Power-Diesel-SUV: Audi SQ5 TDI gegen BMW X3 xDrive35d Enges Rennen

05.11.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Audi SQ5 TDI quattro und BMW X3 xDrive35d haben 313 Diesel-PS und über 600 Nm Drehmoment – wem gebührt die Krone im Mittelklasse-SUV-Segment?

Als Audi im vergangenen Sommer den SQ5 TDI präsentierte, wurde beim Blick auf die technischen Daten sehr schnell klar, welchen Wettbewerber die Ingolstädter vor allem ins Visier nehmen. Denn mit 313 PS leistet das neue Diesel-Topmodell der Q5-Modellreihe exakt so viel wie der BMW X3 xDrive35d. Beim maximalen Drehmoment übertrifft der Audi mit 650 Nm seinen Kontrahenten aus München sogar um 20 Nm.

Bei allen leistungstechnischen Ähnlichkeiten interpretieren die beiden die Rolle als Power-Diesel zumindest rein optisch aber auf sehr unterschiedliche Weise. Der Audi SQ5 TDI gibt mit allerlei sportlichem Zierrat ganz unverhohlen den Dynamiker, während sich der BMW X3 xDrive35d in dezenter Zurückhaltung übt. Ob die Charaktere der beiden ihrem jeweiligen Auftritt entsprechen und welcher Weg letztlich auf den Thron im Segment der Diesel-Mittelklasse-SUV führt, klärt dieser Vergleichstest.

 

Karosserie

Der Audi lässt bereits äußerlich keinerlei Zweifel an seinem Anspruch. Serienmäßige Ausstattungsdetails wie 20-Zoll-Leichtmetallräder, Außenspiegelgehäuse in Aluminiumoptik, Heckschürze mit Diffusor-Einsatz sowie die vierflutige Auspuffanlage sorgen für einen sportlich-markanten Auftritt. Dieser setzt sich im Innenraum unter anderem mit den grau hinterlegten Armaturen, dem griffigen Sportlenkrad und der Alu-Pedalerie fort. Dank der tiefen, an einen Sportwagen erinnernden Sitzposition vergisst man als Fahrer leicht, in einem SUV zu reisen. Ganz anders der BMW: Fahrer und Beifahrer sitzen hier deutlich höher, sie thronen förmlich über dem Verkehrsgeschehen. Das wirkt sich nicht zuletzt auch auf die etwas bessere Übersichtlichkeit des BMW gegenüber dem Audi aus.

In puncto Platzverhältnisse vorn und hinten sind die Unterschiede zwischen den beiden Testkandidaten minimal. Der Audi bietet vorn etwas mehr Raum, im BMW ist der Fondbereich eine Spur großzügiger geschnitten. Auch beim Kofferraumvolumen und der erlaubten Zuladung herrscht zwischen SQ5 (540 bis 1560 Liter, 521 kg) und X3 (550 bis 1600 Liter, 509 kg) nahezu Gleichstand. Den Kapitelsieg sichert sich der Audi letztlich durch seine etwas bessere Material- und Verarbeitungsqualität sowie durch seine umfangreichere Sicherheitsausstattung wie etwa Abstandsregeltempomat und Spurwechselassistent.

KarosserieMax. PunkteAudi SQ5 TDI quattroBMW X3 xDrive35d
Raumangebot vorn1008280
Raumangebot hinten1006970
Übersichtlichkeit705356
Bedienung/ Funktion1008690
Kofferraumvolumen1005657
Variabilität1003436
Zuladung/ Anhängelast804645
Sicherheit1508378
Qualität/ Verarbeitung200187182
Kapitelbewertung1000696694

 

