Reportage: Fiat 500 in New York City Wer es hier schafft ...

15.07.2011

… schafft es überall! Ein kleiner Fiat 500 erobert die Stadt, die niemals schläft: New York City

Touchdown John F. Kennedy International Airport. Acht Stunden Flug aus den Knochen schütteln. Deutschland schläft bereits, und hier, auf der anderen Seite des Atlantiks, vibriert ein glühendheißer Nachmittag Ende Mai. Tiefgekühltes Flughafen-Terminal – und am Ausgang dann der linke Haken zur Begrüßung: Erbarmungslose Hitze und eine fast tropische Luftfeuchtigkeit prügeln auf uns ein. Welcome to New York City!

Die gigantische Skyline wabert im feuchten Dunst, wird immer größer, und plötzlich verschwindet das Taxi unter dem East River. Eine lange, gekachelte Röhre – dann spuckt uns der Queens-Midtown-Tunnel direkt an der 34. Straße aus. Die ersten Meter Manhattan sind immer beeindruckend: Links und rechts der Straße drängen sich düstere Backsteinkolosse, der Horizont scheint verschwunden zu sein. Erst der Blick nach oben stellt die geänderten Parameter klar – Horizont ist nun gleich Vertikale. Ab jetzt wird immer im Hochformat gedacht. Und dann öffnet sich vor unseren Augen eine dieser langen Schneisen im Skyscraper-Gebirge, die man hier Straßen nennt. Ein Gigant am anderen, etwas weiter die Schlucht hinunter ragt der kantige Turm des Empire State Building majestätisch aus den ihn umgebenden Hochhäusern empor.

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Plötzlich entdecken wir etwas Vertrautes – einen kleinen, perlmuttweißen Fremdkörper im optischen Rauschen der Stadt: Vor unserem Hotel wartet ein Fiat 500 auf uns. Ganz selbstverständlich steht er da zwischen den Stretch-Limousinen und XXL-Luxus-SUV, als wäre das hier Turin, München oder Paris und nicht Amerika. Automatikgetriebe – superpraktisch im Stop-and-Go-Gewühl der Metropole –, ein großes Glas-Schiebedach (ein Muss, wenn sich das eigentliche Sightseeing immer 30 bis 100 Stockwerke über einem abspielt) und ein Interieur in knallrotem Leder. Genau so kennen und lieben wir den Kleinen: eine unbekümmerte Mischung aus überdrehtem Lifestyle und bodenständiger Kleinwagen-Economy-Substanz.

Viele Monate nachdem Fiat den Cinquecento in Europa auf den Markt gebracht hat, sollen nun auch die USA zurückerobert werden. 1984 wurden die letzten Fiat für den US-Markt verschifft, seitdem herrschte Sendepause. Nun hat der Fiat-Konzern ja gerade erst Chrysler eingekauft, und da könnte so eine kleine Charme-Offensive eventuell ganz beruhigend wirken. Zumal der Fiat 500 diesseits des Atlantiks ja ein ganzer Amerikaner ist: Der 101 PS starke 1,4-Liter-MultiAir-Vierzylinder wird bei Chrysler in Michigan gefertigt, final vom Band läuft der US-Cinquecento dann in Mexiko. Und selbstverständlich hat man den kleinen 16.000-Dollar-Kerl auch noch sinnvoll auf die Bedürfnisse der Italophilen in Kalifornien, Florida und New York angepasst: Ein größerer Tank bietet genug Fassungsvermögen, um auch die episch langen Etappen von Detroit nach Little Italy mit Anstand zu schaffen, die Sitze sind etwas flauschiger gepolstert, und die Klimaanlage schafft zwischen Freiheitsstatue und Venice Beach nun nicht nur kühl, sondern richtig kalt. Zur Not fallen beinahe Eiswürfel aus den Lüftungsschlitzen. Genau so mag der Amerikaner das. Und heute bei brütenden 33 Grad im Schatten der Wolkenkratzer und klebriger Luftfeuchte auch wir.

Koffer aufs Zimmer, und wenig später balgen wir uns mit einer Horde der typischen New Yorker Taxis um den besten Startplatz an der ersten Ampel im aufbrandenden Feierabend-Verkehr. Als uns die Fifth Avenue mit ihren Luxus-Adressen endlich am Central Park ausspuckt, sind wir bereits fix und fertig. Verschüchtert lässt sich der kleine 500 am Plaza-Hotel gegen den Straßenrand spülen und legt dort erst einmal eine Verschnaufpause ein.

Zuhause springt die Uhr gerade um auf den nächsten Tag, uns hängt der Jetlag bleiern in den Knochen – in diesem Zustand kann Manhattan schon etwas hochdosiert sowie regelrecht einschüchternd wirken. Ringsherum brandet der Verkehr, bevölkern unglaubliche Massen von Menschen die Straßen, hunderte von Gesichtern aller Rassen in einer Sekunde. Legionen kamerabewehrter Touristen stürmen ständig den imposanten Glaswürfel des unterirdischen Apple Store auf der anderen Straßenseite – ein Computerladen, der es tatsächlich zur Sehenswürdigkeit geschafft hat. Währenddessen wirbeln Touristen-Rikschas und coole Singlespeed-Bikes aus dem grünen Inneren des Central Park – man könnte hier ewig stehen.

