Seat Leon X-Perience vs. Skoda Octavia Scout & Audi A4 allroad: Cross-Kombi-Test Wilde Mischung

03.02.2015
Inhalt
  1. MOTOR/GETRIEBE
  2. FAHRKOMFORT
  3. KAROSSERIE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Seat Leon X-Perience und Skoda Octavia Scout sollen mit rustikaler Optik und Allradantrieb auf der SUV-Welle schwimmen. Mit dem gleichen Konzept ist dort bereits der Audi A4 allroad unterwegs. Vergleichstest

Schon seit Jahren zählen nicht nur Jäger und Förster zum Kundenkreis der hochbeinigen Allrad-Kombis. Es ist mittlerweile schlichtweg schick und stylisch, zu den etwas rustikaler anmutenden Cross-Kombis zu greifen, wenn man den Basis-Kombi als langweilig und das entsprechende SUV als übertrieben empfindet. Die dezent aufgepeppte Optik und ein paar Zentimeter mehr Bodenfreiheit genügen, um den Autos einen individuellen Auftritt zu verschaffen – ohne dass sie deshalb von ihrem alltagstauglichen Grundkonzept abweichen müssten.

Einer der Dauerbrenner in diesem Segment ist der Audi A4 allroad quattro, der gerade mit einem aktualisierten Motorenprogramm aufgewertet wurde. Doch mit den neuesten Ablegern der Konzernkollegen treten ihm nun harte Rivalen entgegentreten: Seat schickt erstmals den Leon X-Perience ins Rennen, und von Skoda kommt die Neuauflage des Octavia Scout. Können die beiden 150 PS starken Kompakten den Mittelklasse-Primus trotz seiner 190 PS vom Thron stoßen?

 

MOTOR/GETRIEBE

Alle drei Modelle verfügen über den 2.0 TDI-Motor

Theoretisch gäbe es die zwei Emporkömmlinge sogar mit 184 PS und den Audi seinerseits mit nur 150 PS unter der Haube. Doch weder die eine noch die andere Version war aktuell als Testwagen verfügbar, weshalb wir den Vergleich trotz der Leistungsdifferenz wagten. Und siehe da, so groß sind die Unterschiede auf der Straße gar nicht. Denn die zwei Kompakten, die auf die Komponenten des modernen MQB (Modularer Quer-Baukasten) zurückgreifen, wiegen erheblich weniger als der Audi, der den Motor längs unter der Haube trägt.

Fast 300 Kilo mehr muss der A4 in Fahrt versetzen, da sind ihm die 40 Extra-PS durchaus willkommen. Laut GPS-Messung spurtet der allroad quattro rund eine Sekunde schneller auf 100 km/h als die beiden Wettbewerber, doch ohne das Messgerät im Blick wird sein Leistungsplus eigentlich erst auf der Autobahn spürbar. Dabei profi tiert er weniger von seinem um wenige Stundenkilometer höheren Spitzentempo (215 km/h) als vielmehr von der vehementeren Beschleunigung bei höheren Geschwindigkeiten.

So knüpft der Audi seinen Widersachern bis 160 km/h über drei Sekunden ab. Das merkt man deutlich. Allerdings genehmigte sich der Ingolstädter dafür auch rund einen Liter mehr Dieselkraftstoff je 100 Kilometer. Mit durchschnittlich 6,9 Litern darf er aber dennoch als genügsam gelten. Das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe des Testwagens ging ungewohnt ruppig und zögerlich zu Werke. Hier würden wir uns noch mehr Feintuning an der Regelelektronik wünschen.

Bei den Testwagen von Seat und Skoda kommt jeweils ein manuelles Sechsgang-Getriebe zum Einsatz, sodass es allein in der Verantwortung des Fahrers liegt, den passenden Gang und Schaltzeitpunkt festzulegen. Seat und Skoda besitzen prinzipiell den gleichen Motor, der jedoch quer eingebaut ist und, wie gesagt, nur 150 PS leistet. Doch das reicht aus, um in unter neun Sekunden von null auf 100 km/h zu sprinten, und erlaubt den beiden Allrad-Kombis eine Höchstgeschwindigkeit von annähernd 210 km/h. Auf der Verbrauchsrunde begnügten sich die zwei Rivalen mit 5,8 (Seat) sowie 5,9 Litern (Skoda), woraus sich stattliche Reichweiten von über 900 km ergeben.

