PRV Europa-V6: Der Sechszylinder-V-Motor Einer für Alle

19.02.2015

Nicht immer verderben viele Köche den Brei: Der von Peugeot, Renault und Volvo entwickelte Sechszylinder kam über 23 Jahre hinweg bei elf verschiedenen Marken zum Einsatz

Ausgerechnet der OPEC verdanken wir eine der ungewöhnlichsten und langlebigsten Motorkonstruktionen der europäischen Autoindustrie. Denn der so genannte PRV Europa-V6 entstand nur als Reaktion auf den ab 1973 sprunghaft steigenden Benzinpreis.

Seine Urheber – Peugeot, Renault und Volvo (PRV) – hatten nämlich ursprünglich einen Achtzylinder geplant, den ersten aus Frankreich seit Einstellung des Simca Ariane V8 im Jahr 1961. Doch dessen Karriere wäre rückblickend wohl kaum so spannend verlaufen wie die des Europa-V6.

 

V8-ERBE: 90 GRAD BANKWINKEL

Ein Blick auf die Grundkonstruktion genügt, um zu erkennen, dass dieser Motor als Kompromisslösung zur Welt kam. Die Verwendung von Leichtmetall für Block und Zylinderköpfe sowie die Ventilsteuerung mittels je einer obenliegenden Nockenwelle pro Bank verraten hohe Ambitionen. Flache, teils in die Kolbenböden verlegte Brennräume erlaubten hohe Verdichtungsverhältnisse.

Die kompakte, leichte Konstruktion eignete sich sogar für die neuen Sportwagen von Alpine und DeLorean, später auch Venturi. Aus Ingenieurssicht fragwürdig war jedoch der vom V8-Entwurf übernommene Bankwinkel von 90 Grad: Beim V6 führt er zu ungleichmäßigen Zündabständen, sofern gegenüberliegende Pleuelpaare sich jeweils einen Hubzapfen teilen müssen.

Doch das Augenmerk lag auf anderen Kriterien: Abgasqualität und Verbrauch waren wichtig. Die Laufruhe genügte dennoch den Ansprüchen, wie Tests der ersten Modelle offenbarten. Der in einer eigenen Fabrik in Douvrin (Nordfrankreich) gefertigte Europa-V6 gab 1975 sein Debüt im Peugeot 604 und im Volvo 264.

Ein Jahr später trat Renault mit R30 TS und Alpine A310 V6 auf den Plan. Die Zylindermaße – Bohrung 88, Hub 73 Millimeter, Hubraum 2,66 Liter – waren identisch, die Gemischaufbereitung entwickelte jeder Hersteller allein: Volvo bot Versionen mit SU-Vergaser oder Bosch-Einspritzung an.

Peugeot und Renault favorisierten ein Tandem aus Solex-Vergasern, von denen der erste nur für Start und Teillastbereich zuständig war und der zweite unterdruckgesteuert erst dann in Aktion trat, wenn der Fahrer mehr Gas gab. 10 zu eins verdichtet, erreichte dieser V6 in der Alpine A310 150 PS und ermöglichte „extremes Fahrvergnügen“, wie die AZ-Tester befanden. Der Europa-V6 wuchs und gedieh.

Durch Änderung der Bohrung entstanden Hubraum-Varianten. 1985 stieg Lancia ein und brachte im Thema V6 die erste Version mit um 30 Grad versetzten Hubzapfen heraus. Renault entwickelte Turbo-Varianten für R25 und Alpine A610, 1992 sogar den 262 PS starken Safrane Biturbo.

Peugeot und Citroën setzten auf vier Ventile pro Zylinder, gesteuert von nur einer Nockenwelle pro Bank, variable Saugrohre und Ausgleichswellen zur Verbesserung der Laufruhe. 1998, 25 Jahre nach der Ölkrise, wurde in Douvrin der letzte Europa-V6 gebaut. Mit fast einer Million Stück war aus der anfänglichen Notlösung ein Erfolgsmodell geworden.

Karsten Rehmann

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