Renault SUV im Härtetest Lücke gefüllt

02.02.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Lange hat Renault den aktuellen SUV-Trend ignoriert. Doch damit ist bald Schluss. Im September schließt der Koleos diese Lücke im Renault-Programm. Wir lassen den Allradler schon etwas früher einparken und stellen ihn zum ersten Kräftemessen mit Hyundai Santa Fe, Mitsubishi Outlander und VW Tiguan in eine Reihe

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, sagte einmal ein weiser sowjetischer Staatsmann. Genau genommen liegt die Betonung dieser Erkenntnis auf dem Wörtchen zu. Denn auch ein später Start kann durchaus erfolgreich sein. Bestes Beispiel VW: Der Tiguan kam erst im Herbst 2007 auf den Markt, kletterte blitzschnell die Zulassungsstatistiken empor und ist derzeit unangefochten Deutschlands beliebtestes Kompakt-SUV.
Nun will sich auch Renault ein Stück dieses Kuchens abschneiden. Der Koleos ist, als erstes SUV in der Geschichte der Marke, das Resultat eines französisch-japanisch-südkoreanischen Gemeinschaftsprojekts: Während Renault den Koleos entworfen hat und die Turbodiesel beisteuert, stammen die Allradtechnik sowie der Benziner von Nissan, und schließlich rollt er bei Renault Samsung Motors in Korea vom Band.
Im ersten Vergleichstest der AUTO ZEITUNG muss der neue Koleos mit dem 173 PS starken Diesel gegen die ähnlich kräftig motorisierten Hyundai Santa Fe (155 PS), Mitsubishi Outlander (156 PS) und VW Tiguan (170 PS) antreten.

 

Karosserie

Hyundai punktet beim Raumangebot, Renault bei der Sicherheit
Schon beim ersten Probesitzen wird klar: Im üppig dimensionierten Hyundai Santa Fe fühlen sich die Passagiere am besten aufgehoben. Kaum schlechter steht der VW Tiguan da, obwohl er von den Außenabmessungen her eine Nummer kleiner ist. Wird beim Mitsubishi Outlander die Topversion Instyle gewählt, schränkt das serienmäßige Glasschiebedach die Kopffreiheit der Gäste im Fond stark ein. Deutlich mehr Luft über dem Scheitel bietet da der Renault Koleos, dafür gibt sich der Franzose in der Innenbreite recht schmal und stellt mit verhältnismäßig bescheidenen 450 bis 1380 Liter Ladevolumen auch das kleinste Frachtabteil bereit. Hier sammelt der Mitsubishi fleißig Punkte, der mit 541 bis 1691 Litern nicht nur am meisten schluckt, sondern auch mit maximal 610 Kilogramm Zuladung das schwerste Gepäck mitnehmen darf. Besonders praktisch auch: Per Knopfdruck faltet sich die asymmetrisch geteilte Rückbank automatisch zusammen und vergrößert so den Stauraum. Der Renault verfügt ebenfalls über dieses komfortable Feature, das über massive Hebel aktiviert wird.

Geht es um die Sicherheitsausstattung, glänzt der Koleos mit serienmäßigen Bi-Xenon-Scheinwerfern und aktivem Kurvenlicht. Bei der Verarbeitung zeigt sich der Franzose von seiner besten Seite und zieht mit dem soliden VW Tiguan gleich. Die verwendeten Materialen hinterlassen einen ausgesprochen wertigen Eindruck und gefallen mit hoher Anfassqualität.

KarosserieMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDIMitsubishi Outlander 2.2 DI-DRenault Koleos 2.0 dCiHyundai Santa Fe 2.2 CRDi
Raumangebot vorn10073706974
Raumangebot hinten10072707173
Übersichtlichkeit7053535252
Bedienung/ Funktion10090908787
Kofferraumvolumen10047574355
Variabilität10053544954
Zuladung/ Anhängelast8049483543
Sicherheit15096769765
Qualität/ Verarbeitung200180160180166
Kapitelbewertung1000713678683669

 

