Rallye-Legenden: Audi A1 1.4 TFSI, Citroën DS3 Racing und Mini JCW am Col de Turini Hausstrecke

27.08.2012

50 Kilometer hinter Monte Carlo liegt der Hochaltar des Rallyesports: Am Col de Turini treffen sich Audi A1, Citroën DS3 Racing und Mini auf der Suche nach Spuren des Mythos

Drei kleine Autos am Hafen von Monte Carlo. Irgendwer scheint als Dress-Code „Jogging-Anzug und Sneakers“ ausgegeben zu haben, die Feger übertreffen sich gegenseitig durch Knallorange oder Feuerrot-Akzente. Lediglich ein schwarzer Audi A1 hält sich vornehm zurück … „Soso“, ätzt der Fahrer des Mini John Cooper Works, „die große Rallye-Marke Audi wirft da also ihr heißestes Eisen ins Gefecht. Zählt der silberne Deko-Streifen als total extrovertiertes Bekenntnis zur Fahrdynamik?“ – Der Mann im Audi ist beleidigt: „Selbstverständlich kann man den A1 auch etwas peppiger bekommen.“ – „Peppiger?“

Aus einem Citroën DS3 Racing mischt sich jetzt der Dritte im Bunde ein: „Über was redet ihr denn eigentlich? Hier geht es doch darum, welche große Rallye-Namen sich nicht nur auf ihrer Marken-Folklore ausruhen, sondern richtig Gas geben können!“ Ein verächtlicher Blick, dann trompetet der kleine Citroën mit kernigem Sound entschlossen los: Rechts, nochmal rechts, dann leuchtet das orangefarbene Dach ein letztes Mal im Verkehrsgewühl auf. Verblüfft fixieren sich die verbliebenen Freunde, dann grinst der Mini-Man: „Ab zum Col de Turini! Wer mehr Spaß hat, gewinnt!“

 

HANDLING IST TRUMPF

Dumm nur, dass die hochgezüchtete 211-PS-Turbo-Maschine des Mini John Cooper Works an der ersten Ampel gleich einmal abgewürgt wird. Der A1 mit seiner serienmäßigen S tronic-Automatik sprintet dagegen ansatzlos von jeder Kreuzung weg, wechselt mit nur minimaler Verzögerung aus dem ärgsten Zuckeltrab in explosiven Lückenspringer-Modus. Und so kommt es, dass an der Abzweigung auf die D23 vor Menton der schwarze Audi als Erster den dort wartenden Citroën erreicht.

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Sekunden später pfeilt aber auch der Mini aus dem Kreisverkehr in Richtung Norden, die Seitenscheibe rauscht herunter, und ein etwas blasser „John Cooper“ wirkt bei seiner Ehrenrettung doch ziemlich bemüht: „Verbindungsetappe! Das zählt nicht! Bei der wirklichen Monte geht es jetzt erst richtig los.“

Und dann fegen die aufgedrehten Winzlinge den Berg hinauf, als gälte es wirklich, die gesamte Rallye-Historie der jeweiligen Marke gebührend zu vertreten. Am schwersten tut sich dabei der eben noch so quirlig aufspielende Audi A1 - alle Preise und Modelle: Einen Allradantrieb – großer Audi-Bonus der legendären Rallye-Jahre – hat der A1 nicht, und sein kleiner, 185 PS starker 1,4-Liter-Vierzylinder performt ebenfalls weit entfernt von der feueratmenden Wucht seiner legendären Fünfzylinder-Rallye-Vorfahren. Aber auch noch im Vergleich mit den beiden modernen Konkurrenten fehlt ihm an den steilen, lang gezogenen Bergpassagen hinauf zu den Höhenzügen der Seealpen die entscheidende Puste.

Citroën und Mini haben hier bis zu 26 PS mehr zu bieten. Und beim Blick aufs Drehmoment des Audi A1 schimmert trotz seiner hochtechnischen Kompressor- und Turboaufladung eine alte Oktan-Bruder-Regel durch: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen – außer durch mehr Hubraum. Kein Wunder also, dass sich „Röhrl junior“ beim Hinterherhasten im A1 zornschäumenden Gewaltphantasien hingibt: „Beim nächsten Mal komme ich mit dem 256-PS-A1 quattro, und dann watet ihr knöcheltief durch eure eigenen Tränen!“

 

TANZ AM ABGRUND

Ein paar Serpentinen weiter oben kämpfen sich der Mini und der Citroën mit ihren 1,6-Liter-Turbomotoren derweil Kopf an Kopf und Stoßstange an Stoßstange über die stillen Sträßchen hinauf ins Gebirge. Zumindest leistungstechnisch passt kaum ein Handtuch zwischen die beiden.

Die 200-PS-Plus-Zwerge schieben so vehement an, dass die Vorderreifen noch bis lange auf die Geraden hinaus auf die Traktionskontrollen angewiesen sind und den elektronischen Differenzialsperren bei jeder noch so kleinen Richtungsänderung bereits der Schweiß in den Augen steht. Einziger Unterschied: Das Getriebe des DS3 Racing ist etwas länger übersetzt, Citroën-Fahrer brauchen im Monte-Modus also die etwas flinkere Schalthand. Das ist aber Lust statt Frust, weil die Sechsgang-Box des DS3 sehr knackig und schnell zu schalten ist.

