Power-SUV im Vergleichstest – BMW X6 gegen Porsche Cayenne GTS Sport-Stunde

10.08.2011

Sportwagen sind immer klein, leicht und eng? Falsch – zumindest was Porsche Cayenne GTS und BMW X6 angeht

Die automobile Welt ist verrückt. Regeln und traditionelle Weisheiten scheinen mehr und mehr ihre Gültigkeit zu verlieren. Woran soll man noch glauben, was ist richtig, was ist falsch? War es nicht eigentlich so, dass fahrdynamische Autos – Sportwagen, in welcher Form auch immer – so leicht wie möglich sein sollten? Anscheinend ist auch diese Vorgabe überholt, denn schwere Autos können durchaus agil und spritzig sein. Das merkt man schon, sobald man mit einem der beiden Schwergewichte BMW X6 und Porsche Cayenne GTS in die erste Biegung sticht. Kurvengeschwindigkeit, Einlenkverhalten, Beschleunigung, Bremsleistung – sie sind Sportwagen, keine Frage.

Regelrecht leichtfüßig wirkt der neue X6. Unter seinem Blechkleid verbergen sich unzählige Helfer, die anscheinend die Physik außer Kraft setzen. Neben dem Adaptive Drive (aktive Querstabilisatoren und adaptive Dämpfer), das die Seitenneigung nahezu eliminiert, sorgt vor allem das neue Hinterachsgetriebe des xDrive-Allradantriebs für ein beeindruckendes Fahrerlebnis. Traktionsverluste gibt es nicht.

Die in das System integrierte Dynamic Performance Control (DPC) verteilt die Antriebsmomente nicht nur über eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung bedarfsgerecht zwischen Vorder- und Hinterachse, sondern auch zwischen den Hinterrädern. Resultat: Die Hinterachse folgt der vorgegebenen Spur wie auf Schienen. Es ist ein Genuss, den BMW durch enge und weite Kurvenradien zu treiben. Erst sehr spät schiebt er über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand.

Ein kurzer Lupfer am Gaspedal, und der X6 ist wieder auf Kurs. Die elektronische Stabilitätskontrolle (DSC) hält sich zurück, sie greift eigentlich nur bei groben Pilotenfehlern regulierend ein – so stimmt man ein Fahrwerk ab. Gewöhnungsbedürftiger ist die Aktivlenkung. Sie verändert je nach Geschwindigkeit Servounterstützung und Übersetzung. Da dreht der Fahrer anfangs schnell mal zu viel oder zu wenig am Volant.

Mehr Rückmeldung und Präzision bietet die Lenkung des Stuttgarter Luxus-SUV. Ohnehin macht der Porsche mit dem sportlichen Kürzel GTS dem Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen alle Ehre. Ja, auch 2,4 Tonnen können Spaß machen. Nur wenige auf Sport getrimmte Limousinen lassen sich so präzise und zielgenau in der Spur halten wie der GTS. Wie beim X6 ist auch bei ihm die Stabilitätskontrolle wohltuend zurückhaltend.

Und wie der BMW lässt sich der GTS gegen saftige Aufpreise mit allen erdenklichen Fahrwerksfinessen aufrüsten: Wank- und Nickausgleich (3213 Euro), Luftfederfahrwerk (2963 Euro). Die adaptiven Dämpfer sind beim GTS indes Bestandteil der Serienausstattung. Dennoch: Der Porsche verlangt etwas mehr Fingerspitzengefühl von seinem Fahrer, wenn er den neuen und extrem leicht zu fahrenden X6 hinter sich lassen soll.

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Am Limit bewegt, zeigt der Cayenne mehr Lastwechselreaktionen als der BMW. Er wechselt zwischen Unter- und gut kontrollierbarem Übersteuern, verliert dabei aber keine Zeit. Im Gegenteil: Im Fall des GTS hilft das stärker nach außen drängende Heck sogar, den schweren Brocken flink durch Spitzkehren zu dirigieren. Resultat: Einen Wimpernschlag eher als der X6 schiebt der Porsche auf dem Handlingkurs seine bullige Front über die Ziellinie.

Um so beachtlicher, weil der traumhafte V8-Biturbo des X6 mit Benzin-Direkteinspritzung und zwischen den Zylinderbänken platzierten Turboladern dem nach Drehzahl gierenden V8-Direkteinspritzer im GTS deutlich überlegen ist. Bis Tempo 180 verliert der Porsche zwei Sekunden. Zudem wechselt das Sechsstufen-Automatikgetriebe des BMW die Gänge extrem präzise und schnell. Da kommt selbst der feinfühligste Fahrer im Porsche beim manuellen Sortieren der sechs Gänge über den Handschalthebel nicht mit.

Den Punktevorsprung, den sich der Münchner durch seine Beschleunigung herausfährt, reduziert der Zuffenhausener mit seinen sensationellen Bremsen. Liegen GTS und X6 bei Dosierung und Standfestigkeit noch gleichauf, so distanziert der Porsche den BMW bei den Verzögerungswerten. 35,3 Metern mit kalten Bremsen und 35,7 Metern mit warmem System sind auch unter Sportwagen absolute Spitzenwerte. Der BMW braucht gut einen Meter mehr.

Am Ende dieses Tests reift die Erkenntnis, dass man sich Neuem nicht verschließen soll. Das trifft nicht nur auf die Performance beider Luxus-SUV zu, sondern auch auf die neue Silhouette des X6. Die von BMW SAC (Sport Activity Coupé) getaufte Gattung wird es wohl bald auch von anderen Herstellern geben. Der Verlust an Laderaumhöhe und hinterer Kopffreiheit spielt bei der Kaufentscheidung keine entscheidende Rolle. Sportwagen kauft man eben nach dem Bauchgefühl – und das war schon immer so.  

Fazit

Unentschieden: So lautet das Ergebnis unseres Tests. Der Porsche Cayenne GTS und der neue BMW X6 xDrive50i stellen die Welt auf den Kopf. Hochbeinige Zwei-Tonnen-Autos ließen sich niemals zuvor so schnell und vor allem sicher bewegen wie diese beiden. Das neue V8-Biturbo-Triebwerk mit Benzin-Direkteinspritzung und das neue Hinterachsgetriebe des BMW begeistern. Das gilt auch für die über jeden Zweifel erhabenen Bremsen des GTS und sein präzises Einlenkverhalten. Praktischer Nutzen und Geländegängigkeit spielen bei diesen Luxus-SUV dagegen eine untergeordnete Rolle.

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8 / 4
Hubraum4806
Leistung
kW/PS
1/Min

298/405
6500 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
500
3500 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebAllradantrieb, permanent
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbel. Scheiben
Bereifungv: 295/35 R 21
h: 295/35 R 21
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)2225
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)6.1
Höchstgeschwindigkeit (km/h)251
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch15.1l/100km (Super Plus)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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