Fahrkomfort

Perfekte Sitze im VW, sänftenartiges Reisen mit dem Renault

Komfort beginnt beim Sitzen, und hier hat der VW die besten Karten. Allerdings muss der Fairness halber ergänzt werden, dass die perfekt geschnittenen sowie bequemen Sportsitze des Testwagens nur optional erhältlich sind, und auch nur in Verbindung mit Lederpolstern, Kostenpunkt: stolze 2655 Euro.
Mit guter Oberschenkelauflage und befriedigendem Seitenhalt gefällt das vordere Mobiliar im Mitsubishi, während die kurzen Sitzflächen im Renault vorne wie hinten nicht überzeugen können und es dem Hyundai an seitlicher Körperunterstützung fehlt. Große Personen empfinden zudem die hohe Sitzposition als unangenehm, und die tief positionierte Rückbank im Santa Fe hat genauso wenig Auflagefläche wie die im Renault. Deutlich besser untergebracht ist man hier im Outlander und im Tiguan. Sowohl Hyundai als auch Mitsubishi können mit zwei Zusatzsitzen geordert werden. Das Mobiliar in der dritten Reihe taugt allerdings nur für Kinder. Zudem erfordert das Aufstellen der Zusatzbank im Outlander feinmotorisches Geschick und Zeit. Zusätzliche Variabilität bieten Hyundai, Mitsubishi und VW durch die längs verschiebbaren Sitzbänke in der zweiten Reihe.
Auf schlechten Straßen ist der Renault in seinem Element. Die weich abgestimmten Federelemente lassen den zudem leisen Franzosen förmlich über Unebenheiten schweben. Selbst derben Untergrund schluckt das Fahrwerk sehr willig und sensibel. Obwohl der VW deutlich straffer ist als der Renault, macht er seine Sache immer noch sehr gut. Mit maximaler Zuladung spricht der Tiguan sogar noch feinfühliger an. Der weich gefederte Hyundai meistert Bodenwellen souverän, jedoch neigt seine Karosserie zu Wankbewegungen, während der härtere Mitsubishi über weniger Federweg verfügt und mit voller Beladung auf Querfugen und Kanaldeckeln die Stöße oftmals trocken an seine gebeutelten Insassen weiterreicht.

FahrkomfortMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDIMitsubishi Outlander 2.2 DI-DRenault Koleos 2.0 dCiHyundai Santa Fe 2.2 CRDi
Sitzkomfort vorn150115969091
Sitzkomfort hinten10082807878
Ergonomie150138133136130
Innengeräusche5042293841
Geräuscheindruck10071687172
Klimatisierung5034313637
Federung leer200145138151140
Federung beladen200150137149138
Kapitelbewertung1000777712749727

 

Motor und Getriebe

Der ebenso kräftige wie sparsame Tiguan liegt vor der Konkurrenz
Dass der 173 PS starke Zweiliter-dCi von Renault eine angenehme Antriebsquelle ist, hat er bereits im Laguna bewiesen. Im Koleos glänzt der Renault-Diesel ebenfalls mit besten Umgangsformen, kann sich aber dynamisch nicht ganz wie erwartet in Szene setzen. Die Bestmarken erzielt hier der nur drei PS schwächere und auch nicht ganz so drehmomentstarke Common-Rail-Diesel im Tiguan. Er bietet, gemeinsam mit dem praktisch gleichauf liegenden 2.2 DI-D des Outlander, die besten Fahrleistungen und verbraucht am wenigsten. Verglichen mit den munteren Turbodieseln von Mitsubishi und VW wirkt der Renault-Motor etwas behäbig. Zudem lässt sich das Sechsgang-Getriebe nicht ganz so leicht und präzise schalten wie bei der Konkurrenz.
Noch schwerer – im wahrsten Sinne des Wortes – hat es der Hyundai. Er stand zum Test nur mit dem optionalen Automatikgetriebe zur Verfügung, was aber angesichts der knochig zu schaltenden Fünfgangbox der Schaltversion nicht unbedingt ein Nachteil zu sein braucht. Da aber der 2.2 CRDi weit über zwei Tonnen schleppen muss, kann er keine Glanzlichter setzen. Fahrleistungen und Verbrauch sind eine Klasse schlechter als bei der Konkurrenz aus Japan, Frankreich und Deutschland.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDIMitsubishi Outlander 2.2 DI-DRenault Koleos 2.0 dCiHyundai Santa Fe 2.2 CRDi
Beschleunigung150142139134111
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15071705948
Getriebeabstufung10072737072
Kraftentfaltung5036333427
Laufkultur10068707269
Verbrauch325188180179168
Reichweite2515121415
Kapitelbewertung1000592577562510

 

