Skoda-Zeitreise: Vom Slavia-Fahrrad zum Octavia Kombi Tour de Force

28.07.2013

Ganze Octavia- und Superb-Flotten dienen jedes Jahr dem europäischen Rennrad-Zirkus als wackere Wasserträger. dass der Traditions-Hersteller Skoda Auto aber aus der tschechischen Rad-Schmiede Laurin & Klement entstanden ist, wissen nur wenige. Wir lassen uns von einem Fahrrad-Oldie die ganze Geschichte erzählen – zwischen Mlada Boleslav und Alpe d’Huez

Mlada Boleslav, Tschechien, 65 Kilometer nordöstlich von Prag. Unser Begleiter Pavel duckt sich unter einem niedrigen Türbogen hindurch, wir stehen nun zwischen blanken Stahlblechen, öligen Motorblöcken und dicken Holzrahmen: Ein alter Skoda wird hier in der Werkstatt des Skoda-Museums gerade vom Scheunenfund zum Museums-Helden aufbereitet. Pavel verschwindet hinter dem aufgebockten Oldtimer und kommt wenige Sekunden später mit einem alten Fahrrad zurück: dunkelschwarze Patina, klappernde Karbid-Lampe, mürber Ledersattel. Kork-Lenkergriffe und kaum angefahrene Reifen sind die einzig neuen Teile: „Sicher, dass du damit nach Alpe d’Huez fahren willst? Das Rad ist aus den 1890er-Jahren – keine Bremsen, nur ein fixer Gang …“

 

Skoda-Zeitreise: vom Slavia-Rad zum Octavia Kombi

Kurze Zeit später schiebe ich das Laurin & Klement Slavia-Rad mit stolzgeschwellter Brust durch die Hallen des Skoda-Museums. Vorbei an den zweirädrigen Anfängen der Marke Laurin & Klement, dann hinüber zu den ersten Automobilen von 1905. Ab 1925 wurden die unter der Flagge des neuen Besitzers Skoda gefertigt. Wir pilgern vorbei an ganzen Regalen voller Auto-Kostbarkeiten, die hier im wechselnden Rhythmus umgeräumt werden.

Kurz vor dem Ausgang lassen wir eine bunte Mischung aus Ostblock-Skoda und zerschundenem Rallye- Material links liegen – geschafft! Wir haben tatsächlich ein Museums-Stück entführt! Besucher werden sich in den nächsten Tagen über den leeren Platz neben dem T1-Einzylinder-Motorrad wundern.

Pavel öffnet die Heckklappe unseres weißen Skoda Octavia Combi 2013: „Mit umgelegten Rücksitzlehnen passt das Rad perfekt rein. Ohne irgendwas abzuschrauben. Ganz exakt.“ Minuten später rollen wir durch Mlada Boleslav, das tschechische Wolfsburg, auf die Autostraße hinunter nach Prag und dann immer weiter in Richtung Westen. Pilsen, Nürnberg, Stuttgart, Karlsruhe.  Dann die Rheintalautobahn, bei Basel in die Schweiz, hinter Genf dann der Wechsel nach Frankreich.

Klaglos und ruhig zieht der Octavia seine Bahn, nur im Kofferraum klappert leise die Karbid-Lampe am Slavia-Rad. Tankstellen sehen wir auf der ganzen Reise genau zweimal, und als wir nach knapp 1200 Kilometern nachts in Grenoble landen, tut einem nicht mal der Rücken weh. Was für ein Meilenfresser.

Stahlblau ist der Himmel über den Bergen am nächsten Morgen, heute gilt es. Zuerst aber bringt uns der Octavia noch einmal in Schlagdistanz. Dass die Helden der Tour de France bereits deutlich über 100 Kilometer in den Beinen haben, bevor sie sich bei Bourg d’Oisans den Berg hinaufwerfen, stört mich jetzt nicht. Es zählt der olympische Gedanke. Mit Lust auf Attacke presche ich also am Fuß des Berges los und strample mit Adrenalin vollgepumpt über die Romanche-Brücke auf den ersten Anstieg zu. Ich werde das schaffen!