Fahrkomfort

Beide verwöhnen ihre Passagiere mit sehr viel Komfort. Während im BMW die Vordersitze vor allem dank der hohen Rückenlehne eine leicht bessere Bewertung erhalten, überzeugen im Audi die Fondsitze wegen ihrer tieferen Sitzfläche und des etwas steileren Lehnenwinkels. Wer im Fahrbericht: Audi SQ5 sitzt, wird von der straffen Abstimmung des serienmäßigen Sportfahrwerks über die Fahrbahnbeschaffenheit leer wie beladen nur selten im Unklaren gelassen. Während diese direkte Rückmeldung seitens des Fahrwerks bei zügiger Autobahnfahrt vom Fahrer noch als angenehm empfunden wird, kann es auf nicht perfekt ausgebauten Landstraßen durchaus störend wirken – vor allem im direkten Vergleich zum BMW, der sich beim Federungskomfort fast keine Schwäche leistet. Ob kurze Stöße oder lange Wellen – das adaptive Fahrwerk (1100 Euro) des BMW X3 schluckt praktisch alles. Bei voller Beladung zeigt sich der Münchener in der „Normal“-Stellung der Dynamischen Dämpfer Control jedoch etwas unterdämpft, sodass bei gröberen Schlaglöchern auch schon einmal die Hinterachse durchschlagen kann.

Zum insgesamt höheren Fahrkomfort des BMW trägt auch das spürbar niedrigere Geräuschniveau bei. Unabhängig von Untergrund und gefahrener Geschwindigkeit bleibt es im X3 angenehm leise. Im SQ5 hingegen dringen Fahrwerks- und Abrollgeräusche vernehmlich in den Innenraum, hinzu kommen bei höheren Tempi Pfeifgeräusche im Bereich der A-Säule.

FahrkomfortMax. PunkteAudi SQ5 TDI quattroBMW X3 xDrive35d
Sitzkomfort vorn150128130
Sitzkomfort hinten1007270
Ergonomie150137140
Innengeräusche503238
Geräuscheindruck1007376
Klimatisierung503936
Federung leer200132142
Federung beladen200133138
Kapitelbewertung1000746770

 

Motor und Getriebe

Die Sechszylinder-Turbo-Triebwerke der beiden Kontrahenten sind mit jeweils 313 PS nicht nur exakt gleich stark – auch in den weiteren objektiven sowie subjektiven Testkriterien des Motor- und Getriebekapitels ähneln sich die beiden Aggregate sehr. So entwickelt beispielsweise der 2967 cm³ große V6 des Audi ein maximales Drehmoment von 650 Nm, das er zwischen 1450 und 2800 Umdrehungen zur Verfügung stellt. Seine maximal 630 Nm hält der 2993 cm³ große Reihen-Sechszylinder des BMW zwischen 1500 und 2500 Touren bereit. Ähnlich eng liegen die Fahrleistungen beieinander: Mit 5,0 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h nimmt der X3 xDrive35d dem SQ5 TDI quattro vier Zehntelsekunden ab, der Audi ist dafür mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h sechs km/h schneller als der BMW.

Beim Verbrauch herrscht mit 8,4 Liter Diesel auf 100 Kilometern dagegen absoluter Gleichstand. Der Ingolstädter münzt dies dank seines acht Liter größeren Tanks in eine fast 100 km größere Reichweite um. Beide Motoren glänzen mit vorzüglicher Laufkultur. Auch die Kraftentfaltung ist hier wie dort beeindruckend, wobei beim Audi das Bild durch eine leichte Anfahrschwäche getrübt wird. An der Abstufung der serienmäßigen Achtstufen-Automatiken gibt es ebenfalls nichts zu mäkeln. Der BMW sichert sich Zusatzpunkte durch das sanftere Wechseln seiner Übersetzungsstufen.

Dank eines in die Abgasanlage integrierten Sound-Aktuators klingt der Sechszylinder-Diesel des Audi eher wie ein Achtzylinder-Benziner. Beim Beschleunigen steigert sich das kräftige Brummen zu einem heiseren Brüllen. Das gibt Sympathiepunkte, schlägt sich in der Bewertung aber nicht nieder.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi SQ5 TDI quattroBMW X3 xDrive35d
Beschleunigung150132135
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1509086
Getriebeabstufung1008790
Kraftentfaltung504244
Laufkultur1008080
Verbrauch325222222
Reichweite251715
Kapitelbewertung1000670672

 

Fahrdynamik

Dass beide Power-SUV ihre eindrucksvollen Leistungsdaten in hohe fahrdynamische Qualitäten umwandeln können, ist nicht wirklich überraschend. Im direkten Vergleich distanziert der ab Werk auf 20-Zöllern rollende und mit Sportfahrwerk versehene Audi den BMW mit serienmäßiger 18-Zoll-Bereifung recht deutlich. Man sitzt im Audi SQ5 TDI nicht nur wie in einem Sportwagen, der Zwei-Tonnen-Allradler fährt sich auch so. Die direkte Lenkung, die standfesten Bremsen und das bis in den Grenzbereich hinein vorhersehbare Fahrverhalten machen nicht nur Spaß, sondern führen zu einer Rundenzeit von 1:47,4 Minuten auf der Handlingstrecke.

