Cabrios: VW Beetle und Chrysler PT Cruiser im Vergleichstest Retrospektiven

12.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die Retrowelle hat nun auch die Cabrioszene erreicht. Was den VW New Beetle-Freunden recht ist, sei den PT-Cruiser-Fans billig: In etwas mehr als zehn Sekunden steht nun auch ihnen auf Knopfdruck der Himmel offen und eröffnet völlig neue Perspektiven

Um es direkt vorwegzunehmen: Wer sich mit den beiden Cabrios bei geöffneten Verdecken zum Schaulaufen entlang der Straßencafés begibt, kann sich großer Aufmerksamkeit gewiss sein. Besonders das PT Cruiser Cabrio zieht die Blicke auf sich. Seine markante Motorhaube, die hohe Gürtellinie und die kleinen Fenster versprühen den automobilen Charme der 40er-Jahre und wirken so amerikanisch wie die Cola-Flasche oder das Zippo-Feuerzeug. Die moderne Interpretation des seligen Käfer Cabrios, die als New Beetle Cabrio vor gut einem Jahr auf dem Markt debütierte, erregt etwas weniger Aufmerksamkeit. Offensichtlich haben sich Passaten an das sympathisch dreinblickende und ebenso rundlich wie sein Vorgänger geformte Cabrio bereits gewöhnt.

 

Karosserie

Vor dem Offenfahren heißt es zunächst, die Persenning zu montieren. Dank genialer Schnappverschlüsse ist dies beim New Beetle eine Sache von Sekunden. Beim PT Cruiser gestaltet sich dies als Fummelei, bis die Abdeckung zwischen Verdeck und Karosserie gefädelt ist. Dafür gefällt der Amerikaner mit mehr Platz im Innenraum. Vorn wie hinten bietet er genügend Beinraum. Auf den Rücksitzen mangelt es jedoch an Ellenbogenfreiheit. Im Beetle-Cabrio schränkt das wuchtige Armaturenbrett das Raumgefühl stark ein, während die nahezu senkrecht stehende Rückenlehne die Fond-Passagiere in eine Kauerhaltung zwingt, die Erwachsenen auf längeren Strecken nicht zuzumuten ist. Da lohnt es sich eher, das Windschott (275 Euro) zu montieren, das zusammen mit der weit nach hinten reichenden Scheibe den Frontpassagieren ein angenehm zugfreies Reisen ermöglicht. Davon ist der Chrysler weit entfernt. Bereits bei Landstraßentempo gefährdet der Fahrtwind die Frisur. Ein Windschott gibt es voraussichtlich erst ab Sommer. Für die Unfallsicherheit begeht Chrysler in puncto Design einen Stilbruch und setzt auf einen Überrollbügel, während VW auf einen integrierten Überschlagschutz baut. Beim Thema Qualität/Verarbeitung gibt sich der Chrysler amerikanisch leger. Teilweise kommt Billig-Plastik zum Einsatz, das hier und da mit großzügigen Passungen montiert wurde. Eine sich bei Bodenwellen verwindende Karosserie und Klappergeräusche aus dem rechten Fondbereich sorgen dafür, dass er deutlich hinter dem überaus solide wirkenden New Beetle Cabrio zurückbleibt.

KarosserieMax. PunkteVW New Beetle Cabriolet 1.8TChrysler PT Cruiser Cabrio 2.4
Raumangebot vorn1005257
Raumangebot hinten1003543
Übersichtlichkeit703030
Bedienung/ Funktion1007060
Kofferraumvolumen1001834
Variabilität100510
Zuladung/ Anhängelast802522
Sicherheit1508025
Qualität/ Verarbeitung200140110
Kapitelbewertung1000455391

 

Fahrkomfort

Die richtige Sitzposition im Chrysler zu finden, wird durch die fehlende Axialverstellung des Lenkrades erschwert. Hinzu kommt, das sein Gestühl infolge der weichen Polsterung der serienmäßig mit Leder bezogenen Sitzfläche spürbar weniger Seitenhalt bietet als das des VW. Dafür kann der Chrysler seinen Konkurrenten im Federungskomfort auf schlechten Strecken mit einem besseren Schluckvermögen ausstechen. Das Bild wandelt sich, sobald der Fahrer in höhere Temporegionen vorstößt. Dann hoppelt der PT Cruiser, begleitet von spürbarem Karosseriezittern, über Bodenunebenheiten und lässt die Passagiere auf den Sitzen wippen. Hier bleibt der VW zwar straff, aber mit gutem Abrollkomfort bei der Sache, was ihm letztendlich einen Punktevorsprung verschafft.

FahrkomfortMax. PunkteVW New Beetle Cabriolet 1.8TChrysler PT Cruiser Cabrio 2.4
Sitzkomfort vorn150118111
Sitzkomfort hinten1005060
Ergonomie150130110
Innengeräusche503328
Geräuscheindruck1006960
Klimatisierung501726
Federung leer2009590
Federung beladen2009295
Kapitelbewertung1000604580

 

