Kleinwagen-Vergleich: Neuer Renault Clio gegen Peugeot 208 im Test Kleines Finale

07.01.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Im Kleinwagenbau waren die Franzosen schon immer ganz groß. Mit dem neuen Clio geht der Wettstreit zwischen Renault und Peugeot in eine neue Runde. Vergleichstest

Noch im Sommer war die Sache klar. Gerade auf dem Markt, brachte der blutjunge Peugeot 208 frischen Wind in die Kleinwagenriege und konnte sich prompt im Vergleichstest gegen die betagten Konkurrenten Opel Corsa und Renault Clio durchsetzen. Für den Sieg waren nicht nur die gute Raumausnutzung und die moderne Multimediabestückung, sondern vor allem der sparsame Dreizylinder-Motor verantwortlich. Bei den Gegnern schlugen größere Vierzylinder-Herzen unter der Motorhaube. Jetzt bittet Renault um eine Revanche – mit dem komplett neuen Clio. Der ist nämlich um einige Zentimeter in Länge und Breite gewachsen und wird als Renault Clio TCe 90 eco² (mit 90 PS) von einem modernen 0,9 Liter großen Dreizylinder-Benziner samt Direkteinspritzung und Turbolader angetrieben.

 

Karosserie

Nicht nur Peugeot hat sich beim 208 vorgenommen, die Epoche der etwas biederen Vorgänger 206 und 207 zu beenden und an den Charme des pfiffigen 205 anzuknüpfen. Auch Renault bringt in der vierten Clio-Generation wieder mehr Emotionen zu den Kleinwagen. Allerdings gibt es den Neuen jetzt nur noch als eher konservativen Fünftürer. Die Griffe in den C-Säulen und die ansteigende Gürtellinie kaschieren die hinteren Einstiege aber wirkungsvoll. Für die dynamische und etwa fünf Zentimeter flachere Linie ist Chefdesigner Laurens van den Acker verantwortlich. Der leistete auch im Innenraum gute Arbeit. Denn trotz der geringeren Aufbauhöhe bleibt immer noch deutlich mehr Platz über den Köpfen der Passagiere als im Peugeot. Großgewachsene Fahrer und Beifahrer stoßen im 208 nämlich an die ungünstige Welle im Dachhimmel an – im Clio bleibt sogar Raum für hohe Föhnfrisuren. Überhaupt fühlt sich der Renault auf den Vordersitzen erwachsener an. Durch die tiefere Sitzposition ist man besser ins Auto integriert, und der Blick in den Toten Winkel wird nicht wie im Peugeot durch die B-Säule versperrt. Im 208 verhindern zudem die breiten Türgriffe eine bessere Beinfreiheit.

Hinten wird man in beiden Autos schnell an den Viermeter-Klassenmaßstab erinnert. Für die Beine gibt es nur wenig Platz, die Sitzflächen sind kurz, die Lehnen steil, und auf beiden Rückbänken stößt man als Erwachsener mit dem Hinterkopf ans Dach. Wer seine Knie zudem zwischen Sitz und Tür durchquetschen will, wird im Clio die ungünstig platzierten Fensterkurbeln deutlich spüren. Schade, dass elektrische Fensterheber für die hinteren Seitenscheiben nur im Peugeot zu haben sind (200 Euro).

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Beim Platzangebot im Kofferraum hat der Renault die Nase vorn. Der tiefere Ladeboden und der effektivere Umklappmechanismus sorgen im Maximalfall für 70 Liter zusätzliches Volumen. Außerdem sind Ordnung und Verarbeitung im Heck hier etwas liebevoller gelungen. Dafür verträgt der 208 ein wenig mehr Zuladung.

Bei der Bedienbarkeit von Klimaund Radioeinheit zeigen sich beide Kleinwagen äußerst benutzerfreundlich. Wenige Knöpfe und ein zentraler Touchscreen – der hier wie da serienmäßig ist – geben der Generation Smartphone kaum Fragen auf. Der Clio TCe 90 trumpft zudem stets mit superschnellem Navi auf. Im Peugeot bezahlt man die integrierte Routenführung mit 490 Euro extra. Allerdings lässt die Kartendarstellung in beiden Rivalen zu wünschen übrig.

KarosserieMax. PunkteRenault Clio TCe 90 ecoPeugeot 208 82 VTi
Raumangebot vorn1006462
Raumangebot hinten1003838
Übersichtlichkeit704040
Bedienung/ Funktion1007878
Kofferraumvolumen1002220
Variabilität1002626
Zuladung/ Anhängelast803031
Sicherheit1504443
Qualität/ Verarbeitung200142138
Kapitelbewertung1000484476

 

Fahrkomfort

Die Zeiten, in denen sich große Menschen in Kleinwagen quetschen mussten, sind vorbei. So kann man sich selbst im nur 3,96 Meter langen Peugeot auf den Vordersitzen nicht über mangelnden Komfort beschweren. Lediglich die Rückenlehnen könnten großzügiger bemessen sein, denn breite Schultern finden hier nur wenig Halt. Allein durch die im Detail bessere Ergonomie, die tiefere Sitzposition und die größeren, weicher gepolsterten Vordersitze hat man im Renault Clio das Gefühl, in einem deutlich größeren Auto zu sitzen. Damit steigt auch der Komfort.

