Renault Clio 16V/VW Polo G40 Coupe: Classic Cars 16V gegen G-Lader, boah ey!

von AUTO ZEITUNG 27.10.2017
Inhalt
  1. Renault Clio 16V gegen VW Polo G40 Coupé
  2. Clio etwas schneller als der Polo
  3. So fahren sich Polo und Clio
  4. Renault Clio 16V (Bj.: 1991-95): Technische Daten und Fakten
  5. VW Polo G40 Coupe (Bj.: 1991-94): Technische Daten und Fakten

Die besten Tests aller Zeiten. Diesmal haben wir einen Vergleichstest aus der Auto Zeitung 14/1991. Renault Clio 16V gegen VW Polo G40 Coupé.

Sie sind die Reinkarnation des GTI-Themas: Kleinwagen mit deutlich mehr als 100 PS, fähig zu Fahrleistungen, die vor wenig mehr als einem Jahrzehnt noch Sportwagen vorbehalten waren. Dazu gehören: Tempo 200, Beschleunigung auf 100 km/ h unter zehn Sekunden, sportlich-gnadenlos gestähltes Fahrwerk. Begründer des Segments: der Golf 1 GTI. Sein Nachfolger zeigt sich deutlich gewachsen. Deshalb war die Zeit reif für einen neuen kleinen Wilden: den Polo G40, mit Kat 113 PS stark. Seit 1986 angekündigt, in alter Karosserie aber nur begrenzt als Sonderserie erhältlich und erst jetzt, nach dem Facelift der Polo-Baureihe, regulär bestellbar. Sein Name verrät es bereits: Ein wegen seiner Schneckenform G-Lader genannter Kompressor verhilft ihm zu der für nur 1,3 Liter Hubraum beachtlichen Leistungsblü te. Diese Technik kennen wir schon aus Corrado, Golf und Passat: Ein per Doppelkeilriemen direkt von der Kurbelwelle angetriebener Lader drückt die Ansaugluft mit 0,68 bar Überdruck in die Brennräume, ein Ladeluftkühler sorgt vorher für eine optimalere Dichte. Renault, traditionell Verfechter der Turbo-Technologie, verzichtet beim nagelneuen Spitzenmodell der Clio-Baureihe vorerst auf jede Aufladung und setzt lieber auf Vierventiltechnik und Hubraum: Der bereits aus dem R19 16V bekannte Grauguß-Vierzylinder leistet auch im kleinsten Renault 135 PS – Rekord unter Kleinwagen. So ohne weiteres wollte der 1,8-Liter jedoch nicht unter die Clio-Haube: Der voluminöse Leichtmetall-Zylinderkopf mit in V-Form angeordneten Ventilen und integrierten, halbkugelförmigen Brennräumen forderte Tribut in Hutzenform. Zum ausführlichen Spoilersatz gesellen sich noch ausgestellte Kotflügel, vorn aus flexiblem Noryl-Kunststoff. Der Polo gibt sich weniger kriegerisch: Ohne BBS-Leichtmetallfelgen, G40-Embleme und die Dachantenne würde er auch als 75-PS-GT durchgehen.

Neuheiten Renault Clio Facelift (2016)
Renault Clio Facelift (2016): Preis (Update!)  

Facelift-Clio ab 11.990 Euro

Geschichte des Renault Clio im Video:

 
 