Der BMW X3 xDrive35d ist nicht nur 1,5 Sekunden langsamer, sondern zeigt sich bei der schnellen Kurvenhatz deutlich unwilliger. Seine Lenkung gibt weniger Rückmeldung, auch die deutlich stärkere Seitenneigung und die schwächere Bremse trüben den Spaß. Bei abgeschaltetem DSC (ESC) drängt der BMW bei plötzlichen Lastwechseln zudem mitunter stark mit dem Heck nach außen.

Beide Konkurrenten verfügen serienmäßig über einen Allradantrieb, der die Kraft unter Normalbedingungen im Verhältnis 40:60 an Vorder- und Hinterachse schickt. Dabei passen die jeweiligen Systeme die Kraftverteilung voll variabel und radselektiv ständig der jeweiligen Fahrsituation an. Damit steht zumindest kleineren Ausflügen ins Gelände nichts im Weg.

FahrdynamikMax. PunkteAudi SQ5 TDI quattroBMW X3 xDrive35d
Handling1508579
Slalom1006667
Lenkung1008280
Geradeauslauf503937
Bremsdosierung302321
Bremsweg kalt1509587
Bremsweg warm1509981
Traktion1008890
Fahrsicherheit150137132
Wendekreis2087
Kapitelbewertung1000722681

 

Umwelt und Kosten

Dass das Vergnügen, einen Audi SQ5 TDI quattro oder BMW X3 xDrive35d zu fahren, kein günstiges ist, dürfte klar sein. Doch die bewerteten Preise von 56.600 Euro für den BMW beziehungsweise sogar 60.300 Euro für den Audi lassen Interessenten dann doch erstmal schlucken.

Dafür entschädigen die zwei Kandidaten mit ihrer recht umfangreichen Serienausstattung sowie zahllosen den Komfort und den Alltagsnutzen steigernde Optionen. Den Nachteil seines mit fast 4000 Euro deutlich höheren Kaufpreises macht der Ingolstädter mit den umfangreicheren Garantieleistungen wieder wett. In den restlichen Disziplinen rangieren SQ5 und X3 ansonsten fast immer auf demselben Niveau, wodurch es im Kostenund Umweltkapitel letztendlich zu einem Gleichstand zwischen den beiden bayerischen Kraftmeiern kommt.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi SQ5 TDI quattroBMW X3 xDrive35d
Bewerteter Preis675104112
Wertverlust501111
Ausstattung252323
Multimedia502828
Garantie/Gewährleistung502820
Werkstattkosten201414
Steuer1066
Versicherung403231
Kraftstoff553737
Emissionswerte252122
Kapitelbewertung1000304304

 

Fazit

Enger geht es kaum: Am Ende feiert der Audi SQ5 TDI quattro einen knappen Sieg über den BMW X3 xDrive35d. Doch beide Kontrahenten weisen bei allen technischen Ähnlichkeiten ganz unterschiedliche Charaktere auf.

Der Audi ist ein verkappter Sportwagen, der seine aggressive Optik mit eindrucksvoller Fahrdynamik rechtfertigt – und das Ganze mit einem betörenden Sound untermalt. Der BMW hingegen verwöhnt mit niedrigem Geräuschniveau und spielt eindeutig die Rolle des schnellen und komfortablen Reisewagens. Unterm Strich ist die Kauf-Entscheidung zwischen den beiden starken Diesel-SUV deshalb eher eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi SQ5 TDI quattroBMW X3 xDrive35d
Summe500031383121
Platzierung12

Tags:
E-Bike zu gewinnen
Gewinnspiel

E-Bike und 20 x 2.000 € zu gewinnen!

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.