Vergleichstest: Renault Scénic TCe 130 vs. Renault Captur TCe 120 EDC Familien-Duell

30.10.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Preislich liegen zwischen dem Van Scénic und dem SUV Renault Captur gerade 1700 Euro. Doch welcher Franzose ist das bessere Angebot? Vergleichstest

Wer behauptet, mit Renault Scénic und Renault Captur würden wir Äpfel mit Birnen vergleichen, der sollte zumindest einen Blick in die Preislisten der beiden Gallier werfen. Ausgestattet mit dem gleichen 1,2-Liter-Turbobenziner, kostet der Scénic (132 PS) nämlich nicht einmal 2000 Euro mehr als der zugegeben modischere Captur (120 PS). Die Grenzen zwischen den Fahrzeugklassen Van und SUV sind also fließend, und die Kaufentscheidung dürfte einmal mehr vom Bauchgefühl abhängen. Nimmt man den braven Van oder das moderne Crossover-SUV?

Lackiert in klassischem Bordeaux-Rot spielt der Scénic für 21.490 Euro in diesem Vergleichstest jedenfalls eindeutig den Vernünftigen. Er ist größer, geräumiger und weniger auffällig gestylt. Dagegen wirkt der zweifarbige Captur für 19.790 Euro mit seinen schmucken Felgen und dem karierten „X“ an Heck und Dach regelrecht aufsässig. Doch kann er auch im Vergleichstest die eindrucksvolleren Akzente setzen?

 

KAROSSERIE

Der optische Auftritt täuscht nicht. Der Scénic ist mit einer Außenlänge von 4,37 Metern etwa 25 Zentimeter länger als der Captur. Der steht auf der technischen Basis des Clio und trägt auch in der Breite eher Kleinwagenformat. Dass er acht Zentimeter schmaler ist, merkt man im Innenraum sofort. Nicht, dass es auf den vorderen Sitzplätzen eng zuginge – doch gegen den luftig-geräumigen Van bleiben dem Captur beim Platzangebot nur wenig Argumente. Den bei den SUV so beliebten hohen Einstieg mit der aufrechten Sitzposition bieten übrigens beide Renault.

Auf der verschiebbaren Rückbank des Captur müssen Erwachsene wegen der modisch abfallenden Dachlinie aber den Kopf leicht einziehen, um nicht an den Dachhimmel zu stoßen. Solche Probleme hat man im Scénic nicht, auch wenn die drei komplett einstellbaren Einzelsitze nicht gerade üppig dimensioniert sind. Doch während die Rückseiten der Vordersitze im Captur wenig liebevoll mit hartem Kunststoff verkleidet sind, gibt es im Scénic optional kleine Klapptische mit extra Stecktaschen, Schubkästen unter den Sitzen sowie ausziehbare Jalousien für die Seitenscheiben im Fond – ganz zu schweigen von den durchgehenden Kopfairbags, die beim Captur nicht zu haben sind.

Hinter der zweiten Sitzreihe macht sich im Van zudem ein sehr geräumiger Kofferraum breit, der mit 470 bis 1870 Litern deutlich größer ist als der des SUV (377 bis 1235 Liter). Immerhin bietet der Captur einen doppelten Ladeboden und eine komplett ebene Fläche bei umgelegten Rücksitzen. Richtige  Nutztiere sind beide Franzosen deswegen aber noch lange nicht. Die Anhängelast fällt mit 1200 Kilogramm (Captur) und 1300 Kilogramm (Scénic) eher bescheiden aus, und die Zuladungen liegen mit nicht einmal 500 Kilogramm gerade im Klassendurchschnitt.

Dem modernen Design des Captur muss noch mehr Tribut gezollt werden. Nicht nur die futuristisch gestylten Instrumente lassen sich wegen der vielen Spiegelungen schlechter ablesen, auch die Rundumsicht nach draußen gelingt nicht so ungestört wie im Scénic. Vor allem das Hinterteil lässt sich wegen der kleinen, flachen Heckscheibe und der breiteren C-Säule schwer abschätzen. Die Einparkhilfe (390 Euro) sollte also in jedem Fall geordert werden. Wer sich für die teurere Luxe-Version samt Multimediasystem und Touchscreen entscheidet (ab 21.490 Euro), kann obendrein eine Rückfahrkamera für 590 Euro ordern. So richtig nobel will es im Captur aber auch mit Vollausstattung nicht zugehen. Zu viele harte und kratzempfindliche Plastikoberflächen bestimmen die Cockpitlandschaft.

