Prestige Duell - BMW 335i gegen Mercedes CLK 350 Prestige Duell

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit üppigen Motorleistungen, knackigen Fahrwerken und fließenden Formen stimulieren sportliche Coupés wie der brandneue BMW 335i mit Biturbo-Motor und der elegante Mercedes CLK 350 die Sinne. Sie verkörpern die herrliche Verbindung aus Design und Fahrvergnügen

Ein BMW mit Turbomotor? Da war doch mal was. Richtig, zum Beispiel jener Heißsporn namens 2002 turbo, der in den wilden Siebzigern das Überholprestige der ganzen Marke aufpolierte. Und in den Achtzigern sorgte der 745i für Furore wegen seiner Defektanfälligkeit. Mit entsprechend gespannter Erwartung begegnen wir dem ersten BMW-Turbo-Benziner der Neuzeit, der mit zwei Ladern 306 PS aus drei Liter Hubraum gewinnt und dank 400 Newtonmeter regelrecht strotzt vor Kraft. Nicht ganz so leistungsstark, aber mit 272 PS und 350 Nm keineswegs schwachbrüstig geht der Mercedes CLK 350 ins Rennen. Er verdankt seine Potenz einem 3,5 Liter großen V6-Saugmotor. Beiden Coupés gemeinsam ist das Konzept mit zwei Türen, vier Sitzplätzen und formvollendeter Linienführung. Doch sie haben völlig unterschiedliche Charaktere: Der BMW ist betont dynamisch, der Mercedes ausgesprochen souverän. Welcher ist der Siegertyp?

 

Karosserie

Obwohl die Gestaltung des BMW-Coupés komplett eigenständig ist, erkennt man die Zugehörigkeit zur 3er-Reihe aus jedem Blickwinkel. Die niedrigere Dachlinie mindert die Kopffreiheit auf allen vier Plätzen, und der Verzicht auf die hinteren Türen zwingt die Fondpassagiere beim Ein- und Aussteigen zu gymnastischen Einlagen. Übersichtlichkeit, Bedienbarkeit und Sicherheit liegen aber auf dem Niveau der Limousinen. Die CLK-Karosserie bedingt ebenfalls eine eingeschränkte Kopffreiheit und reduziert das Raumangebot im Fond drastisch verglichen mit C-Klasse-Limousinen. Von der abfallenden Motorhaube sieht man nicht einmal den Stern, weil er wie bei Mercedes-Coupés üblich als Plakette aufgeklebt ist und nicht aufrecht auf dem Kühler thront. Die sanft auslaufende C-Säule stört hier wie dort beim Blick nach schräg hinten, was der Benz teilweise dadurch ausgleicht, dass er gänzlich auf die B-Säule verzichtet. Sind die rahmenlosen Seitenscheiben versenkt, gefällt der Mercedes mit völliger Offenheit. Zwar hat auch der 3er rahmenlose Scheiben vorn, die hinteren Fenster lassen sich jedoch nicht einmal öffnen. Im CLK trüben Nachlässigkeiten wie die billige Gepäckraumauskleidung und ein unsauber eingesetztes Lautsprechergitter den Qualitätseindruck, im 3er sind es die Gurtbringer, Plastikblenden und die lediglich grundierten Innenflächen der Hauben. Für rund 45000 Euro darf der Kunde mehr Finesse im Detail erwarten.

KarosserieMax. PunkteBMW 335 iMercedes CLK 350
Raumangebot vorn1006668
Raumangebot hinten1002628
Übersichtlichkeit705855
Bedienung/ Funktion1008385
Kofferraumvolumen1005051
Variabilität1002333
Zuladung/ Anhängelast803130
Sicherheit150111112
Qualität/ Verarbeitung200174178
Kapitelbewertung1000622640

 

Fahrkomfort

Die serienmäßigen Sportsitze des BMW übertreffen dafür sogar die Erwartungen: Bequem gepolstert, perfekt einstellbar und mit reichlich Seitenhalt passen sie wie angegossen. Die Mercedes-Möbel gefallen mit schierer Größe, bauen jedoch nicht so viel Halt auf, und die Sitzposition leidet unter dem leicht zur Mitte hin versetzten Lenkrad. Der gebotene Federungskomfort sowie die geringe Geräuschentwicklung wiegen dieses Manko aber locker auf. Der 335i dagegen nervt seine Insassen auf Langstrecken mit einer straffen Dämpferkennung und den deutlich lauteren Fahrwerksgeräuschen.

