Porsche Panamera 4S: Dauertest Panamera sicher im Hafen

10.02.2017
Inhalt
  1. Porsche Panamera 4S sicher im Hafen
  2. Starkes Panamera-Herz: 4,8-Liter-V8
  3. Porsche Panamera langstreckentauglich
  4. Porsche Panamera als Langversion
  5. Kaum Verschleiß am Panamera
  6. Alle technischen Daten zum Panamera:

"Zweieinhalb mal um die Welt", lautete die Order für den Panamera 4S. Würde Porsches Größter den Dauertest durchhalten? Hier die Auflösung!

November 2012, Verleihung der Auto Trophy: „Ein starker Charakter setzt sich durch. Auch in diesem Jahr ist der Porsche Panamera das am meisten respektierte Luxusmodell der Deutschen. Hervorragende Handlingeigenschaften, Platz für vier, starkes Überholprestige und überragende Fahrleistungen sind stechende Argumente für das Topmodell aus Zuffenhausen“, so die freundlichen Worte in der Laudatio. Sie galten einem Champion der besonderen Art. Seit seinem Debüt im Jahr 2009 steht der große Porsche regelmäßig auf dem Siegertreppchen der Auto Trophy – mit über 100.000 Teilnehmern eine der größten Leserwahlen Europas. Bereits viermal in Folge wurde der Panamera als Nummer eins der Luxusklasse ausgezeichnet. Dabei sorgte die bloße Existenz eines wuchtigen Reisewagens im Portfolio einer Sportwagenmarke anfänglich für Skepsis: 4,97 Meter Porsche am Stück. Konnte das gutgehen? Wollte die renommierte, aber vergleichsweise kleine Kompanie aus Zuffenhausen etwa ernsthaft aufmucken gegen „den Daimler“, der im benachbarten Sindelfingen seit Menschengedenken S-Klassen vom Stapel lässt, die das Luxussegment verkörpern, so wie der Porsche 911 den Sportwagen? Ja, sie wollte. Und sie hat: Am 15. Mai lief im Porsche-Werk Leipzig der 100.000ste Panamera vom Band.

Porsche-Modellpalette bis 2016 im Video:

 
 

Porsche Panamera 4S sicher im Hafen

Einer dessen Vorgänger fand im April 2011 seinen Weg in den Dauertestfuhrpark der AUTO ZEITUNG. Spannende Frage: Würde „S-GO 3114“ halten, was das autowählende Volk ihm Jahr für Jahr zutraut? Der in Dunkelblau- Metallic lackierte Neuzugang repräsentierte in seiner Darreichungsform als Panamera 4S inklusive zahlreicher Extras einen Gegenwert von stolzen 142.919,80 Euro. Zur Erinnerung: Die „4“ kennzeichnet den aufpreispflichtigen Allradantrieb, das große „S“ die goldene Mitte der bis dato verfügbaren Antriebsvarianten, die sich erstreckten vom 250 PS starken V6- Diesel bis zum Turbo S mit zünftigen 550 PS. In der von Porsche-Designchef Michael Mauer unverwechselbar gezeichneten, lang gestreckten Bugpartie des Dauerläufers ruht ein 4,8 Liter großer V8-Benziner, der glatte Zahlen zu lieben scheint: 400 PS, 500 Newtonmeter Drehmoment, 5,0 Sekunden von null auf 100 km/h. Chefredakteur Volker Koerdt nahm den Neuzugang als einer der Ersten unter die Lupe. Nach einer eiligen Dienstreise notierte er bei Kilometerstand 8147: „Der Panamera überzeugt als gutes Reiseauto. Er bleibt auch bei hohen Geschwindigkeiten erstaunlich leise und komfortabel.“ Dann folgte ein Eintrag, der sich wie ein roter Faden durch den Langstreckentest zog, für den ein Normalfahrer knapp fünf Jahre benötigen würde: „Der Geradeauslauf ist schlichtweg tadellos. Auch auf schnellen Autobahnpassagen läuft der Porsche wie auf Schienen.“ Der dynamische Charakter ist es denn auch, mit dem sich das Porsche-Flaggschiff eine Sonderstellung innerhalb des Luxussegments erobert hat. Dazu passt das in seinem Ansprechverhalten vom Fahrer beeinflussbare Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK), das in zwei Sportmodi blitzschnell reagiert und den wuchtigen Zweitonner ohne Zugkraftunterbrechung nach vorn stürmen lässt. Einzig im komfortbetonten Normalmodus büßt das vom Getriebeexperten ZF stammende Räderwerk etwas von seiner Reaktionsschnelle ein. Koerdt: „Das Ansprechverhalten ist spürbar träger als in Sport und Sport+. Also entweder manuell schalten oder in den Sportmodus wechseln.“ Ein Tastendruck reicht, und der Panamera wird wieder zum Chefdynamiker.

