Scharf gemacht: Mini gegen Fiat Grande Punto Scharf gemacht

02.01.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Bei Mini John Cooper Works und Grande Punto Abarth esseesse stehen die Zeichen auf Sport. Die beiden Kraftzwerge gehen mit einer Leistung von 211 und 180 PS ins Rennen. Wir klären die Positionen

Fiat hat seine traditionsreiche Rennsportfirma Abarth wieder ins Leben gerufen. Die Marke mit dem Skorpion im Wappen fuhr, die Älteren werden sich erinnern, auf Basis von getunten Fiats vor allem in den 60er Jahren viele Klassensiege auf den Rennstrecken und Rallye-Pisten Europas ein. Darüber hinaus war man – rund um Firmengründer Carlo Abarth – renommierter Spezialist für getunte Straßenfahrzeuge. An diesen Ruhm möchte man mit einer Reihe von sportlichen Modellen wieder anknüpfen.

Erster auf der Renaissance-Welle ist der Grande Punto Abarth. Sein 1,4-Liter-Turbomotor produziert 155 PS. Sollte das nicht reichen, steht das 180 PS starke Leistungs-Kit mit der Bezeichnung „esseesse“ (steht für Super Sport) noch bereit. Darin enthalten ist unter anderem ein 18-Zoll-Fahrwerk mit stärkerer Bremsanlage und rundum gelochten Bremsscheiben.

Bei Mini ist der John Cooper Works in der zweiten Generation vom Nachrüstsatz zur Serienversion gereift. Aber immer noch wird das Gesamtpaket von Mike Cooper (Sohn des legendären Mini-Tuners John Cooper) entwickelt und bietet nun stramme 211 PS. An Leistung mangelt es den beiden Kraftzwergen also nicht. Jetzt müssen sie zeigen, was in ihnen steckt.

 

Karosserie

Mit imposanten 17-Zoll- (Mini), beziehungsweise 18-Zoll-Rädern (Punto), dezentem Spoilerwerk und Doppelrohr-Auspuffanlagen machen beide schon im Stand optisch was her. Beim Entern der Türen zeigt sich jedoch schnell, dass der kleiner geschnittene Mini beim Raumangebot nichts gegen den Punto ausrichten kann. Dieser glänzt – vorne und vor allem hinten – mit viel Bewegungsfreiheit. Und auf der Rückbank lässt es sich sogar auf längeren Touren gut aushalten, während der Mini hier allenfalls Kleinkindern gerecht wird. Klein ist auch das Gepäckabteil, das mit nur 160 Litern schnell an seine Grenzen stößt. Zumindest lässt sich die Rückbank geteilt umklappen. Dann stehen immerhin 680 Liter bereit (Punto: 275 bis 1030 Liter).

Jedoch ist der Anglo-Bayer beim Einparken etwas übersichtlicher und hat unter anderem mit serienmäßigen Notlaufreifen und Reifenpannenanzeige sowie optionalen Xenon-Scheinwerfern die umfassendere Sicherheitsausstattung. Leider kosten auch die Nebelscheinwerfer extra. Der Mini entschädigt mit einer höheren Verarbeitungsqualität, was aber den Etappensieg des Punto nicht vereiteln kann.

KarosserieMax. PunkteMini John Cooper WorksFiat Grande Punto Abarth esseesse
Raumangebot vorn1005564
Raumangebot hinten1002544
Übersichtlichkeit704642
Bedienung/ Funktion1007580
Kofferraumvolumen100118
Variabilität1001515
Zuladung/ Anhängelast801719
Sicherheit1508168
Qualität/ Verarbeitung200140131
Kapitelbewertung1000455481

 

Fahrkomfort

Um den sportlichen Ansprüchen gerecht zu werden, wurde das Fahrwerk hier wie dort nochmals eine Spur straffer gewählt. Beim Ritt über die Marterstrecken lässt der ruppig ansprechende Punto seine Insassen nie über den Fahrbahnzustand im Unklaren. Seine harte Feder-Dämpfer-Einheit mit kurzen Wegen speziell auf der Vorderachse regt die Karosserie zu ständigen Vertikalbewegungen an. Kommt es dann richtig derb, schlägt der Italiener sogar durch.

Sensibler und wesentlich rückenfreundlicher ist dagegen der Mini. Nur seine kurzen Sitze könnten mehr Seitenhalt haben. Auch lassen sich die Rücklehnen nicht wie beim Punto stufenlos verstellen. Der nennt spezielle Abarth-Sportsitze sein Eigen, die den Körper insgesamt gut abstützen, aber im Schulterbereich leicht drücken, was auf Dauer zu Unbehagen führt. Trotzdem, wegen des besseren Sitzkomforts, besonders im Fond, und der serienmäßigen Klimaanlage liegt der Abarth leicht vorn.

FahrkomfortMax. PunkteMini John Cooper WorksFiat Grande Punto Abarth esseesse
Sitzkomfort vorn1508590
Sitzkomfort hinten1003353
Ergonomie150110118
Innengeräusche502817
Geräuscheindruck1005248
Klimatisierung501933
Federung leer20011096
Federung beladen20010598
Kapitelbewertung1000542553

 

Motor und Getriebe

Das Plus an Leistung beim Grande Punto Abarth esseesse wird im wesentlichen mittels Software-Eingriff ins Motormanagment sowie einer Erhöhung des Ladedrucks des Garrett-Turboladers (1,3 auf 1,8 bar) erzielt. Eine Overboost-Funktion lässt das maximale Drehmoment von 230 kurzfristig auf 272 Newtonmeter ansteigen. So begeistert der esseesse-Motor mit druckvollem Antritt und sprintet innerhalb von 7,3 Sekunden auf Tempo 100, das reicht für 215 km/h in der Spitze. Weniger überzeugen kann dagegen das Sechsganggetriebe, dass sich bei schnellen Schaltvorgängen recht hakelig und kratzend bemerkbar macht.

