Skoda Design Chef Jozef Kaban Portrait Skoda Chefdesigner Jozef Kaban

Inhalt
  1. MEHR ÄSTHETIK
  2. VIELE KOMPROMISSE
  3. REDUZIERTE FORMEN
  4. Ein Coupé für Scoda?

Für Designchef Jozef Kaban kommt es bei der Formensprache von Skoda vor allem auf stimmige Proportionen und prägnante Details an

Nebel über Mladá Boleslav. Das funktionale Entwicklungszentrum von Skoda am anderen Ufer der Moldau ist mehr zu erahnen als zu erkennen, Fußgänger eilen geschäftig über die schmale Brücke und verschwinden im Irgendwo. In der über 100 Jahre alten Villa auf dieser Seite der Moldau geht es gedämpft zu. An den Wänden Bilder mit geometrischen Motiven, die an Arbeiten Prager Künstler aus dem vorigen Jahrhundert erinnern: farbige Winkel, Kanten, Dreiecke. Wie in einer Kanzlei öffnen sich leise Türen, schließen sich wieder. Stille dominiert. Kaum etwas deutet darauf hin, dass hier 70 Designer aus 20 Nationen an den Skoda von morgen und übermorgen arbeiten.

 

MEHR ÄSTHETIK

Plötzlich bricht das Leben aus. Flinken Schritts, mit wehenden Haaren prescht ein gewinnender Enddreißiger aus dem Nebel, unterm Arm einen Stapel Fotos, die auf schwarzen Karton gezogen sind – der Skoda MissionL und eine schöne Frau, professionell fotografiert. „Wir hängen solche Bilder in den Gebäuden ringsherum auf, um die rein technikorientierte Atmosphäre in eine ästhetisch-emotionale Richtung zu lenken. Manche Dinge gehören zur Arbeit, manche weniger. Und ich finde, eine schöne Frau mit Auto zählt dazu. Wir wollen auch einen Kalender aus den Bildern machen.“ Jozef Kaban ist in seinem Büro angekommen. Auf dem Boden liegen Fotos, auf dem Schreibtisch Notebook, Modellauto, Unterlagen, jede Menge. Der Slowake baggert sich frei, spricht von Kunst, während sich der Raum füllt. Ein Satz auf Tschechisch zur Assistentin, dann geht’s auf Englisch weiter. „We have prepared, ach, wir sprechen ja Deutsch. Wir haben einiges vorbereitet.“

In seinem Büro eine Skulptur aus farbigen Winkeln, fast wie die auf den Bildern draußen an den Wänden. „So eine Skulptur haben wir dem früheren Skoda-Chef Jung zum Abschied geschenkt. Schauen Sie hin, das ist ein Detail des Designs von VisionD und MissionL.“ An beiden Konzeptautos finden sich diese charakteristischen Winkel zwischen Rückleuchten und Kennzeichen wieder. „Solche Kleinigkeiten geben dem Auto Charakter, lassen es sportlich wirken“, so Kaban. „Die Leute sollen die Dinge nicht nur von der rationalen Seite sehen. Das wäre zu wenig. Das Leben ist viel mehr. Es gibt überall schöne Sachen, man muss nur lernen, sie zu entdecken.“

Ist also jedes Auto ein Kunstwerk? „Nur wenige Modelle, die meisten erfüllen aber vor allem eine Funktion.“ Wie ein Skoda? „Ein Skoda muss sicher zunächst eine Funktion erfüllen. Zum Beispiel als modernes Familienauto. Aber wir wollen den Leuten ein Stückchen mehr mitgeben. Jedes Produkt muss auch ein bisschen Kunst sein. Gut ist, wenn das Herz eine Entscheidung für etwas fällt, die der Kopf dann bestätigt.“

 

