Roadster: SLK, TT & Z4 im Vergleichstest Auf der Sonnenseite

10.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mercedes hat den SLK für die Sommersaison fit gemacht. Mit deutlich geschärftem Profil soll der SLK 350 den Audi TT Roadster 3.2 quattro und den BMW Z4 3.0si Roadster in den Schatten stellen

Roadster fahren heißt offen fahren. Das Verdeck ist dabei eigentlich Nebensache. Dennoch ist der Klappdachstar Mercedes SLK äußerst beliebt, vor allem wegen seines praktischen, unter allen Bedingungen wetterfesten Dachs. Jetzt hat Mercedes nachgelegt, mehr denn je zielt der SLK in Richtung Sport. Vor allem der SLK 350 mit Sportmotor soll den Sechszylindermodellen Audi TT Roadster 3.2 quattro und BMW Z4 3.0si Roadster einheizen.

 

Karosserie

Dass ein Roadster nur Platz für zwei Personen bietet, liegt in der Natur der Sache. Dass er dabei auch eng sein muss, stimmt indes nicht. Vor allem der Audi zeigt sich hier recht großzügig – er bietet Frischluftfans viel Bewegungsfreiheit. Mercedes und BMW sind schmaler geschnitten, sie lassen Fahrer und Beifahrer dichter an die Türen rücken. Dafür können selbst sehr großgewachsene Passagiere ihre langen Beine lässig in den tiefen Fußraum des Mercedes strecken.
Bei der Kopffreiheit herrscht Gleichstand – zumindest mit geöffnetem Verdeck. Geschlossen bleibt unter der hoch aufbauenden Stoffhaube des Z4 ein Hauch mehr Luft über dem Scheitel des Fahrers, als es unter der feinen Kapuze des TT und dem Variodach des SLK der Fall ist. Auch sonst wirkt der BMW nicht zu eng. Er sitzt wie ein feiner Maßanzug und integriert seinen Piloten tief auf dem Bodenblech kurz vor der Hinterachse ins Fahrzeug – genau so sollte sich ein Roadster anfühlen.
Nur die Übersichtlichkeit könnte besser sein. Denn der Blick über die unendlich wirkende Motorhaube lässt das wirkliche Ende des Vorderwagens nur erahnen. Das trifft auch auf den rundlichen Vorbau des TT zu. Der SLK kann hier ebenfalls nicht glänzen. Erst der Blick zurück bringt ihm dank der kleinen hinteren Dreiecksfenster und der großen Heckscheibe Vorteile beim rückwärtigen Einparken. In Audi und BMW verbauen breite Stoffbahnen die Sicht über die Schulter. Ein Grund mehr, möglichst oft offen zu fahren.
Während die beiden Bayern TT und Z4 auch bei versenkter Stoffmütze nahezu uneingeschränkten Zugang zum Gepäckabteil freigeben, legt sich beim Mercedes das Dach über Koffer und Taschen. Wer also den Weg zum Ziel macht und offen in den Urlaub fährt, hat nichts vom volumenmäßig größten Gepäckabteil des Schwaben. Im Cabrio-Modus stehen lediglich 208 Liter Platz für Reiseutensilien zur Verfügung, die zudem sehr eingeschränkt zugänglich sind.
Sicherheit genießt auch bei Roadstern einen hohen Stellenwert. Audi offeriert hier bereits ab Werk ein umfangreiches Repertoire an Vorsorge. Mercedes und BMW sorgen ebenfalls für eine sichere Fahrt, lassen sich jedoch Details, zum Beispiel das Xenonlicht, extra bezahlen. Auch bei der Verarbeitung liegen die Unterschiede im Detail. Sicher ist der Z4 sehr solide zusammengebaut, im Vergleich zum Audi fallen jedoch die unlackierten Flächen des inneren Kofferraumdeckels unangenehm auf. Auch der Mercedes erreicht nicht die hohe Materialgüte des TT, obwohl er durch das aktuelle Facelift gewonnen hat.

KarosserieMax. PunkteBMW Z4 3.0si RoadsterAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350
Raumangebot vorn100677069
Raumangebot hinten100
Übersichtlichkeit70414548
Bedienung/ Funktion100778181
Kofferraumvolumen100131218
Variabilität1005
Zuladung/ Anhängelast80769
Sicherheit150828873
Qualität/ Verarbeitung200172180177
Kapitelbewertung1000459482480

 

