VW-BMW-Streitobjekt SGL Group: Carbon-Sparte schreibt Verluste

Nicht alles Carbon was glänzt?

Carbon ist eines der wichtigsten Elemente in den Leichtbau-Plänen vieler Autobauer. Beim VW-BMW-Streitobjekt SGL läuft es 2012 allerdings nicht rund

Ende 2011 beherrschte der Streit zwischen Volkswagen und der BMW Group um die Vorherrschaft beim Kohlenstoffspezialisten SGL Group die Schlagzeilen, im zweiten Quartal 2012 ist das Objekt der Begierde allerdings unerwartet stark von der Schwäche im Carbonfasergeschäft gebremst worden. Das Minus in der Sparte halbierte zusammen mit einer höheren Steuerlast den Überschuss im Konzern auf 9,6 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten nicht mit einem so deutlichen Einbruch gerechnet.

SGL-Group: Carbon-Spezialist meldet Gewinn-Einbruch

Der Umsatz stieg indes von 361,2 Millionen auf 428,2 Millionen Euro und damit kräftiger als gedacht. Anteil am deutlichen Zuwachs hatte aber auch eine Übernahme. Vor Zinsen und Steuern verdienten die Wiesbadener 36,8 Millionen Euro nach 44,0 Millionen vor einem Jahr. Die kürzlich gesenkte Gewinnprognose bestätigte das Unternehmen und hielt auch am wenig konkreten Umsatzziel fest. Zum Handelsstart verlor die im MDax notierte Aktie in einem nahezu unveränderten Markt 1,06 Prozent.

Im Hauptgeschäft mit Graphitelektroden für die Stahlindustrie und Kathoden für die Aluminiumschmelzen (PP) kletterte der Umsatz zwischen April und Juni. Niedrigere Stückzahlen bei den Elektroden, die in der Elektrostahlerzeugung eingesetzt werden, konnte SGL durch höhere Preise kompensieren. Die Nachfrage aus der Aluminiumindustrie setzte ihre moderate Erholung fort, allerdings sind hier die Preise aus Sicht von SGL weiterhin zu niedrig. Das Ergebnis der Sparte insgesamt legte aber dennoch kräftig zu. Im Gesamtjahr rechnet der Vorstand trotz der "erheblichen Unsicherheiten im Stahlmarkt" weiterhin mit höheren Umsätzen, erwartet aber lediglich eine Marge auf Vorjahresniveau.

Das besonders margenstarke Geschäft mit den Graphitspezialitäten (GMS) erwies sich einmal mehr als Ertragsperle. Die Gewinnentwicklung blieb allerdings hinter dem Umsatz zurück. Während die Erlöse von 111,4 auf 123,9 Millionen Euro zulegten, schrumpfte der operative Gewinn von 20,6 auf 18,4 Millionen Euro. Nach dem Boom im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter der Sparte dank weiterhin ordentlich gefüllter Auftragsbücher zwar anhaltend gut zu tun. Die Auslastung reicht aber nicht mehr an die Hochzeiten heran, was auf den Margen lastet. Die Rendite soll dennoch weiter deutlich über dem Mittelfristziel von zehn Prozent liegen. Im vergangenen Quartal erreichte sie 14,9 Prozent vom Umsatz. Die weitere Entwicklung ist stark von den Aussichten der Halbleiter- und Leuchtdioden-Hersteller abhängig.

Beim Hoffnungsträger, dem Geschäft mit Carbonfasern, wie sie unter anderem im Gemeinschaftsunternehmen mit dem Autobauer BMW für den Leichtbau produziert werden, stieg zwar der Umsatz. Dahinter steckt aber vor allem der im April mehrheitlich übernommene portugiesische Acrylfaserhersteller Fisipe. Operativ lief es ansonsten mau, wie SGL bereits im Juli gewarnt hatte. Weitere Verzögerungen bei Luftfahrtprojekten, die auf die leichte und stabile Faser setzen sowie eine anhaltende Flaute in der Windindustrie drückten die Sparte tief in die roten Zahlen.

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Wegen der Probleme im Carbonfasergeschäft hatte der Vorstand bereits im Juli die Prognose für den operativen Gewinn im Konzern gesenkt. Demnach rechnet das Unternehmen wegen der enttäuschenden Entwicklung mit einer Stagnation des EBIT in etwa auf Vorjahreshöhe (160 Mio Euro). Beim Umsatz blieb das Unternehmen bei seiner wenig konkreten Prognose eines Wachstums im Vergleich zum Vorjahr (1,54 Mrd Euro). Dabei betonten die Wiesbadener erneut, dass dies vor allem von einer verbesserten Weltkonjunktur im zweiten Halbjahr abhängig
dpa/az