Reportage: 75 Jahre RUF Jubiläum Porsche hoch zwei

04.01.2015
Inhalt
  1. Ruf-Käfer mit 500 Kubik Hubraum und 9 PS
  2. Dem Werk voraus: 5 Gänge im 911 turbo
  3. Der Yellow Bird machte Ruf bekannt
  4. 1992: Elektronisches Kupplungssystem
  5. Die Entwicklung bei Ruf besitzt Dynamik

Seit 75 Jahren kümmert man sich bei Alois Ruf um Fahrzeuge und seit mehr als 50 Jahren ganz besonders darum, Porsche zu optimieren. Reportage

Gewerbefleiß, Erfindergeist und sympathische Bescheidenheit sind seit jeher urschwäbische Eigenschaften. Den Bayern werden indes gern Freundlichkeit und Gemütlichkeit nachgesagt. Dem entsprechend lohnt im Falle der Firma Ruf ein Blick auf die Landkarte. Markt Pfaffenhausen, unweit von Mindelheim, liegt zwar im Freistaat Bayern, rechnet sich landsmannschaftlich wie geografisch aber der Region Schwaben zu.

Eine ideale Synthese mit optimalen Standort-Voraussetzungen für einen Automobilbetrieb also? Die Antwort geben ein Besuch und ein Blick in die Ruf-Geschichtsbücher. Aufgeräumt und mit freundlicher, solider Ausstrahlung präsentiert sich das 80-Mann-Unternehmen. Es ist alles da, was man zum Automobilbau braucht, von der Karosseriewerkstatt über Motorenprüfstände bis hin zur Lackierhalle.

Und Firmenchef Alois Ruf betont: „Viele denken immer noch, Sie können bei uns nur ein Ruf-Fahrzeug warten lassen, dabei nehmen wir jeden Porsche an, gleich welchen Baujahrs.“ Letzteres impliziert bereits die besondere Affinität Rufs zum Thema Porsche-Oldtimer. In der eigenen Restaurierungsabteilung erwachten schon so manche Preziosen wieder zum Leben. Etwa der Ur-Elfer 901, etliche 356, und selbst einer der raren 904 wurde hier wieder in Neuzustand versetzt.

„Unsere Stärke war immer, dass wir Service für ganz normale Straßen-Porsche anbieten, und dabei wir können auf Mitarbeiter vertrauen, die teils schon Jahrzehnte in der Firma sind. Wir haben Spezialisten, die den jeweiligen Wagen noch als Neuwagen gekannt haben“, erzählt Alois Ruf, der den elterlichen Betrieb nun seit 40 Jahren erfolgreich führt. Begonnen hatte alles freilich viel früher. Im September des Jahres 1939 gründete Alois Ruf Senior im Alter von 27 Jahren die Firma „AUTO-RUF“ – allgemeine Kfz und mechanische Werkstatt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam für den gelernten MFZ-Mechaniker-Meister dann ein Tankstellenbetrieb hinzu, der bis heute existiert, und man verkaufte – da sich damals nur wenige Mitbürger ein Auto leisten konnten – auch Motorräder von Miele, Horex, Victoria und DKW. In der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der Benzin knapp war, rüstete Alois Ruf Senior zudem zahlreiche Autos auf Holzvergaser-Technik um.

 

Ruf-Käfer mit 500 Kubik Hubraum und 9 PS

Von 1953 bis 1955 baute man dann auch den so genannten Ruf-Käfer und damit das erste eigene Ruf-Automobil mit einem auf 500 Kubikzentimeter reduzierten Hubraum. Damit zog der nun neun PS schwache Käfer zwar nur noch den dritten Gang, war dafür jedoch viel preisgünstiger zu unterhalten.

Etwa 20 Stück davon entstanden. „Es begann mit dem Autogeschäft auf dem Grundstück einer Bankiers-Villa mit einem wundervollen Park, die am Ortseingang von Pfaffenhausen lag. Schon als kleiner Bub ging ich meinem Vater in der Werkstatt zur Hand. Das war mitunter auch nicht ganz ungefährlich, und eines Tages bin ich dann auch prompt in das Altölfass gefallen.

