Großer Winterreifentest: 205/55 R 16 H M + S Winter-Spiele

09.10.2014

Elf aktuelle Winterreifen im Format 205/55 R 16 H treten zum Wettstreit in sechzehn Disziplinen an – Kampf der Profile bei Regen, Schnee und Sonnenschein

Zum diesjährigen Winterreifentest der AUTO ZEITUNG treten nicht weniger als elf Athleten aus zehn Nationen an: Aus Deutschland kommen der Continental WinterContact TS 830 und der Vorjahressieger Dunlop SP Winter Sport 3D. Die Japaner sind mit dem Firestone Winterhawk 2 vertreten, die Amerikaner stellen den Goodyear UltraGrip 7+. Aus Korea stammt der Kumho I’zen KW23, die Franzosen entsenden den Michelin Primacy Alpin 3, und Finnland schickt den Nokian WR G2 ins Rennen. Pirelli vertritt Italien, der Sava Eskimo S3 kämpft für Slowenien. Komplettiert wird das Starterfeld vom Semperit Speed-Grip aus Österreich und dem Vredestein Snowtrac 3 aus den Niederlanden. Volles Programm also.

Zunächst unterzieht sich die Elite der Winterspezialisten auf dem hochmodernen Bridgestone-Testgelände nahe Rom den strapaziösen Nass- und Trocken-Tests. Wie so oft liegt das Teilnehmerfeld auf griffi gem Asphalt noch recht eng beieinander, wenngleich die Bremsversuche bereits deutliche Unterschiede aufzeigen. So passiert der Golf mit Pirelli-Reifen jenen Punkt, an dem der Wagen mit Firestone-Bereifung bereits stoppt, noch mit gut 30 km/h Resttempo. Absolut erfreulich ist indes, dass kein Profil bei der Fahrsicherheit patzt und sich der Testwagen mit allen Reifen selbst in Extremsituationen noch ordentlich kontrollieren lässt. Daran hat jedoch sicherlich auch das nicht abschaltbare ESP des aktuellen VW Golf sowie dessen narrensicheres Fahrwerk einen erheblichen Anteil.

Mehr Reifentests: Ganzjahresreifen & Somerreifen im Test

Bei den Testfahrten auf bewässerter Oberfläche gerät das Ranking der Kandidaten aber in Bewegung: Während der Goodyear sich mit exzellenten Aquaplaning-Resultaten und einem sicheren Fahrverhalten ganz klar die Spitzenposition sichert, hadert der Nokian mit seinem mitunter instabilen Fahrverhalten und einer wenig effektiven Wasserverdrängung. Er verliert sowohl bei Geradeausfahrt als auch in Kurven zuerst den Bodenkontakt. Doch auch der preisgünstige Sava und der Semperit passieren tiefes Wasser weniger souverän. Der Pirelli enttäuscht abermals mit den längsten Bremswegen. Und auch der Conti kann die hohen Erwartungen im Nassbremsen nicht ganz erfüllen. Einen sehr guten Eindruck hinterlässt dafür der Firestone, der lediglich nicht ganz das Gripniveau und damit die Kurvenstabilität der Spitzen-Produkte erreicht.

EISZEIT: TIEFER WINTER IM NORDEN FINNLANDS
Die entscheidenden Disziplinen im Winterreifen-Vielkampf sind natürlich die Tests auf verschneiten Straßen. Dazu verfrachteten wir den Golf und frische Reifen nach Ivalo im hohen Norden Finnlands. Hier, rund 300 Kilometer nördlich des Polarkreises, liegt „Testworld“ – ein riesiges Areal mit beinahe unbegrenzten Möglichkeiten. Für die Traktions- und Bremsversuche stand uns zum Beispiel eine speziell präparierte, topfebene Schneefläche von 500 Meter Länge und 50 Meter Breite zur Verfügung.

