Sportcabrios – Porsche gegen Lamborghini Porsche 911 Turbo und Lamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder

06.01.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Wenn diese Supersportler auf Touren kommen, wird die Fahrt unter freiem Himmel zum Heavy Metal-Konzert. Stärker, schneller, sparsamer – das neue Porsche 911 Turbo Cabrio trifft auf den Herausforderer von Lamborghini

Gemütliches Cruisen unter freiem Himmel – dazu bedarf es wenig mehr als eines funktionierenden Klappverdecks. Doch um wie viel faszinierender ist es, dabei in einem tief liegenden Traumwagen mit 500 PS und mehr zu sitzen. Die Gelegenheit, über 300 km/h mit offenem Verdeck zu fahren, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich ganz abgebrühte Charaktere erfreuen sich an solchen Extremsituationen, die einen festen Haarwuchs erfordern.

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Das neue Porsche 911 Turbo Cabriolet steigert die Lust am Open Air-Ausflug eindrucksvoll. Der 500-PS-Sechszylinderboxer rennt bis 312 km/h. Zum Grundpreis von 157 057 Euro addiert sich in diesem Fall das PDK-Getriebe (Doppelkupplungsgetriebe) für nochmals 3915 Euro. Sein italienischer Konkurrent, der 324 km/h schnelle Lamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder, betritt mit 560 PS die Bühne. Auch hier erhöht das automatisierte e-gear-Getriebe (9520 Euro) den Preis: auf 201 015 Euro.

 

Karosserie

Seine breite Basis setzt der Lamborghini nicht wesentlich in nutzbare Innenraumgröße um. Das flach über den Sitzen gespannte Stoffdach schränkt die Kopffreiheit deutlich ein, der voluminöse Cockpitbau lässt kein opulentes Raumgefühl aufkommen. Das Verdeck öffnet sich elektrisch in 20 Sekunden, die Heckscheibe senkt sich separat auf Knopfdruck. Die Porsche-Heckscheibe ist in das Verdeck integriert. Die nur 42 Kilo leichte Konstruktion verschwindet nach ebenfalls 20 Sekunden im Heck – bei bis zu 50 km/h.

Ein Alu- Hardtop ist für 3272 Euro lieferbar. Doch auch unter dem Stoffdach stellt sich ein luftiges Raumgefühl ein, der 911 ist zudem wesentlich übersichtlicher als der Gallardo. Eine hohe Verarbeitungsqualität und ansprechende Materialauswahl zeichnen beide Roadster aus. Die durchdachte Bedienung und die umfangreiche Sicherheitsausstattung bescheren dem Turbo den ersten Kapitelsieg.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Raumangebot vorn1006054
Raumangebot hinten100150
Übersichtlichkeit703522
Bedienung/ Funktion1008577
Kofferraumvolumen10000
Variabilität10000
Zuladung/ Anhängelast80154
Sicherheit1508871
Qualität/ Verarbeitung200194191
Kapitelbewertung1000492419

 

Fahrkomfort

Der Lamborghini Gallardo geht keine Kompromisse ein, er verlangt sie. Das sportlich-straff abgestimmte Fahrwerk und die fest gepolsterten Sitze leiten auf Unebenheiten Stöße trocken bis zu den Insassen durch. Auch das Geräuschniveau im Cockpit ist weniger kommunikationsfördernd als im leiseren Porsche. Dessen serienmäßig einstellbare Dämpferhärte lässt sich von angenehm straff bis bretthart variieren. Zudem besitzt er die langstreckentauglicheren und bequemeren Sitze. Der Abrollkomfort wird nur durch ein nervöses Stuckern auf schnell aufeinanderfolgenden Unebenheiten eingeschränkt.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Sitzkomfort vorn150138130
Sitzkomfort hinten100100
Ergonomie150128118
Innengeräusche50157
Geräuscheindruck1008071
Klimatisierung504039
Federung leer20010398
Federung beladen20010398
Kapitelbewertung1000617561

 

Motor und Getriebe

Der neue 3,8-Liter-Biturbo-Boxer mit Benzin-Direkteinspritzung im Porsche-Heck stellt die vorläufi ge Spitze der Entwicklung dar. Mit 500 PS und 650 Newtonmetern Drehmoment (mit Sport-Chrono- Paket inklusive Overboost- Fuktion bis zu 700 Nm) spielt er die Konkurrenz an die Wand.

Die Schnellstart-Funktion des Siebengang- Doppelkupplungsgetriebes (PDK, 3915 Euro) lässt das Cabrio in nur 3,3 Sekunden auf 100 km/h sprinten, nach 10,8 s ist es doppelt so schnell. Kraftentfaltung und die Getriebequalitäten kennen im Moment kein Äquivalent. Unverzichtbar sind allerdings die neuen, großen Schaltpaddel am Lenkrad für 416 Euro extra. Ist der Sport-Modus aktiviert, leuchtet die Anzeige „Sport“ in der linken Lenkradspeiche auf.

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Der Lamborghini-V10 sitzt als Mittelmotor unmittelbar im Nacken der Insassen. Seine lineare Kraftentfaltung begeistert ebenso wie das schier unerschöpfliche Klangpotenzial. Mit mehr Leistung (560 PS), aber weniger Drehmoment (540 Nm) sowie dem optionalen Sechsgang-e-gear-Getriebe (9520 Euro) benötigt der Gallardo 3,7 Sekunden bis 100 km/h und 11,3 Sekunden bis Tempo 200.

