Service: Reifendruck Da bist du platt

24.10.2006

Wen es trifft, der hat ein Problem, denn eine Reifenpanne birgt große Gefahren. Doch es gibt Wege, wie Autofahrer diese Extremsituation durch geeignete Mittel beherrschen oder ganz vermeiden können

Die Angst vor der Reifenpanne begleitet unbewusst viele Autofahrer. Kein Wunder, denn die Vorstellung, ins Schleudern zu kommen oder nach dem Stillstand auf der Autobahn unter widrigsten Umständen das Rad wechseln zu müssen, schreckt ab.
Statistisch gesehen ist diese Furcht unbegründet, behaupten die Hersteller seit Jahren. Bereits 1999 argumentierte Dunlop, Autofahrer in Europa würden nur alle sieben Jahre oder 100 000 Kilometer mit einer Panne konfrontiert. Wir haben nachgeprüft: Der ADAC registrierte im Jahr 2005 über 100 000 Einsätze wegen Reifenschäden; für 2004 weist das statistische Bundesamt über 1300 Unfälle mit Personenschäden aus, an denen der Reifen Mitverursacher war.

Zur Sicherheit einmal im Monat den Luftdruck kontrollieren

Nur mit dem vom Autohersteller empfohlenen Fülldruck kann ein Reifen seinen Pflichten nachkommen. Das setzt regelmäßige Kontrolle durch den Fahrer voraus, mindestens einmal im Monat. Denn der sonst schleichende Druckverlust erhöht die Walkarbeit des Pneus, er erhitzt sich übermäßig, löst sich schließlich auf - und fliegt einem im Extremfall um die Ohren. Aber eine regelmäßige Luftdruck-Kontrolle, so eine andere Statistik, ist nicht die Sache der meisten Autofahrer - aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit. Das wissen auch die Fahrzeughersteller und rüsten immer mehr Autos mit so genannten Runflat-Reifen aus. BMW zum Beispiel liefert konsequent alle aktuellen Modelle mit diesen speziellen Pneus aus, Mercedes bietet sie als Option an.

Rollen auch ohne Luft noch einige Kilometer: Runflat-Reifen

Runflat-Reifen haben verstärkte Seitenwände und können deshalb auch ohne Luft noch Kräfte übertragen. So gut sogar, dass unsensiblere Naturen den Druckverlust gar nicht merken. Deshalb ist an Runflat-Reifen stets ein Luftdruck-Kontrollsystem gekoppelt - was erklärt, warum aus Kostengründen ein Nachrüsten schwer möglich ist. Hat das System einen defekten Reifen gemeldet, kann der Fahrer seine Fahrt kontrolliert fortsetzen - bis zur nächsten Werkstatt oder zum Reifenhändler. Das darf er mit maximal 80 km/h tun und einer begrenzten Rest-Laufstrecke. Genaue Angaben hierzu macht der Fahrzeughersteller: BMW etwa nennt - je nach Beladung des Autos - 50 (voll beladen) bis 250 Kilometer (zwei Personen), Mercedes schränkt solche Fälle gar bei gleichfalls 80 km/h auf 30 oder 50 Kilometer ein - vielleicht zu kurz, um bis zur nächsten Werkstatt zu kommen. Um die Autobahn verlassen zu können, reicht es allerdings.