VIELE KOMPROMISSE

Funktion, Technik, Kosten, Emotionalität, Kunst, wie bringt ein Autodesigner das alles unter einen Hut? „Der Entstehungsprozess besteht aus ganz vielen Kompromissen. Aber das Ergebnis muss kompromisslos sein“, erklärt Kaban, der schon als Student über einen Designwettbewerb den Weg zum VW-Konzern gefunden und seit 1997 für vier Marken gearbeitet hat. „Auch ein Bugatti besteht aus solchen Kompromissen.“ Nicht nur in Sachen Aerodynamik, auch bei einem Millionenauto spielen die Kosten immer noch eine Rolle. „Selbst wenn Ihnen jemand sagt, dass Sie total freie Hand haben, hat er natürlich bestimmte Erwartungen, die er Ihnen schon klarmachen wird.“ Jozef Kaban lacht, seine Augen leuchten, die Begeisterung für seine Arbeit ist spürbar. „Jeder Tag ist anders, bringt neue Herausforderungen. Gerade dort, wo man es nicht erwartet, kommen die besten Ideen.“ Dann wird er ernst: „Als Designer darf man sein Ego nicht ausleben. Man trägt schließlich eine große Verantwortung. Für die Kunden, die Mitarbeiter, das Unternehmen. Der Erfolg eines Autos ist wichtiger als ein Designpreis.“

 

REDUZIERTE FORMEN

In der Präsentationshalle warten die Studien VisionD und MissionL – die erste gibt einen vagen Ausblick auf kommende Skoda-Modelle („die richtigen Autos werden ästhetischer, ein großer Sprung weg vom aktuellen Modell“), die zweite kommt im Herbst sehr ähnlich als Rapid auf den Markt. Für Jozef Kaban geht der Trend zu reduzierten, klaren Formen. Das Wichtigste sind für ihn gute Proportionen des Autos. Er lacht: „Die sollte man nicht mit zu vielen Schnörkeln zudecken. Das ist wie mit einem Weihnachtsbaum. Der ist mal ganz schön, aber wer will schon das ganze Jahr mit einem Weihnachtsbaum herumfahren?“ Ebenfalls eindeutiger und nicht mehr auf Chrom, sondern auf Lack prangt künftig das Logo von Skoda über dem Kühlergrill, nochmal besonders betont durch die Form der Motorhaube. „Das wirkt schlicht, aber trotzdem markant.“ Wieder ein Detail, das seinem ästhetischen Anspruch gerecht wird. „Zu viele Schnörkel oder Kanten sind nicht gut, zu viel Leere ist es aber auch nicht. Design muss langlebig sein. Im positiven Sinn.“

Nebenan brüten Designer über den Neuheiten nach Rapid und Octavia 3. „Wir haben extrem zu tun. Die Ankündigung von Professor Vahland, jedes halbe Jahr ein neues Auto zu bringen, war kein Märchen.“ Gut gelaunt macht sich auch Jozef Kaban die Arbeit: Abnahme von Etiketten tschechischer Weine, Baupläne für die Erweiterung der Entwicklungsabteilung und natürlich neue Autos. Bei Skoda geht’s voran.

 

Ein Coupé für Scoda?

City-Flitzer, Kleinwagen, Kompakte, Mittelklasse-Limousine, Kombi, SUV und Hochdachkombi – die Modellpalette von Skoda ist in den vergangenen Jahren gewachsen, aber noch nicht komplett. Als nächstes soll ein großes SUV kommen. Wie wäre es mit einem weniger funktionalen Auto? Auf dem Schreibtisch von Jozef Kaban prangt ein Modell des Skoda Monte Carlo von 1935. Das schnittige Coupé steht für die große, mehr als 100 Jahre alte Geschichte von Skoda. Und wie sieht es heute mit so einem Auto für Skoda aus? „Eigentlich steht jeder Marke ein Coupé gut zu Gesicht. Andererseits müssen wir als Mitglied einer großen Markenfamilie nicht alle Wünsche erfüllen“, sagt der Chef-Designer.
Klaus Uckrow

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