Die Wippen des sequenziellen Schaltgetriebes stehen fest und jederzeit gut erreichbar hinter dem Lenkrad. Im Automatikmodus agiert das Getriebe nicht so ruckfrei wie das Porsche-Pendant.

Beim Thema Verbrauch hat der Elfer wieder die Nase vorn: 13,4 Liter Super Plus pro 100 km erscheinen angesichts des Leistungsangebots nicht übertrieben. Der Gallardo nimmt 15,8 l/100 km.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Beschleunigung150150149
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150137146
Getriebeabstufung10010093
Kraftentfaltung505049
Laufkultur1009086
Verbrauch32512781
Reichweite2588
Kapitelbewertung1000662612

 

Fahrdynamik

Die adaptiven PASM-Dämpfer sind beim 911 Turbo serienmäßig. Dynamische Motorlager als Bestandteil des Sport-Chrono- Pakets (unter anderem mit Stoppuhr, Sport-Plus-Taste mit Launch Control und Schaltstrategie Rennstrecke, 4034 Euro) reduzieren die Einflüsse des Allradantriebsstrangs auf die Karosserie, und die Antriebsmomenten-Verteilung PTV inklusive Sperrdifferenzial an der Hinterachse (1309 Euro) sorgt für eine bestmögliche Kraftverteilung und hohen Grip.

Über jeden Zweifel erhaben ist die Leistungsfähigkeit der Karbon- Keramikbremse. Der Warmbremswert von 32,6 Metern aus 100 km/h bis zum Stillstand ist hervorragend. Die nicht zu spitze Lenkung arbeitet so präzise wie nie zuvor. All dies summiert sich in einer Rundenzeit, die nur vier Zehntel über der Lamborghini-Zeit liegt.

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Im 18-Meter-Slalom ist der ehemals klare Vorsprung des Italieners sogar kaum noch wahrnehmbar. Allerdings: Allzu spätes Anbremsen wird mit einem lebendigen Porsche-Heck bestraft, das Elfer Cabrio verlangt am absoluten Limit eine ausgesprochen exakte Fahrweise.

Der Lamborghini vermittelt im Gegenzug ein ruhigeres, satteres Fahrgefühl – vor allem im Grenzbereich bei ausgeschalteten Fahrhilfen. Er muss ohne einstellbare Dämpfer auskommen, optional ist allerdings eine sportlichere Abstimmung erhältlich (Sportpaket, 2023 Euro).

Zu hohe Kurventempi quittiert er mit kalkulierbarem Untersteuern, und selbst zu hektisch angebremste Biegungen lassen nur minimale Lastwechselreaktionen aufkommen – ein Ausbrechen des Hecks muss schon aktiv erzwungen werden. Lenkung und Dosierbarkeit der Karbon-Keramikbremsanlage erreichen nicht ganz das Niveau der Porsche-Komponenten, der stabile Geradeauslauf bei hohen Autobahngeschwindigkeiten überzeugt dagegen.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Handling150122123
Slalom1009090
Lenkung10010093
Geradeauslauf503842
Bremsdosierung302421
Bremsweg kalt150119115
Bremsweg warm150124119
Traktion1008585
Fahrsicherheit150137139
Wendekreis20141
Kapitelbewertung1000853828

 

Umwelt und Kosten

Schon der Unterschied beim Grundpreis ist mit rund 40 000 Euro zugunsten des Porsche immens und dem Normalfahrer kaum zu erklären. Die Aufpreisliste des Gallardo ist mit einer DIN A4-Seite zwar denkbar kurz, dafür aber mit Preisen wie bei Tiffanys gespickt. Porsche geht subtiler vor: Die Belederung jedes Cockpit-Elements wird einzeln aufgeführt, die Turbo-Preisliste kommt so auf 87 Seiten.

Auch bei den Unterhaltskosten für Versicherung, Steuer und Wartung muss der Gallardo- Fahrer sehr tief in die Tasche greifen. Erfreulich gegenüber der eher zurückhaltenden Garantiepolitik der Zuffenhausener sind die dreijährige Technikgarantie und die ebenso lange Mobilitätsgarantie für den Lamborghini.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Bewerteter Preis67560
Wertverlust5010
Ausstattung25257
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501825
Werkstattkosten2090
Steuer1065
Versicherung4080
Kraftstoff552013
Emissionswerte258280
Kapitelbewertung1000175130

 

Fazit

Das Porsche 911 Turbo Cabriolet spielt in diesem Konzert die erste Geige und holt sich den Sieg mit großem Vorsprung. Die enorme Leistungsfähigkeit des 911, gepaart mit hoher Alltagstauglichkeit macht den Unterschied aus. Großen Anteil am Sieg haben auch der neue Motor und das perfekte PDK-Getriebe. Der Lamborghini Gallardo geht einen anderen Weg: Er ist ein faszinierender Extrem-Sportler, der Kompromisse für den Alltag scheut. Und sein brachialer Klang beschallt ganze Straßenzüge.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Summe500027992550
Platzierung12

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