Renault DeZir: Design-Studie mit E-Antrieb Objekt der Begierde

18.02.2011

Ein Karosseriekörper wie ein gespannter Muskel, darüber eine Dachpartie mit Panorama-Verglasung: Die Studie DeZir macht Lust auf die Renault-Zukunft

Die Luft ist kalt an diesem Morgen, Nebelreste klammern sich an die Zweige der Bäume, die das Testgelände nahe Paris vor neugierigen Blicken schützen. Irgendwo bollert ein Sechszylinder über eine der Pisten, singt das Hohe Lied auf den Verbrennungsmotor mit Inbrunst. Der Star des Tages wartet indes in einem weißen Zelt und schimmert als roter Fleck durch dessen kleine Kunststoff-Fenster.

Axel Breun ist erkennbar stolz auf das flache Coupé, das mit 4,23 Metern kürzer als ein Renault Mégane ist, mit 1,16 Metern aber erheblich flacher. „Der DeZir ist für uns der Anfang eines Abenteuers, das fünf oder auch sechs Concept Cars umfassen wird“, sagt der lockenköpfige Designer, der als Direktor bei Renault die Entstehung von Studien von Renault verantwortet. Innerhalb der kommenden zwei Jahre sollen diese Studien – jede in einer anderen Fahrzeugklasse und jede wohl leicht comichaft überzeichnet – einen Vorgeschmack auf das Design der kommenden Renault geben.

Design war ja ein großes Thema bei Renault in den letzten Jahren. Vel Satis, Avantime und auch der Entenpopo-Mégane der Le Quément-Ära waren Autos mit einzigartigen, alles andere als artigen Formen. Dann ging es wieder einen Schritt zurück zu nüchterner Normalität – und nun scheint der Konzern, der uns in den 60er-Jahren mit dem begehrenswert-schönen Alpine A110 beglückte, unter dem neuen Design-Chef Laurens van den Acker wieder Mut zu Emotionen und mediterraner Leichtigkeit gefunden zu haben.

BLICK DURCHS HELMVISIER
„Die Emotionalität des Exterieur-Designs wird wieder mehr Bedeutung haben“, sagt Breun, während der DeZir aus dem Zelt ins Freie gerollt wird. DeZir – der Name spielt mit dem Wort Desire, Verlangen. Und man muss schon sehr unterkühlt sein oder ein vehementer Auto-Hasser, um nicht mit großen Augen um dieses rote Coupé zu streichen und zu denken: Den möchte ich fahren. Ein graues Rippen-Ensemble zieht sich als Ouvertüre über die gesamte Breite des Bugs, flache Scheinwerfer sitzen darin und leuchten auch durchs perforierte Material der Kotflügel. Die erheben sich sinnlich-sanft über die Räder wie einst beim Faszination Auto > Dino 246 GT/GTS, fließen weiter in leichtem Wellengang und laufen aus im breiten Heck, das das Front-Thema farblich und formlich zitiert.

„Die Front ist unser großes Thema“, gibt Breun zu. Das Marken-Logo wird künftig immer auf dunklem Hintergrund stehen, dreidimensional und weicher gerundet als bisher – wie beim DeZir. Ein Schuss Aggressivität hat sein zehnköpfiges Team in dessen Design gepackt, das Auto schaut dich an wie ein Sprinter vor dem Start, mit leicht zusammengekniffenen Augen und dennoch sympathischkonzentriertem Gesicht.

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Auf dem Karosseriekörper mit den sehr dreidimensional gestalteten Flanken und den aus einem massiven 200-Kilo-Block gefrästen Aluminium-Paneelen sitzt ein winziges Dach im Stil des Lancia Stratos. Er dürfte das Design-Team um Axel Breun auch inspiriert haben beim Layout der Windschutzscheibe. Sie wölbt sich stark über die vollverglasten Dachsäulen – das Visier eines Integralhelms.

Auf der Fahrerseite öffnet die Tür normal, auf der Beifahrerseite gegenläufig, sofern Flügeltüren sich normal öffnen können. Concept Car-Getöse eben, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das gilt auch für das Interieur. Schwarze Sportsitze wären normal für ein sportliches Auto, im DeZir liegen Fahrer und Beifahrer auf einer durchgehenden, mit weißem Leder körpergerecht bezogenen Plexiglaswanne. Leuchtdioden unter der Wanne lassen es in den Furchen der Polster rot glimmen und blitzen – „Symbol für den Herzschlag des DeZir“, lächelt Breun. In Serie kommt das nie, klar. Dafür soll aber das zum Fahrer gewandte Cockpit ebenso zur Renault-Zukunft gehören wie die lackierten Kunststoff-Flächen im Innenraum. Sogar die kleinen Kameras, die als Rückspiegel-Ersatz scharfe Bilder auf Monitore oberhalb der Jetfighter-Windschutzscheibe übertragen, darf man sich in einem Serien-Renault vorstellen. Vielleicht nicht heute, aber morgen oder übermorgen.

Dass nicht jeder, aber viele Renault dann elektrisch fahren, auch dafür steht der DeZir, dieser sanfte Dynamiker, unter dessen leichtem Kevlar-Kleid ein Rohrrahmen und aufwändige Radführungselemente stecken.

KEIN V6-GEBRÜLL
Nach dem Druck auf den pulsierenden Startknopf brüllt kein V6 auf. Stattdessen ist der mittschiffs installierte Elektromotor lautlos da. 110 Kilowatt, also 150 PS, soll er auf die Hinterräder bringen. Doch der DeZir ist ja nicht Technologie-, sondern Designstudie. Und so rollt er nur brav an und lässt es bei 40 km/h gut sein. Die tiefe Sitzposition, der Blick über die erhabenen Kotflügel – das macht an und lässt das Kopf-Kino anlaufen: Mit so einer Flunder irgendwann in fünf Sekunden auf 100 km/h springen, dank nur 830 Kilogramm Leergewicht und Breitreifen wie im Kart durch Kurven zacken und die Batterien im Heck nach 160 Kilometern entweder laden (minimal 20 Minuten) oder blitzschnell austauschen … So kann die elektrische Zukunft Spaß machen. Tschüss, DeZir. Nein, lieber à bientôt – auf bald.
Michael Harnischfeger

ANTRIEB Elektro-Synchron-Mittelmotor, Leistung 110 kW / 150 PS, max. Drehmoment 226 Nm, Lithium-Ionen-Akku (24 kWh); Eingang-Getriebe, Hinterradantrieb
AUFBAU+FAHRWERK Zweisitziges Coupé, Stahlrohr-Rahmen, Kevlar-Karosserie; Bereifung rundum: 245/35 R 21
ECKDATEN Länge/Breite/Höhe: 4225/1968/1163 mm; Leergewicht: 830 kg; Radstand: 2682 mm; Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 5,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h; Preis: k. A.

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