Faszination: Mit Skoda 130 RS und Skoda Yeti durch Monte Carlo Tollkühne Kerle, wilde Kisten

11.10.2014

Ein paar Stunden Zeit. Ein alter Skoda 130 RS und die Berge hinter Monte Carlo. Rallye-Held Sepp Wiegand und Schauspieler Hinnerk Schönemann haben da natürlich direkt eine Idee ...

Hinnerk Schönemann steht am Flughafen von Nizza, und er weiß, was gleich kommt: Interview, Foto, Interview. Ob er stolz ist, ein Grimme-Preisträger zu sein, wann der nächste Tatort mit ihm steigt, ob es doch noch weitere Folgen der raben-schwarz-komischen TV-Serie „Dr. Psycho“ geben wird, wie es war, in einem Spielberg-Film mitzumachen, wie das mit Quentin Tarantino lief ... Schönemann seufzt. Da drüben im Osten hängen magische Wolken über den Seealpen, und am liebsten würde er jetzt mit seinem Skoda Yeti zum Col de Turini hochkurven. Nachsehen, ob in den Serpentinen die alten Drift-Vögel Hopkirk, Aaltonen, Munari oder Röhrl rumhängen...

 

Skoda 130 RS und Skoda Yeti: Darf Skoda zur Monte? - Klar!

Etwas weiter hievt gerade Rallye-Youngster Sepp Wiegand die große Kiste mit Helm und feuerfester Wäsche vom Gepäckband. Sepp soll in einem Skoda-Rallyeauto erschreckten Medien-Vertretern ein wenig Weiß um die Nase zaubern und für heilige Ehrfurcht in den Knochen sorgen. Eigentlich ein netter PR-Ausflug, den der 23-Jährige mit Feuereifer absolvieren würde – wenn er beim Landeanflug nicht viel zu lange auf die dunkelgrün bewaldeten Berge im Hinterland der azurblauen Küste gestarrt hätte.

Irgendwo dort unten liegt er, der mystische Nabel der Rallye-Welt. Die Wolkenkratzer von Monte Carlo drängen sich wie ein wild wucherndes Beton-Geschwür um ein Hafenträger ankern. Aber gleich dahinter muss es in Serpentinen zum Col de Turini gehen, eine Sonderprüfung vertrackter als die andere. Ach, könnte man sich das mal in aller Unruhe ansehen ...

Da sieht Hinnerk Schönemann das große Skoda-Logo auf Sepp Wiegands Shirt: „Du bist der Rallye-Fahrer, stimmt’s? Ich würde gern mal ...“ Schönemann zeigt nach Osten. „Wir könnten uns ja zusammen verfahren.“ Hinnerk zieht diese unnachahmlich naiv-tölpelhafte Miene auf, hinter der alle Bauernschläue der Welt pfeifend Polka tanzt. Sepp versteht. Und grinst.

Eine Stunde später stehen die beiden an der Straßenkreuzung der D53 mit der D22 kurz vor Peile und sehen zu, wie Sepp Wiegands Skoda langsam vom Lkw rollt. Hinnerk macht große Augen: „Was ist das denn? Ich dachte, du fährst einen aktuellen Rallye-Fabia, so ein verdammt schnelles Gerät?“ – Sepp legt den Kopf schief: „Normalerweise. Aber wir wollten den mal hierher zurückbringen.

Der 130 RS hat 1977 in der Gruppe 2 sogar die Monte gewonnen. Dass wir ihn nun tatsächlich auf der Strecke fahren, war nicht geplant. Aber du hast mich da auf eine Idee gebracht ...“ – Sepp strahlt immer breiter. Dann klopft er sachte aufs Dach des alten Ost-Kämpen: „Dach, Fronthaube und Türen aus Aluminium, Motorhaube und Kotflügel aus glasfaserverstärktem Kunststoff, Fenster aus Polycarbonat – das war damals ein richtiges Hightech-Gerät.“

Schönemann ruckt an der vorderen Haube: „Zeig’ mal den Motor!“ – Wiegand marschiert zum Heck und deutet in den vermeintlichen Kofferraum: „Dann musst du hier nachsehen. Der 130 RS hat Heckmotor. Knapp 140 PS aus 1285 Kubik übrigens. Und bei einem fahrfertigen Kampfgewicht inklusive Fahrer und Beifahrer von deutlich unter 1000 kg sollte da richtig was vorwärts gehen. Aber das will ich erst mal selbst testen. Musst eben in deinem Yeti ordentlich Gas geben. Wir sehen uns am Turini!“ Und dann wird der wilde RS angelassen, das kleine, weiße Auto röhrt kernig los.

