Neuer BMW ActiveHybrid X6 im ersten Test BMW ActiveHybrid X6

08.08.2011

BMW prescht voran mit dem ersten hiesigen Serien-Voll-Hybrid im X6. Mit der Power aus zwei E-Motoren und V8 bringt er es auf 485 PS

Eckdaten
PS-kW408 PS (300 kW)
AntriebAllradantrieb, 7-Stufen-Automatik
0-100 km/h5.7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit236 km/h
Preis102.900,00€

Hybrid – dieser Begriff steht bei vielen Menschen für den ökologisch sinnvollen, sparsamen und zukunftsträchtigen Fahrzeugantrieb schlechthin. Von Dynamik, Fahrspaß und Extravaganz ist in diesem Zusammenhang aber meist kaum die Rede.

Doch genau darum geht es beim ersten deutschen Serien-Voll-Hybrid, dem Fahrbericht BMW ActiveHybrid X6. Ja richtig, X6, jenes wuchtige, böse dreinblickende und äußerst präsente Schrägheck-Fullsize-SUV, das so gar nicht nach Ökomobil ausschaut. Ist es auch nicht.

Vielmehr handelt es sich hier um einen hochtechnisierten Allradler, dessen Kombination aus bekanntem 4,4-Liter-Biturbo-V8 (407 PS) und zwei im Getriebegehäuse integrierten Elektromotoren (91 und 86 PS) eine Systemleistung von nicht weniger als 485 PS generiert. Das klingt absolut nicht nach maßvoller Dynamik und fühlt sich auch nicht so an, obwohl die 485- köpfi ge Pferdeherde im Testwagen über 2,5 Tonnen Leergewicht auf Trab bringen muss.

MIT VEREINTEN KRÄFTEN
Besonders aus dem Stand heraus stürmt dieser X6 brachial vorwärts wie kein anderer. Er muss sich schließlich nicht allein auf den an sich nicht gerade schwachen Biturbo-Achtzylinder verlassen, sondern bekommt bei Vollgas die volle Unterstützung des Elektroantriebs. Die beiden E-Motoren stellen 280 und 260 Nm zur Verfügung, die praktisch vom Start weg in Nullkommanix abrufbar sind. Das schafft kein noch so potenter Verbrennungsmotor.

Auch Zwischenspurts und volles Durchbeschleunigen auf der Autobahn beherrscht der ActiveHybrid X6 dank seiner Elektro-Aktivitäten – nachvollziehbar im Display des iDrive-Systems – sehr souverän. Da stört es auch nicht, dass die Kombination aus Planetensätzen und Lamellenkupplungen ein wenig Zeit braucht, um den Antrieb butterweich und komfortabel in sieben Stufen schaltend auf die gerade passende Drehzahl einzustellen. Denn unter Volllast bleibt der X6 stets auf Zug und liefert kontinuierlich Kraft auf die vier Räder.

Doch das mächtige Hybrid-SUV kann auch ganz anders, wenn man es nicht ständig mit dem Gasfuß reizt. Im Schubbetrieb bis 65 km/h und beim Ampelstopp hat der V8 Pause, sofern die Betriebstemperatur erreicht und der Ladezustand der Nickel-Metall-Hydrid-Batterie unter dem Laderaumboden ausreichend ist. Rein elektrisch – und somit fast lautlos – vorwärts geht es dann allerdings nur auf Schleichfahrt bis maximal 60 km/h und auf einer Strecke bis 2,5 km.

Sobald jedoch nur die geringste Steigung zu bezwingen ist oder ein Anfl ug von nennenswerter Beschleunigung abgefordert wird, nimmt der V8 seine Arbeit wieder auf. Das hört man kaum, zu erkennen ist es aber daran, dass die Drehzahlmessernadel nicht mehr auf Null verharrt. Für den reinen Elektrobetrieb, der praktisch nur im Stadtverkehr möglich ist, verlangt es also nach einem äußerst sensiblen Gasfuß.

Doch selbst wenn man den Hybrid X6 zurückhaltend bewegt, ist der angegebene Normverbrauch von 9,9 Liter Super pro 100 km kaum zu erreichen. Werte zwischen zehn und zwölf Litern sind zwar realisierbar, ohne jedoch auch nur annähernd das maximale Antriebsmoment von 780 Nm zu nutzen.

SPARSAM IST RELATIV
Im praxisnahen AUTO ZEITUNG-Zyklus – inklusive Volllastanteil – schluckte der X6 14,1 Liter. Das klingt nicht besonders sparsam, ist für ein hochbeiniges, 485 PS starkes und 2574 Kilogramm schweres SUV jedoch nicht zu viel.

Wenig Kompromisse macht der Hybrid-X6, abgesehen von der etwas schwer dosierbaren Bremse und vom schlechten Kaltbremswert, in der Fahrdynamik. Spurstabil und mit präziser Rückmeldung in der Lenkung meistert X6 den Parforce-Ritt durch die Kurven. Der Federungskomfort bleibt dabei jedoch ein wenig auf der Strecke. Poltrig und recht unnachgiebig holpert der X6 über Querfugen und andere Unebenheiten hinweg.

Hybrid-Technologie ist teuer, auch bei BMW. Mit Metalliclack, 20- Zoll-Mischbereifung, Lederausstattung, Komfortsitzen, Glasdach, Rückfahrkamera und HiFi-/Navisystem macht die Serienausstattung des Hybrids zwar wunschlos glücklich, der Preis von 102 900 Euro ist allerdings happig.

Fazit

Mit dem ActiveHybrid X6 beweist BMW einmal mehr hohe Kompetenz. Kraftvoll und kultiviert funktioniert der Antrieb in der Praxis. Wägt man jedoch nüchtern alle Fakten wie Kosten, Gewicht, Dynamik und Komfort gegeneinander ab, gibt es in der X6-Palette bessere Alternativen, etwa den zwar schwächeren, aber leichteren und günstigeren xDrive50i oder den ungemein sportlichen Fahrbericht BMW X6 M mit Dynamikpaket. Und in puncto Verbrauch führt ohnehin kein Weg am Diesel vorbei.

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8-Zylinder, 4-Ventiler, Direkteinspritzer, zwei Turbolader
Hubraum4395
Leistung
kW/PS
1/Min

300/408
5500 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
600
k.A.
Kraftübertragung 
Getriebe7-Stufen-Automatik
AntriebAllradantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbel. Scheiben
Bereifungv: 255/50 R 19
h: 255/50 R 19
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)2574
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)5.7
Höchstgeschwindigkeit (km/h)236
Verbrauch 
Testverbrauch14.1l/100km (Super)
EU-Verbrauch9.9l/100km (Super)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)231

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