Porsche Highlights und Neuheiten Neuer Bekannter

16.08.2010

Porsches Aufstieg ist einmalig – vom Konstruktionsbüro zum Sportwagen-Imperium. Bei allem Erfolg vergessen die Porsche-Leute nicht den Bau von Sportwagen. Der nächste 911 hat alle Gene der Ahnen, wird dazu aufregender, stärker – und sparsamer

Der neue Porsche 911 sieht aus wie ein Porsche 911, aber völlig anders“, sagt August Achleitner. Der Mann muss es wissen, er ist der Chef der Carrera-Baureihe. Man darf also auch bei der Baureihe 998, die im Herbst 2011 startet, von einem hohen Wiedererkennungswert ausgehen.

Bevor wir jetzt alles verraten, soll Porsche-Designchef Michael Mauer erklären, wie denn ein 911, dessen Motor immer im Heck sitzt, generell geformt wird. „Kotflügel höher als die Motorhaube, Lufteinlass statt Kühlergrill, die starken Schultern genau über den Hinterrädern, dazu die V-förmige Heckscheibe.“ Und seitlich, Herr Mauer? „Die typische Fluglinie.“ Dankeschön, alles verstanden.

Und was ist neu? Überraschend viel, der Sportler wirkt aufregend schwungvoller. Das liegt an den neuen Kurven der etwas weiter ausgestellten Kotflügel – Leonardo DiCaprio würde hier sofort an die heißen Szenen mit Kate Winslet denken. Da passen auch das schärfer abfallende Dach und die stärkeren B-Säulen. Der 911 wirkt deutlich geduckter, tatsächlich hat sich seine Höhe um rund zwei Zentimeter verringert. Und die Außenspiegel sind aus den Fensterecken auf die Türen abgestiegen – das ermöglicht auf der Beifahrerseite ein größeres Sichtfeld. Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer: „Mit den evolutionären Veränderungen wird der aktuelle 911 nicht zum Oldtimer.“ Radstand und Gesamtlänge sind übrigens fast identisch mit denen des Vorgängermodells. Das ist gut für die Handlichkeit, hat aber auch praktische Gründe. Denn bei Porsche kommen, weil es rentabler ist, immer mindestens zwei Modellzyklen aus einer Rohbaulinie – der 998 ist die Nummer zwei.

Start-Stopp-Automatik und neue Fahrerhilfen

Auch bei den beiden Boxermotoren ist sanfte Evolution angesagt, denn die neuen, direkteinspritzenden Sechszylinder sind gerade erst gestartet. Mehr Hubraum ist nicht geplant – es bleibt bei 3,6 und 3,8 Litern für das S-Modell. Dafür gibt es, typisch Porsche, noch ein bisschen mehr Leistung und Speed. So erstarkt der „normale“ 911 von 345 auf etwa 355 PS, die S-Version von 385 auf rund 400 PS. Und weil die Neuen noch etwas windschnittiger und leichter werden, läuft die Nullaufhundert-Show in 4,8 respektive 4,5 Sekunden (aktuell: 4,9/4,7 s), die Spitze beim S könnte von 289 auf 300 km/h steigen.

Trotzdem sollen die neuen Boxer etliche Zehntel-Liter weniger Benzin verbrauchen – die 911er bekommen erstmals eine Start-Stopp-Automatik, verbunden mit der Bremsenergie-Rückgewinnung. So könnte sich zum Beispiel die 3,6-Liter-Version mit Doppelkupplungsgetriebe (PDK) unter 9,5 Litern pro 100 km einpegeln. Im Gespräch ist auch eine obersparsame Benzin-Vollhybridvariante. Dürheimer: „Das könnten wir für Leute anbieten, die überwiegend in der Stadt fahren.“ Und die neue Bordelektronik macht neue Fahrerhilfen möglich, zum Beispiel den Tempomaten mit automatischem Bremseingriff als Abstandshalter zum Vordermann. Einen automatischen Einparkassistenten will uns Porsche aber ersparen. Wolfgang Eschment

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Vom Volkswagen-Bau zur Volkswagen-Übernahme: Die Geschichte von Porsche
Die Geschichte einer Legende beginnt Anfang des vorigen Jahrhunderts. Ferdinand Porsche sammelt im Ersten Weltkrieg Erfahrung bei der Entwicklung von Militärfahrzeugen. Erst 1931 gründet er sein eigenes Konstruktionsbüro, 1933 entwickelt er für die Auto Union einen Grand-Prix-Rennwagen mit 16-Zylinder-Mittelmotor. 1934 erhält Porsche von den Nationalsozialisten offiziell den Auftrag einen Volkswagen zu entwickeln – es ist die Geburtsstunde des Käfers.

