Faszination: Rolls Royce Ghost EWB und Bentley Mulsanne Herrschafts-Zeiten

18.03.2013

Wenn zwei großvolumige Dampfmaschinen zusammen gute fünf Tonnen Materie über schmale Landstraßen schießen, dass sich das samtweiche Leder auf den Sitzen kräuselt - dann ist das die ganz feine, englische Art

Das reicht nie im Leben! Selbst wenn wir jetzt in einem Mini säßen, würden wir instinktiv die Luft anhalten, den Kopf zwischen die Schultern klemmen und bis hinunter zu den Pobacken alles zusammenkneifen, was einen irgendwie schmaler macht. Sogar der sonst so erhaben am äußersten Kühlerende dahineilende "Geist der Verzückung“ scheint gerade die Flügel einzuziehen. Wumm! Nur wenige Zentimeter entfernt rauscht ein irischer 40-Tonner an unserem Rolls-Royce Ghost vorüber, der Fahrer erzählt gerade lachend etwas dem Handmikrofon seines CB-Funkgeräts.

 

Mit Bentley und Rolls-Royce Unterwegs in England

Uns steht dagegen der kalte Angstschweiß im Nacken. Weshalb kommen eigentlich die gewaltigsten Limousinen ausgerechnet aus einem Land, dessen Durchschnitts-Landstraße nicht breiter als ein Feldweg, im Regelfall von Hecken oder Bäumen gesäumt und obendrein beängstigend dicht befahren ist? Eine sehr essenzielle Frage, und dabei hat es uns doch einfach nur - von komplett durchschnittsdeutschen England-Klischees beseelt – auf die Insel verschlagen, um dort einmal den Ghost EWB auszuführen und nachzusehen, wie sich der "Extended Wheelbase“ denn so im Vergleich mit Bentleys Mulsanne fährt. Als EWB kommt der Einstiegs Rolls-Royce dem Top-Bentley nämlich ganz nahe – nicht nur in Sachen Fahrzeuglänge, sondern auch preislich.

Wir hatten jedenfalls an adeliges Dahingleiten gedacht, den knirschenden Kies herrschaftlicher Anwesen unter den Reifen und gelegentliche Einkehr zum Tee vorgesehen. Mit einem Schuss Sahne. Und nicht mit vom Schwerlast-Gegenverkehr abgeschossenen Außenspiegeln. Tapfer tasten wir uns in den XXL-Limousinen weiter, und tatsächlich kommen wir den Luxus-Gleitern näher, verwachsen mit dem Material, und plötzlich erstrecken sich die inneren Antennen tatsächlich über die ganzen fünfeinhalb Meter Fahrzeuglänge und bis in die Außenspiegel. Den nächsten Lkw nehmen wir mit kühn zusammengekniffenen Augenlidern, die Lenkräder werden mit entspannt aufgelegten Fingerspitzen geführt. Geht doch.

Und dann ist schlagartig klar, weshalb diese Autos aus England kommen müssen: Die Breite der Straßen ist keineswegs prägendes Hauptmerkmal, sondern ihre Härte. Irgendwann in den 50er-Jahren scheint das letzte Mal Asphalt spendiert worden zu sein – und nun kurvt der dichte Verkehr des 21. Jahrhunderts über schiefe, löchrige, ausgefranste Sträßchen, deren Layout aus dem Mittelalter stammt. Oder von den Römern. Kein Scherz.

Klar, dass die Engländer also die Kunst perfektioniert haben, Autos zu bauen, die überirdischen Komfort mit federleichter Beweglichkeit verbinden. Für den Fall, dass Sie an feines Leder und Wurzelholz denken – was sowohl Rolls-Royce als auch Bentley in Wirklichkeit ganz substanziell ausmacht, ist jenes fokussierte, unkompliziert-aufgeweckte Handling, das es einem ermöglicht, mit Stil und Anstand stundenlang durchs unaufhörliche Grün zu kreuzen. Als zivilisiertes Wesen also. Ohne Rückenschmerzen. Ohne rüttelnde Karosserie. Ohne rumpelnde Räder.

Ganz verwegen formuliert: Die Deutschen legen topfebene Straßen mit genormten Kurvenradien an, um Otto-Normalfahrer nicht zu verschrecken, und bauen dann sportlich-straffe Autos – die Engländer lassen die Straßen einfach so, wie sie sind, und bauen Autos, die mit all dem organisch gewachsenen Straßen-Wirrwarr zurechtkommen. Irgendwie gar nicht so dumm. Und auch wenn sich die Engländer mittlerweile aufgrund des unerhörten Teil-Ablebens der eigenen Automobil-Industrie in - für ihren Teil der Welt - viel zu harten Audi und BMW von Schlagloch zu Kopfsteinpflaster plagen müssen, sind uns doch die großen Luxus-Marken geblieben, die nach wie vor gekonnt vorführen, wie man ein wirklich tolles Auto baut. Ein Auto, bei dem nicht etwa der starre Blick auf möglichst innovative Technologie im Vordergrund steht, sondern der respektvolle Blick auf den Menschen. Ganz schön altmodisch. Bei näherer Betrachtung ist das jedoch der eigentliche Luxus dieser Marken.