Pannenhilfe vom klassischen Ersatrad bis zum Dichtmittel

Wer keinen neueren BMW oder Mercedes fährt, muss andere Vorkehrungen treffen. Im Kofferraum finden sich je nach Hersteller unterschiedliche Systeme: vollwertiges Ersatzrad, Notrad oder Tirefit. Das "richtige" Ersatz- oder das Notrad hilft nur weiter, wenn es im Pannenfall selbst ausreichend unter Druck steht. Hand aufs Herz: Wer prüft das regelmäßig? Mit etwas Glück Ihre Werkstatt bei der letzten Inspektion. Mit dem Ersatzrad lässt sich die Fahrt nach erfolgreichem Wechsel normal fortsetzen, die Fahrt zum Reifenhändler muss nicht unmittelbar erfolgen. Nachteil: Das schwere fünfte Rad muss permanent mitgeschleppt werden und raubt Laderaum. Für das Notrad gilt das Gleiche, wenn auch in milderer Form. Nachteil hier: maximal 80 km/h, eingeschränkte Fahrstabilität und der Zwang, baldmöglichst für Ersatz zu sorgen. Tirefit ist ein Dichtungsmittel, das mittels Kompressor den defekten Reifen abdichtet und aufpumpt. Nachteil: Ist das Reifenventil verschmutzt, geht eventuell gar nichts. Die Selbsthilfe ist dann beendet. Wenn’s doch klappt: Größere Risse werden nicht verschlossen, die klebrige Masse führt zu Unwuchten, und die Felge ist gleichfalls stark verklebt. Der sonst eventuell durch Fachhand reparable Reifen muss nach Aussagen von Dunlop "baldmöglichst ersetzt werden". Er ist danach definitiv nicht mehr zu gebrauchen.

Zukunftsmusik: der Reifen, der sogar Nägel schluckt

Eine Alternative kommt von Kléber: Protectis heißt der Pneu, der eindringende Fremdkörper wie Schrauben und Nägel dank einer hochelastischen Innenschicht übersteht. Löcher mit einem Durchmesser bis 4,7 mm sollten kein Problem sein. Auch hier gilt aber: Regelmäßig den Luftdruck kontrollieren! Die wahre Lösung lautet also Eigenverantwortung. Wer stets den Druck seiner Reifen checkt, auf eingedrungene Fremdkörper oder sonstige Unregelmäßigkeiten achtet und abgenutzte oder beschädigte Pneus rechtzeitig ersetzt, könnte zu denen gehören, die - laut Statistik - nur alle sieben Jahre eine Reifenpanne haben. Bis dahin dürfte sich das Runflat-System flächendeckend durchgesetzt haben.

Tipps - So steigern Sie die Reifensicherheit:

    REIFENDRUCK Ist er zu niedrig, wird das Fahrverhalten schwammig, die Bremswege werden länger, Verbrauch und Reifenverschleiß steigen. Ist er zu hoch (eher die Ausnahme), leidet der Komfort. Im Extremfall ist dann die Reifenhaftung reduziert, weil sich der Reifen ballonförmig aufstellt.

    REIFENCHECK Gegen die Folgen zu niedrigen Luftdrucks hilft nur die regelmäßige Kontrolle. Aufkleber am Fahrzeug und die Bedienungsanleitung informieren. Bitten Sie Ihren Tankwart, Ihnen behilflich zu sein, wenn Sie unsicher sind oder den Schmutz scheuen. Prüfen Sie nur bei erkalteten Reifen. Ventilkappe unbedingt wieder aufsetzen. Auch wenn’s lästig ist: Reserverad nicht vergessen!

    REIFENSCHÄDEN Nur der Reifenhändler darf entscheiden, ob ein Fremdkörper entfernt und der Pneu repariert werden kann. Suchen Sie den Experten auch nach stärkeren Bordsteinremplern und bei Rissen oder Dellen in der Seitenwand auf.

    UNREGELMÄSSIGKEITEN Stellen Sie Vibrationen oder ein Schütteln im Lenkrad fest, lassen Sie die Reifenunwucht prüfen und beheben.

    RADWECHSEL So sieht der Idealfall aus (nachdem Sie vorher sicher auf dem Standstreifen zum Stehen gekommen sind): Vorher eingeölte Radschrauben lassen sich wesentlich besser lösen als (leider meistens) eingerostete. Eine Teleskopstange mit passender aufgesetzter Nuss (gibt’s im Zubehör oder in gut sortierten Baumärkten) knackt auch schwere Fälle. Verwenden Sie unbedingt eine
    Warnweste und Handschuhe, und sichern Sie das Fahrzeug nach dem Aufbocken gegen Verrutschen.

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