Porsche-Zukunft Angriff aus Zuffenhausen

16.05.2011

Porsches Erfolgsgeschichte ist einmalig. Damit das so bleibt, haben die Stuttgarter Großes vor. Hier die nächsten Autos

» direkt zur Galerie

Wir schreiben das Jahr 1992. Eine kleine Stuttgarter Sportwagenschmiede trotzt den Wettbewerbern, aber mit dem Rücken zur Wand.

Einen Zaubertrank wie den des Galliers Asterix kennen die Schwaben nicht, aber dafür erscheint ein Zaubermann namens Wendelin Wiedeking auf der Bildfläche.

15 Jahre später ist Porsche erfolgreich wie nie. Der Aktienkurs ist allein in den vergan- genen zehn Jahren um 1665 Prozent gestiegen. Porsche verkaufte vergangenes Jahr weltweit 96.794 Autos – bei Wiedekings Amtsantritt waren es noch 21000. Und seit kurzem hält Porsche 30 Prozent der VW-Aktien.

Mehr Auto-News: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

Doch die Räder bei Porsche stehen nicht still. Nach dem Erfolg des Cayenne kommt mit dem Panamera ein viersitziges, viertüriges Sportcoupé, das Luxus mit Sportlichkeit verbindet und Audi-, BMW- und Mercedes-Kunden anlocken soll. 2012 könnte ein kleines SUV unterhalb des Cayenne Gestalt annehmen – in Zuffenhausen beobachtet man den Erfolg des BMW X3 schon seit längerer Zeit genau.

Nach dem Vorbild des Cayenne, der ein Joint Venture mit VW auf Basis des Touareg ist, könnte mit Komponenten des kommenden Audi Q5 ein kleiner Cayenne entstehen. Erstmals in der Geschichte von Porsche könnte in einem solchen Auto ein Dieselmotor zum Einsatz kommen. Denn ohne einen Selbstzünder wird man in diesem Segment kaum den nötigen Erfolg verzeichnen.

Konkurrenz für den Audi S3

Porsches Einfluss als größter Aktionär des VW-Konzerns lässt Szenarien denkbar werden, die früher unmöglich gewesen wären. So könnte mit Komponenten des kommenden Audi A3 auch ein kleiner Kompakt-Porsche entstehen. Dies könnte den Flottenausstoß in Sachen CO2 entscheidend reduzieren. Hier könnte der Erfolg des 1er-BMW für Porsche als Vorbild dienen. Denn für einen komplett ausgestatteten 130i legen Kunden bis zu 50000 Euro auf den Tisch. Ein Basis-Cayman kostet derzeit 48879 Euro. Mit dem Image von Porsche wäre in diesem Segment auch mit einer Preisgestaltung um knapp 50000 Euro so noch Kundschaft zu gewinnen – und vor allem eine Menge Geld zu verdienen.

Erstaunlich ist dabei, wie nahe sich Porsche und Audi mit dem Ausbau ihrer Modellpaletten kommen. Audi R8 gegen Porsche 911, TT contra Cayman, Q7 versus Cayenne. Die Konfrontation überrascht, sind doch beide Marken durch die Beteiligung von Porsche am VW-Konzern zumindest kaufmännisch verwandt. Modelle wie der Sportwagen Audi R8 wurden zwar vor der Finanz-Liaison von Porsche und Volkswagen entwickelt. Doch beide Firmen führen Großes im Schilde – neue Modelle, die erst in einigen Jahren auf den Markt kommen werden, fahren auf Kollisionskurs.

Ein Beispiel für internen Wettbewerb im Konzern sind der für 2009 angekündigte Porsche Panamera und das Audi-Pendant Audi A9. Mercedes hat mit dem CLS das viertürige Coupé „erfunden“, Porsche kündigte schon 2005 den Panamera als viertürigen Sportwagen an. Dieser viertürige Sportwagen mit Design-Genen des 911 greift auf Komponenten der Marke zurück. Fahrwerksdetails und die Motoren vom V6 mit 290 PS bis hin zum V8-Turbo-Direkteinspritzer mit 500 PS sind bewährte Teile des jüngst modellgepflegten Cayenne. Der Panamera soll jedoch laut Porsche auf einer neu entwickelten Plattform aufbauen, auf der auch noch andere Modelle denkbar sind – künftige Topmodelle aus Wolfsburg zum Beispiel. Wie umgekehrt Porsche die Möglichkeiten von VW ausschöpft, wird beim Panamera sehr deutlich. So wird die Karosserie des viertürigen, rund 4,90 Meter langen Coupés im VW-Werk Hannover gefertigt und lackiert. Das sorgt für große Kostenvorteile – und für 500 Arbeitsplätze. Die Endmontage des Panamera mit den in Stuttgart hergestellten Motoren findet dann im Porsche-Werk in Leipzig statt, wo vor wenigen Tagen das Richtfest für die direkt an die Cayenne-Produktionsstätte angeschlossene Panamera-Fertigung gefeiert wurde.

