Seat Leon ST Cupra 280: Unterwegs auf Mallorca Der wahre Ballermann

11.07.2015

Per Knopfdruck wird der neue Seat Leon ST Cupra vom handzahmen Kompakt-Kombi zum überzeugenden Sportsfreund. Wir schauen uns beide Seiten des Sport-Spaniers auf Mallorca einmal näher an – und lernen dabei die Urlaubsinsel jenseits von Ballermann und Bettenburgen kennen

Überall ist Urlaub. Ältere Herrschaften eilen mit prall gepackten Rollkoffern und starrem Blick durchs Terminal, Familienväter beruhigen unzufriedene Kleinkinder am Kofferkarussell. Auf dem Aeroporto de Son Sant Joan ist die Hölle los. In Heerscharen strömen all die die Erholungsbedürftigen nach Mallorca, um am Strand zu entspannen, am „Ballermann“ zu feiern, oder das bergige Hinterland zu erwandern. Sportlich Autofahren hat hier wohl kaum einer im Sinn – abgesehen von uns. Zwei Tage wollen wir auf der Insel verbringen, um den neuen Seat Leon ST Cupra gründlich zu testen. Einerseits im Alltagsbetrieb zwischen Stadt, Land, Autobahn und Stop-and-Go, andererseits auf der einzigen Rennstrecke der Insel, dem kurvig-kompakten Circuit de Mallorca.

 

Seat Leon ST Cupra: Zwischen Kloster und Rennstrecke

Froh, den Touristen-sirrenden Flughafen hinter uns zu lassen, entscheiden wir uns auf den ersten Kilometern für einen ruhigen Anfang.  Nachdem sich auch die unsicheren Mietwagen-Piloten mit dem feurigen Temperament Mallorquinischer LKW-Fahrer arrangiert haben, rollen wir mit Tempomat und aktiviertem Abstandsradar ganz entspannt in Richtung Rundkurs. Zeit, sich einmal genauer mit dem Auto zu befassen.

Ab Werk leistet der 2.0 TSI Vierzylinder im Seat Leon Cupra 265 PS, ganz gleich ob man das Coupé, den Fünftürer oder die frisch erschienene Kombi-Variante wählt. Für unsere Tour entscheiden wir uns allerdings - wie auch 90 Prozent der Cupra-Kunden - für den stärkeren Cupra 280 mit eben 280 PS. Während der MQB-Plattformbruder Golf R seine Kraft über alle vier Räder auf die Straße bringt, begnügt sich der Seat mit Frontantrieb. Das typische Untersteuern in schnellen Kurven soll dabei die serienmäßige Vorderachs-Differenzialsperre verhindern – offenbar erfolgreich, schließlich hält der Seat Leon ST Cupra 280 seit Mai mit 7:58 Minuten den Rundenrekord für Kombis auf der Nürburgring Nordschleife.

Nach zwei Stunden Rückenfolter auf den neuen, ultra-dünnen Lehnen der Flugzeugbestuhlung und stabilen 31 Grad im Schatten freuen wir uns jedoch erstmal über die bequemen Leder-Sportsitze, den Komfort-Modus der aufpreisfreien adaptiven Dämpfer und die ebenso kostenfrei verbaute Klimaautomatik. Keine Frage: Alltag kann er, der Cupra. Aber das ist längst nicht alles. Und wer an dieser Stelle wirklich über Rückenprobleme schreibt und auf Mallorca den Alltag sucht, der sollte dringend einmal den kleinen Knopf mit der Zielflagge drücken, der da verheißungsvoll auf dem Armaturenbrett wartet. Gesagt, getan. Cupra-Modus!

Augenblicklich schärft sich die Gaspedal-Kennlinie, straffen sich Dämpfer und Lenkung, erwacht der Sound-Generator und hüllt den Innenraum in ein sonores Brummen. Runter in den Dritten, Vollgas. Ohne weitere Fragen rastet unser eben noch so zivilisierter Cupra aus, schießt nach vorn, dreht fast bis 7.000, ja, verdammt, das Tempolimit. Aber zum Glück gibt’s da ja noch die Rennstrecke…

3.200 Meter über fünf Links- und acht Rechtskurven läuft der einzige Rundkurs der Insel, Meerblick inklusive – falls man mal Zeit zum Gucken hat. Also: Cupra-Modus wieder an und ESP aus - pardon, fast aus, denn ganz  lässt sich das System nicht deaktivieren. Angesichts der Tatsache, dass man hier aber ja eigentlich in einem kompakten Familienkombi sitzt, ist diese Form der Bevormundung völlig in Ordnung. Auf der Strecke bestätigt unser Seat Leon Cupra ST dann all die Nürburgring-Geschichten und Werbeparolen: er hat nicht nur Kraft, sondern weiß diese auch einzusetzen.