Und so tritt nach wenigen Minuten irgendwie doch tiefe Entspannung ein, wir beginnen immer mehr im Gleichschritt mit dem Puls der Metropole zu schwingen. Nebenan mampfen die Pferde der Central Park-Kutscher ihren Hafer, Tauben trippeln zwischen den Touristen, Taschenspielern und Eisbuden umher. Eigentlich ganz überschaubar. Wir werden langsam wieder mutiger.

Und jetzt? Eigentlich wollen wir den Fiat am Times Square bei Nacht fotografieren, bis es dunkel wird, haben wir aber noch viel Zeit. Der Cinquecento rollt also langsam zur Westseite Manhattans hinüber. Ein rotgoldener Sonnenuntergang flutet zwischen die flachen Backsteingebäude des ehemaligen Schlachthof-Areals, aus den hippen Fashion-Studios und Künstler-Ateliers, die hier zunehmend das Viertel übernehmen, flattern bunte Schmetterlinge beiderlei Geschlechts und bevölkern lachend, flirtend, debattierend die Szene-Bars. Der Cinquecento scheint vor solchem Publikum alles zu geben. Sein perlmuttweißer Lack fluoresziert in den Strahlen der untergehenden Sonne regelrecht, und als wir an der Washington Street ein Restaurant entern, zieht der kokette Typ alle Augen auf sich.

Zwei Teller Pasta und Burger später entkommen wir diesem Hormon-Bombardement sprichwörtlich auf der letzten Rille. Das geprügelte Kopfsteinpflaster ist mit tiefen Furchen und Schlaglöchern übersät, durch die unser Fiat 500 ebenso unsicher stakst wie die Ladys auf ihren Plateau-High-Heels. Wir trudeln hinauf zum Times Square.

Der weltberühmte Platz ähnelt um diese Uhrzeit einer überdimensionierten Kirmes: Die Leuchtreklamen und haushohen Bildschirme lassen die sich kreuzenden Straßen taghell erscheinen, absurde Menschenmassen drängen sich auf den Gehsteigen. Unser kleiner 500 wird von den knipswütigen Touristen schnell als willkommenes Zusatzmotiv ausgemacht, wir winken, lächeln celebrity-like – schießen dann selbst ein Erinnerungsfoto und verschwinden eilig zwischen den Wolkenkratzern.

Am nächsten Morgen wachen wir früh auf und streben zur Südspitze Manhattans. Im Vergleich zum schwülen Vorabend und den Hundertschaften von Touristen am Times Square ist die Stadt nun herrlich ruhig. Als wir über die Brooklyn-Bridge in Richtung Südosten rollen, weht ein lauwarmer Morgenwind entlang des East River. Direkt unterhalb der gigantischen Pfeiler finden wir ein kleines Plätzchen, von dem aus wir die im Sonnenaufgang blinkende Skyline bewundern. Eine herrliche, stolze, verrückte Stadt.

Der Fiat scheint – anders als wir – völlig unbeeindruckt: Ganz selbstverständlich ist er bis jetzt über die breiten Avenues geschnürt, mit keckem Eifer hat er die kleinen Nebenstraßen unsicher gemacht und dabei nur lachende Gesichter und anerkennend gereckte Daumen gesehen.

Unsere Zeit in New York City läuft ab. Aber eine Sache muss noch sein: ein leckerer Capuccino in Little Italy! Im inzwischen laut tosenden Berufsverkehr drängen wir uns wieder über die Brooklyn-Bridge nach Manhattan hinein, queren einmal die Wall Street, dann ein schneller Schlenker entlang der gusseisernen Fassaden SoHos – bis wir schließlich in China Town landen. Little Italy? Gibt es nicht mehr. Streichen Sie’s einfach aus dem Reiseführer. Unseren Cappuccino holen wir am Ende in einer Starbucks-Filiale am Madison Square Garden. New York kann ganz schön herzlos sein.

Für den Design-Schmiede Zagato präsentiert Fiat 500 Coupé läuft es freilich besser: Großes Gedränge am Hotel, Limousinen und Taxis warten bis in die zweite Reihe auf Reisende – und wir zirkeln den Kleinen einfach dreist mittendurch. Eine Gruppe Touristen aus Oklahoma verfolgt das Manöver gespannt, und als wir den Fiat nach wenigen Sekunden lässig am Bordstein abstellen, brandet spontaner Beifall auf. Standing Ovations am Broadway – na wenn das kein Empfang ist!
Johannes Riegsinger

AUTO ZEITUNG

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