Motor und Getriebe

Was passt besser zum Flanieren als ein Automatik-Getriebe? Die Amerikaner stellen auf Wunsch einen Vierstufen-Schaltautomaten (Aufpreis 1400 Euro) zur Verfügung. Damit kann VW bei vergleichbarer Motorisierung in Gestalt des bekannten, aber neu ins New-Beetle-Cabrio-Programm genommenen 1,8-Liter-Fünfventil-Turbo mit 150 PS nicht dienen. Jedoch hält der kultivierte Motor mit einem Drehmoment von 220 Nm bei 2000/min hinreichend Durchzugskraft parat, sodass der Fahrer nur selten zum Schalthebel des präzise arbeitenden Getriebes greifen muss. Der 143 PS starke 2,4-Liter-Vierzylinder des PT-Cruiser-Cabrios wird dagegen in Verbindung mit der Viergang-Automatik den Erwartungen nicht gerecht. Beim gemächlichen Dahinrollen geschehen die Fahrstufenwechsel noch weich, unter Last aber sind deutliche Schaltrucke spürbar. Zudem schaltet die Automatik infolge der Drehmomentcharakteristik (214 Nm erst bei 4000/ min) regelmäßig früh herunter, um den zäh wirkenden Motor bei Laune zu halten. Die Folge: ein hohes Drehzahl- und Verbrauchsniveau (Testverbrauch 11,9 Liter/100 km). Dagegen schüttelt der VW seine Kraft geradezu drehfreudig aus dem Ärmel und gibt sich in Ermangelung eines kräftezehrenden Drehmomentwandlers mit einem Testverbrauch von 9,9 Liter weniger trinkfreudig, wenn auch nicht sparsam. Bei den Fahrleistungen bleibt der Chrysler trotz nahezu gleicher PS-Zahl weiter hinter dem Beetle zurück als erwartet (11,8 Sekunden von null auf 100 km/h, 171 km/h Spitze; Beetle: 0 auf 100 km/h in 9,0 Sekunden, 202 km/h Spitze).

Motor und GetriebeMax. PunkteVW New Beetle Cabriolet 1.8TChrysler PT Cruiser Cabrio 2.4
Beschleunigung150145117
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1507241
Getriebeabstufung1008570
Kraftentfaltung503023
Laufkultur1007055
Verbrauch325141121
Reichweite251814
Kapitelbewertung1000561441

 

Fahrdynamik

Dass die Paradedisziplin des PT Cruiser "nomen est omen" vornehmlich im Cruisen besteht, beweist er, wenn es um das obligatorische Ausloten des Grenzbereichs geht. Dort nämlich entpuppt sich der Amerikaner als stoischer Untersteuerer, was ihn relativ unhandlich wirken lässt, zumal ein Gaslupfen kaum zum Eindrehen des Hecks führt. Seine Lenkung erfordert relativ große Lenkwinkel und liefert wenig Rückmeldung von der Fahrbahn. Beim Bremsen fällt er mit einem vergleichsweise stumpfen Pedalgefühl und durchschnittlicher Verzögerung auf (41,0 Meter kalt, 40,9 Meter warm). Das New Beetle-Cabrio, basierend auf Plattform und Fahrwerk des Golf IV, zeigt ein neutrales bis leicht untersteuerndes Eigenlenkverhalten. Infolgedessen wirkt es agiler als sein Konkurrent. Dennoch umrundet auch der VW Kurven mit spürbarer Seitenneigung. In der Folge zeigt er eine stärkere Wankneigung. Leichte Lastwechselreaktionen werden im Zweifel vom serienmäßig ESP pariert. Die Lenkung des New Beetle spricht aus der Mittellage zwar etwas träge an, liefert aber auf kurvenreicher Strecke etwas mehr Rückmeldung als die des PT Cruisers. Die Bremse des Deutschen lässt sich ebenfalls besser dosieren als die des Amerikaners. Zudem glänzt sie mit sehr guten Werten (38,7 Meter kalt; 39,6 Meter warm).

FahrdynamikMax. PunkteVW New Beetle Cabriolet 1.8TChrysler PT Cruiser Cabrio 2.4
Handling1508157
Slalom1003936
Lenkung1006050
Geradeauslauf502525
Bremsdosierung301613
Bremsweg kalt15011390
Bremsweg warm15010491
Traktion1004035
Fahrsicherheit150120100
Wendekreis20173
Kapitelbewertung1000615500

 

Umwelt und Kosten

Dass für den Chrysler kein ESP lieferbar ist, beschert ihm bei der AZ-Normausstattung einen kräftigen Punktabzug, der ihn - trotz seiner ansonsten reichhaltigen Ausstattung - hinter den Beetle zurückfallen lässt. Außerdem attestiert der ADAC dem PT Cruiser Cabrio hohe Werkstattkosten für Inspektionen und Verschleißteile. Bei der Berechnung des Wertverlustes durch die DAT schneidet er ebenfalls schlechter ab als der VW. Die kurze Mobilitätsgarantie von nur zwei Jahren vergrößert den Punkterückstand weiter und lässt das New Beetle Cabrio souverän gewinnen.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW New Beetle Cabriolet 1.8TChrysler PT Cruiser Cabrio 2.4
Bewerteter Preis675360352
Wertverlust506862
Ausstattung254330
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50144
Werkstattkosten204440
Steuer104441
Versicherung404036
Kraftstoff553431
Emissionswerte257876
Kapitelbewertung1000725672

 

Fazit

Die Entscheidung für ein bestimmtes Cabrio folgt in der Regel eher dem Herzen als dem Verstand. Vor diesem Hintergrund ist die Wahl in erster Linie Geschmackssache. Dennoch sollte keine Kaufentscheidung frei von rationalen Überlegungen sein. Auf diesem Feld sprechen Qualität, Antrieb, Fahrwerk und Unterhaltskosten eindeutig für das New Beetle Cabrio. Dagegen kontert das Chrysler PT-Cruiser Cabrio mit einem besseren Raumangebot. In allen anderen Punkten verlangt er eine gehörige Portion Kompromissbereitschaft und Liebe.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW New Beetle Cabriolet 1.8TChrysler PT Cruiser Cabrio 2.4
Summe500029602584
Platzierung12

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