Reportage: Audi A5 Cabriolet 3.0 TDI quattro Das Licht der Nacht

10.04.2010

Erinnerungen an und Vorfreude auf einen heißen Sommer: Die Stadt kommt zur Ruhe, und du gleitest im Audi A5 Cabriolet durch das Licht ihrer nächtlichen Straßen

Sanft grummelt der große Diesel im Bug. Im Fahrtwind, der warm über die versenkten Seitenscheiben ins Cockpit schwappt, ist der Sechszylinder kaum zu hören. Im großen Gang rollt das weiße Audi A5 Cabriolet mit kaum mehr als Standgas von Nordwesten auf Hamburg zu, die Elbe blitzt als helles Band immer wieder rechterhand hervor.

Auf der Elbchaussee, deren parkähnliche Grundstücke sich – mit hinter hohen Zäunen und Hecken kaum sichtbaren Villen – in Blankenese zwischen Straße und Fluß schieben, ist der Verkehr stadtauswärts stark, er staut sich an den Kreuzungen. Kurz zuvor, am Schulauer Fährhaus in Wedel, ist es noch ruhig und beschaulich gewesen: Große Schiffe wie die Rio de Janeiro, deren Namen Fernweh machen und nach Abenteuer klingen, gleiten unter einem zartrosa-farbenen Himmel Richtung Meer, und der frühe Nachtschwärmer in seinem weißen Auto ist sicher nicht der einzige, der ihnen in Gedanken gute Reise wünschte.

Schweröl der billigsten Sorte verheizen die dicken Dinger in ihren mächtigen Dieseln. Moderne Diesel wie der 240 PS starke V6 des Audi sind dagegen eine saubere Sache – und noch nicht lange eine Selbstverständlichkeit in Cabrios wie diesem. Nicht viel mehr als zehn Jahre ist es her, dass Autobosse dich anschauten, als hättest du sie um einen persönlichen Kleinkredit gebeten. Dabei wolltest du nur wissen, ob sie sich einen Diesel in einem Cabrio vorstellen können.

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Heute wissen wir: Der Diesel passt sehr gut zum offenen Auto. Sicherlich nicht immer und nicht überall, denn die Kombination aus gierigem, wohlklingendem Benziner und kurviger, von Steigungen und Gefällen durchsetzten Straße ist unschlagbar. Doch nach Hamburg, wo es an fast jeder Ecke entweder nach gediegenem hanseatischen Wohlstand, wenn nicht gar Luxus oder eben nach Hafen riecht, nach harter Arbeit bei Wind und Wetter, Tag und Nacht – was sollte da zu einem nächtlichen Ausflug durch die Speicherstadt und über die Sündige Meile besser passen als ein Diesel-Cabrio?

Es strahlt einerseits die teure Lebensfreude eines offenen Autos aus, andererseits spielt es mit einem Diesel die Vernunftkarte, denn der ist, wie die großen Maschinen in den Schiffsrümpfen, Sinnbild für mechanische Unzerstörbarkeit und Verlässlichkeit. Dank Turbo, Direkteinspritzung, jeder Menge Katalysatoren und Filter ist er heute der gelassene, überall vorzeigbare Muskelprotz, den man gern an seiner Seite weiß in der großen Stadt, die so manche dunkle Ecke hat.

426 KOMMA 5 METER RÖHRE
Elbtunnel ist Pflicht, sagt der Fotograf, als wir mit dem letzten Feierabendverkehr an den St. Pauli Landungsbrücken entlangschnüren. Bitteschön, einmal hin und zurück also, ehe die Aufzüge, die die Autos 24 Meter in die Tiefe bugsieren, um 20 Uhr den Betrieb einstellen und der unter Denkmalschutz stehende Shortcut in den Freihafen Pause macht.

Jochen hat gut lachen, er muss ja kein modernes Auto mit 1,85 Meter Breite durch die 426,5 Meter lange Röhre zirkeln, deren von hohen Felgenmörder-Kanten gesäumte Fahrspur 1,90 Meter schlank ist. Die grünlich leuchtenden Kacheln strahlen Kühle ab, in die sich die Abgase der Autos mischen. Fast wie eine moderne Installation wirkt das 1911 eröffnete Bauwerk, das die Elbe tunnelt und uns in den Freihafen führt. Der liegt schmutzig im Abendlicht und wirkt leicht heruntergekommen – wie alle großen Häfen dieser Welt, über die ganze Länder am Laufen gehalten werden.