Porsches neue starke Waffe: 911 GT2

Die bislang schon üppige Modellvielfalt des Porsche-Evergreens mit 13 Typen – vom 911 Carrera Coupé bis zum GT3 RS – wird durch zwei zusätzliche Modelle, das 911 Turbo Cabrio und Ende des Jahres durch die Neuauflage des Extremsportlers Carrera GT2 mit Heckantrieb und 520-PS-Turbomotor ergänzt. Für Mitte 2008 steht die Überarbeitung des Basis-911 an, der neben dezenten Karosserieretuschen noch stärkere Motoren mit Benzin-Direkteinspritzung erhält. Trotz höherer Leistung soll der Verbrauch um acht Prozent sinken. Der Motor des 911 wird dann rund 365 PS leisten, der bisher 355 PS starke 911 S bringt es nach der Überarbeitung auf etwa 400 PS.

Porsche bereichert das Segment mit den beiden Coupé-Versionen des Boxsters, den Modellen Cayman (245 PS) und Cayman S (295 PS). Im Herbst 2008 soll die Boxster-/ Cayman-Baureihe ein leichtes Facelift erhalten. Die neuen Benzin-Direkteinspritzer wird es für die Modellreihe allerdings erst später geben.

Obwohl Porsche-Chef Wiedeking derzeit betont, seine Ingenieure seien mit dem Panamera, der Modellpflege von 911 und Boxster/Cayman, der Entwicklung der Benzin-Direkteinspritzer und dem künftigen Hybridantrieb voll ausgelastet, wird hinter den Kulissen an einer Wiederbelebung einer zusätzlichen Idee gearbeitet.

Bereits im Sommer 2002 berichtete AUTO ZEITUNG vom Plan eines kleinen Porsche. Er war als Alternative für die vierte Baureihe gedacht, für die dann drei Jahre später der Panamera den Zuschlag erhielt.

Die neue Machtverteilung im VW-Konzern mit Porsche-Vertretern im Aufsichtsrat eröffnet für den kompakten Zuffenhausener im Format des Audi A3 völlig neue Perspektiven. Zudem zwingt die anhaltende Diskussion um Abgaswerte und Flottenverbräuche auch Porsche zu neuen Denkansätzen. Einsatzbereite Motoren bis hin zu den bislang verschmähten Dieseltriebwerken, Fahrwerkskomponenten, nicht ausgelastete Werke im VW-Konzern – alles wäre für eine Fertigung eines kleinen Porsche-Modells mit Hinter- und Allradantrieb verfügbar. Auch der kompakte Sechszylinder-Boxermotor aus dem Boxster/Cayman mit bis zu 295 PS ist als Antriebsquelle denkbar. Als leistungsstarker Kompaktsportler könnte „das Pörschle“ in den Reihen kaufkräftiger junger Fahrer als Einstiegsmodell in die Porsche-Welt ab 2012 dienen und im Premium-Bereich wildern, das derzeit der BMW 1er und der Audi A3 besetzen.

In dem Segment der kleinen SUV hinkt Porsche hinterher, unterhalb des Cayenne hat Porsche zurzeit nichts anzubieten. Die neue Konzern-Allianz könnte – nach einigen Anleihen beim Audi Q5 – ein kompaktes Porsche-SUV schnell Wirklichkeit werden lassen.

Auch das wäre Konkurrenz im eigenen Hause, aber dahinter scheint Methode zu stecken. Vom fernen Salzburg aus steuert VW-Patriarch Ferdinand Piëch als mächtiger Aufsichts- ratsvorsitzender und Porsche-Miteigentümer die Konzernstrategie. Als Herrscher der Wolfsburger hat Piëch in den 90er-Jahren gelernt, was durch internen Wettbewerb erreicht werden kann: VW und Audi beflügelten einander zu immer neuen Höchst- leistungen.
(VK/WM)

» zur Porsche Geschichte – wie alles begann

» Zurück zur Übersicht: PS-Parade

AUTO ZEITUNG

Tags:
Thermoelektrische Kühlbox 12V
UVP: EUR 67,95
Preis: EUR 26,39 Prime-Versand
Sie sparen: 41,56 EUR (61%)
PowerDrive Ladegerät
 
Preis: EUR 8,99 Prime-Versand
Bluetooth Receiver
 
Preis: EUR 13,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.