Range Rover, Mercedes GL & Toyota Land Cruiser im Vergleichstest Große Diesel-SUV – Sanfte Riesen

05.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der Range Rover mit neuem, bulligen 4,4-Liter-V8-Biturbo-Diesel misst sich mit den Nobel-Offroadern Mercedes GL 450 CDI und Toyota LandCruiser V8 D-4D

Sie zählen zu einer bedrohten Art: riesige SUV mit gewaltigen V8-Selbstzündermotoren. Und doch bringt Land Rover mit seinem überarbeiteten Topmodell neuen Schwung in diese liebenswerte Randgruppe – und zwar mächtig. Denn unter der Haube des Range Rover 4.4 TDV8 arbeitet ein Power-Diesel mit beachtlichen 313 PS und bulligen 700 Nm. Schlägt der noble Brite damit den 306 PS starken Mercedes GL 450 CDI und den Toyota LandCruiser V8 D-4D mit 286 PS?

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Karosserie

Ein Punkt eint die drei Fullsize-Offroader: Big is beautiful! Mit 4,95 Metern ist der Toyota der kompakteste, der Mercedes markiert mit rund 5,1 Metern das obere Ende. Logisch, dass alle drei SUV mit einem fürstlichen Platzangebot und geräumigen Kofferräumen klotzen. Der Range Rover gibt jedoch nur vorn den Ton an, im Fond fallen die zwei Rivalen größer aus. Sie bieten sogar serienmäßig eine dritte Sitzreihe an und weisen zudem rund 100 Liter mehr Stauvolumen auf. Allerdings müsste man im Land Cruiser-Heck die beiden seitlich angeschlagenen Zusatzsitze demontieren, um das volle Ladevolumen nutzen zu können, während die dritte Reihe im Benz auf Knopfdruck unsichtbar im Ladeboden verschwindet. Aber auch der GL trickst, denn statt eines vollwertigen Reserverads kann er im Pannenfall nur Kompressor und Dichtmittel anbieten.

Der Qualitätseindruck im Range Rover wird von den edlen Materialien und Oberflächen sowie dem soliden Finish geprägt. Leder auf dem Armaturenbrett ist selbstverständlich, Dachhimmel und -säulen in feinster Tierhaut kosten 4300 Euro extra, die Chromaflair-Effektlackierung für 21.940 Euro rundet den eleganten Auftritt ab. Aber auch ohne derartigen Luxus wirkt der Brite am distinguiertesten. Der Mercedes tritt markentypisch nüchtern und seriös auf, der unverwüstliche Japaner fällt diesbezüglich ein wenig zurück.

KarosserieMax. PunkteMercedes GL 450 CDI 4MATICRange Rover 4.4 TDV8Toyota Land Cruiser V8 D-4D
Raumangebot vorn100929695
Raumangebot hinten100938090
Übersichtlichkeit70556558
Bedienung/ Funktion100887871
Kofferraumvolumen100896279
Variabilität100744564
Zuladung/ Anhängelast80635150
Sicherheit15011210595
Qualität/ Verarbeitung200180188175
Kapitelbewertung1000846770777

 

Fahrkomfort

Bedenkt man die Dimension der Räder (mindestens 255/55 R 19, Range Rover) und die Masse von wenigstens 2639 Kilo sowie die erlaubte Zuladung von bis zu 611 Kilo (beides Mercedes), beeindrucken alle drei Fahrwerke mit einem immensen Schluckvermögen. Im Range und im Mercedes sorgen Luftfedern mit adaptiven Dämpfern für Komfort, während im Toyota, der auf einem Leiterrahmen aufbaut, eine Hydropneumatik zum Einsatz kommt. Jedoch ist der Japaner entweder zu schwammig oder eine Spur zu straff gedämpft – die goldene Mitte im dreistufig wählbaren Fahrwerks-Set-up fehlt.