Dagegen wirken das mit aufgeschäumten Materialien bespannte Armaturenbrett und die solide, verschiebbare Mittelkonsole im Scénic mindestens eine Klasse hochwertiger. Letztlich erinnern auch optionale Sicherheitsfeatures wie Xenonlicht, Spurhalte- und Fernlichtassistent oder das vollwertige Ersatzrad im Kofferraumboden daran, dass der Scénic mehr mit den größeren Baureihen als mit dem Clio gemeinsam hat.

 

FAHRKOMFORT

Dass auch der Radstand gut zehn Zentimeter länger ist, merkt man schnell beim Fahrkomfort. Der Scénic liegt satter und nicht ganz so nervös auf der Straße und fühlt sich insgesamt ausgewogener an. Dazu tragen auch die bequemen Sitze mit den großen Kopfstützen bei. Unkomfortabel ist aber auch der Captur nicht. Besonders das Geräuschniveau kann sich bei ruhiger Fahrt hören lassen. Nur wer den Motor zu höheren Drehzahlen zwingt, könnte von dessen Brummen schnell genervt werden. Im Scénic hört man dagegen kaum etwas von dem kleinen Vierzylinder. Vor allem im Stand herrscht hier absolute Ruhe im Auto. Der rekordverdächtige Messwert von nur 36 dB(A) belegt den Eindruck.

Ein ungewohnter Umstand, der das Einkuppeln im ersten Gang zur Gefühlssache macht, denn das Motorgeräusch nimmt man erst ab 2000 Umdrehungen wahr. Bei der Fahrt überzeugen indes beide Franzosen mit guter Geräuschdämmung. In Sachen Ergonomie punktet erneut der Scénic. In die Türablagen passen vorn wie hinten auch Wasserflaschen, die Getränkehalter werden selbst mit größeren Bechern fertig, und das verschiebbare Mittelfach nimmt es sogar mit XL-Handtaschen auf. Der Captur kann nur mit einer geräumigen Handschuhfach-Schublade und dem Klappfach auf dem Armaturenträger kontern.

 

MOTOR/GETRIEBE

Wer den Captur nicht als Einstiegsmodell mit 90 PS (ab 15.390 Euro), sondern mit dem stärkeren der beiden Benzinmodelle bestellt (120  PS), bekommt automatisch das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe EDC dazu. Im Alltagsverkehr und bei ruhiger Fahrweise arbeitet diese Kombination sehr unauffällig. Will man allerdings zügiger unterwegs sein, kann die etwas phlegmatische Arbeitsweise im Automatikmodus schnell stören.

Viel besser wird es auch im manuellen Modus nicht, da sich die Regelelektronik auch hier noch einmischt und die Gangwechsel nicht unmittelbar auf den Schaltbefehl am Wählhebel folgen, so wie man es von anderen Doppelkupplungsgetrieben gewohnt ist. Zudem wirkt der nur 1,2 Liter große Vierzylinder stets etwas angestrengt. Bei hohen Drehzahlen hört man sogar das Pfeifen des Turboladers – was eher an eine Luftpumpe als an einen sportlich aufgeladenen Benzinmotor erinnert. Wie gut ein knackiges Sechsgang-Schaltgetriebe zu dem Benziner passt, zeigt der Scénic.

Als TCe 130 leistet er zwölf PS mehr (132 PS) und schafft es so sogar, sein fast 200 Kilogramm höheres Leergewicht locker zu kaschieren. Er wirkt viel leichtfüßiger, und der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 gelingt ihm mit etwas kürzerer Getriebeübersetzung in 10,2 Sekunden – eine halbe Sekunde schneller als dem Renault Captur TCe 120 EDC. Obendrein wurde der Motor im Van besser gedämmt und gefällt unter Volllast zudem mit kernigem Sound.

Dass eine harmonische Abstimmung von Motor und Getriebe nicht nur für den Fahrspaß, sondern auch für den Verbrauch elementar ist, zeigt die Alltagstestrunde inklusive Vollgasanteils der AUTO ZEITUNG. Trotz niedrigeren EU-Normverbrauchs von 5,4 Litern (Scénic: 6,2 Liter), verlangt der Captur in der Praxis 7,9 Liter Super Benzin und damit fast einen halben Liter mehr als der Scénic – wohlgemerkt mit identischer Bereifung. Mit seinem größeren Tank kommt der Van ohne nachzufüllen etwa 250 Kilometer weiter. Beim Captur muss im Schnitt alle 550 Kilometer eine Tankstelle angesteuert werden.