FahrkomfortMax. PunkteBMW 335 iMercedes CLK 350
Sitzkomfort vorn150135115
Sitzkomfort hinten1002926
Ergonomie150110113
Innengeräusche503339
Geräuscheindruck1007985
Klimatisierung503234
Federung leer200127142
Federung beladen200119137
Kapitelbewertung1000664691

 

Motor und Getriebe

Die Motoren hingegen produzieren so gut wie keinen Lärm aber Sound. Der Reihensechser des 335i klingt trotz Aufladung BMW-typisch, bloß um zwei Nuancen dumpfer. Auch die Drehfreude des Triebwerks ist so gut wie gewohnt, aber die Schubkraft ist neu. Dank Biturbo (0,4 bar), Direkteinspritzung und Doppel-Vanos stehen zwischen 1300 und 5000 Umdrehungen 400 Nm bereit, was in der Praxis bedeutet: immer. Obendrein begnügt sich der BMW mit einem Testverbrauch von 12,3 Liter Super Plus. Dauervollgas treibt den Wert auf über 14 Liter, was immer noch angemessen ist. Die spontane und sanfte Automatik (2100 Euro) harmoniert bestens mit diesem Motor. Auch die serienmäßige, siebenstufige Automaik des CLK agiert überzeugend, zeigt aber trägere Reaktionen und schaltet ruppiger zurück. Wäre da nicht der 335i, hätten wir Hochachtung vor der Kraftentfaltung des Mercedes-Motors: 350 Nm zwischen 2400 und 5000 Touren ganz ohne Aufladung. Testverbrauch: 12,7 Liter Super. Bei den ungestümen Fahrleistungen des 3er hat der CLK jedoch keine Chance dranzubleiben: Bei 100 km/h hängt der Mercedes 1,2 Sekunden zurück, bei 200 km/h sind es 4,6 und tschüss. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass selbst ein Porsche Cayenne Turbo S mit 521 PS, 720 Nm und Allradantrieb bis 100 km/h nicht schneller ist als der 335i mit Automatik. Bis auf 200 km/h büßt sogar dieser Gigant eine halbe Sekunde ein.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 335 iMercedes CLK 350
Beschleunigung150182170
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120
Getriebeabstufung1008984
Kraftentfaltung504639
Laufkultur1009088
Verbrauch325117113
Reichweite251614
Kapitelbewertung1000660628

 

Fahrdynamik

Entsprechend groß fallen auch die Unterschiede auf der Rundstrecke aus: Der Mercedes fährt sehr schnell und traumwandlerisch sicher. Doch die etwas gefühllose Lenkung und das brav untersteuernde Fahrverhalten sind wenig sportlich. Der BMW trumpft mit einem mustergültig neutralen Eigenlenkverhalten auf. Seine minimale Untersteuertendenz lässt sich per Gaspedal jederzeit in ein kontrolliertes Übersteuern variieren sofern die Fahrdynamikregelung DSC komplett abgeschaltet wurde. Die sehr gute Traktion sowie Dosierbarkeit und Wirkung der Bremsen, die Präzision der Lenkung alle Attribute liegen auf Sportwagen-Niveau. Übrigens: Mit seiner Rundenzeit unterbietet der 335i den 343 PS starken M3 mit SMG-Getriebe um eine glatte Sekunde.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 335 iMercedes CLK 350
Handling150128111
Slalom1007355
Lenkung1009077
Geradeauslauf503341
Bremsdosierung302117
Bremsweg kalt150129131
Bremsweg warm150138131
Traktion1005844
Fahrsicherheit150128135
Wendekreis201315
Kapitelbewertung1000811757

 

Umwelt und Kosten

Nach Punkten liegen die zwei Kandidaten in diesem Kapitel fast gleich auf: vier Zähler Unterschied. Wer den 335i mit Schaltgetriebe ordert, spart gegenüber dem CLK 350 stramme 4418 Euro und dürfte noch dynamischer unterwegs sein als mit der Automatik-Version. BMW gewährt zwar eine Neuwagengarantie, die jedoch nicht vom Werk, sondern vom jeweiligen Händler getragen wird.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 335 iMercedes CLK 350
Bewerteter Preis675299293
Wertverlust503936
Ausstattung254848
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501427
Werkstattkosten204038
Steuer103734
Versicherung403738
Kraftstoff552323
Emissionswerte258283
Kapitelbewertung1000619620

 

Fazit

Der von zwei Turboladern beflügelte Reihensechser im BMW 335i geht wie Schmitzens Katze. Egal wann und wo - der Schub dieses Kraftpakets ist beeindruckend. Gepaart mit einem kompromisslos sportlichen Fahrwerks-Setup kann sich das neue Coupé der 3er-Reihe gegen seinen Rivalen durchsetzen. Die bockige Federung verlangt aber Zugeständnisse. Der Mercedes CLK 350 hält trotz 34 PS Leistungsdefizit wacker mit, setzt aber andere Prioritäten: Sein überragender Fahrkomfort lässt lange Autobahnfahrten wie im Flug verstreichen. Und der filigran gespannte Dachbogen ohne B-Säule bringt Enthusiasten ins Schwärmen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 335 iMercedes CLK 350
Summe500033763336
Platzierung12

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