Smart Fortwo 2014: Erster Vergleich mit Fiat Panda 4x4 und Gutbrod Superior Kleine Meilensteine

13.09.2014

Der Smart Fortwo ist nicht der erste geniale Kleinwagen. Zum Debüt der dritten Generation trifft er auf zwei andere prägende Fahrzeuge von Gutbrod und Fiat, die einst ihrer Zeit weit voraus waren. Vergleich

Gäbe es eine automobile Weltformel, wären ihr die Entwickler des Smart vermutlich schon ziemlich nahe: Obwohl bereits 16 Jahre auf dem Markt, liefert bis heute kein anderes Auto ein besseres Ergebnis für die Gleichung Innovation geteilt durch Fahrzeuglänge. Das liegt vor allem an der inzwischen berühmten Tridion-Sicherheitszelle. Sie sorgt dafür, dass die Insassen im Smart selbst Zusammenstöße mit viel größeren Fahrzeugen bis hin zur S-Klasse unverletzt überstehen können.

 

Smart Fortwo trifft Gutbrod Superior und Fiat Panda 4x4

Und das, obwohl auch die dritte Generation nur 2,69 Meter kurz ist. Größe ist eben nicht alles, auf eine clevere Konstruktion kommt es an. In diesem Punkt befindet sich der Smart in guter Gesellschaft. Denn immer wieder waren es gerade Kleinwagen, die auf engem Raum höchste Ingenieurskunst konzentrierten.

Zwei Meilensteine haben wir zum Debüt des neuen Smart noch einmal für einen Vergleich dazugebeten. Der eine, ein Gutbrod Superior Baujahr 1953, gilt als das erste Serienauto mit einer Benzindirekteinspritzung. Der andere, ein Fiat Panda 4x4, verblüffte die Autowelt Anfang der Achtziger mit einem in diesem Segment bis dahin unbekannten Allradantrieb. Es ist schon bewegend, die drei Winzlinge Seite an Seite fahren zu sehen.

Von einer dicken blauen Wolke aus Zweitaktabgasen umweht, knattert der extrem weich gefederte Gutbrod gemächlich des Weges. Aber schon die kleinsten Kurvenradien versetzen seine dünnwandige Blechkarosserie in Wallung wie Rock’n’Roll einen Pettycoat. Kein Wunder, vor 60 Jahren waren längst nicht alle Straßen asphaltiert, und auf Schotterpisten mit tiefen Schlaglöchern war man dankbar für den hohen Fahrkomfort der Pendelachse.

Vorn im Motorabteil werkelt bei unserem Fotomodell ein 600-Kubik-Motörchen mit Vergaser. In den Versionen 2Z60WE und 2Z70WE gab es den Superior auch als wassergekühlten Einspritzer, wovon allerdings nur noch zwei Exemplare existieren dürften. Deren Benzindirekteinspritzung war Anfang der Fünfziger schon Stand der Technik – aber nur in Flugzeugmotoren.

Bei der Entwicklung für den Betrieb in einem Automobil war der deutsche Ingenieur Hans Scherenberg federführend. Was heute selbst bei der Smart-Mutter Daimler AG viele nicht mehr wissen: Scherenberg war zuvor in der Versuchsabteilung von Daimler-Benz beschäftigt und kehrte nach dem Untergang von Gutbrod als Konstruktionschef auch dorthin wieder zurück.

Neben dem Gutbrod hoppelt der straff gefederte Panda tapfer über den Asphalt. Ein Blick auf die beiden Anzeigen des Neigungsmessers verrät jedoch: Vermutlich würde sich der kleine Italiener lieber abseits befestigter Wege beweisen. Das Talent dazu hat er dank seines zuschaltbaren Allradantriebs. Den entwickelte damals der in Graz ansässige Geländefahrzeugspezialist Steyr-Puch, weshalb man den Panda 4x4 auch als halben Österreicher bezeichnen könnte.

Um mit ihm Schlammlöcher zu durchwaten oder steile Felspisten zu bewältigen, braucht man nur einen Hebel zwischen den Vordersitzen zu ziehen. Dann treibt der kleine 1000er-Motor außer den Vorderrädern auch die Hinterräder an. Von diesem Moment an setzen nur noch die Bodenfreiheit und der eigene Mut das Limit. Eventuell auftretenden Angstschweiß trocknet man am besten mit dem lauen Fahrtwind, der durch das pfiffige Faltdach weht.

Im Hinterrad-getriebenen Smart verbieten sich konstruktionsbedingt jegliche Geländeeskapaden. Er ist ein City-Floh durch und durch, geschaffen für den Kampf um knappen Parkraum. Wittert der Fahrer eine noch so kleine Lücke, genügt ein Dreh am Dreispeichenlenkrad, und der Smart wendet gefühlt auf der Stelle. In Zahlen ausgedrückt sind für dieses Manöver von Bordstein zu Bordstein nur 6,95 Meter nötig.