Das niedrige Geräuschniveau der drei Dickschiffe schont auf langen Etappen die Nerven. Allerdings widersprechen die subjektiven Eindrücke den objektiven Messwerten: Der vermeintlich lauteste Testwagen, der Range Rover, klingt in Wahrheit am unaufdringlichsten, wohingegen der leisere, aber recht raubeinig tönende LandCruiser auf die Dauer lästig werden kann.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes GL 450 CDI 4MATICRange Rover 4.4 TDV8Toyota Land Cruiser V8 D-4D
Sitzkomfort vorn150125130115
Sitzkomfort hinten100797574
Ergonomie150118120114
Innengeräusche50403541
Geräuscheindruck100778669
Klimatisierung50464148
Federung leer200156155141
Federung beladen200158155139
Kapitelbewertung1000799797741

 

Motor und Getriebe

An dieser Charakteristik hat sicherlich auch die lange Übersetzung des Range Rover ihren Anteil: Bei 200 km/h bollert der V8 gerade einmal mit 2600 Touren vor sich hin. Dennoch muss man nicht fürchten, dass der TDV8 phlegmatisch agieren könne. Im Gegenteil: Der Biturbo-Diesel hängt überraschend bissig am Gas, spurtet munter drauflos und scheut dabei auch keine hohen Drehzahlen. Er benötigt sie allerdings nicht, denn schon ab 1500 Touren liegt das maximale Drehmoment von kolossalen 700 Nm an – und bleibt bis 3000 Touren erhalten. Da fällt es selbst dem bisher konkurrenzlosen Kraftmeier GL 450 CDI schwer mitzuhalten. Zwar wuchtet auch er volle 700 Nm auf die Kurbelwelle, jedoch erst ab 2000 Umdrehungen, und bereits bei 2600 knickt die Kraftkurve wieder ein. Außerdem scheut der Vierliter-V8 des GL unnötig hohe Drehzahlen, und das siebenstufige Getriebe benötigt stets einen Atemzug länger, um die Zahnräder zu sortieren, als die perfekt abgestimmte achtstufige ZF-Box im Range Rover, der überdies mit dem niedrigsten Verbrauch glänzt. Wer zudem auf Vollgas-Etappen verzichtet, bleibt selbst bei Reisegeschwindigkeiten von knapp 160 km/h unter zehn Litern. Unglaublich.

Obwohl der LandCruiser eine erstaunlich windschlüpfige Karosserie hat (cW 0,35), verfeuert er den meisten Sprit. Das hohe Leergewicht und die nur sechsstufige Automatik fordern ebenso ihren Tribut wie die gigantischen Reifen (285/50 R 20). Der 4,5 Liter große V8 stemmt mit 650 Nm beinahe so viel Kraft wie die andere beiden und hält das Drehmomentmaximum von 1600 bis 2800 Touren aufrecht, doch hadert der Common-Rail-Diesel mit einer spürbar zögerlichen Gasannahme und verhaltener Drehfreude. Außerdem quirlt die Automatik gern im Ölbad des Wandlers, wodurch ein Teil der Leistung verpufft. Vor den 3,5 Tonnen Anhängelast fürchtet sich aber auch der Toyota nicht im Mindesten. Alle drei Geländewagen verfügen übrigens über eine ernsthafte Reduktionsstufe des Verteilergetriebes und schrecken somit weder vor extremen Steilstrecken noch vor zünftigen Schlammpartien zurück.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes GL 450 CDI 4MATICRange Rover 4.4 TDV8Toyota Land Cruiser V8 D-4D
Beschleunigung150120122114
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150756060
Getriebeabstufung100879778
Kraftentfaltung50394536
Laufkultur100829073
Verbrauch325140161134
Reichweite25151813
Kapitelbewertung1000558593508

 

Fahrdynamik

Überhaupt: Erst abseits der Pisten zeigen die Allrad-Riesen, wozu sie im Ernstfall fähig sind. Dank permanentem Allradantrieb, Traktionskontrolle und Differenzialsperren sowie einer weiten Achsverschränkung und reichlich Bodenfreiheit gibt es (fast) kein Halten mehr. Spezialitäten wie das Terrain-Response- System im Range Rover (fünf vordefinierte Programme der Antriebssteuerung) oder die Crawl Control (vorwählbare, automatisch konstant gehaltene Kriechgeschwindigkeit) im Toyota steigern das Klettertalent zusätzlich.

Die Kehrseite der Medaille äußert sich aber in einer sehr maßvollen Querdynamik. In Kurven bieten die Kolosse wenig Reserven: Der Mercedes GL erreicht dabei noch weitestgehend das Naturell einer großen Limousine und weist bei sauberer Fahrweise eine durchaus respektable Seitenführung auf.

