Portrait Alfa-Designchef Christopher Reitz Von Turin inspiriert

01.07.2009

Designchef bei Alfa Romeo – das ist kein leichter Job. Christopher Reitz scheint wie gemacht dafür: Er liebt alles Schöne

Über Schönheit lässt sich streiten. Doch es gibt auch Objekte, die über jede Diskussion dieser Art erhaben sind. Niemand würde zum Beispiel auf die Idee kommen, einen Alfa Romeo 8C von 1938, einen Alfa Giulia GT aus den 70ern oder einen aktuellen Alfa 159 als hässlich zu bezeichnen. Jedenfalls gibt es so gut wie keinen Beauty-Wettbewerb für Autos, ob für Klassiker oder aktuelle Modelle, bei dem Alfa Romeo nicht irgendwo auf dem Podest landet. Wer dafür sorgen soll, dass die Marke auch in Zukunft so faszinierende Autos baut, steht also vor einer beachtlichen Herausforderung. Haben Alfa-Designer schlaflose Nächte?

Spannende  Aufgabe
Christopher Reitz wirkt trotz seines Jobs ziemlich ausgeschlafen. Der Deutsch-Österreicher ist seit einem Jahr Chef des Centro Stile Alfa Romeo. Unter seiner Leitung entstehen die „bella macchine“, die schönen Autos der nächsten Jahre, vielleicht der nächsten Jahrzehnte. Von der Belastung, dem Druck ist zumindest äußerlich wenig zu spüren. Reitz wirkt unbeschwert, fröhlich und fast ein bisschen jungenhaft – jedenfalls jünger als die 41 Jahre, die man in seinem Lebenslauf findet. „Klar, die Arbeit für Alfa Romeo ist eine große Herausforderung! Aber auch eine interessante, eine spannende Aufgabe.“

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Christopher Reitz lässt seinen Blick durchs Café Turin wandern, genießt die Atmosphäre des ältesten Kaffeehauses der Stadt. Zwischendurch ein Telefonat in fließendem Italienisch, ein Gespräch mit dem Kellner. Er arbeitet nicht nur in dieser Stadt, er lebt hier. „Turin ist pure Inspiration, überall gibt es Schönes. Und ich liebe schöne Dinge!“ Stilvolle Geschäfte, Mode, Schmuck, ästhetisch angerichtetes Essen, aber auch zum Beispiel Boote nutzt er als Quelle für Anregungen. Edle Materialien wie Hölzer und Stoffe lassen sich im Interieur eines Autos verwenden. „Und bei Booten sind die Proportionen meist sehr stimmig und elegant. Auch bei einem schönen Auto kommt es auf die Proportionen an.“

War die Umstellung auf Italien für jemanden, der vorher in Deutschland, England und Japan gearbeitet hat, nicht gewaltig? „Man lebt gut in Italien. Die Menschen sind viel emotionaler, aber sehr freundlich. Auch wer wenig Geld hat, legt hier Wert auf schöne Sachen.“ Und bei der Arbeit? Er lacht. „Da hat man anfangs schon andere Vorstellungen. Man beobachtet, lenkt vorsichtig hier und da und stellt fest, dass es genauso gut läuft, wie man es von anderen Ländern kennt. Als Designchef darf man kein Despot sein, die Mitarbeiter brauchen ihre kreativen Freiräume.“

Mit seinem international besetzten Team aus 120 Mitarbeitern hat er zuletzt die Feinarbeiten am Interieur des kommenden Alfa 147-Nachfolgers „Milano“ abgeschlossen. Kommt als nächstes der Alfa 169, die große Limousine? „Lassen Sie sich überraschen“, antwortet Reitz. Überraschungen auch beim Design? „Im Detail bestimmt, aber ein Bruch mit der bisherigen Linie wäre sicher verkehrt. Wir müssen Alfa Romeo behutsam in die neue Zeit führen.“

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Dazu gehört für ihn aber auch ein Blick auf die große Tradition der Marke. Zum privaten Fuhrpark von Christopher Reitz gehört seit kurzem ein Alfa Montreal, ein Achtzylinder-Sportwagen aus den 70ern. „Bertone hat damals ein fantastisches Auto entworfen.“ Dann nimmt er die nächste Frage mit seiner Antwort vorweg: „Wir wollen trotzdem kein Retro-Design. Das hat Fiat mit dem 500 sehr erfolgreich gemacht. Aber das Design von Alfa Romeo muss sich immer weiterentwickeln.“

Stilbrüche vermeiden
Doch das ist manchmal eine Gratwanderung. „Beim MiTo GTA Concept für Genf 2009 ist zum Beispiel das Markenzeichen oberhalb des Scudetto, des Wappengrills, angebracht. Um sicher zu sein, keinen Stilbruch zu begehen, haben wir das vorher Mitgliedern von Alfa-Clubs gezeigt.“

Den Alfisti wird auch Christopher Reitz’ Design-Philosophie gefallen. Beim Fototermin in Lingotto, dem ehemaligen Fiat-Werk in Turin (siehe erste Doppelseite), streicht seine rechte Hand über die Motorhaube des Montreal. „Die Formen müssen organisch sein und Bewegung ins Auto bringen. Die Oberflächen dürfen nicht künstlich, nicht verspielt wirken.“

Also ist er kein Freund von Sicken und Falten, wie sie von Designern anderer Marken verwendet werden? „Was BMW macht, finde ich gut. Das passt toll zu der Marke. Aber zu einem Alfa Romeo gehören elegante Rundungen und klassische Flächen. Das Auto muss zeitlos wirken.“

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Mit seinen Fingern berührt er die Lamellen über den Scheinwerfern des Alfa Montreal. „Aber natürlich kann man das eine oder andere verspielte Element wieder aufgreifen. Diese Lamellen beispielsweise werden Sie bestimmt bald an einem neuen Alfa wiederfinden.“ Klaus Uckrow

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