Kurz vor Saint Agnés wechseln wir nach links auf die D22. Mit der pittoresk auf einem Berg liegenden Stadt im Rücken haben wir jetzt den wohl dramatischsten Streckenabschnitt am Col de la Madone vor uns: Kaum eine Fahrspur breit pendelt die Straße zwischen Berg und Abgrund entlang, lediglich eine kniehohe Mauer markiert den Sturz ins Nichts. Das fiebrige Auf-und-Zu der Kurven lässt die Fahrer von Mini und Citroën DS3 beinahe ins Delirium fallen: Genau für solche Strecken sind sie gemacht, die kleinen Handlingwunder: Einlenken wie auf Millimeterpapier, absolute Manövrierbarkeit und die drahtigen Abmessungen sind der Schlüssel zum Tanz durch die Schlucht.

Mitte der 60er-Jahre haben das die Vorfahren des Mini John Cooper Works dem erfolgsverwöhnten Rallye-Team von Citroën schmerzhaft beigebogen: Was für ein Schock für das stolze französische Werksteam, das auf der eleganten DS21 einen Sieg in den Seealpen erwartete – und plötzlich von einem wunderlichen, englischen Winzling deklassiert wurde. Zwei Jahre später schaffte Citroën den Monte-Sieg wieder – aber nur, weil man die Engländer mit fadenscheinigen Protesten aus der Wertung drängen konnte. Fast ein halbes Jahrhundert später hat Citroën solche Tricks nicht mehr nötig: Sébastien Loeb und die ultraschnellen WRC-Modelle haben Citroën ganz ohne Schiebereien zu einer der größten Rallye-Marken gemacht.

Und dass sowohl Mini als auch Citroën wissen, wie Rallye „geht“, beweisen diese Straßen-Ableger: Gierig schnupfen die beiden Renner jeden Einlenkvorgang auf. Besonders der Mini begeistert mit seiner ultradirekten Lenkung, die auch minimale Fahrbahn-Verwerfungen sofort ins Lenkrad wirft, und einem beinahe schonungslos mitlenkenden Hinterteil. Der DS3 Racing-Sondermodell "S. Loeb": Vorstellung in Genf mit seiner gegenüber dem Normal-DS3 verbreiterten Spur wirkt hier beruhigend stabil. Der sonst so fidele Junior-Audi kommt mit etwas Verspätung am Col de Turini an. Er ist im Vergleich mit den harten Rallye-Kerlen einfach ein Quäntchen zu kompromissbereit abgestimmt. Die Kollegen versuchen, Mister Audi zu trösten: „Etwas zu viel Untersteuern am Kurveneingang, und beim Herausbeschleunigen fehlt der Druck.“

Dann wird es still am Col de Turini, jeder versucht sich vorzustellen, wie sich im Winter brüllende Rallye-Tiere den verschneiten Berg herauffressen. Der Mini-Fahrer greift sich plötzlich an die Bandscheiben: „Also für den Heimweg würde ich auch den Audi fahren …“ Johannes Riegsinger
Technische Daten: Audi A1 und Citroën DS3

TECHNIK
   

AUDI A1 1.4 TFSI CITROËN DS3 RACING
Motor 4-Zylinder,
4-Ventiler,
Direkteinspritzung,
Turbo, Kompressor
4-Zylinder,
4-Ventiler, Direkteinspritzung,
Turbo
Hubraum 1390 cm³ 1598 cm³
Leistung
bei
136 kW / 185 PS
6200 /min
152 kW / 207 PS bei 6000 /min
Max. Drehmoment
bei
250 Nm
2000 /min
275 Nm
2000 – 4500 /min
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung 6-Gang, manuell
Fahrwerk vorne:
McPherson-Federb., Querlenker, Stabi.
hinten:
Verbundlenkerachse,
Federn, Dämpfer, Stabi.;
ESP
vorne:
McPherson-Ferbeine,
Querlenker, Stabi.
hinten: Verbundlenkerachse,
Federn, Dämpfer, Stabi.;
ESP
 Bereifung rundum: 215/40 R 17 rundum: 215/40 R 18
L/B/H 3954/1740/1416 mm 3948/1715/1443 mm
Radstand 2469 mm 2464 mm
Leergewicht / Zuladung 1265 kg / 375 kg 1221 kg / 376 kg
FAHRLEISTUNG /
VERBRAUCH
   
0-100 km/h  6,9 s 7,2 s
Höchstgeschwindigkeit 227 km/h 235 km/h
EU-Verbrauch 5,9 l SP/100 km 6,4 l S/100 km
KOSTEN    
Grundpreis  24.600 Euro 30.990 Euro
Technische Daten: Mini John Cooper Works

TECHNIK
 

MINI
JOHN COOPER WORKS
Motor 4-Zylinder, 4-Ventiler, Direkteinspritzung, Turbo
Hubraum 1598 cm³
Leistung
bei
155 kW / 211 PS
6000 /min
Max. Drehmoment
bei
260 Nm
1850 /min
Getriebe 6-Gang, manuell
Fahrwerk vorne:
McPherson-Federbeine,
Querlenker, Stabi.;
hinten:
Mehrfachlenkerachse, Federn,
Dämpfer, Stabi.;
DSC (ESP)
 Bereifung rundum: 205/45 R 17
L/B/H 3714/1683/1407 mm
Radstand 2467 mm
Leergewicht / Zuladung 1130 kg / 450 kg
FAHRLEISTUNG /
VERBRAUCH
 
0-100 km/h 6,5 s
Höchstgeschwindigkeit 238 km/h
EU-Verbrauch 6,9 l SP/100 km
KOSTEN  
Grundpreis 29.500 Euro

AUTO ZEITUNG

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