Neuer Renault Espace im Fahrbericht Keine halben Sachen

10.04.2015

Der Renault Espace 2015 tritt erstmals mit Crossover-Konzept an. Er ist halb Van, halb SUV und funktioniert als Ganzes erstaunlich gut. Fahrbericht

Starkes Stück: Da wagt der Erfinder des europäischen Vans, das bewährte Konzept des multifunktionalen Raumwunders komplett umzukrempeln und verkauft das Ganze dann immer noch als Espace. Ist das denn überhaupt noch ein Espace, dieses breite, hochbeinige Ding, das ab Anfang Mai auf seinen großen Rädern zum Händler rollt? Mit seinen Ahnen hat Espace No. 5 nichts mehr gemein, steht dafür aber ziemlich proper da. Immerhin hat er gegenüber seinem 13 Jahre lang gebauten und zuletzt nur noch wenig erfolgreichen Vorgänger mal eben 20 Zentimeter in der Länge zugelegt, wobei die Breite mit knapp 1,89 Metern fast gleich blieb.

 

Renault Espace: Crossover-Van mit 160 PS-Diesel

Auf dieser Grundfläche bringt der Espace in der zweiten Reihe drei Sitze unter, die sich einzeln verschieben und umklappen lassen – sehr lässig per Knopfdruck, auch vom Kofferraum aus. Nur ausbauen kann man die Sessel jetzt nicht mehr, was die maximal verfügbare Ladehöhe einschränkt, zumal der neue Espace sieben Zentimeter flacher ist als sein Vorgänger. Doch mal ehrlich, eine Freude war das Herumbugsieren der schweren Sessel noch nie, weshalb viele Espace-Besitzer bislang auch nur selten von den mannigfaltigen Umbaumöglichkeiten ihres Vans Gebrauch machten.

Und wie fühlt man sich nun als Passagier im neuen Renault Espace? An sich hinterlassen die großzügig dimensionierten Sitze einen sehr bequemen Eindruck. Allerdings fällt in der zweiten Reihe der Abstand der Sitzfläche zum Boden zu klein aus, sodass nicht nur Langbeinige mit recht stark angewinkelten Knien Platz nehmen, was auf Dauer unentspannt ist und in verschärfter Form schon beim Vorgänger kritisiert wurde.

Außerdem kann es für Sitzriesen schon mal eng werden über dem Scheitel – vor allem, wenn das Fahrzeug wie unser Testwagen mit einem Glas-Panoramadach ausgestattet ist. Seinem Ruf als multifunktionaler Van kommt der Espace immer noch nach und bietet Platz für bis zu sieben Personen. Das macht er aber nur in der Topausstattung Initiale Paris (als 200-PS-Benziner ab 44.500, als Diesel 46.200 Euro) und nach Zuzahlung von 3600 Euro für das Elysée-Paket, das unter anderem besagtes Panoramadach, DVD-Entertainment für die zweite Sitzreihe und zwei Klappsitze in der dritten Reihe umfasst.

Einmal dort angekommen, sitzen die Passagiere sechs und sieben recht passabel, viel Platz überm Kopf und für die Beine bleibt da aber nicht. Wer mit mehr als fünf Leuten unterwegs sein will, muss seinen Espace also grundsätzlich zum Luxus-Bus ausbauen, drunter geht nichts. Wie die meisten großen Vans taugt aber auch der Renault weniger für die große Urlaubstour zu siebt, weil das Gepäckvolumen dann auf 247 Liter schrumpft.

 

Espace: Auch in fünfter Generation kein Sportler

So richtig großzügig, familienfreundlich und wirtschaftlich verträglicher wird der Renault in der fünfsitzigen Version, die es in der reichlich bestückten Basisausstattung Life als 130-PS-Diesel ab 33.550 Euro gibt – inklusive Klimaautomatik, 17-Zoll-Alu-Räder, HiFi-Anlage, Einparkhilfe vorn und hinten, Voll-LED-Licht sowie des neuen R-Link-2-Bediensystems für Navigation, Telefon, Online-Funktion und mehr.

Dazu kommt ein ebener Laderaum mit einem stattlichen Volumen von mindestens 680 Litern. Lässt man ganz simpel per Knopfdruck die hinteren Sitzlehnen umklappen, wächst das Transportvolumen schrittweise auf bis zu 2101 Liter. Damit erreicht der Neue zwar nicht die Kapazitäten des alten Grand Espace, für die meisten Transporte reicht das aber allemal. Als Fahrer taucht man in eine völlig neue, vernetzte Renault-Welt, in der sich von Cockpit-, Head-up- und Touchdisplays bis hin zu Fahrwerk/Lenkung und Antrieb alles konfigurieren lässt, vor allem in der Topversion Initiale Paris.

Als Antrieb dient uns hier der stärkste Diesel, der als 1,6-Liter mit 160 PS gar nicht mal so stark ausfällt und seine Kraft über ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (EDC) auf die Vorderräder überträgt. Das funktioniert ziemlich unaufgeregt und unauffällig, wirklich flott ist der Espace damit nicht, aber auch kein Verkehrshindernis. Trotz seines kultivierten Laufs wirkt der Turbodiesel-Antrieb ab und an gestresst, bevorzugt mitunter hohe Drehzahlen, was nicht so richtig zum souveränen Charakter des großen Renault passt.

Denn schließlich chauffiert der solide verarbeitete Espace seine Fahrgäste geräuscharm auf hohem Komfort-Niveau, vermittelt seinem Fahrer im Sportmodus dennoch sogar einen Hauch von Dynamik. Das liegt auch an der Allradlenkung 4Control (Serie im Initiale Paris), mit der Renault schon viel Erfahrung aus dem Laguna hat.

Allerdings lässt es die knackig direkte Lenkung ein wenig an Gefühl missen, weshalb der Fahrer bei schnellen Richtungswechseln schon mal zum Überlenken neigt. Das ist dank der diskret regelnden Fahrdynamiksysteme aber kein Problem. Zahmer agiert die Lenkung im Normal- und im Komfortmodus, die eh die bevorzugten Gangarten des Renault Espace beschreiben.

Unser Fazit

Mit SUV-Touch, vielen Sicherheits- und Multimedia-Funktionen ist der Espace nun auf der Höhe der Zeit, ohne Tugenden wie Variabilität und Raumkomfort ganz zu vernachlässigen. Und ein Dynamiker war der Espace ja noch nie.

Jürgen Voigt

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