Der Toyota und vor allen Dingen der Range Rover neigen sich dagegen in schnellen Biegungen tendenziell stark zur Seite. Um der potenziellen Kippgefahr, die sich aus einem plötzlichen Richtungswechsel ergeben könnte, entgegenzuwirken, greift bei diesen beiden das ESP vorsorglich ein und hemmt bereits im Ansatz jegliche Dynamik. Der Japaner nervt zudem mit grob dosierten Regeleingriffen. Das lausige Slalom-Ergebnis des Briten offenbart, dass er einfach nicht fix ums Eck kommt.

Bei den Bremswegen der drei SUV macht sich ihr hohes Gewicht bemerkbar. Wegen der straßenorientierten Bereifung steht der GL stets ein bis zwei Meter früher als die Kollegen mit schlechtwegetauglichen Pneus. Der Toyota zeigt zudem ein leichtes Nachlassen der warm gefahrenen Bremsen.

Allradantrieb, hohes Gewicht und Radstände nahe der drei Meter prädestinieren diese Autos dazu, ungerührt der gewählten Spur zu folgen, was dem LandCruiser jedoch nur bedingt gelingt. Seine um die Mittellage gefühllose Servolenkung erfordert selbst auf topfebenen Autobahnen unentwegt sanfte Kurskorrekturen – hier überlagert die Breite seiner Reifen den Vorteil der aktiven Lenkung. Und am riesigen Wendekreis des intern J 200 genannten 4x4-Sumos von über 13 Metern kann die variable Lenkübersetzung ebenfalls nichts ändern.

Die Lenkung des GL trägt den Beinamen Steer Control und unterstützt den Fahrer, indem sie ihm durch gezielte Servounterstützung bestimmte Lenkreaktionen nahelegt. Dies geschieht erfreulich diskret. Der Range Rover tut nichts dergleichen, sondern glänzt schlicht und einfach mit der besten Lenkung: Sie ist direkt, präzise und sehr gefühlvoll.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes GL 450 CDI 4MATICRange Rover 4.4 TDV8Toyota Land Cruiser V8 D-4D
Handling150703855
Slalom10027320
Lenkung100798664
Geradeauslauf50485039
Bremsdosierung30141813
Bremsweg kalt150715858
Bremsweg warm150735543
Traktion100959890
Fahrsicherheit150131120125
Wendekreis20430
Kapitelbewertung1000612529507

 

Umwelt und Kosten

Die Kostenanalyse fällt in diesem Test durchweg ernüchternd aus. Alle drei Autos verschlingen Unsummen für Anschaffung und Unterhalt. Der Range muss zwar den höchsten Wertverlust hinnehmen, spart nach unserer Musterrechnung aber jährlich 648 Euro allein in der Vollkasko und lässt wegen des niedrigen Verbrauchs weniger Bares an der Tankstelle.

Der Toyota wird in Deutschland übrigens mit einem Nachrüst-Partikelfilter verkauft, was die im direkten Vergleich ungünstigeren Emissionswerte erklärt. Dennoch bekommen alle drei die grüne Plakette, auch wenn nur der Range die Euro-5-Norm erfüllt.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes GL 450 CDI 4MATICRange Rover 4.4 TDV8Toyota Land Cruiser V8 D-4D
Bewerteter Preis675545455
Wertverlust50545
Ausstattung25151316
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50272225
Werkstattkosten20111114
Steuer10233
Versicherung40131913
Kraftstoff55252824
Emissionswerte25727956
Kapitelbewertung1000224233211

 

Fazit

Unterm Strich gewinnt ganz klar der Mercedes GL 450 CDI diesen Test: Er verkörpert das harmonischste Konzept, leistet sich keinerlei Schwäche und punktet mit einem üppigen Raumangebot, viel Komfort sowie guter Dynamik. Der Toyota Land Cruiser V8 D-4D belegt den dritten Platz. Der herbe Charme des Unverwüstlichen, den der gigantische, luxuriöse Japaner verströmt, lässt sich in kein Testschema pressen. Der Range Rover 4.4 TDV8 rangiert nach Punkten zwischen den beiden Rivalen. Das voll auf Komfort und Geländeeinsatz getrimmte Fahrwerk kostet ihn in der Dynamikwertung zu viele Punkte. Der eigens für dieses Auto konstruierte V8-Motor und die Achtstufen-Automatik bilden indes ein echtes Meisterstück: Sound, Laufkultur, Drehfreude, Durchzug, Kraftentfaltung, Verbrauch – der 4.4 überzeugt durchweg.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes GL 450 CDI 4MATICRange Rover 4.4 TDV8Toyota Land Cruiser V8 D-4D
Summe5000303929222744
Platzierung123

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