Zudem ist der Fortwo natürlich mit allerlei Features ausgestattet, die das Autofahren in der City heute sicher und angenehm gestalten. Dazu gehören beispielsweise ein Spurhalteassistent, ein Abstandswarner, eine Einparkhilfe hinten sowie ein Tempomat und neuerdings auch ein Seitenwind-Assistent: Ab 80 km/h löst die Elektronik bei drohendem Spurversatz gezielte Bremseingriffe aus und unterstützt den Fahrer auf diese Weise beim Gegenlenken.

Die Modelle Passion, Prime und Proxy haben zudem eine Rückfahrkamera an Bord. Deren Dienste nimmt man gerne in Anspruch, denn trotz seiner geringen Außenlänge ist präzises Einparken mit dem Smart gar nicht so einfach. Von außen wirkt der neue Smart deutlich charakteristischer als seine Vorgänger. Das liegt vor allem an der ausdrucksstärker gezeichneten Frontpartie mit LED-Tagfahrlicht und vergrößertem Markenlogo. Vom Frontgrill bis zu den Rückleuchten zieren kleine Wabenmuster und Chromakzente einzelne Bauteile.

Im Innenraum beeindruckt der Smart mit noch mehr Raum als bisher. So hat man nicht den Eindruck, in einem Kleinstwagen zu sitzen, zumindest was die zur Verfügung stehende Innenbreite und die Bewegungsfreiheit nach vorne betrifft. Unser Vorserien-Smart der Ausstattungslinie Proxy (Aufpreis: 3390 Euro) besitzt zudem das optionale Panoramadach mit Sonnenschutz, wodurch besonders viel Licht ins Innere fällt.

Geblieben ist der praktische Zugang zum 350 Liter großen Ladeabteil hinter den Vordersitzen durch die zweiteilige Heckklappe. Mehr Platz hatte man im Gutbrod auch nicht, mit dem Unterschied, dass der Zugang nur durch die beiden Seitentüren möglich war. Eine erste Ausfahrt gibt dem Smart die Gelegenheit, sein überarbeitetes Fahrwerk zu präsentieren. Die aufwändige De-Dion-Hinterachse ist zwar geblieben.

Neu sind aber Zweirohr-Stoßdämpfer und separat angeordnete, tonnenförmige Schraubenfedern. Damit gaukelt das Auto seinen Insassen erfolgreich einen viel längeren Radstand vor als die tatsächlich vorhandenen 1873 Millimeter. Doch an einem Problem kann all der technische Aufwand nichts ändern: Kleine Autos haben auf der Autobahn keine Lobby, erst Recht, wenn sie langsam unterwegs sind.

Und wir schleichen bei Tempo 70 hinter dem Gutbrod über die rechte Spur, während von hinten haushohe 40-Tonner nahen. Deren Fahrer haben ganz offensichtlich gerade keinen Sinn für Oldtimer, die sie unfreiwillig zur Langsamfahrt zwingen. Der Panda würde 135 km/h schaffen oder könnte einfach über die Böschung fliehen, mit dem Smart könnten wir uns sogar mit 151 km/h aus dem Staub machen.

Doch das wäre jetzt nicht die feine Art. Und zum Glück ist die Erlösung nah. Das Navi hat mit Hilfe der Cross Connect App (Cool & Audio-Paket, 1100 Euro) herausgefunden: Es sind nur noch zwei Kilometer bis zur nächsten Ausfahrt.

TECHNIK
     

Gutbrod Superior 700 E
Fiat Panda 4x4
Smart Fortwo
Motor 2-Zylinder-Zweitakt, Benzindirekteinspritzung 4-Zylinder, 3-Ventiler 3-Zylinder, 4-Ventiler
Hubraum 663 cm3 952 cm3 999 cm3
Leistung 22 kW / 30 PS bei 4300 /min 35 kW / 48 PS bei 5600 /min 52 kW / 71 PS bei 6000 /min
Max. Drehmoment 49 Nm bei 3500 /min 70 Nm bei 3500 /min 91 Nm bei 2850 /min
Getriebe 3-Gang, manuell 5-Gang, manuell 5-Gang, manuell
Antrieb Vorderrad Vorderrad, manuell zuschaltbarer Hinterradantrieb Hinterradantrieb
L/B/H 3560/1490/1365 mm 3390/1485/1461 mm 2695/1663/1555 mm
Radstand 2000 mm 2170 mm 1873 mm
Leergewicht 750 kg 740 kg 880 kg
Fahrleistungen   0-100 km/h in 18,2 s2 0-100 km/h in 14,9 s1
Höchstgeschwindigkeit 115 km/h1 135 km/h2 151 km/h1
Verbrauch (Gutbrod, Fiat)
EU-Verbrauch (Smart)
5,8 l 2T/100 km1 8,4 l S/100 km2 4,1 l S/100 km1
CO2-Ausstoß     93 g/km1
Grundpreis 5725 Mark (1953) 14.000 Mark (1983) 10.895 Euro
¹ Werksangaben
2 Messwerte aus AZ 14/1983

Gerrit Reichel

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