Sport-Cabrios: Jaguar, Lamborghini und Porsche Cabrios: Jaguar, Lamborghini und Porsche

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Bewegung an der frischen Luft macht Spaß – besonders, wenn sie so vehement erfolgt wie in den faszinierenden Sport-Cabrios von Jaguar, Lamborghini und Porsche, die technisch ganz unterschiedliche Konzepte verfolgen

Manche Cabrio-Fahrer vertreten die These, dass ein offenes Auto nicht viel Power braucht. Zum Cruisen genügen ihnen durchschnittliche Motorisierungen, bei hohem Tempo wird’s vielen ohnehin zu windig. Doch es geht auch anders: Super-Cabrios jenseits der 450 PS mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 324 km/h sind nicht nur was für Leute, denen der Arzt sportliche Bewegung an der frischen Luft verordnet hat. Jaguar XKR Cabrio, Lamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder und Porsche 911 Turbo Cabrio sind exqusite Traumwagen, die es leider nicht auf Rezept gibt.

Der Jaguar und der Lamborghini treten frisch renoviert zum Vergleich an. Der XKR kann jetzt statt auf 416 PS auf 510 PS bauen, und der Gallardo kommt nun mit 560 PS statt 520 PS daher. Da wirkt der Porsche, den es zu besiegen gilt, mit seinen 480 Pferdestärken schon fast schwächlich. Doch nicht nur deshalb stehen die Chancen für die Konkurrenz gut: Der Turbo ist in die Jahre gekommen und wird erst im Herbst überarbeitet.

 

Karosserie

Auch oder gerade weil es sich um exklusive Supersportwagen handelt, erwartet der Kunde nicht nur entsprechende Fahrleistungen, sondern er hat auch einen hohen Qualitätsanspruch – eine perfekte Verarbeitung sollte in solchen Autos selbstverständlich sein. In diesem Punkt liegen diese Sportler auf ganz hohem Niveau. Die verwendeten Materialien entsprechen der Preisklasse, es gibt so gut wie keine Unterschiede zwischen den drei Rivalen. Lediglich die leichten Knarzgeräusche beim Überfahren von Unebenheiten trüben im Jaguar das Bild ein wenig. Dafür bietet er das größte Platzangebot für die Frontpassagiere und erspart ihnen mit einem Ladevolumen von 313 Litern auch das Kopfzerbrechen, wo sie das Gepäck für einen längeren Ausflug am besten verstauen.

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Im eng geschnittenen Gallardo müssen sich die Passagiere auf 110 Liter beschränken und im Porsche sogar auf 105 Liter. Zumindest können die Reisenden im 911 Cabrio die Rückbank, die es im Gallardo gar nicht gibt, für weiteres Gepäck nutzen. Ohnehin eignen sich die hinteren Sitze wie auch im Jaguar nur sehr eingeschränkt für den Transport von Menschen. Selbst Kleinwüchsige haben hier Probleme, ihre Gliedmaßen vernünftig zu sortieren.

Im alltäglichen Gebrauch erweist sich der Lamborghini als ziemlich unhandlich. Man sieht beim Rangieren so gut wie nichts von der Umgebung, und die niedrige Karosserie macht aus jedem Bordstein eine Berglandschaft. Auch beim großen Jaguar ist die Übersichtlichkeit nur geringfügig besser. Hier gibt es eindeutige Vorteile für den Porsche. Und er liegt auch bei der Sicherheitsausstattung vorn – knapp vor dem Jaguar –, während der Gallardo-Eigner nur eine begrenzte Anzahl schützender Features ordern kann. Selbst ein Bremsassistent fehlt.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioJaguar XKR CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Raumangebot vorn100607454
Raumangebot hinten10015120
Übersichtlichkeit70543938
Bedienung/ Funktion100857677
Kofferraumvolumen1000190
Variabilität100500
Zuladung/ Anhängelast8019148
Sicherheit150868359
Qualität/ Verarbeitung200194192194
Kapitelbewertung1000518509430

 

Fahrkomfort

Man spürt nicht nur am Vortrieb, in welchen Kraftmaschinen man sitzt, man spürt es auch am eigenen Leib. Bei geöffnetem Verdeck,
und so will man schließlich mit einem Cabrio die Landschaft genießen, zerzaust der Fahrtwind die Frisuren in allen drei Sportlern nahezu ungehindert. Da helfen selbst die Windschotts nicht vor den Angriffen der Luftwirbel.

