Roadster-Vergleichstest: Porsche Boxster S gegen BMW Z4 und Nissan 370Z Porsche Boxster S, Nissan 370Z, BMW Z4

10.08.2011
Inhalt
  1. Drei sportliche Roadster im Vergleich
  2. Karosserie
  3. Fahrkomfort
  4. Motor und Getriebe
  5. Fahrdynamik
  6. Umwelt und Kosten
  7. Fazit

Viel Motor, wenig Auto, kein Dach lautet das einzig wahre Roadster-Rezept. Können BMW Z4 sDrive 35is und Nissan 370Z Roadster mit dem Dynamik-Meister Porsche Boxster S mithalten?

 

Drei sportliche Roadster im Vergleich

Kaum war in der vergangenen Saison der Nachfolger des Z4 auf dem Markt, beklagten viele BMW-Fans die SLK-isierung ihres Lieblingsroadsters. Festes Klappdach, höheres Gewicht, alles nicht so nach dem Geschmack der Dynamiker. Dennoch verkaufte sich der Neue sehr ordentlich. Was natürlich nicht heißt, dass er nicht noch mehr Leistung vertragen könnte. Der Z4 sDrive 35is ist zwar nicht der ersehnte M-Roadster, doch mit 340 PS fast genauso stark wie der alte Z4 M. Messen muss sich der Münchener mit dem ebenfalls neuen Nissan 370Z Roadster, wie das Coupé auf 328 PS erstarkt, und dem Dynamik-Urmeter Porsche Boxster S mit 310 PS. Der Mittelmotor-Roadster hat zwar in der Vergangenheit nicht jeden Vergleichstest gewonnen, die Konkurrenz jedoch auf der Teststrecke und im Slalom stets hinter sich gelassen. Auch diesmal?

 

Karosserie

Ein festes Dach ist eine feine Sache. Besonders dann, wenn es so. schnell und unspektakulär im Kofferraum verschwindet wie das des Z4. Die Nachteile der Konstruktion: Das dann noch verfügbare Kofferraum-Volumen schrumpft nachhaltig, und das Dach samt Klappmechanismus ist nicht gerade leicht. Doch auch ein Stoffdach-Roadster muss kein Leichtgewicht sein, der Nissan 370Z ist sogar noch etwas schwerer als der BMW und sein Kofferraum noch kleiner. Immerhin funktioniert das Verdeck jetzt vollautomatisch, beim 350Z musste es noch manuell ent- und wieder verriegelt werden.

Das geht beim Porsche Boxster ebenfalls vollautomatisch. Und egal, ob das Dach nun offen oder geschlosssen ist, das Laderaumvolumen bleibt gleich. Allerdings aufgeteilt in zwei Miniabteile vorn und hinten, die nur kleinteiliges Ladegut fassen. Dafür punktet der Zuffenhausener im Karosseriekapitel mit seiner bestechenden Verarbeitung und dem guten Platzangebot im Innenraum.

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Ausreichend Platz gibt es im BMW ebenfalls, der selbst mit geschlossenem Dach wegen der großzügigen Verglasung hell und geräumig wirkt. Da geht es im Nissan schon deutlich beengter zu. Zudem beeinträchtigt die massive Mittelkonsole das Raumgefühl. Die meisten Punkte in diesem Kapitel sammelt der Münchener, auch weil er die reichhaltigste Sicherheitsausstattung bietet und als einziger über eine Durchladeeinrichtung verfügt.

Der Japaner hingegen überrascht im Innenraum mit wenig hochwertiger Materialanmutung und teilweise gewöhnungsbedürftiger Bedienung. Wobei man fairerweise anmerken sollte, dass er preislich in einer anderen Liga spielt. Doch dazu im letzten Kapitel mehr.

KarosserieMax. PunktePorsche Boxster SBMW Z4 sDrive 35iSNissan 370Z Roadster
Raumangebot vorn100687064
Raumangebot hinten100000
Übersichtlichkeit70404538
Bedienung/ Funktion100788172
Kofferraumvolumen10015190
Variabilität100080
Zuladung/ Anhängelast805810
Sicherheit150819066
Qualität/ Verarbeitung200182182160
Kapitelbewertung1000469503410

 

Fahrkomfort

Früher gehörten bockharte Fahrwerke zu den obligatorischen Zutaten eines richtigen Roadsters, ebenso ein einfaches Stoffverdeck und seitliche Steckscheiben. Das ist heute zum Glück anders, auch wenn sich noch nicht überall herumgesprochen hat, dass hart nicht unbedingt sportlich und schnell bedeutet. Bei Nissan etwa. Der BMW Z4 poltert, ähnlich wie sein Vorgänger, recht unsanft über Unebenheiten, rollt laut ab und lässt seine Besatzung lebhaft am Straßenzustand teilhaben.

