahrzehntelange Entwicklungsarbeit zu hoher Perfektion gereift. Mit der sensibel arbeitenden Lenkung, der exzellenten Traktion und den ebenso sagenhaft guten wie sündhaft teuren Karbon-Keramik-Bremsen (8032 Euro) setzt er auf dem Handling- und dem Slalomparcours die Bestzeiten in diesem Vergleich.

Neutral und kaum aus der Ruhe zu bringen, fliegt der schwäbische Sportler um die Pylonen. Der V8 Vantage biegt nicht ganz so exakt berechenbar um die Ecken, seine Lenkung ist etwas indirekter, und er neigt bei heftigem Gaseinsatz deutlicher zum Übersteuern. Das ist zwar sehr spaßig und lässt sich gut kontrollieren, kostet aber Zeit. Bei eingeschaltetem ESP entschärft die Fahrdynamikregelung diese Tendenz zuverlässig, bietet aber genug Spielraum für kleine übermütige Heckschwenks.

Viele Punkte verliert der Brite mit seinen nur durchschnittlichen Bremswerten. Dass hier ein gewisser Nachholbedarf besteht und es kein einmaliger Ausrutscher ist, zeigen ähnliche Bremswerte aus älteren AUTO ZEITUNG-Vergleichstests.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 Carrera SAston Martin Vantage V8 Roadster
Handling15011659
Slalom10082100
Lenkung1009593
Geradeauslauf504036
Bremsdosierung302522
Bremsweg kalt15012581
Bremsweg warm15012278
Traktion1006563
Fahrsicherheit150130125
Wendekreis20811
Kapitelbewertung1000808668

 

Umwelt und Kosten

Die Direkteinspritz-Technik des 911 senkt den Verbrauch deutlich

Der Elfer glänzt auf der Normrunde mit einem Testverbrauch von 12,6 Litern – exzellent. Der Vantage-V8 muss zwei Brennräume mehr befeuern. Zudem bringt er gut 200 Kilogramm mehr auf die Waage. Das schlägt sich im Durchschnittsverbrauch nieder und kostet bei der Kraftstoffwertung Punkte. Mit dem niedrigeren Grundpreis, den deutlich längeren Wartungsintervallen sowie den nur halb so hohen Werkstattkosten gewinnt der Elfer auch in diesem Kapitel souverän, obwohl der Vantage mit umfassender Garantie und guter Normausstattung kontert.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 Carrera SAston Martin Vantage V8 Roadster
Bewerteter Preis6754832
Wertverlust5063
Ausstattung251625
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501924
Werkstattkosten20102
Steuer1077
Versicherung402017
Kraftstoff552517
Emissionswerte258374
Kapitelbewertung1000234201

 

Fazit

Klarer Punktsieg für den Porsche 911 Carrera S. Doch ganz so klar ist die Sache nicht. Der Aston Martin V8 Vantage sammelt Bonuspunkte in kaum bewertbaren Kriterien: Er ist hinreißend. Schlicht und harmonisch, ohne aufgesetzte Imponiererei, einfach eines der schönsten Autos seiner Epoche. Den Sound des Achtzylinders bei Volllast könnte man als MP3-File für Motorenjunkies verkaufen und den Lederduft des Interieurs in Sprayflaschen abfüllen. Der 911 ist nüchterner und bis auf den Fahrkomfort das in fast allen Disziplinen bessere Auto. Die Detailarbeit bei Porsche hat sich ausgezahlt.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 Carrera SAston Martin Vantage V8 Roadster
Summe500057502589
Platzierung12

Tags:
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