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Erstaunlich gut gelungen ist im Renault die Federungsabstimmung. Wirkte der Vorgänger auf unwegsamem Untergrund noch etwas holperig, beweist der Neue trotz straffer Auslegung echte Nehmerqualitäten und lässt sich kaum aus der Ruhe bringen. Das Fahrgefühl erinnert auch wegen des guten Geräuscheindrucks bis Landstraßentempo hier eher an die Kompaktklasse. Der Peugeot wirkt im Vergleich etwas schaukelig, hat mit kurzen Querfugen mehr zu kämpfen und verarbeitet aufeinanderfolgende Wellen nicht so souverän. Dafür geht es im Peugeot 208 bei höheren Geschwindigkeiten etwas leiser zu.

Wer als Beifahrer eine andere Temperatur als der Fahrer einstellen will, findet nur beim 208 eine Zweizonen-Klimaautomatik in der Aufpreisliste (400 Euro).

FahrkomfortMax. PunkteRenault Clio TCe 90 ecoPeugeot 208 82 VTi
Sitzkomfort vorn1509084
Sitzkomfort hinten1004848
Ergonomie150120118
Innengeräusche502833
Geräuscheindruck1006664
Klimatisierung502426
Federung leer200115112
Federung beladen200110106
Kapitelbewertung1000601591

 

Motor und Getriebe

An den etwas knorrig, heiseren Dreizylindersound in Kleinwagen hat man sich mittlerweile gewöhnt – an das lustlose Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen hingegen nicht. Auch wenn man im Schongang mit kaum hörbaren Motorgeräuschen belohnt wird, muss man zum Überholen stets mindestens einen Gang herunterschalten. Der Turbolader im Renault Clio ändert diesen Umstand kaum, kann er doch gerade den Hubraumnachteil (0,9 zu 1,2 Liter) ausgleichen. Bei Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit setzt er sich nur minimal vom freisaugenden Peugeot ab. Gleiches Bild beim Spritkonsum. Nur das Start-Stopp-System im etwas schwereren Clio dürfte am Ende für den besseren Durchschnittsverbrauch (6,0 zu 6,2 Liter) verantwortlich sein.

Motor und GetriebeMax. PunkteRenault Clio TCe 90 ecoPeugeot 208 82 VTi
Beschleunigung1508077
Elastizität1006461
Höchstgeschwindigkeit1504034
Getriebeabstufung1008582
Kraftentfaltung502522
Laufkultur1006060
Verbrauch325268264
Reichweite251415
Kapitelbewertung1000636615

 

Fahrdynamik

Auch wenn der Peugeot durch sein zackiges Einlenkverhalten schnell den Eindruck eines echten Kurvenräubers vermittelt – der Renault kann es besser. Zu spitz ist die Lenkung im Peugeot 208, zu wenig Gefühl vermittelt sie auf dem Handlingparcours. In schnellen Wechselkurven greift zudem das ESP zu hektisch ein und beruhigt sich erst wieder, wenn die Kurve längst durchfahren ist.

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Elektronische Eingriffe spürt man im Clio hingegen gar nicht. Durch die gute Rückmeldung im dicken Lenkrad lassen sich Ecken auch genauer anvisieren, und weil das Heck stets leicht sicher mitlenkt, sind schnelle Richtungswechsel wie im Slalom auch deutlich zügiger absolviert. Obendrein sorgen der fünf Zentimeter längere Radstand und die authentische Lenkung für den besseren Geradeauslauf. Weil im Übrigen die Clio-Bremse kräftiger zupacken kann, lässt er seinen Rivalen in diesem Kapitel klar hinter sich.

FahrdynamikMax. PunkteRenault Clio TCe 90 ecoPeugeot 208 82 VTi
Handling1504743
Slalom1006447
Lenkung1006862
Geradeauslauf503634
Bremsdosierung301818
Bremsweg kalt1508678
Bremsweg warm1509285
Traktion1003434
Fahrsicherheit150120120
Wendekreis201312
Kapitelbewertung1000578533

 

Umwelt und Kosten

Renault bietet das Dreizylindermodell für 16.300 Euro an (Peugeot: 14.900 Euro). Allerdings ist der TCe 90 schon mit 16-Zoll-Alus, Navigationssystem, LED-Tagfahrlicht und Lederlenkrad ausgestattet – Extras, die bei Peugeot bezahlt werden müssen. Wer sie nicht braucht, fährt mit dem Peugeot 208 günstiger oder greift bei Renault zum Sparmodell Clio Eco-Drive für 14.400 Euro (ohne Klima und Navi). Drei Jahre Garantie auf den Neuwagen gibt aber nur Peugeot (Renault: zwei Jahre).

Kosten/UmweltMax. PunkteRenault Clio TCe 90 ecoPeugeot 208 82 VTi
Bewerteter Preis675317338
Wertverlust503233
Ausstattung252017
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502733
Werkstattkosten201213
Steuer101010
Versicherung40
Kraftstoff554343
Emissionswerte252121
Kapitelbewertung1000482508

 

Fazit

Die Revanche ist gelungen. Renault schlägt mit dem neuen Clio gewaltig zurück. Platzangebot und Komfort haben sich im Vergleich zum Vorgänger klar verbessert. Und das frische Design dürfte nicht nur Stammkunden gefallen. Weil der Renault Clio obendrein ausgesprochen fahrdynamische Qualitäten besitzt und sein Dreizylinder mit Turbolader und Start-Stopp-System bestückt ist, setzt er sich am Ende gegen den gelungenen Peugeot 208 mit Dreizylinder-Sauger durch. Dieser kann hier im Vergleichstest nur das Kostenkapitel gewinnen – weil er günstiger ist und Peugeot drei Jahre Garantie bietet.

Gesamtbewertung

Max. PunkteRenault Clio TCe 90 ecoPeugeot 208 82 VTi
Summe500027812723
Platzierung12

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