Ich wurde flugs herausgezogen und meiner Mutter präsentiert. Das war sozusagen meine Taufe“, berichtet Alois Ruf von den Anfängen seiner Karriere. Von 1955 bis 1966 erweiterte man die Firma um ein separat geführtes Busunternehmen, und in den 1960er-Jahren folgten schließlich die ersten Erfahrungen im Warten und Instandsetzen von Porsche-Fahrzeugen. Das begann damit, dass 1963 – eher zufällig – der erste 356 ins Haus kam.

Alois Ruf erinnert sich: „Mein Vater fuhr in seinem Omnibus, nicht weit von Mindelheim, und wurde von einem Porsche 356 passiert. Beim Überholen kam der Porsche ins Schlingern, machte mehrere Schlenker, landete schließlich im Straßengraben und überschlug sich zweimal. Der Fahrer stieg aus, Gott sei Dank unverletzt, und mein Vater brachte ihn ins Krankenhaus.

‚Kümmern Sie sich nicht um Ihr Auto, das bringe ich in meine Werkstatt‘, sagte mein Vater. Eine Woche später hat er ihn dann gekauft. Wir fuhren den 356 ein Jahr, und eines Tages, als wir in München unterwegs waren, in der Leopoldstraße, kam ein junger Mann, klopfte ans Fenster und sagte, ‚Ich möchte Ihren Wagen kaufen.’

Eine Stunde später war er verkauft. Mein Vater konnte es nicht fassen. Er hatte das Auto ein Jahr gefahren, sogar noch was verdient dabei, und wir hatten Spaß. Das waren natürlich die besten Argumente, um meinen Vater gleich wieder für das nächste Auto zu motivieren.“

Das nächste sollte dann ein Porsche 911 werden. Doch zuvor spielte wieder einmal der Zufall Schicksal: „Mein Schlüsselerlebnis mit dem 911 war, als mein Vater und ich bei Augsburg auf der Autobahn überholt wurden, im Regen. Es war plötzlich eine Gischt von Wasser, ein Auto bretterte an uns vorbei, ein unheimliches Geräusch, und ich hab’ gerade noch das Stuttgarter Kennzeichen gesehen.

Es war ein dunkelblauer 911. Unser Auto hat regelrecht das Wackeln angefangen, so ist der Wagen an uns vorbeigezischt. Es war toll, ein Riesenerlebnis. Ich glaube, das werde ich nie vergessen. Es hat mir die Leidenschaft zum 911 gebracht“, beschreibt Ruf jenen Moment. Doch nicht nur der agile Straßen- 911 hatte es Alois Ruf Junior in jungen Jahren angetan. Auch der Rennsport übte eine ganz besondere Anziehung auf ihn aus.

Er erinnert sich: „Motorsport war etwas, was mich als Teenager total faszinierte. Ich durfte den 904 erleben, dann kam der 906 mit dem Sechszylinder-Sound. Natürlich bin ich nur zu Rennen gefahren, bei denen Porsche am Start waren. Der Höhepunkt war natürlich der 917, und ich hatte nur einen Wunsch, ich wollte in dieser Szene in irgendeiner Form dabei sein.“

Die Chance, nicht nur dabei, sondern gleich mittendrin zu sein, kam für Alois Ruf jedoch früher, als ihm lieb war. Über die enge Zusammenarbeit mit seinem Vater bereits von Kindesbeinen an mit der Materie vertraut, musste der 24-jährige Alois nach dem Tod seines Vaters Alois Ruf Senior 1974 die Firma übernehmen und lenkte die Geschicke des Unternehmens von da an schließlich in jene Richtung, die seither einen international anerkannten und respektierten Maßstab für Sportwagen bildet.

 

Dem Werk voraus: 5 Gänge im 911 turbo

Der Basis für den Erfolg blieb das Unternehmen dabei immer treu – dem Porsche 911, von dessen Qualitäten Ruf bis heute restlos überzeugt ist. Er sagt: „Unsere Basis ist der 911, der beste Sportwagen der Welt. Warum hier noch etwas verändern?