Renault Clio 16V gegen VW Polo G40 Coupé

Was die Platzverhältnisse innen betrifft, kann der Polo seinem modernen Widersacher nicht mehr das Wasser reichen. Der Clio bietet sieben Zentimeter mehr Innenbreite, drei Zentimeter mehr Kopffreiheit, und auch der 16 Zentimeter längere Innenraum schafft ein souveräneres Raumgefühl. Ähnlich empfinden die Fond-Passagiere: Im Renault läßt es sich dank besserer Knie- und Ellenbogenfreiheit einen Hauch besser leben. VW ist berüchtigt für sparsame Serienausstattungen, der Polo macht da keine Ausnahme. So angenehme Goodies wie elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung oder Servolenkung – im Clio alles serienmäßig an Bord – gibt es für den G40 nicht einmal für extra Geld. Zu der Gattung der Lastesel gehört keiner der beiden flotten Flitzer: Egal, ob 200 (Clio) oder 202 Liter (Polo) real nutzbares Kofferraumvolumen – mehr als das Gepäck für die Reise zu zweitfassen beide nicht. Dafür lassen sich die Rücksitze geteilt umklappen, asymmetrisch im Renault, nur fifty-fifty im VW. Der Renault gewinnt das Kapitel „Karosserie und Innenraum“ überlegen. Sportliche Sitze sind in sportlichen Autos ein Muss – höhere Kurvengeschwindigkeiten verlangen eine entsprechend gute Seitenführung. Das straffe Gestühl beider Testkandidaten zeigt da kaum Schwächen. Die Schenkelauflagen passen, die Bedienung ist simpel. Im Clio stören nur die nicht hoch genug einstellbaren Kopfstützen. Kämpfen Polo-Piloten beim Einparken mit der schwergängigen Lenkung, können Clio-Chauffeure nur grinsen: Dank Servounterstützung rinnt bei ihnen kein Schweiß. Dafür müssen sie wegen des 1,3 Meter größeren Wendekreises mehr kurbeln. Auf der Autobahn lassen beide Federungen keine Bodenwelle unerwähnt, ohne aber auf das Niveau steinharter Tuning-Fahrwerke zu sinken. Deutlicher poltern sie bei langsamer Fahrt über Unebenheiten, der Polo noch unangenehmer als der Renault. Genug, um dem Clio auch das zweite Kapitel als Gewinner zu überlassen.

Neuheiten VW Polo 6 R-Line (2017)
VW Polo 6 (2017): Preis & Crashtest  

VW Polo im Crashtest

VW Polo 6 (2017) im Video:

 
 

Clio etwas schneller als der Polo

Keine Frage, die Fahrleistungen spielen bei den kleinen Dampfhämmern natürlich eine übergeordnete Rolle. Die erste Überraschung: Der Clio kann aus seinem Leistungsplus von immerhin 22 PS keine Beschleunigungsvorteile ziehen. Beide durcheilen die 100-km/h-Marke aus dem Stand nach exakt 9 Sekunden, bis Tempo 160 liegt der VW sogar hauchdünn um 0,7 Sekunden vorn. Auch in der für den Alltagsbetrieb aussagekräftigeren Elastizität behält der G-ladene Niedersachse die Nase vorn: Im fünften Gang von 60 auf 160 km/h knöpft er seinem vierventiligen Konkurrenten glatt 5,9 Sekunden ab. Der Grund hierfür: Der 199 km/h schnelle Polo ist 170 Kilo leichter und verfügt, typisch Kompressormotor, über den besseren Durchzug aus niedrigen Drehzahlen. Zwar fehlen ihm mit 150 Nm acht Newtonmeter auf den Clio, dafür erreicht er sein maximales Drehmoment schon bei 3600 statt bei 4250 Touren. Der 208 km/ h schnelle Renault mag hohe Drehzahlen, will öfter geschaltet werden als der VW, der auch schaltfaule Fahrernaturen mit unverzüglicher Fortbewegung verwöhnt. Das spiegelt sich natürlich im Durchschnittsverbrauch wider: 8,6 Liter unverbleites Superbenzin verbrennt der Polo alle 100 Kilometer. Der Clio braucht 1,2 Liter mehr. Damit behält der G40 im Kapitel „Motor, Getriebe, Fahrleistungen“ die Nase vorn.

Classic Cars VW Golf GTI 40 Jahre
40 Jahre Golf GTI: Faszination  

Das Kult-Kürzel GTI feiert 40

 

