Neue Skoda-Modelle: Octavia Coupé, Fabia, Bonneville & Co. Einer gegen alle

05.02.2014

Skoda sucht die Entscheidung – mit der größte Modelloffensive in der Geschichte der Marke. BMW, Mercedes, Opel – kein Hersteller ist mehr sicher

Wir leben in einer Welt voller Marken. Marken geben ein Versprechen ab, sorgen für Wiedererkennung und wecken – wenn sie denn geschickt geführt werden  – enorme Begehrlichkeiten. Kein Mensch braucht ein teures, tastenloses Telefon mit einem angebissenen Apfel darauf, aber verdammt viele wollen es haben. Bis eine Marke steht, müssen sich die Verantwortlichen natürlich ordentlich ins Zeug legen. Wie bei Skoda. Wer hätte vor 25 Jahren gedacht, dass eine vergleichsweise kleine Autofabrik aus Böhmen jemals Fahrzeuge ausspucken könnte, für die sich im an Überfluss gewohnten Westeuropa  irgendjemand ernsthaft interessieren würde. „Schkodda“? Ostblock-Dings. Stellt man sich nicht vors Haus.

Während in Osteuropa viele Autofreunde die Substanz der in Mladá Boleslav gefertigten Rapid und Favorit durchaus zu schätzen wussten, brauchte es für den großen Durchbruch die technische und finanzielle Wucht des VW-Konzerns, der die im Jahr 1895 gegründete Marke übernahm. Als Stichtag der Wolfsburger Eingemeindung gilt der 16. April 1991. Ein Blick auf die Straße reicht, um den heutigen Status der Marke zu erkennen, die inzwischen Importmeister ist. Rund 100.000 Skoda wurden von Januar bis August bei uns zugelassen, und es sollen noch viel mehr werden: Marken-Boss Winfried Vahland munitioniert seine Vertriebsleute für die größte Modelloffensive seit der Gründung und dürfte dabei so ziemlich allen etablierten Fabrikaten kräftig in die Parade fahren. Selbst die älteste Automarke der Welt  (Mercedes-Benz) wird von der dritttältesten (Skoda) attackiert. Mit dem Bonneville zum Beispiel, einem Mega-Octavia, der auf den neuen CLA 45 AMG  zielt. Das nach einer amerikanischen  Salzwüste benannte Sportmodell ist unter anderem als Diesel-Racer geplant. Unter der Haube soll der neue, zwei Liter große Biturbo-Vierzylinder-TDI des VW-Konzerns arbeiten, der im aktuellen  Entwicklungsstadium 230 PS leistet, im Skoda dann aber noch ein paar mehr. Generell wird die Progressivlenkung an Bord sein, die durch direkteres Lenkverhalten die Fahrdynamik in schnellen Kurven erhöht. Zu wenig Mumm gegen den 360 PS mächtigen Allradler aus Affalterbach?


MEGA-OCTAVIA MIT BIS ZU 300 PS


Abwarten. Als zweite Motorisierung ist ein einfach aufgeladener 2,0-Liter-Turbobenziner in Planung, der immerhin bis zu 300 PS leistet. Im Vergleich zum Octavia RS liegt der Bonneville nochmals zehn Millimeter tiefer und ist noch straffer abgestimmt. Der Standardsprint dürfte in weniger als 6,5 Sekunden erledigt sein. Marktstart? Wir tippen auf 2015. Eine weitere Variation des geräumigen und qualitativ hochwertigen Octavia ist dessen völlig neuartige Coupé-Version, die spätestens 2016 startklar sein wird und aufgrund ihres immer noch guten Raumangebots selbst dem noblen, bereits ab Sommer 2014 erhältlichen BMW 4er Gran Coupé nahe treten dürfte. Während das auf dem 3er basierende, viertürige, sich auf rund 4,77 Meter streckende Bayern-Coupé um gut 15 Zentimeter länger ausfällt als die Limousine, dürfte der tschechische Gegenentwurf in etwa das Format des 4,66 Meter langen Schrägheckmodells wahren.