Die Antwort sind Menschen wie ich, die noch etwas Individuelleres suchen, etwas Sportlicheres, die einfach mehr suchen, die noch mehr Porsche wollen. Und das haben wir über die Jahre mit zahlreichen Modellen gezeigt.“ Modelle, die allesamt zu automobilen Highlights wurden.

Nach dem erfolgreichen Einsatz im Motorsport präsentierte Porsche 1974 mit dem 911 Turbo erstmals ein straßenzugelassenes Fahrzeug mit aufgeladenem Motor. Doch schon zwei Jahre später hatte Ruf diese neue Technologie weiterentwickelt und vorweg genommen, was das Werk erst später in Serie brachte: Nach einer Hubraumerhöhung von 3,0 auf 3,3 Liter und der Anpassung der Einspritzung leistete der erste Ruf-911 Turbo satte 303 anstatt 260 PS.

Dabei wurde die Motorleistung bereits über einen Prototyp des Ruf-Fünfgang-Schaltgetriebes an die Hinterachse übertragen. Im Jahr 1981 erkannte das Kraftfahrt- Bundesamt Ruf als eigenen Fahrzeughersteller an. Gewissermaßen als erstes Gesamtkunstwerk von Ruf debütierte 1982 der BTR, ein 911 mit 3,4 Liter großem, 374 PS starkem Turbo-Motor und Fünfgang-Getriebe, der wahlweise auch mit der schmalen Carrera-Karosserie zu haben war. „Es war der Wagen, der erstmals die 300 km/h-Marke gebrochen hat“, erinnert sich Alois Ruf und erzählt:

„1984 wurden wir nach Ehra-Lessien eingeladen, von wo wir mit 306,4 km/h als Sieger nach Hause gefahren sind. Testfahrer waren Phil Hill und Paul Frère. Das war eine Sensation.“ 1987 setzte Ruf mit dem CTR schließlich einen neuen und selbst bis heute nur schwer zu übertreffenden Maßstab für straßenzugelassene Sportwagen.

Mit 469 PS bei 5950/min aus 3366 Kubikzentimetern Hubraum verwies das Biturbo-Coupé die renommiertesten Wettbewerber in die Schranken. Der Einsatz von Aluminium bei Türen und Kofferraumdeckel soein wie weitere Gewichtseinsparungen senkten das Leergewicht des 911 um stattliche 200 Kilogramm.

 

Der Yellow Bird machte Ruf bekannt

Als sich der CTR sich auf der Volkswagen-Teststrecke Ehra-Lessien der etablierten Sportwagenkonkurrenz stellte, erreichten Formel-1-Weltmeister Phil Hill und Le Mans-Sieger Paul Frère eine Höchstgeschwindigkeit von 339,8 km/h. Damit wurde der CTR zum schnellsten Sportwagen der Welt.

„Er war bis dahin mit Sicherheit die aufwändigste Entwicklung, die wir geschaffen hatten“, konstatiert Alois Ruf. „Seinerzeit herrschte schlechtes Wetter, aber unser gelber Wagen war immer gut zu sehen“, erzählt er. Zahlreiche Fotografen fingen den knallgelben Wagen ein, und so pfeilschnell, wie er scheinbar wie im Flug seine Beobachter passierte, war der Spitzname geboren: „Yellow Bird“.

„Aus aller Welt kamen die Journalisten, und so machte der CTR Pfaffenhausen weltweit bekannt. Er ist ein ganz wichtiges Stück Geschichte“, so Ruf. Von 1988 an konnten die Modelle BTR und CTR auf Wunsch mit einem selbst entwickelten Sechsgang-Getriebe bestückt werden.

Abermals eine technische Lösung, mit der Ruf dem Werk in Zuffenhausen um Jahre voraus war, denn die Sechsgang-Schaltbox hielt dort erst 1993 mit dem 993 Einzug.

1991 folgte die Weiterentwicklung der 17-Zoll-Bereifung, indem Ruf 18-Zoll-Räder anbot. Im selben Jahr debütierte der Ruf BR auf der Basis des 911 Turbo II und damit eine um 40 PS auf 360 PS gesteigerte Version der neuesten 911-Turbo-Generation des Typs 964.