 

Seat Leon ST Cupra 280: Differenzialsperre und Semi-Slicks

Die Differenzialsperre verhindert in engeren Kurven effektiv ein Schieben über die Vorderräder und verteilt jeweils mehr Drehmoment auf das kurvenäußere Rad. So wird der Cupra praktisch durch die Kehren gezogen – zumindest, wenn die Straße trocken ist. Doch darüber muss man sich hier auf der Insel nun wirklich keine Gedanken machen.  Runde um Runde arbeiten wir uns also über den staubigen Circuito, lassen uns mit Vollgas an den Rand der beiden Hochgeschwindigkeitskurven tragen und freuen uns vor den Schikanen über die anhaltende Verbindlichkeit der standfesten Bremsanlage.

Besonders das serienmäßige Schaltgetriebe passt mit seiner knackigen Abstimmung besonders gut zum Gesamtbild. Die 1.700 Euro Aufpreis für das Sechsgang-DSG kann man jedenfalls getrost für andere Dinge ausgeben – etwa einen Mallorca-Urlaub, um mal das Beispiel zu nennen, das uns hier zuerst einfällt. Auch die Wahl der Reifen sollte sehr genau überlegt sein: Michelin Pilot Sport Cup 2 Semi-Slicks sind im „Performance-Paket“ mit einer verstärkten Brembo-Bremse erhätlich – durchaus attraktiv auf der Rennstrecke, eher problematisch im (nassen) Alltagsbetrieb. 

Als schließlich das Streckenpersonal im coolen Käfer Strandbuggy dem Feierabend entgegenfiebert und der Meerblick in der ersten Kurve von einem imposanten Sonnenuntergang ergänzt wird, geben wir das Steuer noch für eine letzte schnelle Runde dem Rennfahrer Sebastian Stahl in die Hand (siehe Video) und brechen dann auf in Richtung Hotel. Schön brav im Komfort-Modus. So als wäre nichts gewesen.

Am nächsten Morgen steht dann vor dem Rück- noch ein kurzer Ausflug an. Santuari de Cura lautet unser Ziel, das uns ein Ortskundiger am Frühstückstisch empfehlend zuraunt: ein altes Kloster auf dem 543 Meter hohen Berg Puig de Randa. Klingt, als wäre hier für Auto und Fahrer etwas dabei.

Bis zum Dorf Randa am Fuße des weit sichtbaren Bergmassivs, das sich mitten aus der mallorquinischen Tiefebene erhebt, lassen wir uns bequem per Navi führen. Dann folgen fünf Kilometer steile Serpentinen, gespickt mit kaum einsehbaren Kurven und Rennradlern (auch schon morgens um neun). Vorsichtig durch die Spitzkehren tasten, Vollgas auf den Geraden. Hier zeigt sich beeindruckend die Leistungsbereitschaft, mit der der Vierzylinder zur Sache geht und als Kombi mit DSG in sechs Sekunden auf (deutsches) Landstraßentempo beschleunigt.

Zwischen dem Kloster aus dem 13. Jahrhundert und der etwas neueren Radar-Anlage nebenan, halten wir für ein paar Bilder am Straßenrand. Alor Blau heißt die Farbe unseres Fotoautos, ergänzt durch das „Black-Line“-Exterieurpaket. Zu dezent? Wer optisch etwas mehr auf den Putz hauen möchte, kann auch grell orange Zierteile ordern – samt passend lackierter 19 Zöller. 

Kurz bevor der Wecker mahnend zurück zum Flughafen bittet, gönnen wir uns am Kloster einen Moment Stille. Die erkundungsfreudigen Touristen haben es an diesem Morgen noch nicht bis zum Kloster geschafft, eine angenehm laue Brise weht vom Meer herüber. Braucht der Cupra wirklich diesen Sound-Generator? Künstlicher Klang, quasi „aus der Büchse“? Wir finden: ja. Besonders an einem Ort wie dem Kloster Cura reicht es doch eigentlich, wenn man stumm im Innenraum genießt. Lärm gibt es schließlich genug, etwa am Flughafen, wo auch heute wieder die Erholungsbedürftigen nach Urlaub suchen. Wir haben ihn gefunden: Den wahren Ballermann.

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