Auch die straff abgestimmten Feder-Dämpfer-Elemente tragen ihr Übriges zum Sportwagen-Feeling bei. Am deutlichsten merken die Passagiere im nur knapp über dem Asphalt kauernden Gallardo die Unebenheiten der Fahrbahn. Kurz und trocken kommen die Stöße bis in die Sitze durch. Aber diesem Auto verzeiht man das. Schließlich ist der Italiener nicht nur optisch ein echter Rennwagen.

Wesentlich entspannter geht es da im Briten zu. Trotz seiner straffen Abstimmung scheint er über Unebenheiten nahezu zu gleiten. Sein Absorptionsvermögen erinnert eher an das einer Limousine als an einen reinrassigen Sportwagen. Der mit PASM-Fahrwerk (adaptive Dämpfer) ausgestattete Porsche kann per Tastendruck von straff bis steinhart eingestellt werden. Die harte Stufe eignet sich nur für topfebene Rennstrecken, da schon in Normalstellung mehrere aufeinanderfolgende Bodenwellen die Vorderachse in unangenehmes Stuckern versetzen. Erfreulich ist aber, dass die Karosserie absolut verwindungsfrei bleibt.

Jaguar und Lamborghini trennen Welten, wenn es um die Geräuschentwicklung geht. Der Innenraum des Jaguar ist wirkungsvoll abgeschottet, das dumpfe Hämmern des V8-Zylinders wirkt regelrecht beruhigend. Ganz anders der Gallardo-Motor. Er schreit und grollt, als würde er an einem Rockkonzert teilnehmen. Wer Ärger mit seiner Nachbarschaft sucht, sollte den Italiener frühmorgens auf der Straße starten. Im Umkreis von 500 Metern ist dann mit Sicherheit jeder wach.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioJaguar XKR CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Sitzkomfort vorn150117121109
Sitzkomfort hinten1001080
Ergonomie150128125118
Innengeräusche5010307
Geräuscheindruck100727668
Klimatisierung50383938
Federung leer20010112298
Federung beladen20010112098
Kapitelbewertung1000577641536

 

Motor und Getriebe

Sechszylinder-Boxer mit zwei Turboladern, 3,6 Liter Hubraum und 480 PS im Porsche 911 Turbo, V8-Zylinder mit Kompressor, fünf Liter Hubraum und 510 PS im Jaguar XKR und V10-Zylinder, 5,2 Liter Hubraum mit 560 PS im Lamborghini Gallardo. Der Brite hat einen Front-, der Italiener einen Mittel- und der Deutsche einen Heckmotor. Allrad gibt es bei Gallardo und Turbo, Hinterradantrieb beim Jaguar – unterschiedlicher könnten die Konzepte kaum ausfallen.

Und obwohl der Turbo auf dem Papier der Schwächste ist und den kleinsten Hubraum hat, zeigt er den Konkurrenten, wie ein echter Sportwagen Leistung in Vortrieb umsetzt. In 3,7 Sekunden beschleunigt der 911 von null auf 100 km/h. Der Lambo benötigt für diese Disziplin 3,8 Sekunden und der Jaguar 4,6 Sekunden. Ab 140 km/h hat allerdings der Italiener mit seiner puren Gewalt die Nase vorn und schlägt den Elfer auch beim Topspeed mit 324 km/h zu 310 km/h. Da hat der Jaguar schon lange die Segel gestrichen – er ist bei 250 km/h elektronisch abgeregelt.

Dafür begeistert der Brite mit seiner butterweichen Sechsstufenautomatik und einer wunderbaren Laufkultur. Die manuelle Sechsgang-Box des Turbo überzeugt mit kurzen Wegen, ist aber schwergängig, während das aufpreispflichtige e-gear beim Lambo zwar deutlich schneller geworden ist, im Normalbetrieb und beim Rangieren aber zu unsensibel agiert.

Sparsam ist sicherlich keiner dieser Boliden, aber Verbräuche von 14,1 Litern pro 100 Kilometer für den Porsche, exakt 15 Liter beim Jaguar und 16,5 Liter beim Lamborghini sind in Anbetracht der vorhandenen Power durchaus akzeptabel. Allerdings rauscht durch die Brennräume kein Super, sondern – wie es sich für Gourmets gehört – teures Super Plus. Bei den Reichweiten liegen alle auf etwa gleichem Niveau.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioJaguar XKR CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Beschleunigung150149142148
Elastizität100000
Höchstgeschwindigkeit15013590146
Getriebeabstufung100969793
Kraftentfaltung50454749
Laufkultur100909386
Verbrauch3251139668
Reichweite25777
Kapitelbewertung1000635572597

 

Fahrdynamik

Die Fahrt auf abgesperrter Strecke im Grenzbereich ist eine ganz andere Sache als der normale Fahrbetrieb. Bisher hatte der Porsche in den meisten Tests in diesem Kapitel die Nase vorn, doch in unserem Vergleich schlägt hier die Stunde des Gallardo. Der auf mehr Komfort getrimmte Jaguar tut sich dagegen schwer.