Fahrkomfort

Komfort und Roadster passten zumindest früher nicht unbedingt zusammen – offen fahren verlangte Nehmerqualitäten. Zum Glück ändern sich die Zeiten. Bei längerer Tour ist nur im BMW noch ein Hauch der guten alten Zeit zu spüren. Der BMW teilt den Passagieren grobe Straßenoberflächen ungefilterter mit als seine Konkurrenten. Während der Mercedes schon zahlreiche Unebenheiten, die den BMW ins Stolpern bringen, ausbügelt, zeigt vor allem der Audi ein hohes Maß an Federungskomfort. Natürlich profitiert man hier vom aufpreispflichtigen magnetic ride-Fahrwerk (1230 Euro). Je nach persönlichen Vorlieben verrichten die Dämpfer entweder mit sportlicher oder eher komfortabler Note ihren Dienst sehr souverän. Leise ist der TT dagegen nicht. Bei geschlossenem Dach gesellen sich zu den Windgeräuschen die stets präsenten Motorgeräusche des rauen Sechszylinders. Da spielt vor allem der seidenweiche Reihensechszylinder des Z4 eine ganz andere, wohltuendere Melodie. Zudem zerrt der Wind nur sehr mäßig an der Stoffhaut des BMW. Wer noch mehr Ruhe braucht, sucht Zuflucht im SLK. Sein Variodach schirmt die Besatzung am besten von störenden Umwelteinflüssen ab. Ähnlich behaglich fühlt man sich im offenen Mercedes. Die hohe Gürtellinie und das leicht zu montierende transparente Windschott (303 Euro) lassen den Wind nur sehr sanft durchs Innere des Schwaben wehen, was auch auf den offenen TT zutrifft. Allerdings genügt hier ein Tastendruck, und das serienmäßige Windschott erhebt sich elektrisch hinter den Überrollbügeln – im Gegensatz zu der manuellen Montage im SLK. Doch wir reden hier über Roadster. Da sind sanfte Lüftchen nicht gefragt. Wer sich den Fahrtwind-Böen deutlich intensiver aussetzen möchte, dem bleibt keine andere Wahl, als im Z4 Platz zu nehmen. Nur er verdient des Prädikat klassischer Roadster uneingeschränkt, er macht keine Kompromisse. Ein Windschott lässt sich zwar auch bei ihm zwischen die beiden Überrollbügel einklinken, aber wer stilsicher unterwegs sein will, verzichtet gleich darauf.

FahrkomfortMax. PunkteBMW Z4 3.0si RoadsterAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350
Sitzkomfort vorn150102108105
Sitzkomfort hinten100
Ergonomie150117124120
Innengeräusche5016831
Geräuscheindruck100797786
Klimatisierung50343441
Federung leer200110119115
Federung beladen200110119115
Kapitelbewertung1000568589613

 

Motor und Getriebe

Kaum ein Motor verfügt über einen eigenen Namen. Doch beim neuen SLK 350 ist das anders. Die vollständige Typenbezeichnung lautet: SLK 350 Sportmotor. Und treffender kann man diesen aggressiven V6 kaum beschreiben. Im Vergleich zum Vorgänger leistet der neue 3,5-Liter-V6 zusätzliche 33 PS und liefert zehn Newtonmeter mehr Drehmoment. Neue Kolben, eine höhere Verdichtung, ein einstufiges Saugrohr, eine veränderte Nockenwelle und weitere tiefgreifende Maßnahmen machen diese Leistungssteigerung möglich. Und schon der erste Tritt aufs Gaspedal macht klar: Der SLK 350 ist ein rassiger Sportwagen. Kaum sorgt die Kupplung für vollständigen Kraftschluss, schießt der SLK nach vorn. Selbst die lange Getriebeübersetzung hindert ihn nicht daran, seine Konkurrenten stehen zu lassen. Dabei reagiert der Motor sehr bissig auf jeden Gasstoß des Fahrers. Verzögertes Ansprechen? Fehlanzeige. Während der Vorgänger noch seine Bestimmung im satten Druck von unten suchte, liebt der Neue die Drehzahlen – je höher, desto besser. Bei der Laufkultur muss er sich allerdings dem bekannt seidenweichen und dennoch mit sattem Bass losbrüllenden BMW-Reihensechszylinder geschlagen geben. Auch er hängt so gierig am Gas, dass man es kaum abwarten kann, den 265 PS starken Dreiliter-Sechszylinder in jedem Gang an seine Drehzahlgrenze zu treiben. Zudem glänzt das bayrische Motorenwerk mit einem günstigen Durchschnittsverbrauch von 9,5 Litern auf 100 Kilometern. Mercedes und Audi schaffen es nicht, die Zehn-Liter-Marke zu unterbieten.
Dem nur 250 PS starken Audi sieht man es gern nach. Er schleppt das höchste Gewicht mit sich herum und muss, will er den BMW und vor allem den Mercedes nicht aus den Augen verlieren, den laut tosenden Sechszylinder in VR-Bauweise über das sehr kurz übersetzte Sechsganggetriebe stets am Limit bewegen.
Kapitelsieger ist verdient der neue Mercedes SLK 350 mit seinem Sportmotor, der nicht nur äußerst souverän Leistung produziert, sondern sie zudem über ein exakt zu schaltendes, fein abgestimmtes manuelles Sechsganggetriebe an die Hinterachse weiterleitet.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW Z4 3.0si RoadsterAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350
Beschleunigung150175175181
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120120
Getriebeabstufung100858385
Kraftentfaltung50424145
Laufkultur100827880
Verbrauch325169163160
Reichweite2591012
Kapitelbewertung1000682670683

 

