Renault Laguna 1.9 dCi Das Glück des Tüchtigen

30.11.2006

100 000 Kilometer mit dem Renault Laguna Grandtour offenbarten die Stärken und Schwächen des gallischen Familientransporters mit dem sparsamen 1.9 dCi-Motor

Eckdaten
PS-kW120 PS (88 kW)
AntriebFrontantrieb, 6 Gang manuell
0-100 km/h10.7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit197 km/h
Preis26.600,00€

Als der Renault Laguna Grandtour 1.9 dCi am 14. März 2002 den langen Dienst im Redaktions-Fuhrpark antrat, war die Freude groß. Der Kombi schien sowohl für den Urlaub mit der Familie als auch für den Transport von Jägerzaun-Elementen geradezu prädestiniert zu sein. Sogar die Foto-Abteilung war schnell begeistert: Komfortabel gefedert, erleichterte der Franzose den Fotografen das erschütterungsfreie Arbeiten aus dem fahrenden Auto heraus.

Zeigte sich der Laguna auf seinen ersten Kilometern noch recht zäh, so gewann der Motor im täglichen Dauereinsatz schnell an Dynamik. Gepaart mit einem exakt schaltbaren Sechsgang-Getriebe, arbeitet der Selbstzünder mit Turboaufladung im optimalen Drehzahlbereich (1800 bis 3500 U/min) kraftvoll und wirkt auch bei voller Beladung niemals untermotorisiert. Eine zu Beginn des Tests spürbare Anfahrschwäche konnten die Renault-Servicetechniker durch eine neue Motorsoftware erfolgreich bekämpfen. Das kraftvolle Drehmoment von 270 Newtonmetern (ab 03/2004 sogar 300 Nm) sichert zügige Überholvorgänge auf der Landstraße. Der lang übersetzte sechste Gang mindert das Geräuschniveau und senkt auf langen Autobahn-Etappen auch bei hohem Tempo den Verbrauch. So genehmigte sich unser immerhin knapp 1,5 Tonnen schwerer Kombi im Schnitt nur 7,2 Liter Diesel auf 100 Kilometern ein erstaunlich niedriger Durchschnittswert über die gesamte Testdistanz.

Das Fahrverhalten des gefällig designten Franzosen präsentierte sich auch gegen Testende noch als narrensicher. Die Aufbaubewegungen bei zügiger Kurvenfahrt oder schnellen Ausweichmanövern sind generell zwar deutlich, haben aber keinen Einfluss auf die Lenkpräzision und Spurtreue. Eine Optimierung des Einlenkverhaltens brachte im Test die Umrüstung auf optional erhältliche 17-Zöller. Mit den 225/45er-Reifen folgte der Laguna unmittelbarer dem Einlenkbefehl und zeigte sich auch bei hohem Autobahn-Tempo fühlbar spurtreuer und das ohne negative Auswirkungen auf das Komfortverhalten. Mit den breiteren Pneus filterte das Laguna-Fahrwerk auch weiterhin grobe Unebenheiten des Fahrbahnbelags sowie Querfugen erfolgreich heraus. Insgesamt verwöhnt der Grandtour mit einer ausgewogenen Feder- / Dämpferabstimmung. Sportlichen Ansprüchen genügt er allerdings nicht.

Mehr im Focus der Konstrukteure lag wohl das komfortable Reisen gepaart mit einer umfangreichen Serienausstattung. So bietet die Privilège-Ausstattung neben einer automatischen Klimaanlage, Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern, einer getrennt umklappbaren Rücksitzbank auch eine Radioanlage mit integriertem CD-Player. Das in unserem Testwagen installierte Cabasse-Soundsystem konnte allerdings nicht völlig überzeugen. So störte insbesondere der schwache Radioempfang. Sind alle nötigen Einstellungen vorgenommen, gelingt die Bedienung per Lenkradsatellit einfach.