Wie erwartet zeigt der Italiener, was in ihm steckt. Er erzielt nicht nur die schnellste Zeit beim Handling, er bleibt dabei auch lammfromm – selbst mit abgeschaltetem ESP. Grundsätzlich tendiert er bei schnell anvisierten Kurven zum Untersteuern und lässt sich nur mit Gewalt zum Ausbrechen des Hecks bewegen. Die Lenkung ist deutlich direkter geworden, und seine Traktion ist kaum zu überbieten. Lediglich die Bremse kann trotz Bestwerten nicht ganz überzeugen. Sie bietet nicht das exakte Gefühl beim Dosieren wie die des Porsche.

Der Turbo ist dafür wesentlich giftiger veranlagt als der Italiener. Ein Lupfer am Gaspedal zum falschen Moment, und das Heck bricht blitzartig aus. Nur erfahrene Piloten bringen den Elfer dann wieder in die richtige Spur. Der Jaguar muss sich in diesem Kapitel überall hinten anstellen. Er ist zu sanft abgestimmt. Trotz elektronisch geregelter Differenzialsperre führt das mächtige Drehmoment von 625 Newtonmtern zu Traktionsproblemen.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioJaguar XKR CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Handling15012099127
Slalom100916486
Lenkung1001008693
Geradeauslauf50444242
Bremsdosierung30242021
Bremsweg kalt15011095114
Bremsweg warm150115102121
Traktion100784585
Fahrsicherheit150126123139
Wendekreis2012103
Kapitelbewertung1000820686831

 

Umwelt und Kosten

Mit 112 100 Euro ist das Jaguar XKR Cabrio mit Abstand der preiswerteste Open-Air-Renner in diesem Feld. Das Porsche 911 Turbo Cabrio mit manuellem Getriebe schlägt mit üppigen 153 956 Euro zu Buche, und beim Lamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder geht es auf dem Konto mit 201 014 Euro Abzug schon richtig ans Eingemachte. Da tröstet es auch nicht sonderlich, dass bei diesem Preis das sequenzielle Getriebe e-gear für 9520 Euro enthalten ist. Außer bei den Emissionswerten liegt der Italiener in allen Disziplinen am Ende des Feldes. Wer sich für den Extremsportler entscheidet, muss also tief in die Tasche greifen.

Da fährt man mit dem Jaguar erheblich günstiger, wenn auch keineswegs billig. In sechs Einzelwertungen liegt er hier an der Spitze. Mit günstigem Verbauch und niedrigen Werkstattkosten setzt sich der Porsche Turbo in Szene. Dafür gibt’s Punktabzug für die schlechtesten Emissionswerte.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioJaguar XKR CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Bewerteter Preis6759330
Wertverlust50130
Ausstattung25252525
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50182217
Werkstattkosten201350
Steuer10664
Versicherung4015190
Kraftstoff55181511
Emissionswerte25767880
Kapitelbewertung1000181206137

 

Fazit

Die Bepunktung sorgt zwar für eindeutige Verhältnisse – der Porsche gewinnt vor dem Jaguar und dem Lamborghini. Aber jedes dieser drei Supercabrios hat seinen ureigenen Charakter. Der Gallardo auf dem letzten Rang ist keineswegs ein Verlierer – er ist ein Extremist, der sich ganz der sportlichen Seite verschrieben hat. Optik, Leistung und Sound machen ihn zur Sport-Ikone. Seine Alltagstauglichkeit ist naturgemäß eingeschränkt.

Der erstarkte Jaguar ist das komfortabelste Reiseauto in diesem Vergleich und eignet sich am wenigsten für Zeitenjagden auf der Rennstrecke. Der Porsche bietet den besten Kompromiss für den sportlichen, aber auch alltäglichen Einsatz und landet verdient auf Platz eins.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 Turbo CabrioJaguar XKR CabrioLamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder
Summe5000273126142531
Platzierung123

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