Während sich der Conti und der Dunlop dort pudelwohl fühlen, stößt der bislang überzeugende Firestone an seine Grenzen: Allein in der Traktion fährt er 35 Zähler Rückstand auf den besonders zugstarken Dunlop ein. Rechnet man die ermittelten Werte in Steigfähigkeit um, so ergibt sich eine Differenz von vier Prozent. Klingt wenig, entspricht aber dem Unterschied zwischen besonders flachen und steilen Parkhausrampen (üblicherweise acht bis zwölf Prozent).

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Aber auch der Michelin kann im Schnee nicht überzeugen, weil er zu wenig zieht und zu verhalten verzögert. Selbst der in unmittelbarer Nachbarschaft entwickelte Nokian enttäuscht: Zwar klettert er tapfer bergauf, doch sein instabiles Fahrverhalten wirft ihn zurück. Noch unruhiger bewegt sich der Sava über die kurvigen Winterwege, dafür punktet er mit kurzen Bremswegen. Interessant ist auch, dass der Vredestein weniger einseitig auf Schnee-Performance ausgelegt wurde als letztes Jahr (siehe Heft 22/2008).

So gehört er immer noch zu den Guten, ist aber viel harmonischer und verdient darum unsere Empfehlung; genauso wie der souveräne Goodyear, der erstklassige Conti – und der erneut ungeschlagene Dunlop. Firestone und Michelin eignen sich hingegen eher als Ganzjahresreifen fürs Flachland und Großstädte.
Martin Urbanke

SO TESTEN WIR

1. AQUAPLANING
Um zu beurteilen, wie effektiv die Wasserverdrängung arbeitet, ermitteln wir die Aufschwimmgeschwindigkeit jedes Profils bei der Fahrt durch ein sieben Millimeter tiefes Becken – geradeaus und in einer Kurve mit 100-Meter-Radius.

2. BREMSEN
Jedes Auto verzögert nur so gut, wie es die montierten Reifen erlauben. Darum prüfen wir die Bremsleistung der Pneus auf Schnee (von 50 km/h auf 0) sowie auf nasser und trockener Straße (aus 100 km/h).

3. FAHRSICHERHEIT
In aufwendigen Versuchsreihen sammeln die Tester eine Vielzahl von Eindrücken über das Eigenlenkverhalten der Pneus im Grenzbereich. Die meisten Punkte bekommt dabei nicht unbedingt der Reifen, der die höchsten Kurvengeschwindigkeiten erzielt, sondern jener, der sich im Notfall einfach und gutmütig beherrschen lässt.

4. HANDLING
Im Unterschied zur „Fahrsicherheit“ entscheidet in dieser Disziplin einzig die Rundenzeit über das Ranking. Der Wert ist ein Indiz für die maximal mögliche Performance des Profi ls, sagt aber nichts über die Beherrschbarkeit aus. Die Streckenlängen: Schnee (1,3 km), Nass (1,6 km), Trocken (1,9 km).

5. TRAKTION
Per GPS-gestützter Messelektronik (V-Box) ermitteln wir Zeit und Weg, die der Testwagen mit jedem Reifen benötigt, um auf einer speziell präparierten Schnee-Piste auf 40 km/h zu beschleunigen. Aus diesen Daten und der Masse des Fahrzeug lässt sich dann die exakte Zugkraft in Newton errechnen.

GRÖSSE: 205/55 R 16 H - PASSEND FÜR:

> ALFA 147/159/GT
> AUDI A3
> BMW 1ER/3ER/Z4
> CITROEN C4
> FIAT BRAVO
> FORD FOCUS/C-MAX/MONDEO
> HYUNDAI i30
> KIA CEE'D
> MAZDA 3/5
> MERCEDES B/C/SLK
> OPEL ASTRA/ZAFIRA
> PEUGEOT 308
> SEAT LEON/ALTEA/EXEO
> SKODA OCTAVIA/SUPERB
> TOYOTA AURIS
> VOLVO C30/S40/V50
> VW GOLF (IV, I, VI), TOURAN, SCIROCCO, PASSAT

AUTO ZEITUNG

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