Fahrbericht Neuer Porsche Panamera: Erste Fahrt
Neuer Porsche Panamera: Erste Fahrt  

Panamera sportlicher denn je

 

Starkes Panamera-Herz: 4,8-Liter-V8

Wichtigster Quell der Fahrfreude war ohne Frage der voluminöse 4,8-Liter-V8, der den Langstreckeneinsatz vom ersten bis zum letzten Kilometer mit schwäbischer Genauigkeit abspulte und weder auf- noch ausfällig wurde. Im Gegensatz zum extrastarken Panamera Turbo (550 PS) braucht der Sauger zwar höhere Drehzahlen, um seine volle Wucht entfalten zu können, bestraft seinen Fahrer aber dennoch nicht mit zügellosen Trinksitten. „Wer es nicht übertreibt und ständig Bleifuß fährt, kommt auch bei zügiger Fahrweise mit 13 bis 14 Litern aus“, hieß es in den Testnotizen. Der für sich genommen hohe Wert relativiert sich beim Blick aufs Gebotene: Hier ist ein souverän motorisierter, fast fünf Meter langer Allradler unterwegs, gespickt mit zahlreichen Komfortfeatures. Nach 100.000 km mit insgesamt sehr hohem Autobahnanteil stand ein Testverbrauch von 11,6 Liter Super Plus in der Bilanz. Das sind nur 0,8 Liter mehr als im EU-Mix angegeben. Im Zuge des kommenden Facelifts wird der V8 im Panamera 4S von einem 3,0-Liter-V6- Biturbo (420 PS) abgelöst, der im Schnitt mit nur 8,9 Litern auskommen soll. Kritik handelte sich der 1,93 Meter breite und nur knapp 1,42 Meter hohe Langläufer wegen seiner eingeschränkten Übersichtlichkeit ein. „In der Stadt und engen Autobahnbaustellen eine echte Herausforderung“, urteilte Wolfgang Eschment. Der stellvertretende Chefredakteur lokalisierte zudem ein sirrendes Geräusch aus dem Bereich der linken A-Säule, wünschte sich ein reaktionsschnelleres Navigationssystem, lobte aber den sportlichen Charakter: „Der Rest ist purer Porsche-Fahrspaß.“ Auch Kollege Klaus Uckrow mahnte bessere Übersichtlichkeit an. Der Vize-Chefredakteur monierte: „Die Außenspiegel sind viel zu klein und erschweren das Rangieren enorm.“ Auch nach Uckrows Geschmack grübelte das Navi, das Teil des 3147 Euro teuren „Porsche Communication Managements“ (PCM) ist, eine Spur zu lange über den rechten Weg nach.

 