Damit könnte man noch gut leben, wenn die Sitze etwas besser wären. Doch die belederten, beheiz- und kühlbaren Sitze der 3100 Euro teuren „Pack“-Ausstattung sind sehr straff gepolstert und bereits für durchschnittlich große Mitteleuropäer zu klein. Dass zudem noch der Einstellbereich recht gering und das Lenkrad nicht axial einstellbar ist, hilft ebenfalls kaum weiter.

Der Z4 kann fast alles besser. Seine Federung spricht sensibler an, die Sitze sind hochwertiger und großzügiger bemessen, und selbst Großgewachsene finden eine gute Sitzposition hinter dem Lenkrad. Ähnliches gilt auch für den Boxster, dessen adaptives PASM-Fahrwerk (für 1547 Euro eine wohlfeile Anschaffung) den Spagat zwischen harter Rennstreckenabstimmung und weich anfederndem Landstraßen-Set-up exzellent meistert.

Ach ja, Roadster-Feeling: Am offensten fühlt sich der Porsche an, man sitzt recht weit hinter der Scheibe, und der Fahrtwind-Strom lässt sich mit den Seitenscheiben gut dosieren. Das geht beim BMW fast genauso gut, jedoch lässt die niedrige Windschutzscheibe lästige Verwirbelungen im Interieur zu.

FahrkomfortMax. PunktePorsche Boxster SBMW Z4 sDrive 35iSNissan 370Z Roadster
Sitzkomfort vorn15010210695
Sitzkomfort hinten100000
Ergonomie150118120108
Innengeräusche50111214
Geräuscheindruck100788072
Klimatisierung50333538
Federung leer20010810696
Federung beladen20010810696
Kapitelbewertung1000558565519

 

Motor und Getriebe

Wie hole ich aus einem Biturbo-Sechszylinder zusätzliche 34 PS? Im Prinzip ganz einfach: Ladedruck rauf, Luftzufuhr verbessert und Elektronik umprogrammiert. Dadurch steigt nicht nur die Leistung, sondern auch das maximale Drehmoment des Z4 35iS, und zwar von 400 auf 450 Newtonmeter. Beim Kickdown setzt eine so genannte Overboost-Funktion zusätzliche 50 Nm frei. Untermalt wird das Ganze von einem sonor trompetenden Klappenauspuff, der für sensible Roadster-Fahrer fast schon ein Spur zu laut ist.

Der 35iSs kommt übrigens immer mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Bei Porsche kostet die PDK-Option 2945 Euro. Für den Nissan ist eine Siebengang- Wandlerautomatik lieferbar (2100 Euro). Allerdings war die Automatikversion zum Testzeitpunkt nicht verfügbar, weshalb der 370Z als Sechsgang-Schalter antrat.

Obwohl der Boxster auf dem Papier der Schwächste des Trios ist, lässt er die beiden Roadster-Kontrahenten bei Spurt und Spitze hinter sich. Auch weil weder der Z4 noch der 370Z die offenbar etwas optimistischen Werksangaben für den Spurt von null auf 100 km/h erreichten. Noch deutlicher kann sich der Porsche auf der Autobahn absetzen: Er erreicht Topspeed 272, während es die Konkurrenz bei 250 km/h bewenden lässt.

Der Boxer gefällt auch mit seiner seidigen Laufkultur und einem sensiblen Ansprechverhalten. Dem Z4-Triebwerk sind die beiden Turbolader anzumerken, er reagiert mit leichter Verzögerung auf Gasbefehle, was allerdings nur im direkten Vergleich mit dem Porsche auffällt. Der Nissan-V6 schließlich ist durch die Hubraumerweiterung und die sonstigen Modellpflegemaßnahmen (variable Einlassventilsteuerung, neue Kolben, neue Zylinderköpfe) überzeugender denn je. Doch an die Aggregate der beiden anderen kommt er nicht heran.

