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Dellen-Reparatur

Mit dem Werbeslogan „billig Ausbeulen ohne Nachlackieren“ buhlen neuerdings Karosseriewerkstätten um Kundschaft. Ein seriöses Versprechen? Wir haben nachgehakt

Autobleche werden immer dünner. Das spart Gewicht, macht die Karossen aber anfälliger für Dellen und Beulen. So können schon ein Hagelschauer, Fallobst oder aufs Autodach prasselnde Kastanien bleibende Spuren an der wertvollen Blechhaut hinterlassen. Aber auch Parkplatzrempler oder die unvorsichtig aufgerissene Tür eines in unmittelbarer Nähe parkenden Wagens kann für einen Schandfleck sorgen. Das ist ärgerlich - und die Beseitigung meist ein teures Vergnügen. Viele dieser Schäden lassen sich neuerdings relativ preiswert beheben. Statt des herkömmlichen Ausbeulens mit Schleifen, Spachteln und Lackieren bieten immer mehr Karosseriebetriebe und Autolackierer eine attraktive Alternative: den Beulendoktor.

Ernsthaftes Handwerk mit viel Gefühl und speziellem Werkzeug

###PIC[197597]###Mit speziellem Werkzeug und viel Fingerspitzengefühl drückt der Spezialist das Blech in die ursprüngliche Form zurück. Dipl.-Ing. Axel Kallenberg, Chef des Bonner Karosseriewerks Kallenberg, erklärt das System: "Was oft mit markigen Sprüchen wie ,Ausbeulen durch Handauflegen’ oder auch ,Dellen-Massage’ angeboten wird, ist in Wirklichkeit eine ernsthafte Handwerksleistung." Nur ausgebildete und geübte Karosseriebauer beherrschen die Kunst. Mit Ausbeulwerkzeugen aus Federstahl drücken sie das Blech wieder in die richtige Form. Die besondere Schwierigkeit: Presst der Monteur zu stark, entsteht leicht ein hässlicher Pickel im Blech. Ist die Kraft dagegen zu gering, springt die Beule womöglich wieder zurück.

Kleine Dellen sind kein Problem

###PIC[197596]###Die Spezialwerkzeuge für das sogenannte Drücken sind dünn und lang, damit man auch durch kleine Öffnungen in den Holmen, der Türverkleidung oder unter den Dachhimmel kommen kann. Kallenberg: "Meistens müssen wir jedoch Himmel oder Hauben demontieren, um exakt arbeiten zu können. Das ist zwar etwas zeit- aufwändiger, aber immer noch etwa 50 Prozent preiswerter als eine herkömmliche Reparatur." Dem Autobesitzer kann es nur recht sein: Das Drücken an demontierten Teilen bleibt garantiert ohne sichtbare Folgen. Und weil das Auto seinen Originallack behält, ist kein deutlicher Wertverlust zu befürchten. Für besonders knifflige und von innen unzugängliche Stellen stehen dem Karosseriebauer Ziehwerkzeuge zur Verfügung.

###PIC[197595]###Dazu klebt er Kunststoff-Pads mit Heißkleber auf die Beule. Diese können von einer speziellen Zange angepackt werden. Nun lässt sich die Delle mit manueller Kraft aus dem Blech hebeln. Prinzipiell kann mit der neuen Technik jedes Alu- oder Stahlblechteil repariert werden. Bei stärkeren Blessuren stößt die Drückerkunst jedoch schnell an ihre Grenzen: Größer als ein Zwei-Euro-Stück sollte die Beule nicht sein. Wenn dann noch der Lack keinen Schaden erlitten hat, lohnt auf jeden Fall der Weg zum Beulendoktor.