Fahrdynamik

Mit agilem Handling und den besten Bremsen ist der Tiguan top
Kompakt-SUV sollen, so wollen es Entwickler, Autotester und Käufer, möglichst dynamisch sein und kaum langsamer ums Eck biegen als normale Kompaktlimousinen. Umso mutiger, dass Renault da mit dem Koleos einen anderen Weg einschlägt. Komfort- und Offroad-Eigenschaften waren bei der Entwicklung wichtiger als überragende Querdynamik. Die komfortbetonte Abstimmung sorgt für kräftige Seitenneigung bei schneller Kurvenfahrt und heftiges Untersteuern beim Einlenken. So absolviert er die fahrdynamischen Übungen auch deutlich langsamer als die agileren Outlander und Tiguan. Der VW trat allerdings auf optionalen 17-Zöllern zum Test an. Schlechtere Zeiten setzt nur der Hyundai, der allerdings unter seinem hohen Gewicht und der schwächeren Motorisierung leidet. Dass die Koleos-Lenkung nur wenig Fahrbahnkontakt vermittelt, ist nicht eben hilfreich. Nicht ganz unschuldig daran sind die Ganzjahres-Reifen von Hankook mit ihrem geräuschoptimierten Profil, die aber für sehr lange Bremswege sorgen: Über 41 Meter von 100 auf null sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Bis zur Markteinführung im September will Renault die 173-PS-Version des Koleos auf Continental-Straßenreifen ohne M+S-Kennung ausliefern.

FahrdynamikMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDIMitsubishi Outlander 2.2 DI-DRenault Koleos 2.0 dCiHyundai Santa Fe 2.2 CRDi
Handling15049392617
Slalom10051454026
Lenkung10086797570
Geradeauslauf5041414040
Bremsdosierung3018181718
Bremsweg kalt15088743443
Bremsweg warm15083693349
Traktion10080848080
Fahrsicherheit150135128128126
Wendekreis2081039
Kapitelbewertung1000639587476478

 

Umwelt und Kosten

Der scharf kalkulierte Wolfsburger setzt sich am Ende durch
Der VW Tiguan lockt mit einem günstigen Einstiegspreis von 31625 Euro, erweist sich als wertstabil und erfreut mit günstigen Versicherungseinstufungen sowie den geringsten Kraftstoffkosten. Die AZ-Normausstattung ist recht umfassend. Ausstattungsbereinigt wendet sich jedoch das Blatt, da bieten die anderen mehr, unter anderem mit Klimaautomatik. Vor allem der Renault umschmeichelt seine Insassen mit Ledersitzen, Soundsystem und elektrischem Panorama-Glasdach. Darüber hinaus bietet der Koleos mit dreijähriger Technikgarantie und unbegrenzter Mobilität das umfassendste Garantiepaket. Die beiden Asiaten hingegen können in der Kostenwertung nicht auftrumpfen. Sie liegen praktisch gleichauf, aber deutlich hinter dem Franzosen und dem Deutschen, der das letzte Kapitel knapp gewinnt.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDIMitsubishi Outlander 2.2 DI-DRenault Koleos 2.0 dCiHyundai Santa Fe 2.2 CRDi
Bewerteter Preis675179163170166
Wertverlust5021181819
Ausstattung2520202019
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028303329
Werkstattkosten20
Steuer107777
Versicherung4032293029
Kraftstoff5541404038
Emissionswerte2581818380
Kapitelbewertung1000409388401387

 

Fazit

Fahrdynamisch kann sich der Renault Koleos nicht gegen die agilen Mitsubishi und VW durchsetzen. Er punktet zwar mit kultiviertem Motor und komfortbetontem Fahrwerk, landet aber auf dem dritten Platz, auch wegen des knapp bemessenen Interieurs und der mäßigen Bremsleistung. Der Tiguan gewinnt klar vor dem Outlander, weil er dynamische sowie motorische Maßstäbe setzt. Der Mitsubishi glänzt vor allem mit seinem Turbodiesel und dem großen Laderaum. Keine Chance in diesem Umfeld hat der Hyundai, der außer mit seinem Raumangebot kaum Glanzlichter setzen kann.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Tiguan 2.0 TDIMitsubishi Outlander 2.2 DI-DRenault Koleos 2.0 dCiHyundai Santa Fe 2.2 CRDi
Summe50003130294228712771
Platzierung1234

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