Bergrennen: Daniel und Hans Jürgen Abt auf Tour in Missen Bergtour

16.08.2011

Im DKW Junior besuchten Hans-Jürgen und Daniel Abt die frühere Bergrennstrecke in Missen im Allgäu. Wir begleiteten den erfolgreichen Teamchef und seinen schnellen Sohn

Er lächelt – und schüttelt den Kopf. „Nein, mit Bergrennen hatte ich selbst noch nie etwas zu tun“, sagt Daniel Abt. Kein Wunder, denn diese Art des Rennsports ist in den vergangenen Jahrzehnten fast gänzlich aus dem Fokus der breiten Öffentlichkeit verschwunden. Und einen Nachwuchspiloten mit Zielsetzung Rennprofi ruft der Berg heute längst nicht mehr. Der 18-Jährige fährt 2011 stattdessen seine erste Saison in der Formel-3-Euroserie, die bereits F1-Stars wie Lewis Hamilton und Sebastian Vettel als Sprungbrett in den Grand-Prix-Sport gedient hat. „Ich weiß aber natürlich, dass mein Großvater viele Erfolge bei Bergrennen errungen hat“, erklärt er, bevor er neben seinem Vater Hans-Jürgen auf dem Beifahrersitz des weißen DKW Junior Platz nimmt.

MEHR ALS 300 RENNSIEGE
In der dritten Generation steht der Name Abt nun schon für Erfolge im Motorsport: Johann Abt begründete die Renn-Tradition der Familie, die seine Söhne Hans-Jürgen und Christian und Enkel Daniel heute erfolgreich fortsetzen. „Mehr als 300 Rennsiege hat mein Vater errungen“, erinnert sich Hans-Jürgen Abt. Gerade bei Bergrennen gehörte Johann in den 60er-Jahren zu den Besten – er begann seine Karriere auf DKW und war später Werkspilot im Team des legendären Carlo Abarth. Sohn Hans-Jürgen durfte seinen Vater schon früh zu den Rennstrecken begleiten. Der heutige Geschäftsführer der Abt Sportsline GmbH erlebte das Flair des damaligen Bergrennsports hautnah mit. „Das waren immer Volksfeste“, sagt er. Das Prinzip dieser Art Motorsport ist einfach: Auf einer abgesperrten Straße treten die Fahrer einzeln im Kampf gegen die Uhr nacheinander an. Der Start erfolgt im Tal, dann geht es für die Piloten den Berg hinauf bis zum Zielpunkt am Gipfel. Einst kämpften die Werksrennställe von Porsche, Abarth, Ferrari und BMW um den Titel des Berg-Europameisters.

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Und auch in Deutschland gab es viele Rennen, bis ihre Zahl in den 80ern rapide sank. In den meisten Fällen sorgten Genehmigungsschwierigkeiten für das Ende von Traditionsveranstaltungen. Das Bergrennen in Missen fand 1982 zum letzten Mal statt. Doch immerhin wird auf der Strecke im Allgäu bereits seit einigen Jahren regelmäßig eine Gleichmäßigkeitsprüfung für historische Fahrzeuge ausgetragen – in Erinnerung an den 2003 verstorbenen Johann Abt. Nach dem Ende seiner aktiven Rennkarriere war er bei diesem Bergrennen nahe seiner Heimatstadt Kempten als Rennleiter tätig gewesen.

Viel weist auf den ersten Blick nicht darauf hin, dass auf der kurvenreichen Straße zwischen Missen und Wiederhofen früher um Zehntelsekunden gekämpft wurde. Auf der Höhe des Feuerwehrhauses in Missen markiert zumindest ein weißer Strich auf der Fahrbahn die Startlinie, an der Vater und Sohn Abt jetzt mit ihrem DKW Junior Aufstellung nehmen. Die Optik täuscht – denn auch wenn an den Türen des kleinen Zweitakters die Startnummer 44 prangt, handelt es sich nicht um ein historisches Rennfahrzeug. Mit ganzen 34 PS geht es jetzt in gemächlicher Gangart auf die Strecke. Diese Art der Entschleunigung ist für Hans-Jürgen eher ungewöhnlich. Schnell sein, schneller als die Konkurrenz – so könnte wohl das Credo des 48-Jährigen lauten. Und dies schon seit Beginn seiner Karriere: „Wenn ihr etwas macht, dann macht es gescheit“, forderte Johann Abt von seinen Söhnen, als die noch ihre ersten motorsportlichen Gehversuche im Motocross machten. Und diesen Anspruch hat Hans-Jürgen Abt erkennbar verinnerlicht.