 

1992: Elektronisches Kupplungssystem

In diese Zeit fallen auch die Entwicklungen Rufs, Fortschritte beim Komfort zu erzielen, und so wurde der BR 2 von 1992 an aufWunsch mit dem elektronischen Kupplungssystem EKS von Fichtel und Sachs ausgeliefert.

Das EKS verband die Vorteile einer Schaltautomatik im Stop-and-Go-Verkehr mit den sportlichen Vorzügen eines manuell zu schaltenden Getriebes.

Technisch betrachtet war das EKS durchaus als Erfolg zu werten, denn mit kürzeren Schaltzeiten als mit konventioneller Kupplung hatte Ruf hier eine Vorstufe zu den späteren PDK-Getrieben kreiert.

Im Herbst 1996, rund zehn Jahre nach dem fabulösen Erfolg des „Yellow Bird“, war schließlich die Entwicklung eines neuen, ehrgeizigen Ruf-Projekts abgeschlossen: „Natürlich hat die Welt auf einen Nachfolger des CTR gewartet, und der CTR 2 war das Auto, das Ruf wieder in die Top-Schlagzeilen gebracht hat“, erinnert sich Ruf.

Mit dem 520 PS starken, mit sämtlichen Elementen moderner Fahrzeugtechnik gesegneten CTR 2 auf 993-Basis gelangen 1996 mehr als 340 km/h. Außerdem feierte im CTR 2 ein integrierter Überrollkäfig Premiere, der sich dank Verkleidung unauffällig im Innenraum einfügte.

Auch dem Porsche 993 Turbo half man seinerzeit auf die Sprünge und bot von 1997 an mit dem Turbo R eine von 408 auf 490 PS leistungsgesteigerte Version an. Fast schon selbstverständlich war, dass auch dieses Ruf-Modell aus zahlreichen Vergleichstests als Sieger hervorging.

Als in dieser Zeit die beiden neuen Modellgenerationen 996 und 986 Boxster auf den Markt kamen, bot sich für Ruf erneut ein spannendes, interessantes Betätigungsfeld. So präsentierte man 1999 etwa den Ruf 3400 S, der mit 310 PS dem Wunsch der Boxster-Fans nach mehr Leistung und Fahrdynamik nachkam.

Später entstand auf der Basis des 996 Carrera und einem 385 PS starken Saugmotor, bei dem eine aufwändige Trockensumpfschmierung mit separatem Öltank die herkömmliche Nasssumpfschmierung des 996 ersetzte, der RUF RGT, der im Gegensatz zum originalen Porsche 911 nicht nur bessere Fahrleistungen bot, sondern aufgrund der Trockensumpfschmierung, die höhere Querbeschleunigung zuließ, auch den Einsatz von Sportreifen und Slicks erlaubte.

Im Jahr 2001 zog Ruf mit dem R-turbo ein Fahrzeug mit auf 520 PS leistungsgesteigertem Motor aus dem Hut. Hier hatten die Kunden zudem die Wahl zwischen puristischem Hinterrad- und extrem fahrsicherem Vierradantrieb.

 

Die Entwicklung bei Ruf besitzt Dynamik

Was bis heute folgte, waren stets Automobile der Superlative, die Exklusivität mit einem Höchstmaß an Funktionalität und Fahrdynamik verbanden. So entstand schließlich mit dem CTR 3 ein mehr als 360 km/h schneller Mittelmotor-Supersportwagen, und mit dem eRUF zeigte die Firma, dass sich ein Sportwagen vom Schlage eines 911 und ein Elektroantrieb nicht ausschließen müssen.

Die Fans der Oldtimer- und Klassiker-Fraktion werden hingegen goutieren, dass das Geschäftsfeld der Restaurierung und Wartung klassischer Porsche-Fahrzeuge in den vergangenen Jahren stetig zunahm.

Und auch hier bewies Alois Ruf einmal mehr seinen Hang zur Perfektion: Er schuf mit dem R56.11 einen Porsche 356 mit der Fahrwerkstechnik des frühen 911 sowie einem 170 PS starken Vierzylinder-Boxermotor, der auf dem Elfer-Triebwerk basiert.

Jürgen Gassebner

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