Ratgeber Fahrerflucht: Rechte und Pflichten der Opfer und Täter Auf der Flucht

12.10.2015

Ratgeber Fahrerflucht – Kleiner Schaden, große Wirkung: Wer nach einem Unfall wegfährt, begeht eine Straftat. Was Opfer tun können, und welche Auswege Tätern noch bleiben

1. Was reicht aus, um den Straftatbestand der Fahrerflucht zu erfüllen?
Jeder, der in einen Unfall verwickelt ist, muss seine Daten den anderen Beteiligten bekannt geben und darf sich vorher nicht vom Ort des Geschehens entfernen. Sonst begeht er Fahrerflucht. Das gilt auch dann, wenn nur der Verdacht aufkommt, für einen Unfall verantwortlich zu sein.

2. Muss es bei Fahrerflucht zwingend zu einem Zusammenstoß gekommen sein?
Dafür ist keine Berührung erforderlich. So kann man etwa durch das eigene Fahrverhalten einen anderen zum Ausweichen zwingen. Baut dieser deshalb einen Unfall, ist man selbst Beteiligter. Der Verursacher muss nicht einmal verkehrswidrig gehandelt oder irgendeinen Fehlverhalten begangen haben. Die tatsächliche Einwirkung und Einflussnahme auf das Geschehen reicht später vor Gericht als Beteiligung aus.

3. Welche Daten sollte ich mit dem anderen Unfallbeteiligten austauschen?
Unbedingt selbst die vollständigen Infos zur eigenen Person sowie zum Fahrzeug angeben. Die Übergabe einer Visitenkarte mit all diesen Daten ist ausreichend. Auf Verlangen muss man sich jedoch gegenüber den anderen Unfallbeteiligten ausweisen – nicht nur gegenüber der Polizei. Die bloße Angabe des Familiennamens und der Hinweis auf das Fahrzeugkennzeichen genügen nach aktueller Rechtsprechung nicht.

4. Muss ich als Unfallverursacher meine Schuld direkt vor Ort eingestehen?
Davon ist dringend abzuraten. Rechtliche Wertungen muss niemand vor Ort abgeben – weder gegenüber anderen Beteiligten noch gegenüber der Polizei. Es besteht ein Aussageverweigerungsrecht. Das ist insbesondere sinnvoll, wenn man nicht ausschließen kann, selbst einen Fehler begangen zu haben, der dann zum Unfall geführt hat.

5. Wie lange muss ich nach einem Parkrempler auf den Besitzer des Autos warten?
Die Dauer der Wartezeit richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls – wie etwa nur Sach- oder auch Personenschaden, Unfallzeit und -ort. In der Regel sind 30 Minuten zu empfehlen. Ein Zettel oder eine Visitenkarte an der Scheibe des Geschädigten reichen nicht aus. Auch die Übergabe der eigenen Personalien an einen fremden Dritten, etwa den Mitarbeiter eines nahen Geschäfts, ist unzureichend. Unsere Empfehlung: Immer selbst die Polizei informieren und bei dem Anruf schon mitteilen, wo der Unfall passiert ist und die eigenen Personalien bekannt geben. Bei der Wartezeit bleibt es trotzdem.

6. Was kann ich als Opfer tun, wenn der Unfallverursacher einfach weiterfährt?
Konnte man das Kennzeichen nicht erkennen, darf man den Täter verfolgen – allerdings unter Beachtung der Verkehrsregeln. Auch Hupe, Lichthupe und Handzeichen sind erlaubt, um ihn aufzufordern anzuhalten. Stoppt dieser nicht, ist jedes weitergehende Verhalten unzulässig, etwa den Flüchtigen zu überholen und auszubremsen.

