Quo vadis VW? VW-Gesetz gekippt - Porsche nun Chef im Ring

17.12.2008

Der Europäische Gerichtshof hat das VW-Gesetz gekippt. Damit ist die Sonderstellung, die dem Land Niedersachsen ein Veto-Recht einräumte und die Stimmrechte auf 20 Prozent limitierte, hinfällig

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Das VW-Gesetz ist Geschichte. Dafür möchte Porsche nun beim VW-Konzern Geschichte schreiben. Die Stuttgarter werden vor dem Hintergrund der neuen Stimmrechtssituation ihr Aktienpaket wohl auf über 50 Prozent aufstocken. Insbesondere beim Betriebsrat in Wolfsburg herrscht darüber wenig Freude.

Die Kammer des Arbeitsgerichts Ludwigsburg hatte die einstweilige Verfügung des VW-Konzernbetriebsrats abgeschmettert. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte dagegen geklagt, dass unter dem Dach der Porsche Automobil Holding SE die Automobilproduktion von Porsche und Volkswagen künftig zusammengeführt wird. Dadurch schwindet der Einfluss des VW-Betriebsrats deutlich.

Was wäre passiert, wenn ein ausländischer Investor zum Zuge gekommen wäre? Venture-Capital-Gesellschaften haben meist keine langfristigen Strategien. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Konzern zerschlagen worden wäre, scheint groß. Wenn sich die neuen Verantwortlichen aus Stuttgart und Wolfsburg zusammenraufen und statt Macht und Moneten neue Modelle im Vordergrund stehen, dann ist beim VW-Konzern für Kontinuität gesorgt. Und sowohl Porsche als auch die Wolfsburger erschließen sich unzählige Synergiemöglichkeiten.

"VW ist auf Kurs. Die Marke wird dieses Jahr 3,5 Millionen Autos verkaufen" Martin Winterkorn - Vorstandsvorsitzender VW-Konzern

Allerdings werden die einzelnen Marken und deren Strategien unter dem Einfluss von Porsche einer eingehenden Prüfung unterzogen. VW ist in den vergangenen Monaten unter Winterkorns Führung kräftig durchgestartet. Aktienkurs und Absatz gewannen deutlich an Fahrt. In einem sind sich Winterkorn und Wiedeking einig: Wenn man Toyota einholen möchte, muss die vom VW-Chef bereits eingeschlagene Neu-Positionierung der Marke am US-Markt fortgesetzt werden. Die bisherige US-Modellpolitik monierte Wiedeking schon zu Pischetsrieders Zeiten.

Toyota gilt als Vorbild
Eine günstige Limousine auf Passat-Basis, maßgeschneidert für den US-Markt, soll dem Toyota Camry Konkurrenz machen. Auch ein Pick-up scheint keine Utopie mehr. Für die Emerging Markets wie Indien, Osteuropa und auch China will man unter anderem mit preisgünstigen Versionen des up! gerüstet sein. Freude, aber auch zukünftig mehr Konkurrenz dürfte dem neuen Aktionär auch die Marke Audi machen, die von einem Rekord zum anderen eilt. Nur im US-Markt schwächelt sie wie die Konzernmutter VW.

Dies hat Audi-Boss Rupert Stadler längst erkannt: Wir müssen das Image aufpolieren und die Händlerorganisation verbessern.Auch das Tschechen-Juwel Skoda ist auf Kurs. Octavia und der neue Fabia gehen weg wie warme Semmeln. Ein Wachstum von knapp 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr spricht Bände. Selbstbewusst, aber bescheiden formuliert der neue Skoda-Chef Reinhold Jung deshalb die Ziele für den neuen Superb, mit dem die Tschechen kommendes Jahr an den Start gehen: Ich gehe davon aus, dass wir mehr als vom aktuellen Modell verkaufen.

Bei der britischen Nobelmarke Bentley scheint ebenfalls nichts anzubrennen. Durch den Erfolg des Continental GT rechnet sich auch der glücklose Phaeton besser, denn der Continental teilt mit ihm die Plattform einschließlich Motor. Um die 10000 Autos kann die Luxusmarke dieses Jahr verkaufen. Chapeau!
 
Weniger rosig sind die Aussichten für Bugatti. Das ehrgeizige Jahrhundert-Projekt des schnellsten Seriensportwagens der Welt verschlang viel mehr Entwicklungskosten als geplant. So wird der über 400 km/h schnelle Veyron keinen Nachfolger bekommen und seine Investitionskosten wohl nie hereinfahren. Dem Begehr des einstigen Bugatti-Chefs Bscher nach einem zweiten Modell hat Winterkorn schon vor einigen Monaten eine Absage erteilt. Man wird wohl die Basis des Veyron ausreizen, solange es geht. Danach Fragezeichen.

An Lamborghini scheiden sich künftig die Geister. In Ingolstadt und Wolfsburg mag man die Marke, deren Modelle Stiernamen zieren. Obwohl die italienische Sportwagenschmiede auch dieses Jahr mit voraussichtlich deutlich über 2000 verkauften Autos auf Rekordkurs ist, missfallen in Zuffenhausen Profitabilität und Image der Marke. Eine Perle des Konzerns ist die Marke nicht gerade, so ein Insider. Audi traut man seit dem gelungenen R8 nach oben noch mehr Entwicklungspotenzial zu. Und bessere, vor allen Dingen profitablere und erfolgreichere Sportwagen baut man sowieso in Zuffenhausen. Da sind sich die Schwaben sicher. Mal sehen, ob Wiedeking den Stier nicht bei den Hörnern packt.

Das Sorgenkind der Stuttgart-Wolfsburger Allianz ist Seat. Die Spanier verkaufen seit Jahren weniger Autos und fahren Verluste ein. Eine bunt zusammengewürfelte Modellpalette und ein völlig diffuses Markenprofil sind die Hauptursachen. Die sportliche Positionierung der Marke durch den früheren VW-Chef Pischetsrieder ging jedenfalls gründlich daneben. Denn der Van Alhambra, der glücklose Toledo und auch der Minivan Altea eignen sich genauso wenig zum Sportler wie Ozzy Osbourne zum Papst.
 
Eine völlige Neupositionierung der Marke ist erforderlich, die Rückbesinnung auf Tradition wahrscheinlich. So scheint ein Nachfolger des in Spanien einst erfolgreichen Stadtflohs Marbella denkbar. Und mit dem Tribu möchte man endlich in den erfolgreichen Markt der SUV einsteigen. Ein Verkauf der Marke ist derzeit noch kein Thema. Denn damit würde man zu großen Teilen den spanischen Markt aufgeben, und die Skaleneffekte im Konzern würden deutlich schlechter.

Aber auch die Schwaben können mächtig von VW profitieren und künftig aus dem Vollen schöpfen. Ein Griff ins Teileregal bei VW oder Audi versetzt Porsche in die Lage, weitere Modelle auf die Räder zu stellen. Es ist kein Geheimnis, dass Porsche ernsthaft über einen kleinen Cayenne nachdenkt, der ab 2012 Realität werden könnte.  Die Basis dafür soll der Audi Q5 werden, denn man darf nicht vergessen, dass es nicht zuletzt der Cayenne war, der mit jährlich rund 40000 verkauften Autos weltweit die Stuttgarter in bislang nicht gekannte Verkaufsh&oum.


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