Ganz konsequent geht hier Rolls-Royce vor. Allein wie die gegenläufigen, fast 90 Grad weit öffnenden Türen Passagiere beim Einsteigen
gegen Verkehr von hinten abschirmen, ist ein regelrecht anrührendes Erlebnis. Bereits der „normale“ Ghost ist ein großzügig geschnittenes Automobil, der EWB treibt das Raumgefühl aber auf die Spitze. Woanders würde man dann hyperkomfortable Business-Class-Sitze montieren, doch bei Rolls-Royce sieht man das persönlicher: In Schulterhöhe ist die Fondsitzanlage bis zu den Türen gezogen, die so entstandene Lehnen-Rundung soll es den Insassen ermöglichen, einander zugewandt geistreiche Konversation zu betreiben.

Teil 2 und die technischen Daten gibt's hier

Ja, der Ghost hat tatsächlich etwas vom Phantom, dem beinahe intellektuell-dogmatischen Über-Rolls-Royce. Selbstbewusste Zurückgenommenheit. Gänzlich un-automobile Grundstimmung. Der Bentley stammt dagegen viel mehr aus dieser Welt: Es mögen kleinste Nuancen sein, die dem Mulsanne in ihrer gemeinsamen Wirkung trotzdem ein sehr handfestes Charisma verleihen. Er wirkt konventioneller als der Ghost, spielt sehr gekonnt auf einer Traditions-Klaviatur. Aber er ist auch maskuliner und eine Spur straffer. Vielleicht ist es ja auch nur der raubtierhafte Lauf des 6,75-Liter-Biturbo-V8, der den Mulsanne so animierend wirken lässt.

Beim Ampelstopp gibt es da diesen kurzen Moment, in dem sich die sonst nur unterschwellig fühlbaren Vibrationen dieses Riesenhubers kurz ineinander verbeißen und ein wohliges Grieseln durch den ganzen Wagen schicken. Tritt aufs Gaspedal, und der Bentley wummert so sagenhaft lässig los, dass einem das Wasser in die Augen steigt. Luftholen aus breiter Brust, selbst beim freundlichen Dahinschlendern lässt der Mulsanne immer seine verborgene Urgewalt durchscheinen. Und wenn die Fuhre einmal laufen darf, ist es das wüste Anreißen bereits aus abgrundtief niedrigen Drehzahlen, das einen Mulsanne-süchtig machen kann.

Der Ghost verhüllt sein motorisches Potenzial dagegen beinahe programmatisch. Er will kein Power-Cruiser sein, sondern ein ganzheitlich stimmiges Über-Auto. Wie feiner, silberner Rauch steht der perlende Sound des extrem vibrationsarmen V12 im Raum, während der Wagen vollendet komfortabel und ausbalanciert denselben durchmisst.

Man kann dann das Gaspedal durchdrücken. Sich fassungslos in die Sitze pressen lassen, während der Ghost noch schneller als der Mulsanne aus dem Stand losexplodiert, unerbittlich und fast außerirdisch beschleunigt. Aber man wird das im Vergleich zum Bentley beinahe desinteressiert verfolgen. Ein Rolls-Royce ist eben für Menschen gemacht. Und die denken immer noch in Schrittgeschwindigkeit.

BENTLEY MULSANNE
ROLLS-ROYCE GHOST EWB
Antrieb
8-zyl., 2-Vent., Bi-Turbo, Zylinderabschaltung; Bohrung x Hub: 104,2 x 99,1 mm; Verdichtung: 7,8 : 1; Hubraum: 6752 cm³; Leistung: 377 kw/512 PS bei 4200 /min; max. drehm.: 1020 nm bei 1750 /min; 8-Stufen-automatik; Hinterradantrieb

Antrieb
V12-Zyl., 4-Vent., Direkteinspritzung, Bi-Turbo; Bohrung x Hub: 89,0 x 88,3 mm; Verdichtung: 10,0 : 1; Hubraum: 6592 cm³; Leistung: 420 kW/570 PS bei 5250 /min; max. Drehmoment: 780 Nm bei 1500 /min; 8-Stufen-Automatik; Hinterradantrieb
 
Aufbau und Fahrwerk
Viertürige Limousine; vorn: doppelquerlenker; hinten: Mehrfachlenkerachse; rundum: adaptive Luftfederung und -dämpfung; eSC (eSP); Bremsen: rundum innenbelüftete Scheiben; aBS, Bremsassistent; Reifen: rundum: 265/45 zR 20

Aufbau und Fahrwerk
Viertürige Limousine; vorn: Doppelquerlenker; hinten: Mehrfachlenkerachse; rundum: adaptive Luftfederung und -Dämpfung; DSC (ESP); Bremsen: rundum innenbelüftete Scheiben; ABS, Bremsassistent;Reifen: rundum: 255/50 R 19
 
Eckdaten
Ll/B/H: 5575/1926/1521 mm; Radstand: 3266 mm; Leergewicht: 2585 kg; zuladung: 505 kg; Beschleunigung¹: 0 auf 100 km/h in 5,3 s; Höchstgeschw.¹: 296 km/h; eu-Verbrauch¹: 16,9 l S/100 km; Grundpreis: 289.170 Euro
Eckdaten
L/B/H: 5569/1948/1550 mm; Radstand: 3465 mm; Leergewicht: 2420 kg; Zuladung: 580 kg; Beschleunigung¹: 0 auf 100 km/h in 4,9 s; Höchstgeschw.¹: 250 km/h, EU-Verbrauch¹: 13,7 l S/100 km; Grundpreis: 295.120 Euro
¹ Werksangaben

Johannes Riegsinger

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