Porsche Panamera langstreckentauglich

Je länger der über 280 km/h schnelle Porsche Panamera seinen Dienst verrichtete, desto größer wurde die Zahl seiner Fans. Anfänglich bemängelte Eigenarten wie etwa die sehr breite, mit zahlreichen Funktionstasten gespickte Mittelkonsole erschienen mit der Zeit in milderem Licht. „Ich habe einen gültigen Führerschein, aber leider keine Zulassung für eine Boeing“, nörgelte etwa Stefan Miete, den die Knöpfchenflut an modernes Fluggerät erinnerte. Wochen später ruderte der Chefreporter zurück. „Wenn man sich daran gewöhnt hat, geht die Bedienung entspannter von der Hand. Das Nachtdesign ist in der Tat beeindruckend. Und wenn man im Dunkeln über die Autobahn gleitet, vermittelt der Panamera Business-Jet-Atmosphäre.“ Ein nötig gewordener Druck auf die Hupe zeitigte bei Kilometerstand 42.605 einen für Panamera-Verhältnisse ungewöhnlich kläglichen Laut. Technik-Redakteur Holger Ippen hielt fest: „Das Signalhorn arbeitet nur mit halber Stärke. Der Tieftöner muss ersetzt werden.“ Ein Garantiefall. Ippen war es auch, der das fabelhafte Gestühl gebührend lobte: „Zu den vielen erstklassigen Dingen an diesem Auto zählen die absolut langstreckentauglichen Sitze.“ Im vorliegenden Fall waren es die dick belederten, für 3154 Euro Aufpreis erhältlichen adaptiven Sportsessel. Stichwort erstklassige Dinge: Mit seiner großen, zum Aufpreis von 655 Euro elektrisch bewegten Heckklappe – im Rahmen der Modellpflege jetzt serienmäßig – und dem darunter verborgenen variablen Kofferraum hat der Porsche Panamera ein klares Alleinstellungsmerkmal unter den Luxus-Limousinen. Im Normalfall beträgt das Gepäckraumvolumen 445 Liter. Es kann durch Vorklappen der Rücksitzlehnen auf 1263 Liter bei dachhoher Beladung vergrößert werden.

 

Porsche Panamera als Langversion

Wie gesagt, es kann. Vor der Freude am Nutzen gilt es allerdings, die Kassette des Gepäckraumrollos zu demontieren. Der Testwagen war mit einem elektrischen Sonnenrollo für die Heckscheibe ausgestattet (476 Euro), dessen Elektromotoren in die Gepäckraumabdeckung integriert sind. Selbst für kräftige Männerarme ist der Ausbau des schweren Utensils eine Tortur. Auf der Haben-Seite steht dafür die enorme Zugkraft des Allradlers, der gebremste 2200 Kilogramm an den Haken nehmen darf. Nach einer ausgiebigen Fototour über kurvige Alpenpässe notierte das Test-Team: „Der Panamera legt eine enorme Agilität an den Tag und überzeugt mit einer sehr feinfühligen Lenkung. Traktionsprobleme kennt er nicht, und die adaptive Luftfederung überzeugt vollauf.“ mehr durchblick dank kamera Noch überzeugender wäre der Eindruck gewesen, hätte die optionale Verkehrszeichenerkennung weniger Falschmeldungen produziert. Das Satelliten-gestützte System arbeitet ohne Kamera, „erkennt“ die Zeichen also nicht, sondern ruft sie vielmehr aus hinterlegten Daten ab. Mit der Modellpflege ist die Kamera inzwischen bestellbar, der sanft geliftete Top-Porsche wird im Juli zu den Händlern rollen. Ganz neu im Programm sind eine um 15 Zentimeter gestreckte Langversion und der erste Plug-in-Hybrid der Marke, der einen 333 PS starken V6-Benziner samt Kompressoraufladung mit einem 95-PS-Elektromotor kombiniert. Je nach Fahrstil soll der Zuffenhausener zwischen 18 und 36 Kilometer rein elektrisch fahren können und im Schnitt mit nur 3,1 Litern auskommen.

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Porsche Panamera II (2016): Preis  

Panamera II ab 113.027 Euro

 

Kaum Verschleiß am Panamera

Im Lauf seines Zeitraffer-Autolebens zeigte das Interieur des Dauertestlings so gut wie keine sichtbaren Verschleißerscheinungen. Einträge zu Knistergeräuschen aus dem Bereich der A-Säulen und gelegentlichem Knarzen aus dem Armaturenbrett fanden sich dennoch in der Test-Dokumentation. Auch die aus ihrer Befestigung gerutschte Bedieneinheit für das Schiebedach beweist, dass selbst der so außerordentlich fahraktive Luxusliner nicht perfekt ist, dem Technik-Spezialist Holger Ippen bei Kilometerstand 79.913 mit gezielter Selbsthilfe ein lästiges Störgeräusch in Ohrhöhe abgewöhnte: Die Plastikeinfassung der Verriegelungs-Leuchtdiode auf der Türbrüstung konnte durch leichten Druck zur Ruhe gebracht werden. Derlei Pingeligkeiten sind nötig, denn in der Luxusklasse, die allein aus deutscher Produktion mit dem Audi A8, dem BMW 7er, der Mercedes S-Klasse und dem VW Phaeton hochkarätig besetzt ist, gibt es kein Pardon. „S-GO 3114“ ist am Ziel. Im Verlauf von 100.000 engagiert gefahrenen Kilometern verbrauchte der V8-Direkteinspritzer insgesamt 11.618 Liter Sprit im Wert von 20.796 Euro. Zusammen mit den überschaubaren Kosten für Wartung, Ölservice und Verschleißteile ergibt sich ein relativ niedriger Kilometerpreis von 0,23 Euro. Das Bild ändert sich, wenn der angefallene Wertverlust eingerechnet wird, der in der Luxusklasse stets besonders hoch ausfällt. Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) beziffert den Händlereinkaufswert mit 52.750 Euro netto. Wird dieser Verlust berücksichtigt, steigt der Kilometerpreis auf stolze 1,13 Euro. Keine Frage: Das Reisen in der Business-Class ist angenehm, hat aber seinen Preis.