Ein Gang. Genau einer. Nach wenigen Metern bin ich bereits im Wiegetritt, und irgendwann kämpfe ich tatsächlich um jeden Meter. Erste Pause an der ersten Serpentine. Hinter mir warnblinkt sich der Octavia auf Standgas den Berg hinauf. Als ich röchelnd an der zweiten Kehre verende, hält Fotograf Aleksander Perkovic den Octavia an: „Hmm, das scheint ja doch länger zu dauern. Wir könnten vorfahren, an einer schönen Fotostelle warten wir, ok?“ Wieder vier Kehren weiter geht Aleks entspannt zu Fuß neben mir her: „Du siehst irgendwie nicht soo gut aus. Trinken nicht vergessen, ja?“

Wieder etwas weiter beginne ich, mir meinen persönlichen spanischen Wunderarzt herbeizuwünschen – stattdessen taucht Pavel auf: In strahlendes Skoda-Weiß gehüllt, rauscht er auf seinem Rennrad den Berg herab mir entgegen. „Ich dachte, ich fahre mal neben dir her, vielleicht hilft das.“ Es hilft nicht. Meine Beine brennen, meine Lungen scheinen mit Reißnägeln gefüllt zu sein, mein Schädel platzt beinahe. Pavel fährt „schon mal vor“ um nachzusehen, „ob der Anstieg nach der nächsten Kehre auch wieder so steil ist“.

Immer wieder werde ich von anderen Radfahrern überholt, die mich beim Vorbeipedalieren ansehen, als ob ich eine ansteckende Geisteskrankheit besäße. Und dann, nach einer gefühlten Ewigkeit und endlosen Leiden, habe ich es doch geschafft: Am Etappenziel in Alpe d’Huez falle ich vom Rad. Kaputt. Ausgehöhlt. Zerstört.

Beim Mittagessen lege ich zerknirscht meine Doping-Beichte ab: „Ich habe vermutlich mehr geschoben, als ich Rad gefahren bin. Immer wenn ihr mich nicht gesehen habt.“ Aleks grinst: „Du unterschätzt mein Tele-Objektiv.“ Und Pavel kaut lachend: „Also Skoda wirst du deshalb nicht als Sponsor verlieren.“

Als ich mich voller Vorfreude auf die kommende Bergabschussfahrt wieder in den Sattel schwinge, wird mir schon nach wenigen Metern klar, dass das noch viel schlimmer als der Anstieg wird. Ohne Bremse ist hier nichts zu machen. So sehr kann man das jeweils aufsteigende Pedal gar nicht belasten, als dass man mit dieser Technik irgendwie ein Rad an einem Acht-Prozent-Gefälle abbremsen könnte. Keine Chance. Gefrustet schiebe ich das Slavia-Rad in den Kofferraum des Octavia.

Aleks schlägt einen Abstecher zum Col du Galibier vor: „Ich könnte noch ein etwas schnelleres Foto gebrauchen, vielleicht finden wir eine leicht abfallende Gerade mit Bremszone am Ende.“ Und die gibt es tatsächlich. Mit vollem Speed pfeile ich hinter dem Octavia her, aus dessen Seitenfenster Aleks begeistert seine Spiegelreflex hält. Dann am Ende des leichten Bergabstücks feste „rückwärts“ treten und den Schwung des Rads so dämpfen. Eine leicht Steigung hilft zusätzlich – dahinter geht es steil bergab.

Beim letzten Versuch werde ich übermütig: Ich strecke die Beine nach hinten, ducke mich über den Lenker – und sehe dann mit kaltem Grausen unter mir die Pedale vorüberfliegen. Wie jetzt stoppen? Kurz überlege ich, mich vom Rad zu werfen, dann denke ich an den leeren Platz im Skoda-Museum und die traurig dreinblickenden Bronzebüsten der Herren Laurin und Klement. Entschlossen stecke ich die Beine nach unten, einige Wadenschürfwunden und blaue Schienenbeinflecke später habe ich die Kontrolle wieder. „Simply clever“ würde man bei Skoda sagen.

Johannes Riegsinger

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