AUDI A4 allroad quattro 2.0 TDI clean diesel
SEAT LEON X-PERIENCE 2.0 TDI 4DRIVE
SKODA OCTAVIA SCOUT 2.0 TDI Green tec 4x4
190 PS 150 PS 150 PS
0-100 km/h in 7,9 s 0-100 km/h in 8,9 s 0-100 km/h in 8,7 s
Allradantrieb Allradantrieb Allradantrieb
Spitze 215 km/h Spitze 208 km/h Spitze 207 km/h
6,9 l D/100 km 5,8 l D/100 km 5,9 l D/100 km
Grundpreis: 43.400 Euro Grundpreis: 29.740 Euro
Grundpreis: 30.250 Euro

 

FAHRKOMFORT

Spürbar straffer abgestimmte Fahrwerke

Gegenüber den konventionellen Kombimodellen verfügen die drei Kandidaten samt und sonders über eine erhöhte Bodenfreiheit, mit der sie sich für den Einsatz auf Wald- und Feldwegen qualifizieren. Der Seat sitzt 27 mm höher, der Skoda schafft sogar 32 mm mehr Distanz zum Untergrund und verzeichnet damit rund 17 cm Bodenfreiheit, was der Audi nochmals um fast einen Zentimeter toppt. Der Haken an der Sache ist, dass die Fahrwerke zugleich auch gestrafft wurden.

Der Audi überzeugt dabei mit der insgesamt sensibelsten Federung und zeigt besonders auf derben Bodenwellen und bei kantigen Hindernissen wie herausstehenden Kanaldeckeln die größten Reserven. Außerdem zittert und knarzt seine Karosserie nicht einmal bei massiven Anregungen. Der Seat und der Skoda weisen zwar ebenfalls keine Schwachstellen hinsichtlich ihrer Karosseriesteifigkeit auf, doch das Schluckvermögen ihrer Federelemente ist geringer.

Der Leon hadert bei voller Zuladung mit großen Bodenwellen, auf denen er zunehmend ins Pumpen gerät. Dem Skoda bereiten eher kurze Anregungen Probleme. So tritt seine Hinterachse beim Überfahren von Querfugen nach, und sogar auf kleinteilig geflickten Belägen rollt er überraschend harsch ab. Mit zunehmender Beladung bessert sich sein Abrollverhalten aber. Alle drei Testwagen traten mit Sportsitzen zum Test an (Audi optional), weshalb sie im Sitzkomfort beinahe punktgleich abschneiden.

 

KAROSSERIE

Hoher Nutzwert und gutes Raumangebot

Ähnlich wie Funktionskleidung im Sportgeschäft, wollen diese Kombis eher mit handfesten Vorteilen als mit modischen Gimmicks überzeugen. Die angedeuteten UnterbodenVerkleidungen setzen bestenfalls optische Akzente, als Verkaufsargumente taugen eher die serienmäßige Dachreling sowie der glattflächige und große Kofferraum. Die variabelste Aufteilung und das größte Stauvolumen bietet der Skoda, während der Audi mit dem großzügigsten  Platzangebot für die Passagiere punktet. Bei der Sicherheitsausstattung liegt erneut der Octavia vorn, der dem technisch eng verwandten Leon einige Dinge voraus hat.