 

Alle technischen Daten zum Panamera:

TECHNIK 
 PORSCHE PANAMERA 4S
MotorV8-Zylinder, 4-Vent., Direkteinspritzung
NockenwellenantriebKette
Hubraum4806 cm³
Leistung294 kW / 400 PS bei 6500 /min
Max. Drehmoment500 Nm bei 3500 – 5000 /min
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung
AntriebAllrad, permanent
Fahrwerkvorn: Doppelquerl.;
hinten: Mehrfachlenkerachse;
rundum: Luftfederung, adaptive Dämpfer, aktive Stabis; PSM (ESP)
Bremsenrundum: innenbelüftete Scheiben; ABS, Bremsassistent
Bereifungvorn: 255/40 ZR 20
hinten: 295/35 ZR 20
Felgenrundum:
9 x 20
L / B / H4970 / 1931 / 1418 mm
Radstand2920 mm
Leergewicht / Zuladung²1980/460 kg
Kofferraumvol.445 – 1263 Liter
AbgasnormEuro 5
TypklassenHP 21/ VK 29/ TK 29
FAHRLEISTUNG /
VERBRAUCH
 
0-100 km/h²5,0 s
Höchstgeschwindigkeit¹282 km/h
EU-Verbrauch¹10,8 l SP / 100 km
AZ-Normrunde²13,5 l SP / 100 km
Dauertest-Verbrauch²11,6 l SP / 100 km
KOSTEN 
Grundpreis105.292 Euro

¹ Werksangaben; ² Messwert


PREISE / UNTERHALT 
 NEUPREIS / RESTWERT
Neupreis Testwagen ¹142.920 Euro
Schätzpreis nach 100.000 km ²52.750 Euro
Neuwagenpreis heute145.002 Euro
 FIXKOSTEN PRO JAHR
Steuer406 Euro
Haftpflichtversicherung TK 21490 Euro
Vollkasko TK 291552 Euro
Teilkasko TK 29423 Euro
 TESTBETRIEBSKOSTEN
Kraftstoff: 11.618 Liter Super Plus
Preis: 1,79 Euro / Liter
20.796 Euro
Ölverbrauch 8,75 Liter
Preis: 22,60 Euro/Liter ³
198,01 Euro
Wartung, Ölservice,
Verschleißteile4
2232,22 Euro
Reparaturen-
Wertverlust90.170 Euro
Kosten pro km ohne Wertverlust0,23 Euro
Kosten pro km mit Wertverlust1,13 Euro

¹ inklusive Sonderausstattungen (37.628 Euro); ² Händler-EK nach DAT-Schätzung; ³ durchschnittl. Preis des nachgefüllten Motoröls; 4 ohne Reifen


Unser Fazit

Der „Business-Jet“ ist gut gelandet. Kein Auto im Luxussegment kombiniert besten Limousinen-Komfort und typisches Sportwagen-Gefühl so konsequent wie der Porsche Panamera. Sehr gute Fahrleistungen und seine hohe Fahrsicherheit machen ihn zum perfekten Begleiter für die Langstrecke – der Panamera hält dank des variablen Gepäckraums mehr Optionen bereit als in dieser Klasse üblich. Der Durchschnittsverbrauch von 11,6 Litern ist für einen 400 PS starken Allrad-Benziner akzeptabel. Was schmerzt, ist der enorme Wertverlust von 90.000 Euro.

Stefan Miete

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