Auch der Octavia ist kein klassisches Coupé, sondern ein praktischer Viertürer, quasi ein Muss bei Skoda. Im Fond sollen selbst Großgewachsene genügend Kopf- und Beinraum vorfinden. Motorseitig steigt das Octavia Coupé höher ein als die Limousine. Basistriebwerk dürfte der 140 PS starke 1.4 TSI werden. Die Motorenpalette des BMW 4er Gran Coupé (184 bis 306 PS) entspricht dem des seit Juli erhältlichen 4er-Coupés. Seit 1996 hat Skoda gut vier Millionen Octavia verkauft. Einen kleinen Beitrag leistete der robust auftretende Scout, dessen Neuauflage Anfang 2014 startet. Zutaten: Offroad-Look, Schlechtwegefahrwerk, Allradantrieb mit elektronisch gesteuerter Haldexkupplung. Bis dahin hat der demselben Prinzip folgende und zu Preisen ab 36.990 Euro sofort erhältliche Opel Insignia Country Tourer einige Monate Vorsprung.

Der strategische Auftrag der Marke Skoda innerhalb des VW-Konzerns lautet salopp formuliert in etwa so: Hyundai und Kia vom Hals halten, allmählich Ford und Opel aus den Angeln heben. Hier spielt der neue Fabia eine wichtige Rolle, der Ende 2014 frontal auf den Opel Corsa trifft, der gleichzeitig erscheint. Ein spannendes Duell – nach der Devise „Opel macht den Corsa gut und Skoda seinen Fabia hübsch“. Es wurde in beiden Fällen auch Zeit. Während der schicke, als Drei- und Fünftürer geplante, im künftigen OPC-Modell bis zu 200 PS starke Corsa vor allem mit zeitgemäß sparsameren Drei- und Vierzylindermotoren sowie höherer Qualitätsanmutung endlich mehr Substanz bieten soll als bisher, wird der von Skoda-Designchef Jozef Kabaň entworfene Fabia endlich ein richtig schicker Tscheche. Die Qualität stimmte schon früher. Aber die Zeiten sind vorbei, in denen Spurbreite und Radstand anderthalb Nummern zu klein für den dadurch leicht pummelig wirkenden Aufbau waren. Der neue Fabia basiert auf dem Modularen Querbaukasten des VW-Konzerns (MQB) und wird auch wegen des um drei Zentimeter gewachsenen Radstands mehr Platz und Laderaum bieten als bislang. Der neue Fabia Combi folgt im Herbst 2015. Neu im Fabia-Programm sind die aufgeladenen Dreizylinder-Benziner (85/110 PS) von VW.

 

ZWEI NEUE OFFROADER GEPLANT

Ebenso vorgesehen ist der 1.4 TSI (140 PS) mit Zylinderabschaltung. Gestrichen wird der sportliche Fabia RS (180 PS), der schlicht zu wenig Käufer fand. An dessen Stelle tritt der sportlich gestylte Fabia Monte Carlo. Skoda plant gleich zwei ganz neue Offroader, von denen einer dem VW Tiguan Kunden abjagen könnte. Mit echten Skoda-Tugenden: mehr Platz und Nutzwert für etwas weniger Geld. Die Rede ist vom knapp 4,65 Meter langen Mittelklasse-SUV, das in der Modellhierarchie über dem bekannten, jüngst überarbeiteten Yeti rangiert und wahlweise sogar als Siebensitzer erhältlich sein wird. Der Marktstart ist auf Herbst 2015 terminiert. Die dritte Sitzreihe des noch namenlosen SUV ist voll im Laderaumboden versenkbar. Auch dieses Modell ist ein Spross des längenvariablen VW-Baukastens MQB. Dazu dürfte sich ab 2016 noch eine etwas flachere und entsprechend dynamischere Coupé-Version gesellen. Seit dem Debüt des BMW X6 prophezeien Marktforscher den hochgelegten Flachgedrückten eine glänzende Zukunft. Eine mindestens 220 PS starke RS-Version ist ein Thema, später soll ein Plug-in-Hybrid mit einer Systemleistung von 200 PS und einer rein elektrischen Reichweite von 50 km folgen. Mit der Erneuerung seines Dauerbrenners Tiguan will VW ebenfalls vom prognostizierten SUV-Coupé-Boom profitieren. Das Tiguan Cross Coupé steht im Plan. Ebenso die für den US-Markt interessante XXL-Version.