So fahren sich Polo und Clio

Das Handling der wieselflinken Fronttriebler macht enorm an: Geradezu gierig reagieren sie auf jeden Lenkbefehl, hetzen mit atemberaubenden Tempi um schnelle und langsame Ecken und vermitteln sportlich veranlagten Fahrernaturen tolle Erfolgserlebnisse. Dennoch ist Vorsicht geboten: Die Grenze zwischen Liegen und Fliegen ist schmal. Der Renault bleibt etwas länger neutral als der Polo und schiebt auch etwas weniger über die Vorderräder. Unvorsichtige Lastwechsel wiederum können ein derbes Übersteuern auslösen, besonders beim VW so heftig, daß nur kleine Künstler des Volants und des Gaspedals die Situation noch retten. Die Slalomgasse entlarvt Fahrwerksschwächen des Polo: Das kurveninnere Vorderrad dreht hilflos durch, der G40 bekommt seine Kraft nicht zu Boden. Mit seinen 175/60 HR 13-Pneus ist der VW dem mit 15 Zoll hohen 185/55er-Gummis bestückten Clio deutlich unterlegen. Auch wenn der flotte Gallier serienmäßig ein Bosch-ABS besitzt, seine Bremsen sind deswegen noch lange nicht besser. Trotz Trommelbremsen an der Hinterachse steht der G40 aus 100 km/h nach nur 34,7 Metern – ein toller Wert. Der Renault braucht zwei Wagenlängen mehr Zwischen 25.690 (VW) und 29.120 Mark (Renault) kosten die beiden Raketen. Eine Menge Geld für Kleinwagen, egal, wie schnell sie auch sein mögen. Das Endergebnis kürt den Renault Clio 16V zum Sieger: Er zieht seine Vorteile aus der modernen Karosserie mit ihren großzü gigeren Platzverhältnissen und dem besseren Fahrwerk, das aller sportlichen Härte zum Trotz einen Hauch mehr Komfort bietet und trotzdem die fahraktiven Disziplinen für sich entscheidet. Die Mehrleistung von immerhin 22 PS sichert dem Clio überraschenderweise außer bei der etwas höheren Höchstgeschwindigkeit keinen Vorsprung – zu gierig hängt der G40 am Gas. Der VW ist deutlich sparsamer, sowohl im Verbrauch als auch im Unterhalt. Spaß machen beide, der ausgewogenere Renault ebenso wie der sportlich kompromisslosere Volkswagen – würdige, wenn auch nicht billige Variationen der GTI-Idee von einst.

 

Renault Clio 16V (Bj.: 1991-95): Technische Daten und Fakten

Antrieb
R4-Zylinder; vorn quer eingebaut; 4-Ventiler; zwei obenliegende Nockenwellen, Zahnriemenantrieb; Gemischbildung: elektron. Einspritzung;
Bohrung x Hub: 82,0 x 83,5 mm; Hubraum: 1764 cm3; Verdichtung: 10,0; Leistung: 99 kW/135 PS bei 6500/min; maximales Drehmoment: 158 Nm bei 4250/min; Fünfgang-Getriebe; Mittelschaltung; Vorderradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit drei Türen; Radaufhängung vorn: McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker, Stabilisator; hinten: Einzelradaufhängung an Längslenkern, Drehstabfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator; Zahnstangenlenkung (Servo); Bremsen:
v./h. innenbelüftete Scheiben/Scheiben, ABS; Reifen: 185/60 VR 14
Eckdaten
L/B/H: 3712/1641/1365 mm; Radstand: 2472 mm; Spurweite v./h.: 1370/1350 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1000/1410 kg; Tankinhalt: 50 l; Bauzeit: 1991 bis 1995; Preis (1991): 29.919 Mark
Fahrleistungen
Beschleun.: 0 auf 100 km/h in 9,0 s; Höchstgeschw.: 208 km/h; Verbrauch: 9,8 l/100 km
 

VW Polo G40 Coupe (Bj.: 1991-94): Technische Daten und Fakten

Antrieb
R4-Zylinder; vorn quer eingebaut; 2-Ventiler; eine obenliegende Nockenwelle, Zahnriemenantrieb; G-Lader; Gemischbildung: elektr. Einspritzung, Bohrung x Hub: 75,0 x 72,0 mm; Hubraum: 1272 cm3; Verdichtung: 10,0; Leistung: 83 kW/113 PS bei 6000/min;
maximales Drehmoment: 150 Nm bei 3600/min; Fünfgang- Getriebe; Mittelschaltung; Vorderradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit drei Türen; Radaufhängung vorn: McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker, Stabilisator; hinten: Verbundlenkerachse, Feder-/Dämpfereinheit, Stabilisator; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h. innenbel. Scheiben/Trommeln; Reifen: 175/60 HR 13
Eckdaten
L/B/H: 3725/1570/1325 mm; Radstand: 2335 mm; Spurweite v./h.: 1320/1346 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 830/1250 kg; Tankinhalt: 42 l; Bauzeit: 1991 bis 1994; Preis (1991): 25.690 Mark
Fahrleistungen
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 9,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 199 km/h; Verbrauch: 8,6 l/100 km

Tags:

Wirkaufendeinauto

Auto bewerten & verkaufen!

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.