Fast meint man, die Stimmen der Hafenarbeiter zu hören, die früher hierher zur Arbeit radelten, einen Henkelmann am Lenker und Vorfreude im Herzen auf den Lohn, der nicht selten nach Feierabend auf der Reeperbahn durchgebracht wurde.

Doch die Sündige Meile mit ihren Striptease-Bars und Gogo-Schuppen, auf der sich in den 70ern und 80ern Kiezgrößen Machtkämpfe mit gelegentlich tödlichem Ende lieferten, während Lamborghini, Ferrari, AMG Mercedes und Gemballa-Porsche am Straßenrand leise ausknisterten, heben wir uns für später auf. Der A5, dessen rotes Leder mit zunehmender Dämmerung einen bräunlichen Ton bekommt, hat Pause auf der Halbinsel Kehrwieder.
FAHLES LATERNENLICHT
Ein Feuerwehrboot dümpelt gut vertäut an der Mauer, während weiter weg die Lichter der Großstadt blinken und die Hochbahn quietscht. Das Ausflugsschiff Louisiana Star liegt dunkel am Pier, in seinen Scheiben spiegeln sich das graue Wasser und der Widerschein des großstädtischen Glimmens, das nun mit jeder Minute intensiver und vielfältiger wird.

Bis zur Speicherstadt, wo Lastenkräne an den Fassaden noch heute an die Lager der Pfeffersäcke von einst erinnern, ist es nicht weit. Ein alter Ami-Kombi dreht in den Blattfedern quietschend seine Runden, junge Typen drin mit Dosenbier und Zigaretten. Sonst ist es sehr still auf den Straßen und Brücken, die im fahlen Licht kleiner Laternen liegen.

Früher rumpelten Pferdefuhrwerke über ihr Kopfsteinpflaster, dominierten harte körperliche Arbeit und der raue Ton von Menschen, die sich nicht in die Buxe machten, wenn es galt, 40 Doppelzentner Cayenne-Pfeffer in den Speicher zu wuchten. Heute schmatzen die Breitreifen jener In-Autos übers holprige Pflaster, die angesagt sind bei den Kreativen, die hier ihre Büros und Agenturen haben.

Hinter manchen Fenstern ist noch Licht, entsteht noch ein hastiges Drehbuch für irgendeine Daily Soap oder eine Präsentation für den neu akquirierten Großkunden. Auf Muntermacher aus der Kaffeerösterei darf niemand hoffen, der sympathische Laden mit den vielen verschiedenen Bohnen hat bereits geschlossen.

Umso gelassener ist der nächtliche Flaneur, der mit nur einer Hand am Lenkrad durch die Gassen kurvt und den Großteil der 500 Newtonmeter im Käfig lässt. Mögen andere auch Hektik empfi nden und Eile: Die Nacht ist lang und legt sich beruhigend auf die Stadt.

Nun, lange nach Mitternacht, zeigt die Motorhaube Richtung Reeperbahn: Man kommt nicht herum um dieses Viertel, das Geschichten schrieb, die sich kein Autor ausdenken kann. Leerer als erwartet sind die Gehwege, auf denen der Wind Schnellfress-Verpackungsmüll vor sich her treibt. Neonreklamen verwischen zu Lichtbändern und tauchen die Touristen auf ihrer Suche nach dem kleinen Sex-Schauder zwischen Musical und Hotelbett in grelles Licht.

Keine Lambos. Dafür zwei Polizisten, die höflich fragen, was wir fotografieren. Pure Lebenslust, was sonst? Und nun ins Bett. Bald verdrängt das erste zarte Blau das helle Schwarz der Nacht. Michael Harnischfeger

AUDI A5 CABRIOLET 3.0 TDI quattro

ANTRIEB
V6-Zylinder - 4-Ventiler - Turbodiesel - Hubraum: 2967 cm3 - 240 PS (176 kW) bei 4000 – 4400 /min - 500 Newtonmeter bei 1500 – 3000 /min - 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe - permanenter Allradantrieb

AUFBAU + FAHRWERK
Selbsttragende Stahlblechkarosserie mit Stoffdach - Fünflenkerachse, Federn, Dämpfer, Stabilisator vorn - Mehrfachlenkerachse, Federn, Dämpfer, Stabilisator hinten

ECKDATEN
L/B/H: 4621/1854/1383 mm - Radstand: 2751 mm - Leergewicht: 1860 kg - 0 - 100 km/h: 6,4 s - Höchstgeschwindigkeit: 247 km/h - Preis: 53.600 Euro

AUTO ZEITUNG

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