Die dünndarm-verschlungene Trasse zum Col de la Madone ist kaum breiter als ein Auto, Sepp treibt den 130 RS mit gebremstem Schaum an den hohen Bordsteinen entlang in Richtung Sainte-Agnés. Dichte, weiße Wolkenfetzen sickern durch die Bäume: Unten an der Küste brütet die Hitze, das Hinterland fröstelt bei knapp fünfzehn Grad, und deshalb kondensiert die Luftfeuchtigkeit genau hier. Tückisches Wetter, genau wie bei der Monte. Da wechseln auch Eisplatten mit trockener Straße.

Lavendel und Gestrüpp wuchern auf die Fahrbahn, die Kurven ziehen rabiat zu, abgerutschter Schotter garniert die Geraden. Auf der winkligen Strecke hat Schönemanns roter Skoda Yeti Monte Carlo dank seines derben Diesel-Punchs aus dem Drehzahlkeller kein Problem, am 130 RS dranzubleiben. „Fährt einfach genial! So zapp, zapp, zapp. Superhandlich!“ Hinnerk strahlt und gibt dann wieder mit grimmiger Cowboy-Miene Gas.

Dumm nur, dass hinter Sospel plötzlich klar wird, dass Sepps Mission bisher „Materialschonung“ hieß. Den auf rund 100.000 Euro geschätzten Oldie über eine Klippe zu jagen oder im Unterholz zu versenken, hätte wenig Stil. Aber jetzt wird die Straße breiter, und Sepp lässt den alten Tschechen fliegen. Kläffend und bellend prescht das kleine Coupé in Richtung Turini, wirbelt die Serpentinen und Rampen zum Pass hinauf. Zieleinlauf, Sieger!

Wiegand klopft Schönemann gönnerhaft auf die Schulter, als der wenig später auf die Passhöhe fliegt: „Gar nicht so übel für den Anfang!“ Der Schauspieler nickt kurz, dann wendet er den feuerroten Yeti und startet mit knurrendem Dieselmotor bereits wieder ins Tal durch: „Versprich’ mir, dass du mich morgen mal in der kleinen Renn-Granate mitnimmst. Jetzt aber runter nach Monte Carlo, ich will mir unbedingt die Formel-1-Strecke aus der Nähe ansehen!“ – Abgang, Happy End.

TECHNIK
   

SKODA 130 RS
SKODA YETI 2.0 TDI 4x4 MONTE CARLO
Antrieb 4-Zylinder, 2-Ventiler, Weber-Doppelvergaser 40 DCOE, Trockensumpfschmierung; Hubraum: 1285 cm3; Leistung: 100 kW/136 PS bei 8500/min; max. Drehmoment: 140 Nm; 4-Gang-Getriebe, manuell; Hinterradantrieb 4-Zylinder, 4-Ventiler,  Turbodiesel, Partikelfilter; Hubraum: 1968 cm3; Leistung: 125 kW/170 PS bei 4200/min; max. Drehmoment: 350 Nm bei 1750 – 2500/min; 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe; Allradantrieb, permanent
Aufbau + Fahrwerk Zweitüriges Coupé mit Heckmotor, Kunststoff-/Alu-Karosserie, v.: Querlenker, Federn, Dämpfer, Stabilisator; h.: Schräglenker-Achse, Federn, Dämpfer, Stabilisator; Bremsen: Scheiben; Felgen: 7 x 13, Reifen: je nach Einsatzbedingungen Fünftüriges SUV; vorn: McPherson-Federbeine, Dreiecksquerlenker, Stabilisator; hinten: Mehrfachlenkerhinterachse, Federn, Dämpfer, Stabilisator; ESP; Bremsen: innenbelüftete Scheiben; ABS, Bremsassistent; Reifen: 225/50 R 17
Eckdaten L/B/H: 4020/1720/1340 mm; Radstand: 2400 mm; Leergewicht: ca. 720 kg; Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 8,6 s; Höchstgeschwindigkeit: 197 km/h; EU-Verbrauch: k.A.; Preis: 79.000 CSK (1975 bis 1982), ca. 100.000 Euro (2014) L/B/H: 4227/1793/1591 mm; Radstand: 2578 mm; Leergewicht: 1565 kg; Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in  8,6 s; Höchstgeschwindigkeit: 197 km/h; EU-Verbrauch: 6,3 l D/100 km; CO2-Ausstoß: 164 g/km; Grundpreis: 33.290 Euro

Johannes Riegsinger

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