 

FAHRDYNAMIK

Es ist vor allem das automatisierte Schaltgetriebe, das dem Captur den Fahrspaß raubt. Weil die Schaltvorgänge nicht immer passend eingeleitet werden, verliert der Clio-Ableger obendrein Zeit auf dem abgesperrten Handlingparcours und im Slalom. Während man im handgeschalteten Scénic in schnellen Kurven leicht am Gas bleiben kann, lassen sich die Reaktionen des EDC (Efficient Dual Clutch) nur schwer dosieren.

Ohne Frage könnte der Captur mit der knackigen Handschaltung den Vier-Sekunden-Vorsprung des Scénic deutlich verkürzen – auch wenn die Lenkung nicht ganz so homogen und gefühlvoll arbeitet wie im größeren Van und sich das ESP hier früher mit deutlichen Eingriffen bemerkbar macht. Vor bösen Überraschungen muss man sich selbst bei Kurvenfahrt mit extremen Lastwechselreaktionen in keinem der zwei Franzosen fürchten. Den Grenzbereich in spitzen Kehren kündigen beide mit leichtem Untersteuern an. Beim Herausbeschleunigen glänzt der Scénic aber mit etwas besserer Traktion.

Der Captur kontert bei den Bremsmessungen. Hier kann das SUV sein geringeres Gewicht von nur 1290 Kilogramm umsetzen und steht mit kalter wie warmer Anlage aus Tempo 100 bis zum Stand etwa einen halben Meter früher. Mit rund 35 Meter Bremsweg (warm) braucht sich aber auch der 1,5 Tonnen schwere Scénic nicht zu verstecken. Schließlich rollt auch er auf Leichtlaufreifen der Marke Dunlop (Sport Blu Response). Allerdings lässt sich die Verzögerung beim Van mit warmen Bremsscheiben etwas schwieriger dosieren.

 

UMWELT/KOSTEN

Dass der Renault Scénic technisch schon fünfeinhalb Jahre alt ist, sieht man ihm weder an, noch merkt man es an der Ausstattungsliste. Zwei Modellpflegen (2012 und 2013) sorgten dafür, dass man im aktuellen Jahrgang sogar Spurhalte- und Fernlichtassistenten (400  Euro) oder selbst Bi-Xenonscheinwerfer mit dynamischem Kurvenlicht und LED-Tagfahrlicht (1000 Euro) gegen Aufpreis bekommt. Da muss selbst der gerade ein Jahr alte Captur staunen, denn solche Extras findet man bei ihm nicht. Dafür ist das kleine SUV in der Dynamique-Version 1700 Euro günstiger und schon mit 16-Zoll-Alu-Felgen bestückt.

Leichtmetallräder kosten in der Limited-Variante des Scénic mindestens 860 Euro extra. Ohnehin sollte man – wie auch beim Captur – den Blick zur nächsthöheren Ausstattungslinie wagen. Im SUV sind dafür nämlich nur 1700 Euro fällig. Dafür bekommt man eine Zweizonen-Klimaautomatik, Licht- und Regensensor und das onlinefähige Multimedia-System R-Link mit Navigation, das einzeln schon 990 Euro kostet.

Im Van empfiehlt sich die Bose-Edition für 3410 Euro Aufpreis. Hier sind zusätzlich zu den oben genannten Extras sogar eine Rückfahrkamera, die Einparkhilfe für vorn und hinten sowie ein Bose-Soundsystem enthalten. Wer übrigens noch 1200 Euro zusätzlich investiert, bekommt den 20 Zentimeter längeren Grand Scénic mit nochmals deutlich mehr Platz und der Option auf sieben Sitzplätze. So oder so bleibt der Captur in diesem Vergleichstest das günstigere Auto. Der etwas höhere Benzinverbrauch kann daran nichts ändern.

 

FAZIT

Die moderne Optik und der frische Auftritt des Renault Captur können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Vergleichstest auf klassische Tugenden ankommt. Bei Platzangebot, Sicherheitsausstattung und Komfort jedenfalls hat das SUV gegen den größeren Scénic keine Chance. Dass sich der deutlich schwerere Van allerdings auch im Motor-Getriebe-Kapitel und bei den Fahrleistungen besser in Szene setzen kann, ist eine Überraschung.

So bleibt dem Captur nur die gewonnene Kostenbilanz – und insgesamt der zweite Platz. Mit mehr optionalen Ausstattungsmöglichkeiten, besserer Verarbeitung und dem harmonischerem Gesamteindruck krönt der Renault Scénic seinen Sieg.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Markus Schönfeld

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