Die verwendeten Bezugsstoffe, Verkleidungen sowie der mit Leder bezogene Schalthebel erwiesen sich nach Testende als stark beansprucht. Ein durchgesessener Fahrersitz, der jetzt quietschend und kaum noch Rückenunterstützung bietend auf den Austausch hofft, sowie die gänzlich ausgeleierte Fensterheberbedienung ließen unseren Laguna müde wirken. Für verstärkte Rappelgeräusche sorgte zudem die sich in Auflösung befindende Motorkapselung. Ein vor kurzem aus dem Testfuhrpark ausgeschiedener Audi A4 präsentierte sich hier deutlich hochwertiger verarbeitet. Auch die Technik des Laguna verdient nicht das Urteil hochwertig verarbeitet. Lobenswert ist jedoch zu erwähnen, dass die wesentlichen Komponenten äußerst zuverlässig ihren Dienst verrichteten. Motor, Getriebe, Einspritzpumpe, Gelenkwellen, Radlager, Lenkung alles arbeitete ohne Probleme. So gut das Urteil für diese Aggregate auch ausfällt, bei der Betrachtung im Detail trübt sich das Bild. Klappergeräusche aus dem Bereich der Ansaugluftführung sowie scheppernde Prallbleche im Auspufftopf, ein defekter Fensterheber auf der Beifahrerseite sowie eine unmotiviert aufleuchtende Motorkontrollleuchte bei Kilometerstand 5802, 72 785 und 82 500 sorgten für Verdruss. Hätte unser Laguna nicht einen Schutzengel besessen, der ihn stets bei Eintritt eines schwerwiegenden Gebrechens direkt vor der Tür einer Vertragswerkstatt stranden ließ, wir hätten drei mal vor großen Problemen gestanden: Bei Kilometerstand 64 141 verabschiedete sich plötzlich und ohne Vorwarnung die Führung der Gangschaltung.

Ein gebrochener Spannstift zum Preis von nur 61 Cent verhinderte jeglichen Gangwechsel. Im dritten Gang ging es zur Werkstatt um die Ecke und nach einer Stunde weiter im Dauertest. Einen weiteren unplanmäßigen Boxenstopp legte der Grandtour bei Kilometerstand 88 690 ein: Eine defekte Batterie verhinderte die Fortsetzung der Urlaubsreise durch Kroatien. Wieder Glück im Unglück: Nach nur zehn Minuten hatte ein überaus freundlicher Monteur den Schaden erkannt und eine neue Batterie eingebaut. Und noch einmal zog der Franzose bei Kilometerstand 97 489 die Aufmerksamkeit auf sich und unterbrach theatralisch dampfend eine Urlaubsfahrt durch Frankreich. Auch hier rettete sich der Redakteur in eine nahe Vertragswerkstatt. Nachdem im Tausch gegen 95,69 Euro ein neuer Kühlerschlauch und ein Dichtring montiert waren, konnte es weitergehen: Die Reparatur war im Handumdrehen erledigt.

Die drei Pannen sowie der zwischenzeitlich (94 509 km) notwendige Austausch eines Teils der Abgasanlage unterstreichen allerdings, dass es mit der Qualität diverser Zuliefer-Teile bei Renault nicht zum Besten steht. Hier herrscht Handlungsbedarf, nicht jeder hat bei einer Panne so viel Glück wie wir. Scheinbar haben die Franzosen das Problem erkannt, denn ein Espace, der seit einem Jahr in Dauertest-Diensten steht, läuft bisher ohne Fehl und Tadel. Ein grundlegend überarbeiteter Laguna rollt übrigens ab März 2005 zu den Händlern.
Martin Hube

Fazit

Der Renault Laguna hat den 100 000-Kilometer-Dauertest ohne große Schäden und somit erfolgreich absolviert. Sein Raumangebot und Reisekomfort sowie der sehr sparsame und durchzugsstarke Motor überzeugen.

Das positive Gesamtbild wurde allerdings durch diverse Kleinigkeiten getrübt: Probleme mit der Chipkarte, eine defekte Starterbatterie, ein maroder Kühlwasserschlauch, Klappergeräusche aus Ansaug- und Abgas-System sowie ein zum Ende des Tests quietschender und durchgesessener Fahrersitz nervten.

Glück im Unglück: Dreimal blieb der Laguna Grandtour direkt vor einer Vertragswerkstatt liegen – schnelle Hilfe war gesichert.

Technische Daten
Motor 
ZylinderR4
Hubraum1870
Leistung
kW/PS
1/Min

88/120
4000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
270
2000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebFrontantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 225/45 R 17
h: 225/45 R 17
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1460
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)10.7
Höchstgeschwindigkeit (km/h)197
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch7.2l/100km (Diesel)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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