Vom Motorrad ging es für ihn ins Tourenwagencockpit, bis er schließlich Mitte der 90er-Jahre auf die andere Seite der Boxenmauer wechselte. Und hier stellte Abt fortan als Teamchef die Weichen für die Erfolge des Familienunternehmens. Die sportliche Bilanz fällt beeindruckend aus: 1999 erster Titelgewinn im STW-Cup – mit Bruder Christian am Steuer. Es folgten insgesamt allein fünf DTM-Titel – 2002 noch als Privatteam gegen die Werksmannschaften von Mercedes und Opel. „Für mich ist das bis heute unser größter Erfolg“, sagt Hans-Jürgen Abt. Und das, obwohl es im Jahr 2009 gleich dreifachen Grund zum Jubeln in Kempten gab: DTM-Triumph durch Timo Scheider, Gesamtsieg im ADAC GT Masters für Christian Abt – und Titelgewinn für Daniel Abt im ADAC Formel Masters.

AUF DEM WEG NACH OBEN
Der jüngste Spross der schnellen Familie hatte mit diesem Triumph im Formelrennsport eine erste nachdrückliche Talentprobe abgegeben. Die motorsportlichen Gene hat er übrigens offenbar von beiden Eltern geerbt: Margit und Hans-Jürgen Abt starteten sogar gemeinsam als Team im Ford Fiesta Mixed Cup. War der Einstieg in den Motorsport für Daniel Abt damit vorgezeichnet? „Ich hätte auch eine andere Sportart wählen können“, sagt er selbstbewusst. „Ich habe mich selbst für diesen Weg entschieden.“ Und der führte nach einer Saison im nationalen F3-Cup in die Formel-3-Euroserie, wo er 2011 mit Podiumsplatzierungen gegen internationale Konkurrenz bereits weiter auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Voraussetzungen für den Aufstieg in die Top-Klassen des Motorsports scheinen günstig. „Aber natürlich gehört neben dem Talent auch Glück zu einer erfolgreichen Karriere“, sagt Hans-Jürgen Abt. Die Zukunft seines Sohnes soll nicht allein vom Rennfahren abhängig sein – darauf achtet er. Im Vorjahr machte Daniel sein Fachabitur.

Der DKW rollt über den Zielstrich, begleitet vom charakteristischen Sound und Geruch des Zweitaktmotors. Zeit für die Frage, ob Daniel vielleicht Lust auf den Start bei einem Bergrennen bekommen hat. „Warum nicht?“, sagt er. „Aber nicht im Oldtimer – das ist nicht so meine Sache.“ Typisch Abt – es muss eben möglichst schnell vorangehen.
Dieter Serowy

JUBILÄUM: 115 JAHRE ABT
Mit Mobilität beschäftigt sich das Unternehmen aus Kempten im Allgäu seit Generationen: Johann Abt, der Ur-Großvater des heutigen Geschäftsführers Hans-Jürgen Abt, gründete im Jahr 1896 eine Schmiede. Noch vor dem ersten Weltkrieg kam die Arbeit an Automobilen dazu. Und bereits ab den 20er-Jahren war Abt Händler für die Marken Horch und Audi. Rund 40 Jahre später folgte mit der Gründung von Abt Tuning durch Johann Abt ein weiterer entscheidender Schritt in der Historie des Unternehmens, das seit 1991 unter dem Namen Abt Sportsline GmbH firmiert. Spezialisiert auf die Veredelung von Fahrzeugen der Marken VW und Audi, ist Abt heute weltweit auf dem Markt präsent. Im internationalen Motorsport sind die Allgäuer seit Jahren als Audi-Werksteam in der DTM erfolgreich 1896 und gewannen dort bislang insgesamt fünf Titel.

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