So verfügt er optional über einen proaktiven Insassenschutz, lässt sich mit Einparkassistent und Verkehrszeichen-Erkennung aufrüsten. Der Seat verfügt auf Wunsch zwar über topmoderne LED-Scheinwerfer, doch kann deren Leuchtkraft nicht restlos überzeugen. Außerdem gibt es für den Spanier kein Kurvenlicht. Beim Audi bekommt man nicht nur das Gepäck-Trennnetz serienmäßig, sondern sogar auch den Aufmerksamkeitsassistenten. Einen Spurhalte-Assistenten offeriert nur er. Doch ihm fehlen die aktuellen Features Multikollisionsbremse sowie eine aktive Verkehrszeichenerkennung. Das System im A4 bezieht sich lediglich auf die Daten im Navigationssystem.

 

FAHRDYNAMIK

Die Allradler bieten viel Sicherheit im Extremfall

Sein erheblich höheres Eigengewicht und das für Audi-Verhältnisse ungewohnt unharmonische Eigenlenkverhalten des A4 kompensiert dessen Mehrleistung in den Dynamik-Disziplinen, sodass die drei Rivalen fast zeitgleich über die Ziellinie kommen. Dabei zeigt der Ingolstädter eine ausgeprägte Untersteuer-Tendenz und lenkt recht unwillig ein. Hinzu kommt, dass die Lenkung, auch auf der Autobahn, ungleichmäßig auf Impulse anspricht. Auf Lastwechsel reagiert der A4 empfindlicher als die beiden Herausforderer.

Während der Seat wegen seiner minimal kürzeren Übersetzung etwas zügiger spurtet als der Skoda, brilliert dieser mit der präzisesten Lenkung und den höchsten Kurvengrenzgeschwindigkeiten. Selbst eklatante Fahrfehler bringen ihn kaum aus der Ruhe, und zu guter Letzt baut er auch noch die beste Traktion auf. Solange wenigstens ein Rad Halt findet, zieht er sich verblüffend gut aus der Affäre. Der Seat verlangt im Offroad-Einsatz mehr Gaseinsatz, während der A4 allroad quattro rutschige Passagen weniger geschmeidig absolviert. Seine Traktionskontrolle arbeitet mit gröberen Intervallen. Verschneite Straßen meistern die drei Allradler allesamt problemlos – sofern sie auf Winterreifen stehen.

 

UMWELT/KOSTEN

Rund 10.000 Euro trennen die zwei Fahrzeugklassen

Während Seat und Skoda für rund 30.000 Euro in der Preisliste stehen, weist Audi für den getesteten A4 über 40.000 Euro aus – das verschafft den zwei Kompakten ein riesiges Punktepolster. Doch wer sich den Mittelklasse-Audi leisten kann und möchte, wird ihn nur selten an diesen beiden Gegnern messen.

Für sich betrachtet ist der Audi fair kalkuliert: Der allroad kostet 1750 Euro mehr als ein Avant quattro – hat aber bereits 17-Zöller, Lederlenkrad und Scheinwerferreinigung an Bord. Zudem bietet er exklusive Stoffe und Karosseriedetails sowie 200 Kilo mehr Anhängelast. Allein das ist für manche Grund genug, den Kombi im Outdoor-Look zu bestellen.

 

FAZIT

In der Summe seiner Eigenschaften ist der Skoda Octavia Scout das überzeugendste Fahrzeug in diesem Test: Zu einem sehr attraktiven Preis bekommt der Kunde nicht nur ein bis ins Detail pfiffig gemachtes,  sondern auch sehr geräumiges und harmonisches Auto, das zudem mit der besten Traktion glänzt.

Es folgt nach Punkten der eng verwandte Seat Leon X-Perience, der jedoch in einigen Kleinigkeiten das Nachsehen hat und sich nur bei der Konnektivität an die Spitze setzen kann.

Der Audi A4 allroad quattro ist im direkten Vergleich einfach zu teuer, um seine Vorzüge bei Qualität und Komfort sowie die besseren Fahrleistungen in einen Punktsieg umzumünzen. Doch der Vergleich ist auch nicht ganz fair. Schließlich konkurriert der Ingolstädter – nicht nur beim Image – eher mit den Premium-Rivalen aus der Mittelklasse.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Martin Urbanke

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