Seat Exeo ST gegen Toyota Avensis Combi Seat Exeo ST gegen Toyota Avensis Combi

09.11.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Diesel-Kombis sind das Graubrot der Mittelklasse. Bringen Seat Exeo ST 2.0 TDI und Toyota Avensis 2.2 D-4D etwas Farbe in den Alltag?

Warum eigentlich nicht? So wie früher Lederhosen und Bergstiefel an jüngere Geschwister weiter vererbt wurden, kann es auch mit Autos funktionieren: Das junge Konzernmitglied Seat trägt die Modelle der älteren Tochter Audi auf. Nach der Exeo-Limousine kommt der Kombi namens ST, der nicht nur im Wesentlichen die Karosserie, sondern auch große Teile der Technik des alten Audi A4 verwertet.

Dass man sich noch nicht einmal sehr große Mühe gab, die Ähnlichkeit zu verbergen, zeugt von Selbstbewusstsein. In diesem Vergleich tritt der Seat mit Audi-Vergangenheit gegen den noch recht frischen Toyota Avensis Combi an. Der Japaner kommt mit dem 150 PS starken 2.2 D-4D-Triebwerk und einer brandneuen Sechsstufenautomatik.

Dazu passt der Exeo mit Zweiliter-TDI und 143 PS. Alle Diesel im Exeo sind übrigens aktuelle Common-Rail-Aggregate, auch das mit dem Auftragen hat schließlich Grenzen. Ein Automatikgetriebe ist allerdings für den Seat nicht verfügbar, weshalb er mit dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe den Test bestreitet.

 

Karosserie

Eigentlich kann man sich das Punkteverteilen fast schenken. Schon auf den ersten Blick offenbart der Japaner, dass er – rein räumlich betrachtet – in einer anderen Liga spielt. Neben dem stämmigen Seat wirkt der Toyota fast wie eine Großraumlimousine. Im Innenraum geht es vorn wie hinten deutlich luftiger zu, und auch die Laderaum-Volumina sprechen eine deutliche Sprache: Bereits im Normalzustand fasst der Avensis 100 Liter mehr, bei umgeklappten Lehnen sind es rund 250 Liter Unterschied zugunsten des Avensis.

Zudem lässt sich das Frachtabteil besser nutzen. Das Vorklappen der Lehnen zur topfebenen Ladefläche erfolgt mit einem simplen Handgriff. Eine weitere erfreuliche Kleinigkeit: Serienmäßig verfügt der Avensis Combi über ein in das Laderaumrollo integriertes Gepäcktrennnetz.

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Alles bestens also, nur muss man sich mitunter über die unverständliche Aufpreispolitik der Japaner ärgern. So gibt es die empfehlenswerten Gepäckraumschienen ausschließlich in den teuren Ausstattungsversionen Executive und TEC-Edition. Viele Features der recht umfangreichen Sicherheitsausstattung, wie das Precrash-Safety-System und die adaptive Temporegelung, sind ebenfalls nur im TEC-Edition dabei.

Für die anderen Versionen sind sie selbst gegen Aufpreis nicht lieferbar. Darüber muss sich der Exeo-Interessent keine großen Gedanken machen. Derartige Hightech-Funktionen hat er nicht zu bieten, die Aufpreisliste ist kurz und bodenständig. Sie umfasst nur das Notwendigste, wie etwa Bi-Xenonlicht oder DVD-Navigationssystem. So liegt der Avensis in der Karosseriewertung vorn, obwohl der Exeo zum Schluss noch mal mit seiner sehr soliden Qualität punktet.

KarosserieMax. PunkteSeat Exeo ST 2.0 TDIToyota Avensis Combi 2.2 D-4D
Raumangebot vorn1007578
Raumangebot hinten1006974
Übersichtlichkeit703430
Bedienung/ Funktion1008582
Kofferraumvolumen1004257
Variabilität1003345
Zuladung/ Anhängelast803440
Sicherheit1508693
Qualität/ Verarbeitung200176170
Kapitelbewertung1000634669

 

Fahrkomfort

Komfort im Auto fängt bekanntlich beim Sitzen an, und hier holt sich der Seat bereits einige Punkte Vorsprung. Der Testwagen kam in der teuren Sport-Ausstattung (1800 Euro Aufpreis) und verfügte damit über angenehm straff gepolsterte und sehr gut konturierte Sitzmöbel. Die serienmäßigen Toyota-Sessel sind zwar ebenfalls nicht unbequem, sie bieten aber wenig Halt und sind mit sehr synthetisch anmutendem Stoff bezogen.

Im Fond leidet der Sitzkomfort im Avensis unter der etwas zu schrägen Lehne, welche die Insassen in eine unbequeme Haltung zwingt. Da fühlen sich die hinteren Passagiere im Exeo schon eine Spur wohler – jedenfalls solange sie nicht zu groß gewachsen sind, denn Kopf- und Kniefreiheit im Seat-Fond sind in dieser Klasse unterdurchschnittlich.

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Punkten kann der Spanier mit den Ingolstädter Wurzeln dagegen mit der überlegenen ergonomischen Qualität seines Interieurs. Wer den alten A4 kennt, wird sich im Exeo blind zurecht fi nden, einschließlich Navi-Bedienung. Das alles geht im Avensis nicht so flott von der Hand, denn etwa die fehlerfreie Bedienung des Touchscreen-Navis will geübt sein. Beiden Kombis gemeinsam ist übrigens der Mangel an vernünftigen Ablagen in Reichweite des Fahrerplatzes – ein gerade bei Reiseautos doch nicht ganz unwichtiger Punkt.