Die 328 PS leiden im direkten Vergleich unter dem größten Leergewicht. Der Motor dreht nicht so leichtfüßig hoch und läuft vergleichsweise rau. Zudem konsumiert der V6 am meisten Treibstoff. Unter zwölf Liter Super Plus ist er kaum zu bewegen, während BMW und Porsche die Zwölfer-Marke nur knacken, wenn man sehr zügig unterwegs ist.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche Boxster SBMW Z4 sDrive 35iSNissan 370Z Roadster
Beschleunigung150143137133
Elastizität100000
Höchstgeschwindigkeit1501079090
Getriebeabstufung100889082
Kraftentfaltung50464840
Laufkultur100929078
Verbrauch325163167152
Reichweite259610
Kapitelbewertung1000648628585

 

Fahrdynamik

Die Dynamik-Übungen waren schon immer die Paradedisziplin des Mittelmotor-Roadsters aus dem Schwäbischen. Daran kann auch der Neue aus Bayern wenig ändern. Trotz adaptiven Fahrwerks und geschärfter Lenkung kann der BMW die Pace des Porsche nicht ganz mitgehen.

Das subjektive Fahrgefühl beim schnellen Fahren auf dem Handlingparcours bestätigt die Messwerte. Der Z4 lenkt etwas träger ein als der Boxster, untersteuert stärker und zeigt ein lebhafteres Eigenleben um die Längsachse. Im Slalom muss der Z4 auch den Nissan 370Z Roadster in Genf 2010vorbeilassen, der zielgenauer einlenkt, dafür jedoch gern mit dem Heck auskeilt. Überhaupt lassen sich der Japaner und der Münchener gern zu gefühlvollen Drifts verführen – eine Übung, die im Zuffenhausener gern mal in einem Dreher endet.

Beim Bremsen kann der Porsche wiederum punkten. Er benötigt nicht nur die kürzesten Wege, seine Bremsanlage ist zudem extrem exakt und feinfühlig dosierbar.

FahrdynamikMax. PunktePorsche Boxster SBMW Z4 sDrive 35iSNissan 370Z Roadster
Handling150110104103
Slalom100877482
Lenkung100958585
Geradeauslauf50403838
Bremsdosierung30252320
Bremsweg kalt15011310086
Bremsweg warm15011610794
Traktion100604649
Fahrsicherheit150119128115
Wendekreis20131512
Kapitelbewertung1000778720684

 

Umwelt und Kosten

Klar, wer rund 50 000 Euro für einen offenen Zweisitzer ausgibt, für den hat die Kostenfrage nicht die allererste Priorität. Die Preisgestaltung der beiden deutschen Premium-Roadster gibt einem aber doch zu denken: rund 15 000 Euro Mehrpreis (wenn man den Automatik-Aufpreis für den Nissan im Kopf dazuzählt) sind eine Menge Holz.

Zwar gleicht der höhere prozentuale Wertverlust das zum Teil aus, was aber nichts daran ändert, dass der 370Z besonders viel Roadster fürs Geld bietet. Zumal es bei Nissan auch die besten Garantieleistungen gibt. Die Unterhaltskosten des japanischen Zweisitzers liegen jedoch wieder auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Versicherungsprämien und Werkstattkosten sind praktisch auf einem Niveau mit denen des Porsche, und der 370Z beansprucht das höchste Treibstoffbudget.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche Boxster SBMW Z4 sDrive 35iSNissan 370Z Roadster
Bewerteter Preis67595100140
Wertverlust50111014
Ausstattung25161817
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50172034
Werkstattkosten20121611
Steuer10786
Versicherung40233123
Kraftstoff55262824
Emissionswerte25848385
Kapitelbewertung1000291314354

 

Fazit

Überraschung, Überraschung: Der Porsche Boxster S gewinnt diesen Vergleich knapp vor dem neuen BMW Z4 sDrive 35is. Die entscheidenden Punkte holt sich der Boxster mit seiner feinen Dynamik und den sehr guten Bremsen. Der Z4 punktet mit seinem Variodach, dem ordentlichen Platzangebot und vor allem mit seinem leistungsfähigen Biturbo-Reihensechszylinder. Dagegen hat es der ebenfalls neue Nissan 370Z Roadster schwer, außer im Preis die richtigen Akzente zu setzen.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche Boxster SBMW Z4 sDrive 35iSNissan 370Z Roadster
Summe5000274427302552
Platzierung123

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