Ganz anders die extra für den John Cooper Works modifizierte Sechsgang-Box mit kurzen, knackigen Wegen sowie perfekter Abstufung. Auch die Maßnahmen zur Leistungssteigerung gestalten sich wesentlich aufwendiger. Sie reichen vom modifizierten Turbo mit mehr Ladedruck, einem überarbeitetem Zylinderkopf, den neuen Kolben bis hin zur Entdrosselung auf der Ansaug- und der Abgasseite. Dementsprechend lustvoll und drehfreudig schießt der Mini los, hat schon bei frühen 1850 Touren seinen Drehmomentgipfel (260 Nm; Overboost 280 Nm bei 2000 /min) erreicht. Der vehemente Druck steht gleichmäßig bis 5600 Umdrehungen zur Verfügung. Für Sportwagenfahrer mutiert das JCW-Modell zum ernsthaften Gegner, der in nur 6,4 Sekunden die 100er Marke erklimmt und locker bis 238 km/h rennt. Dabei konsumiert der Mini mit 9,4 Liter Super Plus im Schnitt noch einen halben Liter weniger als der Punto.

Motor und GetriebeMax. PunkteMini John Cooper WorksFiat Grande Punto Abarth esseesse
Beschleunigung150171162
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15010885
Getriebeabstufung1009077
Kraftentfaltung504235
Laufkultur1006862
Verbrauch325170164
Reichweite2586
Kapitelbewertung1000657591

 

Fahrdynamik

Mit neutralem Eigenlenkverhalten und leichtfüßiger Handlichkeit umrundet der John Cooper Works das abgesperrte Testgelände. Die Agilität beim Einlenken wird zudem erhöht, indem man bei abgeschaltetem ESP (DSC) das Gas lupft und sich daraufhin das Heck sanft eindreht. Ferner tritt bei abgeschaltetem Schleuderschutz die elektronische Differentialsperre (EDLC) in Kraft, die dem Mini zusätzliche Traktion beim Herausbeschleunigen gewährt. Dank seiner mitteilsamen und messerscharfen Lenkung ist es ein leichtes Spiel, saubere Linien auf den Handlingparcours zu zaubern. Jedoch fordert diese Charakteristik viel Konzentration, da der Mini nervös jeder Spurrille nachläuft.

Noch nervöser der Punto. Seine Lenkung spricht um die Mittellage verzögert an und fühlt sich insgesamt etwas zu synthetisch an. Das wäre noch zu verschmerzen, wenn nicht das unharmonische, harte Fahrwerk schon auf kleinsten Bodenwellen durchschlagen würde. Dadurch springt und versetzt der Grande Punto, sein nicht abschaltbares ESP bekommt einiges zu tun. Auch von der in der Leistung angepassten Bremsanlage hätten wir mehr erwartet: 38,5 Meter kalt und 39,7 Meter warm sind keine Glanzvorstellung. Wie es besser geht, zeigt der Mini, der schon nach sehr guten 33,5 Metern steht (warm: 34,8 Meter)

FahrdynamikMax. PunkteMini John Cooper WorksFiat Grande Punto Abarth esseesse
Handling1508768
Slalom1007955
Lenkung1008068
Geradeauslauf502527
Bremsdosierung302118
Bremsweg kalt15011565
Bremsweg warm15010253
Traktion1003533
Fahrsicherheit150115105
Wendekreis20149
Kapitelbewertung1000673501

 

Umwelt und Kosten

Der Grande Punto Abarth esseesse ist mit 23400 Euro nicht nur 4300 Euro günstiger, sondern wesentlich besser ausgestattet und geht in diesem Kapitel als Sieger hervor. Und obwohl der Mini deutlich teurer ist, kosten selbst die Klimaanlage oder Nebelscheinwerfer Aufpreis. Doch glänzt der Anglo-Bayer mit geringen Werkstattkosten, günstigeren Versicherungstarifen und den niedrigeren Kraftstoffkosten.

Kosten/UmweltMax. PunkteMini John Cooper WorksFiat Grande Punto Abarth esseesse
Bewerteter Preis675200229
Wertverlust502323
Ausstattung251121
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502817
Werkstattkosten201512
Steuer1099
Versicherung402928
Kraftstoff553432
Emissionswerte258687
Kapitelbewertung1000435458

 

Fazit

Kraft ohne Ende, ein agiles Handling und bissige Bremsen: Der Mini John Cooper Works ist ein Sportgerät vom Feinsten mit sehr hohem Spaßfaktor. Bis auf das bescheidene Raumangebot leistet er sich keine Schnitzer und siegt verdient. Wäre da nicht der gesalzene Preis. Auch der kräftige, auf 180 PS hochgezüchtete Motor im Grande Punto Abarth esseesse hat seinen Reiz. Jedoch trübt die unausgewogene Fahrwerksabstimmung gleichermaßen Fahrspaß und Komfort. Hier sollte die Fiat-Tochter Abarth schnellstens nachbessern.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMini John Cooper WorksFiat Grande Punto Abarth esseesse
Summe500027622584
Platzierung12

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