Wenig zu meckern gibt es dagegen beim Federungskomfort. Der Seat ist insgesamt deutlich straffer abgestimmt, feine Unebenheiten verdaut der Toyota etwas sanfter. Bei heftigeren Unebenheiten zeigt sich der Spanier dagegen geschmeidiger, der zudem seine maximale Zuladung besser verkraftet.

FahrkomfortMax. PunkteSeat Exeo ST 2.0 TDIToyota Avensis Combi 2.2 D-4D
Sitzkomfort vorn15010293
Sitzkomfort hinten1006864
Ergonomie150120112
Innengeräusche503133
Geräuscheindruck1007370
Klimatisierung503838
Federung leer200125118
Federung beladen200122120
Kapitelbewertung1000679648

 

Motor und Getriebe

Klar ist: Wer einen Dieselkombi in dieser Preis- und Leistungsklasse kauft, will vor allem ein sparsames Raumfahrzeug. Diese Erwartung erfüllen die beiden Selbstzünder: Verbrauchswerte zwischen 6,3 (Exeo) und 6,7 Liter Diesel (Avensis) sind in dieser Klasse sehr ordentlich. Immerhin reden wir hier von knapp über 200 km/h schnellen und über 1,5 Tonnen schweren Automobilen.

Die Fahrleistungen geben übrigens bei keinem der Testkandidaten Anlass zur Klage. Beim Seat-Antrieb stört allenfalls die etwas ausgeprägtere Anfahrschwäche. Das Sechsgang-Schaltgetriebe ist exakt schaltbar und passend gestuft. Ganz so positiv kann sich die neue Automatik im Toyota nicht in Szene setzen. Schaltstufen werden mitunter nur unwillig und oft zu spät gewechselt. Auf manuelle Eingriffe mittels serienmäßiger Schaltpaddel reagiert das Getriebe nur mit Verzögerung. Wer übrigens im Avensis auf die Automatik verzichten kann, spart 1600 Euro.

Ein paar Punkte mehr sammelt der Seat auch mit der angenehmen Laufkultur seines Common-Rail-Triebwerks, der Toyota-Motor gibt sich in allen Lebenslagen etwas raubeiniger.

Motor und GetriebeMax. PunkteSeat Exeo ST 2.0 TDIToyota Avensis Combi 2.2 D-4D
Beschleunigung15099100
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1505857
Getriebeabstufung1008278
Kraftentfaltung503532
Laufkultur1006562
Verbrauch325262254
Reichweite252317
Kapitelbewertung1000624600

 

Fahrdynamik

Nun gut, ein Familienkombi ist kein Rennwagen, aber auch Papi hat mehr Spaß, wenn die Fuhre einigermaßen ordentlich ums Eck geht. Dass sie zudem noch gute Bremsen haben sollte, ist ohnehin selbstverständlich. In dieser Disziplin liegt der Spanier vorn. Er verzögert fast auf Sportwagen-Niveau und zeigt keinerlei Fading bei warmgebremsten Stoppern.

Auf der Handlingstrecke war gar ein richtiger Klassenunterschied erkennbar: über sechs Sekunden schneller, das ist eine andere Welt. Dem Japaner wird hier sein nicht abschaltbares VSC (ESP) zum Verhängnis, das sehr früh und sehr bestimmt einschreitet. So kann der A4-Wiedergänger allein in diesem Kapitel 100 Zähler Vorsprung verbuchen.

FahrdynamikMax. PunkteSeat Exeo ST 2.0 TDIToyota Avensis Combi 2.2 D-4D
Handling1509542
Slalom1005856
Lenkung1007268
Geradeauslauf504142
Bremsdosierung301517
Bremsweg kalt15010071
Bremsweg warm1509776
Traktion1003740
Fahrsicherheit150112115
Wendekreis201111
Kapitelbewertung1000638538

 

Umwelt und Kosten

Die Kosten für Anschaffung und Unterhalt der beiden Kombis liegen auf so ähnlichem Niveau, dass Kleinigkeiten entscheiden. Der Exeo sammelt mehr Punkte mit dem niedrigeren Grundpreis, hat aber die teurere Normausstattung. Im Übrigen würde sich am Ergebnis nichts ändern, wenn man den Grundpreis des Avensis mit Schaltgetriebe zugrunde legte.

Den höheren prozentualen Wertverlust gleicht der Seat zudem durch den niedrigeren Preis aus. Einen kleinen Vorteil verbucht er darüber hinaus mit seinen besseren Garantieleistungen. Dafür fährt der Toyota mit den minimal günstigeren Versicherungseinstufungen ein paar Pünktchen ein. Dennoch liegt der spanische Kombi in diesem Kapitel vor seinem japanischen Konkurrenten.

Kosten/UmweltMax. PunkteSeat Exeo ST 2.0 TDIToyota Avensis Combi 2.2 D-4D
Bewerteter Preis675202184
Wertverlust502121
Ausstattung251520
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502825
Werkstattkosten201515
Steuer1087
Versicherung403134
Kraftstoff554342
Emissionswerte258383
Kapitelbewertung1000446431

 

Fazit

Der Seat Exeo sorgt für wenig Überraschung – im positiven Sinne. Er zeichnet sich durch die gleichen Qualitäten aus, die auch dem alten Audi A4 zu eigen waren: hervorragende Fahrdynamik, kräftiger Dieselmotor, Top-Verarbeitung, aber auch Mängel beim Platzangebot. Wer einen großen Kombi sucht, der ist mit dem Toyota Avensis besser bedient. Der Japaner hat viel Platz und einen ordentlichen Fahrkomfort, kann aber dynamisch nicht mit dem feurigen Spanier mithalten.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSeat Exeo ST 2.0 TDIToyota Avensis Combi 2.2 D-4D
Summe500030212886
Platzierung12

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