Fahrdynamik

Frontmotor und Heckantrieb gehören bei Roadstern zum guten Ton. Ausnahmen sind zulässig, solange es sich – wie beim Audi TT – um einen Allradantrieb handelt. Die Traktionsvorteile besonders auf nasser Strecke bringen dem TT ein sattes Punktepolster. Auf trockener Strecke fehlt dem Audi aber die notwendige bedingungslose Gehorsamkeit, mit der sich der BMW seinem Fahrer unterwirft.
Den Vorsprung, den sich der brachial anschiebende Mercedes auf der Geraden erkämpft, nimmt ihm der schwächere BMW in kurvigen Passagen wieder ab. Mehr Rückmeldung als der Z4 bietet keiner. Wer sich allerdings bei ausgeschaltetem DSC (ESP) in den Grenzbereich vortastet, sollte über ausreichend Erfahrung mit plötzlich übersteuernden Hecktrieblern verfügen. Auch der Mercedes ist unverkennbar ein über die Hinterachse angetriebener Roadster, zeigt aber einen breiteren und weicheren Übergang ins Übersteuern. Zudem lässt sich sein ESP nicht vollständig abschalten. Ein zu weites Ausscheren des Hecks bremst die Elektronik energisch ein, allerdings deutlich sensibler als noch vor dem Facelift. Eine spürbare Verbesserung der Agilität bringt die neue, im Testwagen arbeitende Direktlenkung (315 Euro). Ihre variable Übersetzung sorgt für geringere Lenkwinkel, wodurch exaktere Lenkmanöver und damit verbundene präzisere Übergänge in Wechselkurven möglich sind. Resultat: mehr Gefühl für die Vorderräder, Ruhe im Fahrwerk, weniger Eingriffe des ESP.
Auf dem trockenen Handlingparcours kann der Audi seinen quattro-Antrieb gegen die beiden Hecktriebler nicht in schnellere Zeiten umsetzen. Er überzeugt vielmehr mit seinem absolut sicheren Fahrverhalten. Selbst bei ausgeschaltetem ESP bringt den TT so schnell nichts aus der Ruhe. Übermütig vom Fahrer angefahrene Kurven quittiert er mit einem sicheren Schieben über die Vorderräder. Gefühlvoll eingelenkt, ist der Fahrzustand in der Kurve mit neutral passend zu beschreiben. Souverän und konstant zeigen sich die Bremsen des Audi TT – ebenso die vor allem im kalten Zustand exzellenten Stopper des SLK. Die BMW-Anlage benötigt warmgefahrene Bremsen, um Bestleistungen zu bringen. Die demonstriert der Münchner dann aber eindrucksvoll mit Bremswegen von unter 36 Metern aus Tempo 100.
Dennoch geht dieses Kapitel an den Audi TT 3.2 quattro. Er spielt seine neutrale Auslegung und den Traktionsvorteil beim Wedeln um die Pylonen gekonnt aus.

FahrdynamikMax. PunkteBMW Z4 3.0si RoadsterAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350
Handling150918992
Slalom100667265
Lenkung100848383
Geradeauslauf50384442
Bremsdosierung30212020
Bremsweg kalt150768891
Bremsweg warm150928382
Traktion100418641
Fahrsicherheit150119127125
Wendekreis20221518
Kapitelbewertung1000650707659

 

Umwelt und Kosten

So stark sich der Mercedes in Szene setzt, so selbstbewusst tritt er auch beim Grundpreis auf – was wegen der Mehrleistung und des aufwendigen Variodachs gerechtfertigt erscheint. Audi und BMW sind unterm Strich günstiger. Die Unterschiede zwischen den beiden sind so gering, dass der günstige Basispreis des Z4 durch die besseren Garantiebedingungen des Audi wieder ausgeglichen wird. Dass der BMW am Ende mit einem Zähler die Wertung für sich entscheidet, verdankt er seinen niedrigeren Kraftstoffkosten und den besseren Emissionswerten.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW Z4 3.0si RoadsterAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350
Bewerteter Preis675137132123
Wertverlust50161513
Ausstattung25191918
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50202827
Werkstattkosten20141412
Steuer10888
Versicherung40313132
Kraftstoff55303233
Emissionswerte25848288
Kapitelbewertung1000359361354

 

Fazit

Das geschärfte Profil des Mercedes SLK 350 reicht nicht, um den Audi TT Roadster 3.2 quattro vom Thron zu stoßen. Allerdings ist ihm der SLK dichter auf den Fersen als zuvor. Insbesondere der rassige V6 des Mercedes dürfte viele Roadster-Fans ins Mercedes-Lager locken. Dass der Audi dennoch siegt, liegt vor allem an seinen guten Allroundqualitäten und nicht zuletzt an seinem Allradantrieb. Wer ungefiltertes Roadster-Feeling sucht, landet beim BMW Z4 3.0si: lange Haube, kurzes Heck, lebhafter Hinterradantrieb und ein traumhafter Reihensechszylinder.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW Z4 3.0si RoadsterAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350
Summe5000543628092789
Platzierung123

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