Ein Jahr später rollt der erste Käfer für Versuchsfahrten über Stuttgarter Straßen. Während des Zweiten Weltkrieges entstehen auch drei Rennsportcoupés. 1948 erhält der erste Sportwagen mit dem Namen Porsche seine Straßenzulassung – der Porsche 356 Nr. 1. Erst zwei Jahre später beginnt Porsche mit der Serienproduktion, aber schon ein Jahr später gewinnt ein 356 in seiner Klasse das 24-Stunden-Rennen in Le Mans.

Porsche setzt bei seinen Fahrzeugen auf Sportlichkeit und besetzt damit eine Nische unter den deutschen Herstellern. 1953 feiert der 550 Spyder seine Premiere, ein reinrassiger Sportwagen ohne viel Komfort. Der 550 Spyder fährt 1956 erstmals einen Gesamtsieg bei der Targa Florio ein. Ein Jahr zuvor erlangt der Renner allerdings traurige Berühmtheit: James Dean verunglückt mit seinem privaten Spyder tödlich. 1964 kommt der mittlerweile wohl berühmteste Sportwagen in den Handel: Den 911. Ein Jahr zuvor noch unter dem Namen 901 vorgestellt, sorgt schnell für Aufsehen und wird ebenso schnell ein Verkaufsschlager. Fünf Jahre später stellen die Schwaben den kleinen als Volks-Porsche belächelten 914 mit Mittelmotor vor. 1968 gewinnt ein 911 T die Rallye Monte Carlo.

Der Rennwagen 917 ist 1970 in Le Mans siegreich. Aus den Motorsporterfolgen werden neue Ideen auch für die Serie geschmiedet: 1973 wird der Carrera RS 2.7 (Entenbürzel) mit 210 PS zum schnellsten Straßenauto in Deutschland und 1974 folgt mit dem 911 Turbo der erste Seriensportwagen mit Abgasturbolader. » zur Galerie: Porsche- Neuheiten und Historie Die Modellfamilie wächst indes weiter: 1975 bieten die Stuttgarter mit dem 924 einen preiswerten Porsche mit Vierzylinder-Frontmotor und Transaxle-Bauweise an. Drei Jahre später versucht Porsche mit dem 928 einen Nachfolger des 911 zu platzieren. Der 928 mit V8 ist ein großer, sportlicher Reisewagen, aber kein Sportwagen.

Die Folge: Der 911 wird nach wie vor verkauft, der 928 läuft 1995 aus. Kleine Sportwagen unterhalb des 911 sind bei Porsche beliebt, deshalb ergänzt der 944 den 924 ab 1981. Im gleichen Jahr sind die Stuttgarter wieder in Le Mans erfolgreich – mit einem Gesamtsieg. 1984 wird Porsche als Motorlieferant von McLaren zum ersten Mal Formel-1-Weltmeister, zwei weitere Titel folgen. Als Höhepunkt deutschen Automobilbaus gilt der 1985 vorgestellte Supersportwagen 959. 1996 läuft die Produktion des Porsche Boxster an, der den Nerv der Zeit trifft. Es soll aber noch neun Jahre dauern, bis die geschlossene Version Cayman kommt.

1996 bricht Porsche mit einer sehr langen Tradition: Der 911 wird erstmals von einem wassergekühlten Vierventil-Boxermotor angetrieben. 2002 ergänzt Porsche seine Modellpalette um einen SUV: Der große fünftürige Cayenne stellt nun die dritte Baureihe der einstigen Sportwagenschmiede. 2003 kommt mit dem Carrera GT wieder ein Supersportwagen. Diesmal mit Zehn Zylinder und 330 km/h schnell. Von dem Carrera GT werden nur 1270 Exemplare zum Stückpreis von 485 000 Euro. Porsche ist zurzeit stark aufgestellt, doch die Produktfamilie wächst weiter. Denn 2009 kommt das viertürige Sportcoupé Panamera. (hob)

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