Auch am anderen Ende der SUV-Palette baut Markenchef Vahland das Programm aus. Der von uns Skoda Citifun getaufte Klein-Kraxler war lange Zeit eine Vision. Inzwischen wurde daraus ein Projekt. Der unterhalb des Yeti angesiedelte, knackig kurze Citifun ist im Jahr 2016 startklar. Auch er konkurriert mit einem VW-Produkt, dem Taigun. Beide Modelle sind technische Derivate des VW Up, basieren also auf der New Small Family-Plattform des Konzerns. Einen schon weitreichenden Blick auf das Design der auch für die umworbenen Wachstums-märkte in China und Indien interessanten Mini-SUV gab übrigens die VW-Studie VW Taigun: 3,86 Meter lang, 1,73 Meter breit und nur 1,57 Meter hoch. Geplant sind unter anderem dreizylindrige Turbos mit 85 und 110 PS.

 
Bis zur Ablösung der ersten Generation, von der seit dem Debüt im Jahr 2009 weltweit über eine Viertelmillion Exemplare verkauft wurden, dauert es noch bis 2016. Eine große Modellpflege soll den technischen Zwilling des VW Tiguan – beide basieren noch auf der Plattform „PQ 35“ (Golf V und VI) – fit halten. Auffälligste Neuerung ist die geliftete Front. Die Nebelscheinwerfer-Kulleraugen sind passé. Die Leuchtmittel strahlen tief unten am Stoßfänger. Künftig gibt es Bi-Xenon-Licht und integrierte Tagfahrlichter. An der Heckklappe fallen deutliche Einzüge auf, wodurch die Rückwand weniger flächig und die Heckleuchten plastischer aussehen. Im Gegensatz zur oben abgebildeten Offroad-Designlinie mit ihrem kräftigen Unterfahrschutz und schwarzer Kunststoffbeplankung wirkt die neue City-Version ziviler. Hier sind die Karosserieteile in Wagenfarbe lackiert. Den Yeti Greenline mit 105-PS-Diesel gibt es künftig mit Siebengang-DSG. Mit dem heutigen und dem künftigen Yeti wird es auch die Zweitauflage des BMW X1 zu tun bekommen, die im Herbst 2015 zu den Händlern rollt. Auch hier steht ein grundlegender Plattformwechsel an. Wie der nächste Mini und der geplante BMW-Kompakvan fußt der X1 auf der UKL-Architektur (untere Klasse). Sie umfasst auch die neuen 1,5-Liter großen Turbo-Dreizylinder (Diesel 122 bis 180 PS; Benziner: 122 und 220 PS).

 

SUPERB ALS FELDHERR

Quasi auf dem Feldherrenhügel der Skoda-Offensive steht der komplett neue, zum Jahreswechsel 2015/2016 zur Attacke bereite Superb. Mit einem um acht Zentimeter nochmals vergrößerten Radstand dürfte der sehr repräsentativ gezeichnete Top-Skoda sogar hochklassige Business-Modelle wie den ebenfalls neuen BMW 5er in den Schatten stellen, der zum 100. Geburtstag der Marke im März 2016 vorgestellt werden soll. Die Bayern ziehen alle Register – zwei Plug-in-Hybride, Navi-gesteuertes Antriebsmanagement, Triturbo-Diesel mit 400 PS. Und Skoda? Winfried Vahland und sein Entwicklungsschef Frank Welsch könnten eine verheerende Bresche schlagen in die Reihen der Business-Class. Wenn sie denn dürfen. Die Technik gibt’s im Konzern, die guten Preise in Mladá Boleslav. Alles eine Frage der Marke. 

Wolfgang Eschment / Stefan Miete

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