7. Wer bezahlt meinen Schaden, wenn der Täter nicht ermittelt werden kann?
Die Vollkaskoversicherung kommt für die Folgen am Fahrzeug auf, bei Glasbruch und Reifenschäden die Teilkasko. Der Versicherer zieht jedoch die vereinbarte Selbstbeteiligung ab. Ärgerlich: Die eigene Schadenfreiheitsklasse wird wie bei einem selbst verschuldeten Unfall zurückgestuft, und in den folgenden Jahren erhöht sich die Versicherungsprämie. Besteht kein Kaskoschutz, muss der Schaden selbst übernommen werden. Auch bei leichten Verletzungen bleiben die Folgen am Opfer hängen. Bei schweren Personenschäden kommt eine Entschädigung durch die Verkehrsopferhilfe (www.verkehrsopferhilfe.de) in Betracht. Hinter dem Verein stehen die deutschen Autoversicherungen. Man selbst muss kein Mitglied sein. Übrigens: Nur bei schweren Verletzungen ersetzt die Verkehrsopferhilfe dann auch den Sachschaden.

8. Wie lange kann ich mich als Täter noch melden, um die Folgen abzuschwächen?
Wer sich innerhalb von 24 Stunden nach einem Unfall mit nur geringem Sachschaden außerhalb des fließenden Verkehrs – etwa einem Parkplatzrempler – meldet, kann davon ausgehen, dass das Gericht die Strafe mildert oder von einer Bestrafung absieht. Schäden im Wert bis etwa 1300 Euro werden aktuell als nicht bedeutend angesetzt. Doch Vorsicht: Bei einem Unfall im fließenden Verkehr gilt diese 24-Stunden-Frist nicht. Allerdings kann auch hier eine verspätete Meldung helfen. Jedoch nur, bevor man von der Polizei ermittelt wird: In aller Regel reduzieren die Gerichte auch dann das Strafmaß.

> > Weitere Straftaten im Straßenverkehr: Nötigung, Alkohol, Gefährdung > >

Nötigung: NOTORISCHE LINKSFAHRER zu ermahnen, ist gefährlich: Zu dichtes Auffahren auf den Vordermann bei hohem Tempo führt zu Bußgeld und Punkten. Ob das Drängeln zur Nötigung und damit zur Straftat wird, hängt jedoch von der Intensität der Aktion ab. Wer zu lange und zu dicht auffährt, kann für eine Straftat belangt werden. Übrigens: Auch andauerndes viel zu langsames Fahren auf der linken Spur kann Nötigung sein.

Alkohol-Fahrt: WER SICH IM VOLLEN BEWUSSTSEIN seines zu hohen Alkoholpegels hinters Steuer setzt, kann sich bereits strafbar machen. Denn er erfüllt den Tatbestand des Vorsatzes. Vor Gericht kann dies etwa durch die bewusste Benutzung von Schleichwegen, um Kontrollen zu entgehen, nachgewiesen werden. Bei absoluter Fahruntüchtigkeit – also ab 1,1 Promille – erfüllt jedoch jede Alkoholfahrt den Straftatbestand.

Gefährdung: NICHT JEDER AUTOFAHRER, der ein Risiko falsch einschätzt, macht sich gleich strafbar. Wer sich aber bewusst grob verkehrswidrig und rücksichtslos verhält und damit andere Menschen gefährdet, begeht eine Straftat. Darunter fällt etwa die klare Missachtung der Vorfahrt oder einer Ampel, die bereits seit über einer Sekunde Rot anzeigt (gemäß § 315 c StGB). Dabei muss es gar nicht zu einem Unfall mit Schaden kommen.

Diese Folgen drohen bei Fahrerflucht:
EINE FREIHEITSSTRAFE BIS ZU DREI JAHREN für Fahrerflucht ist möglich. Generell gilt: je schwerer der Schaden und die Körperverletzung, desto höher die Strafe. So wird das Verfahren bei einem Wert von unter 600 Euro meist gegen eine Geldbuße eingestellt. Bis rund 1300 Euro drohen bis zu drei Monate Fahrverbot, zwei Punkte in Flensburg und eine Geldstrafe. Liegt die Summe darüber, wird der Führerschein für mindestens ein halbes Jahr entzogen. Zudem kann der Täter seinen Versicherungsschutz verlieren: Während die Kaskopolice nicht zahlt, ersetzt die Haftpflicht zuerst den Schaden des Opfers. Sie fordert dann jedoch ihre Zahlungen vom Unfallverursacher zurück. Laut Thomas Jäckel von AXA sind diese Regressforderungen selbst in schweren Fällen auf 5000 Euro begrenzt.

Markus Bach

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